Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 49. (2.12.1880)
- Date
- 1880-12-02
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zur „Israelitischen Wochenschrift." Nr. LS. Magdeburg, den 2. December 1880. 11. Jahrgang. kein Land auf Gottes großer Erde besser geeignet ist, als Grand Island; eist 14 Meilen lang und im Durchschnitt 7 Meilen breit, es enthält alw c >. 59 OOO Acker Land. genug, um 600 gute Farmen zu machen. Das Land erzeugt die schönsten Früchte, z. B. Pfirsiche, die 1 Pfd pr. Stück wiegen. 1800 Pfd. Weizen zu einem Acker rc. Also wäre Herr Noah noch gar nicht so dumm gewesen, ein solches Land nufzukaufen für ca. 1 Mark deutsches Geld pro Acker, j^tzt kostet das Land 20 bis 40 Dollar pr. Acker. Nun, geehrter Herr, will ich für heute schließen, und sobald ich die ganze Geschichte und Einzelheiten aufnotirl habe, werde ich es Ihnen übermitteln. Henry Elbe. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin, 28. November. Im südöstlichen Stadttbeile wurden heute Morgen an Häusern, Bretterzäunen und Slraßenbrunnen Plakate angesunden, die einen zur Judenverfolgung aufreizenden Inhalt hatten und durch Schutzleute sofort entfernt wurden. Aus den Plakaten war nicht zu ersehen, wer dieselben veranlaßt und wo dieselben gedruckt worden sind. Polizeilicherseits sind sofort die nöthigen Schritte eingeleitet worden, um Beides zu ermitteln. — Nach der „Franks. Zeit." haben nur 2 Mitglieder des Abgeordnetenhauses, beide der comervUlven Partei angehörend, die Anti Semitenpetition unterschrieben, nämlich Stoecker und ein Herr v. Watzdorf Berlin. Der „Bossischen Zeitung" ist folgendes Schreiben zugegangen: „Der Ausschuß der Studirenden der Berliner Friedrich-Wilhelms Universität sieht sich genöthigt, zu erklären, daß er durchaus über allen pro- und antisemitischen Agitationen sieht, daß er ferner mit dem in mehreren Zeitungen genannten „Comitck" zur Verbreitung der antisemitischen Petition nicht zu identificiren ist und daß er endlich gegen die vielfach verbreitete Meinung, als ob diese Bewegung von der „gesamrnten Deutschen Studentenschaft" gebilligt werde, entschieden protestiren muß. I. A. des Ausschusses: Gustav Benn, stuck, tbeol., 1. Vorsitzender." Berlin. Gegen die Lehrer vr. Förster und 0r. Jungfer ist die Disciplinaruntersuchung eingeleitet worden. In der Person des Regierungsraths Techow ist der Commissarius des Schulkollegiums ernannt worden und hat am Sonnabend vor demselben bereits die erste Vernehmung der beiden Herren stattgesunden. Breslau. Die auf Beschluß des Magistrats vom Gymnasial-Direktor Profesior Müller gegen den Professor 0r. Fechner bei dem Königlichen Provinzial - Schulcollegium beantragte Disciplinaruntersuchung (weil Herr Fechner die benannte antisemitische Petition unterzeichnet hat und der Magi>trat der Meinung ist, daß ein Lehrer, der ein derartiges Schriftstück unterzeichnet hat, nicht in der Lage wäre, unparteiisch Schüler verschiedener Confession unterrichten zu können), ist vom Prorinzral'Schulcollegium abgelehnt worden. Charlottenburg. Die Herren Antisemiten haben abermals eine sehr kräftige und deutliche Abfertigung erfahren. Sie hatten nämlich ihre Petition auch unserem Herrn Bürgermeister zur Unterschrift eingesandt. In der letzten Sitzung des Magistrats kam diese Sache zum Vortrag und das Collegium stimmte einmüthig der Antwort des Bürgermeisters bei, welche wie folgt lautet: „An die Herren 0r. Hermann, Beck und Gen. z. H. des