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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-12-23 · N° 52. (23.12.1880) · p. Seite 449

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 52. (23.12.1880)
Date
1880-12-23
Page
Seite 449 (sequence 7)
Language
German
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Bedingungen zur Erwerbung des jüdischen Adelsbriefes. Ein solch' Adeliger sei auch der Verstorbene gewesen. Das Wort des Propheten Maleachi (C. 3 V. 8) scheine sich der Dahingeschiedene zur Richtschnur seines Lebens gewählt zu haben, denn „er hielt auf Recht, übte Liebe und wandelte bescheiden vor seinem Gotte." In sehr sinniger Weise schilderte Herr Dr. Goldschmidt an der Hand dieses schönen Textes das reichbewegte Leben dieses trefflichen Mannes. Der Verstorbene entstamme auch einer ächt jüd.-adeligen Familie. Zu seinen nahen Verwandten zählte er einen Juda L ö b M i e s e s s?"i, den berühmten Verfasser von rmn nxjp, D'ms 'mp!?, o'jznn rmsn u. a. m.; den bekannten Isaak Mieses in Thorn "’"J, den in der rabbinischen und kabbalistischen, wie in der philosophischen Literatur sehr bewanderten Schriftsteller, der sich durch vollendete stylistische Form in der hebräischen und deutschen Sprache auszeichnet. Auch der Verblichene, obwohl nicht der Gelehrtenzunft, sondern dem Kaufmannsstande angehörig, schrieb selbst ein vorzügliches Hebräisch und besaß außer dem reichen hebräischen Wissen auch profane Kenntnisse. Noch bis in die letzten Tage seines Lebens widmete er den Fragen der Wissenschaft, sowie der Entwickelung der Zeitverhältniffe das regste Jmereffe. Es schien, als wenn die Pflege des Wissens in dieser hochachtbaren Familie erblich sei. Religion, Wissenschaft und jüd. Leben waren in diesem Manne harmonisch vereinigt. Seine schönen Eigenschaften und Tugenden werden sich auch auf seine Hinterbliebenen vererben. So sprach ungefähr Herr Vr. G. Der Verstorbene hinterließ 6 verheirathete Kinder. Von den vier hier lebenden und in hoher Achtung stehenden Söhnen, die sich sämmtlich durch Intelligenz und religiösen Sinn auszeichnen, ist der Zweitälteste, Herr Fabius Mieses, dessen schriftstellerische Thätigkeit auf dem Gebiete der hebräischen Poesie und Philosophie wohl vielen Lesern des „Jüd: Literaturbl" vortheilhaft bekannt sein dürfte. Das Andenken an den edlen Verstorbenen, der solchen Geist als heiliges Vermächtniß seinen Nachkommen hinterlassen, kann nur zum Segen gereichen und macht den Wunsch rege: 121' imoD B. J. Oesterreich. S. Wien, 2 Dezember. (Oc.-Corr.) Heute 7 Uhr Abends hielt Herr vr. L ö w e n st e i n, Rabbiner und Prediger in Lemberg, im Bösendorfersaale einen Vortag über: Abul Hassan (Jehuda-Halevi) und Heinrich Heine. Das zahlreiche und höchst distinguirte Publikum — man bemerkte unter Anderen auch den hier weilenden Baron v. Heine-Geldern, Bruder des Dichters — folgte mit hohem Interesse dem Vortrage und unterbrach denselben häusig durch ^stürmische Beifallssalven, die theils Iler glänzenden Poesie "Jdhuda-Halevr's selbst, zu großem Theile'jedoch auch der meisterhaften Wiedergabe und Verarbeitung derselben durch den geistreichen und selbst dichterischen Redner gegolten hatten. Ein geradezu frenetischer Beifallssturm durchzitterte den großen Saal, als Redner ein von ihm vorgetragenes Gedicht Jehuda-Halem's durch einige selbstverfaßte und höchst sinnvolle Verse ergänzte, deren Gegenstand Kaiser Josef II. war, den namentlich die jüdische Bevölkerung Oesterreichs ganz besonders ins Herz geschlossen hat, wie dieß auch die vielen Berichte über die Betheiligung unserer Glaubensgenossen an der in allen Gauen Oesterreichs abgehaltenen Kaiser-Josefsfeier zur Genüge gezeigt haben. Herr vr. Löwenstein hat durch seinen Vortrag, — dessen Reinerträgniß übrigens einem hiesigen Vereine zur Verbreitung jüdischen Unterrichts gewidmet ist, — durch Erregung deS allgemeinen Interesses für Jehuda Halevi ein nicht unbedeutendes Verdienst um diesen großen Dichter erworben, und sollen demnächst auch dessen Gedichte in einer vom Redner in Aussicht gestellten Uebersetzung dem großen Publikum Gelegenheit bieten, Einblick