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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-12-16 · N° 51. (16.12.1880) · p. Seite 437

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 51. (16.12.1880)
Date
1880-12-16
Page
Seite 437 (sequence 3)
Language
German
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BSRSSTOy-. ISsrivT■ .• 5wj — 487 — lasset uns offen erklären, daß wir das Verfahren derjenigen unserer Commilitonen mißbilligen, welche im Begriffe sind, für die antisemitische Agitation Partei zu nehmen. Die Unterzeichneten fordern deshalb die Commilitonen auf. mit ihnen Zeugniß dafür abzulegen, daß die Mehrheit der Berliner Studentenschaft diejenige Unbefangenheit besitzt, welche allein die geziemende ist. Gleichzeitig soll diese Unterschriftensammlung als eine Kundgebung der hiesigen Studentenschaft an Se. Magnificenz den Herrn Rector abgehen, um ihn und unsere anderen hochgeehrten Herren Lehrer zu überzeugen, daß wir stets unser Gerechtigkeitsgefühl, nicht aber versönliche Antipathien zur Richtschnur unseres Denkens und Handelns nehmen werden " | Das Comitö. Riens, stud. math., Koppenstr. 77. Alfred Fischer, «tud med., Schäferstr. 8. Herzberg, stud. rer. oat., Neue Königstr. 87. Schubert, stud. ^ur., Charlottenburg, Spreestr. 26. Fleischer, eand. Hur., Charlottenburg. Lützowstr 9. Schmilinsky stud. med., Charlottenburg, Berlinerstr. 137. Geißler, stud phil, Charlottenburg, Knesebeckstr. 2. Wolfs, stud. phil., Fennstr. 18. Spangenberg, stud. phil., Teltow er Str. 54. Kulcke, stud. phil., Tieckstr. 21. Francke, stud. med., Keffelstr. 29. Heilborn, stud. med., Breite Str. 28. I. Nordhaufeu, 4. December. Zum Abschluß ihrer anstrengenden und ersprießlichen Thätigkeit vereinigten sich gestern Abend in der Restauration „zur Hoffnung" die Mitglieder des Hauplcomit6s und der Subcomit6s der Gewerbeausstellung zu einem Schlußessen, bei dem es selbstverständlich an ernsten und heiteren Toasten nicht fehlte. Besonders bemerkenswerth war der Trinkspruch, welchenHerr Oberbürgermeister R i e m a n n auf die israelitischen Mitglieder de- AuSstellungscomitss ausbrachte, wobei er seine ganz entschiedene Mißbilligung gegen die wüste antisemitische Agitation aussprach und die auch dem hiesigen Magistrat zugemuthete Unterzeichnung der Antisemiten- Petition als eine „wahrhaft empörende" Insinuation zurückwies. Die „Rodh. Zeit." schreibt: Aus Gr.-Ehrich geht uns vom Vorstande des dortigen landwirthschaftlichen Vereins die Mitteilung zu. baß man auch dorthin die berüchtigte Juden-Petition gesandt hat, um unter den Mitgliedern dieses Vereins Unterschriten dafür zu sammeln. Der Vorsitzende dieses Vereins besaß jedoch zu viel Ehrenhaftigkeit und Toleranz, um diesen Wunsch willfahren zu können. Er sendet unS vielmehr das Original dieser Petition nebst dem Begleitschreiben, welches von dem aus der Affaire Kantorowicz zu so trauriger Berühmtheit gelangten Herrn vr. Förster herrührt, mit folgendem Schreiben zu, das verdient, in weiteren Kreisen bekannt und beachtet zu werden: „Gr.-Ehrich, den 16. Roobr. 1880. Geehrter Herr Redacteur! Anbei übersende ich Ihnen die schon mehrfach erwähnte Petition nebst Begleitschreiben betr. die Einschränkung des Einflusses der Juden. Mögen Sie dem Leserkreis Ihres geschätzten Blattes zum Nutzen und Frommen Mittheilung davon machen, um daran zu zeigen, wie weit religiöse Intoleranz führen kann. Unser Verein, der ausersehen war, die Petition mit seinem Gewicht zu unterstützen, will davon Nichts wissen und stimmt in das allgemeine Gekläff einer verführten Rotte nicht mit ein. Ein Volk, das so große Männer des Alterthums, jenen Königlichen Harfensänger und den großen Nazarener, der das Evangelium der Liebe der Welt verkündet hat, hat erstehen sehen, steht viel zu hoch in unserer Achtung, als daß wir uns hergeben sollten, dasselbe an seinen Menschenrechten mit berauben zu helfen. Mit ausgezeichneter Hochachtung Der Vorstand des Landwirthschaftlichen Vereins." Saarbrücken, 4 December. In der vorgestrigen Sitzung der Stadtverordneten ist unter dem Titel „Mittheilungen" auch die „Semitenfrage" zur Sprache gekommen. Bürgermeister