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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-12-02 · N° 49. (2.12.1880) · p. Seite 420

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 49. (2.12.1880)
Date
1880-12-02
Page
Seite 420 (sequence 10)
Language
German
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Trauerreden, der Lehrer Le min sprach im Namen der verwaisten Gemeinde tiefempfundene Worte am Grabe. — Sein Andenken wird noch lange zum Segen gereichen! Hanau. Wie jetzt der „Hanauer Ztg." aus Hersfeld gemeldet wird, ist das Befinden des im Duell verwundeten Lieutenants v. Kaphengst ein befieres geworden, so daß begründete Hoffnung vorhanden ist, daß derselbe am Leben bleiben werde. Witten, 18. Nov. Der älteste Bürger unserer Stadt war seit Jahren Israelit, Namens Kahn. Derselbe ist heute Vormittag im hiesigen katholischen Krankenhause gestorben. Nach seiner Behauptung hätte er im künftigen Monat sein 104. Jahr vollendet. Erst die letzten Monate störten seinen aufrechten Gang und ließen ihn im Krankenhause Pflege suchen, wo er von einer Lungenentzündung betroffen wurde. Tübingen. „Gottlob, hier im Schwabenlande kennt man noch nichts von einer Judenhetze, und der erste Anfang derselben hat sich hier gleich bitter gerächt. In einer von Studenten stark frequentirten Weinwirkhschaft verkehrten am 6. November auch die Studenten Carl Grimm aus Brück in Brandenburg und Tykociner aus Warschau, jüdischer Confeffion. Während Grimm sich mit Billardspielen unterhielt, befand sich Tykociner unter den Zuschauern. Grimm, welcher auffallend schlecht spielte, gab seinem Mßvergnügen über seinen ungünstigen Erfolg in den Worten Ausdruck: „Immer muß ich dieses dämliche Judengesicht sehen, es regt mich ganz auf." Da T. dies nur auf sich beziehen konnte, so forderte er G. Letzterer, ein Corpsstudent in hohen Semestern und bereits in seinem Examen begriffen, suchte die Forderung zu verschleppen, er hätte sogar revocirt, wenn der Corps-Comment dies zugelaffen hätte. Um Maßregelungen zu entgehen, mußte er die Forderung annehmen. Man einigte sich auf Pistolm; der erste Gang blieb unentschieden; im zweiten traf den G. die Kugel seines Gegners mitten ins Herz. Tykociner stellte sich freiwillig dem Gericht, doch wurde er gegen zweitausend Mark Caution anfänglich auf freiem Fuß gelaffen. Nachträglich hat man ihn trotzdem gefänglich eingezogen. Man ist in ganz Württemberg gespannt darauf, was man mit Tykociner, der Ausländer ist, anfangen wird." Aus Insterburg vom 17. November schreibt man: Der durch die Affaire Kantorowicz - Jungfer bekannt gewordene vr. Förster in Charlottenburg hat — wie die „Inst. Ztg" berichtet — den eigenthümlichen Muth gehabt, unterm 12. d. Mts., also bereits nach jener scandalösen Affaire, im Namen des gleichgesinnten Hetz-Comit6s auch einem hochangesehenen Verein uuserer Provinz die Colportage der dreisten antisemitischen Petition zuzumuthen. Das bezügliche Schreiben ist unter Beifügung eines Exemplars der Petition an ben Centralverein für Bienenzucht im Reg.-Bez Gumbinnen, zu Händen des Schriftführers, Rentier H. Hellvusch hier, gerichtet. Das gedachte Comitd bittet darin, in möglichst großer Zahl Unterschriften von Leuten „aller geachteten Lebensberufe" zu sammeln; es sei nicht unwahrscheinlich, daß die Petition, welche an Form und Inhalt zugleich „ein Aufruf an die deutsche Nation" sein wolle, durch gehörige Vorbereitung den Charakter eines „Plebiscits" erhalte. Das Comitd werde dieselbe daher durch Herrn Förster als „Herausgeber" successive in mehr als 100,000 Exemplaren versenden, und zwar besonders an Superinlendenturen. Bürgermeistereien, landwirthschaftliche Vereine, an alle Landräthe, Oberförster, Agrarier, viele Richter, Aerzte u. s. w. Der Vorstand des Jnsterburger Vereins hat die ihm gestellte Zumuthung in der schärfsten Form zurückgewiesen. Brüx. Bei der stattgehabten Amtsinstallirung des neuen Rabbiner Tauber waren der Bürgermeister der Stadt