zu gewinnen in die feurige und malerische Poesie des glühenden Spaniers. Ueber den Vortrag berichtet die „Presse" noch Folgendes: »Bei seinem Erscheinen lebhaft begrüßt, begann der Vortragende mit der Legende von dem Genius, der vor dem Höchsten eine strahlende Leyer schwang, welche alle Wunden heilt, die das Leben geschlagen» die den Balsam schafft, ehe noch die Wunde klafft, die Poesie (die nach der hebr. Sage zugleich mit dem Schwerte erfunden wurde); und eine solche Leyer schwang Abul Hassan, oder wie er in der Sprache der Hebräer heißt. Jehuda Halevi, der Dichter des Divan, der Pilger nach Jerusalem zu den Trümmern deS Tempels, wo er, wie man sagt, von einem Sarazenen erschlagen wurde. Er und Heinrich Heine, die größten Lyriker, welche das Judenthum hervor gebracht hat, haben miteinander den Witz, die Ironie gemeinsam. Es ist das kein Erbtheil der Juden, wie man sagt, nichts Angeborenes, sondern eine Waffe der beleidigten, geknechteten Subjectioität, welche es zu keinem harmonischen Ausklingen der lyrischen Stimmung bringt, welche unter den Ketten der Bedrückung witzig wird wie Shakespeare's Narren. Das Judenthum hat ursprünglich keinen stacheligen Witz, keine Spottsucht gehabt. Die Bibel und der Talmud zeigen wenig Spuren davon — Israel wurde erst das witzig st e, weil das bedrückteste Volk. Der Vortragende führte das Vorwiegen der Lyrik im Oriente auf die Unfreiheit, die Verachtung der Subjektivität, sowie die Eignung der Westens zum Epos und Drama auf das Gegentheil zurück; so sind die Polen und Russen heute die reichsten an Lyrik, aber auch die — bedrücktesten. Wien. In pietätvoller Weise wurden zum Andenken an den hundertjährigen Regierungsantritt Kaiser Joseph's II. auch in den beiden israelitischen Tempeln Wiens Festgottesdienste abgehalten. Die beiden Gotteshäuser waren wie an hohen Festtagen geschmückt. Hunderte von Flammen erhellten den inneren Raum und eine große Schaar von Gläubigen. sowie die Vorstandsmitglieder der israelitischen Cultusgemeinde wohnten der Feier bei. (Es sind uns noch aus vielen andern Gemeinden Berichte über ähnliche Festfeierlichkeiten ugegangen, die wir aber unmöglich alle wiedergeben können. Red.) Teplitz. In dankbarer und pietätvoller Weise beging die hienge israelitische Cultusgemeinde die hundertjährig e Gedenkfeier .Kaiser Josephs II. zur Erinnerung an die Befreiung der Juden durch ihn. Das Gotteshaus war wie an hohen Festtagen geschmückt, hell erleuchtet und die fast vollzählich erschienenen Gemeindemitglieder wohnten der Feier bei, die in zwar einfacher, aber doch erhebender Weise verlief. Nach Absingung eines weihevollen Psalmes hielt Rabbiner vr. Rosenzweig in beredter Weise eine eindrucksvolle und gedankenreiche Festpredigt. W. Kanitz. 5. December. (Or.-Corr) Das Andenken Kaiser Josefs II. wurde hier wie allerwärts auf die würdigste und solennste Weise gefeiert. In der Synagoge schilderte Herr vr. Friedländer die hohen Verdienste, die sich der edle Monarch um die Juden erworben. Ebenso fand in der hiesigen öff isr. Volksschule in Gegenwart der Gemeindevertretung, des Ortsschulrathes und vieler Honoratioren der Gemeinde eine erhebende Feier statt. Der Leiter der Schule, H. Binder, hielt eine der Feier, des Tages entsprechende Rede. Nach Beendigung derselben wurden einige das Leben des edlen Kaiser Josefs charaktensirende Festgedichte von einigen Schülerinnen vorgetragen. Sodann ergriff der Obmann des Ortsschulrathes Herr vr. Friedländer das Wort und hob mit besonderem Nachdrucke die Verdienste die der unvergeßliche Kaiser sich in der Erziehung der Jugend erworben hatte, hervor. Mit dem Absingen der Volksvymne schloß die schöne wie erhebende Feier. Während die Clerikalen und Czechen noch heute, trotz des fortschreitenden Zeitgeistes bemüht sind, die edlen Bestrebungen des Kaffer Josefs zu verdächtigen und zu verunglimpfen, haben die jüdischen Geistlichen fast aller Gemeinden Mährens gleichsam mit einander gewetteisert, um den denkwürdigen Tag der Thronbesteigung des „Schätzers der Menschheit" zu feiern und zu verherlichen.

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