Kiefer gab der Versammlung kund, daß auch ihm die berüchtigte, an den Fürsten Bismarck zu richtende von dem Hofprediger Stöcker und Genossen in'S Werk gesetzte söge« nannte „Antisemiten-Petition" zugesandt worden sei, mit der Aufforderung, in den Kreisen von Leuten aller achtbaren (?) Berufsklaffen" Unterschriften zu derselben zu sammeln. Er erklärte, daß er für seine Person diese Zumuthung auf daS Entschiedenste ablehnen müsse und forderte die Versammlung auf, sich darüber zu äußern, ob und in welcher Weise die städtische Verwaltung sich mit der Sache befaffen solle. — Rach kurzer Berathung sprach sich die Versammlung einstimmig wie folgt aus: „Wir vermögen in dem Inhalte und der Tendenz der Petition und des Begleitschreibens nur den Ausfluß eines höchst inhumanen, dem Geiste und Bildungsgrade der Zeit Hohn sprechenden und darum verwerflich.» religiösen Fanatismus zu erblicken, der lediglich geeignet ist, Haß und Zwietracht in dem deutschen Volke zu erregen. Wir weisen daher die Zumuthung, daß die städtische Verwaltung sich dazu hergeben solle, solchem Gebühren Vorschub zu leisten, auf das Bestimmteste zurück und beauftragen den Bürgermeister, der Genossenschaft, welche die deutschen Staatsbürger mit dem bezüglichen Aufrufe, wenn nicht beleidigt doch belästigt, von dieser unserer Erklärung Kenntniß zu geben." Jever, im Novbr. (Or.Corr.) Am 25. d. M. feierte die hiesige israel. Gemeinde das Fest der Einweihung ihrer neuerbauten Synagoge. Was in dieser, für die Bekenner des Judenthums so schweren Zeit diesen Akt uns besonders erhebend macht und zugleich freudig Berührendes für die Glaubensgenossen in Deutschland enthält, ist theils die rege Betheiligung unserer christlichen Mitbürger, theils die Theilnahme der Orts- und der Staatsbehörden der Stadt und des Kreises, insbesondere aber die hierbei gezeigte hohe Gnade unseres geliebten Landesherrn, Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs von Oldenburg. Infolge ergangener Einladung erschien am Tage der Einweihung der Cultusminister als Vertreter Sr. Königl. Hohert des Großherzogs, der sich vorher durch folgendes Schreiben wegen seiner Nichtbetheiligung hatte entschuldigen lassen. Oldenburg, den 22. November 1880. Auf Ihr an Seine Königliche Hoheit den Großherzog gerichtetes Schreiben vom 15/16. d. M., betreffend Einladung Seiner Königlichen Hoheit zu der am 25. d. M. stattfindenden Einweihung der neuerbauten Synagoge in Jever, habe im Höchsten Aufträge ich ergebenst zu erwiedern: Seine Königliche Hoheit lassen dem Herrn Landrabbiner und dem Synagogengemeinderath für die Einladung Höchst Ihren Dank sagen. Seine Königliche Hoheit sehen Sich zu Ihrem Bedauern an einer persönlichen Anwesenheit bei der Feier gehindert und haben deshalb mich zu beauftragen geruht, Höchst Sie bei derselben zu vertreten und der Gemeinde die lebhafte Theilnahme Seiner Königlichen Hoheit an der Vollendung des neuen Gotteshauses auszusprechen. Ganz ergebenst (gez.) Tappenbeck, Minister. An den Herrn Landrabbiner vr. Glück Hierselbst und den Synagogengemeinderath in Jever. Ueber die Feier selbst berichten die „Jeverländischen Nachrichten" : Auf die Feier der Einweihung der neuen Synagoge unserer israel. Gemeinde am Donnerstag wird gewiß jeder Theilnehmer mit Befriedigung zurückblicken. Angesichts der in einem großen Theile unseres deutschen Vaterlanves herrschenden Krankheit der „Judenhetze" war es sehr erfreulich, daß Se. Königl. Hoheit unser Großherzog durch Entsendung seines CultusministerS seine Theilnahme an seinen israelitischen Unterthanen offen Ausdruck gab. Aber auch vie hiesige christliche Bevölkerung, speciell auch die gebildeten Stände haben ebenfalls durch ihre Theilnahme an der religiösen Feier (eine beträchtliche Anzahl hat auch am Festeffen Theil genommen) bewiesen, daß sie auch für ihre jüdischen Gemeindegenoffen ein Herz haben und weit davon entfernt sind, sich von jener Seuche anstecken zu lassen, die dem deutschen Volke wahrlich nicht zur Ehre gereicht. — Der Weihegottesdieust war ein sehr erhebender auch für die christlichen Zuhörer.

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