Ritter Pehnert und die Stadtverordneten, der k. k. Bezirkshauptmann, der Kreisgerichtspräsident, Gymnasialdirector und alle Spitzen der Bevölkerung im Gotteshause anwesend Die Antrittsrede erfreute sich allgemeinen Beifalls. Uugarn. Eine freudige Ueberraschung bei Herrn Stöcker, § Marr und Genoffen dürfte die Nachricht Hervorrufen, daß in! D e b r e c z i n ein antisemitischer Eislaufoerein besteht. Die Mitglieder eines dem Eissport huldigenden Vereines, in welchem; offenbar der edle Jstoczy viele Anhänger zu haben scheint, beschloffen mannhaft, dem überwuchernden Semitismus entgegenzutreten, und so ließen sie denn bei den letzten Ausschußwahlen sämmtliche jüdische Mitglieder, die bisher dem Ausschuß angehört hatten — durchfallen. s Drohobitsch. Seit 14 Tagen werden auf dem hiesigen jüd. Friedhofe Leichen aus ihr n Gräbern aufgestört. Man vermuthet, daß ein wildes Thier das Sacrileg begeht. Allein auch der Aberglaube findet Nahrung. So will man bemerkt haben, daß, jemehr Wachen ausgestellt werden, desto mehr Gräber aufgewühlt werden. Fangnetze haben einen harmlosen Hund gefangen. (Jbri Anochi.) Rotterdam. Die hiesige Gemeinde hat das Oberrabbinat für die Hauptgemeinde und die 11 zum Ressort gehörenden £ kleinen Gemeinden, nachdem daffelbe fast 15 Jahre unbesetzt I geblieben war, wiederum ausgeschrieben. Rotterdam ist nach 1 Amsterdam das größte und einflußreichste Rabbinat Hollands. Die Seelenzahl der Rotterdamer Gemeinde allein ohne die übrigen zum Reffort gehörende Gemeinden beträgt über 6000 Paris. Seit einigen Jahren besteht in unserer Gemeinde eine Gemeindekaffe, welche von freiwilligen Jahresbeiträgen und Geschenken gefüllt wird und den Zweck hat, dem Cultus weitere Ausdehnung zu geben, diejenigen zu unterstützen, welche ihm mit Eifer und Talent dienen, besonders aber die Schulen mit Lehrern und Lehrmitteln zu versehen und wo es Roth thut, neue Schulen zu errichten. Obschon die Zahl der Beitragenden seit 1874 von 447 auf (1879) 1110 gestiegen ist und die Geschenke von 74 auf 481, hat doch die Höhe derselben einen Rückgang erfahren. Jedenfalls ist das ein Zeichen, wie auch hier die wirthschaftliche Krisis sich fühlbar macht. Paris. Herr Isidor Cahen weist auf das sich fühlbar machende Bedürfniß hin, Etabliffements zu errichten, wo zahlende Kranke und zahlende alleinstehende Greise und Greisinnen Pflege sini den, ohne den jüdischen Geist und die jüdische Küche entbehren zu müffen. Bordeaux. Eine jüdische Pensionärin (Tochter eines Herrn Dreyfus) ist neulich aus der christlichen Pension hinausgeworfen worden. Man hat wenigstens die Eltern aufgefordert, ihr Kind binnen 8 Tagen l eimzuholen. Das ist wieder einer der uns erfreulich erscheinenden Erfolge der Judenhatz. Wir haben leider viele unter uns, denen alles Nichljüdische gut, alles Jüdische schlecht ohne weitere Prüfung gilt. Daher klagen die Besitzer jüdischer Krankenhäuser, Asyle, Pensiouate: Wir haben die Anstalten und die Juden werden bei Nichtjuden untergebracht. Das wird nun hoffentlich anders werden. Sich bei Nichtjuden anbetteln, das haben viele Juden fertig gebracht — aber sich hinauswerfeu zu lassen, das dürste denn doch auch dieser Art zu starker Tobak fern! Der Jude bei Juden untergebracht — das wird die Bildung nicht verringern, das religiöse Wissen und Fühlen aber stärken. London. Der Q. C. (königlicher Rath) Herr Arthur Cohen, Mitglied des Parlamentes, ist zum Präsidenten des Loard of deputies gewählt worden. — In der Kolonie Neu-Seeland bestimmt ein neu-; lich erlassenes Gesetz, daß jüdische Gefangene nicht zur Arbeit angehalten werden dürfen am Sabbath. den 2 Tage des Neujahr, dem Jomkippur, 4 Tagen von Succoth, P iss r und Wochenfest je 2 Tage. (Warum die letzten Tage von Prffach nicht?) London, 8. Nov. Wie das „Jewisy Chronicle" mittheilt, suchen etwa hundert jüdische Familien in Rumänien durch Verwendung des RedacteurS genannten Blattes von ihren rei-

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