Hrn. vr. Förster, Leibnitzerstraße 20. Auf Ihr mir heute zugegangenes Circular, die Einschränkung des Einflusses der Juden betreffend, theile ich ihnen ergebenst mit, daß ich es ablehne, zur Unterstützung der nach meiner Auffaffung in jeder Beziehung verwerflichen Petition beizutragen. Ich verwahre mich nachdrücklichst dagegen, daß mir eine Bundesgenossenschaft in dieser Sache überhaupt nur zugemuthet werden konnte und vermag nicht abzusehen, was Sie dazu berechtigte, mich eines ebenso illoyalen und u nbesonnenen, wie irreligiösen und unmoralischen Schrittes für fähig zu halten. Der Bürgermeister Fr it s che." Coblenz, 24. Nov. Bei den jüngsten Verhandlungen des Abgeordnetenhauses ist das Wort „jüdische Preffe" öfters gebraucht worden, so daß eine Einbürgerung desselben in den Sprachgebrauch zu erwarten siebt. Was wird aber damit bezeichnet? Unter „liberaler Presse" versteht man diejenigen Blätter, welche liberale Tendenzen vertreten und daher von liberal Gesinnten redigirt werden. Der Cultuikampf hat uns eine „katholische Preffe" gebracht, Blätter, welche die Forderungen der CentrumSpartei vertreten und von katholisch gesinnten Männern, zumeist von jüngeren geistlichen Herren, geleitet werden. Jene „jüdischen Blätter" aber vertreten weder die Lehren des Judenthums, noch die Bestrebungen der Juden, — soweit nicht die Aufhebung von Beschränkungen in ihrem politischen Programme enthalten ist — sondern haben ihren unzutreffenden Namen davon erhalten, daß zufällig ein oder mehrere Mitarbeiter von jüdischen Eltern stammen. In vielen Fällen stehen diese „jüdischen Literaten" dem Judenthume noch ferner, als dem Christenthum. Man wäre gezwungen, wollte man jene Bezeichnung als richtig anerkennen, den clericalen „Gaulois" in Paris als ein Judenblatt zu bezeichnen, weil zu seinen Redacteuren mehrere Juden gehören. Wohl gibt eS eine jüdische Preffe, Zeitungen, welche die inneren und äußeren Angelegenheiten der Juden und der jüdischen Religionsgenossenschaft von ihren verschiedenen religiösen Parteistandpunkten aus vertreten und zumeist von jüdischen Theologen geleit t sind, wie z. B. die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" die „Jüdlsche Wochenschrift", „Der Israelit", die „Jüdische Presse". Diese Blätter aber haben niemals in die politischen und religiösen (nichtjüdischen) Angelegenheiten sich gemischt. Auf diese, einzig zu dem Namen „jüdische Presse" berechtigten Zeitungen sind alle die erhobenen Klagen und Vorwürfe der Herren Stöcker und Bachem u. s. f. durchaus nicht anwendbar. Gleichzeitig sei die Berichtigung gestattet, daß Herr Stöcker einem Herrn Ko Hut das Rabbinatsdiplom zu Unrecht verliehen hat. Dieser Literat ist nie Rabbiner gewesen und beruht dies wieder auf Verwechselungen, an denen die Stöcker'sche Rede bekanntlich sehr reich war. 6. Erfurt, 20. Novbr. (Or -Corr.) Am Dienstag den 16. d. M. endete in La bi sch in, Prov. Posen, der Rabbiner Mordechai Joseph Leszczynski, sein dem Dienste Gottes geweiheles Leben und nicht nur seine verwaiste Gemeinde, sondern eine sehr große Schaar von Schülern. Freunden und Verehrern ist durch das Hinscheiden dieses wahrhaft Frommen mit tiefster Trauer erfüllt. L. gehörte noch zu dem leider immer seltener werdenden Schlage der alten Rabbinen, die ihre Strenggläubigkeit nicht durch Fanatismus, ihre innige Religiosität nicht durch ketzerrichtende Reklame entweiheten. Bei äußerst kärglicher Besoldung verwaltete er 31 Jahre lang das Amt eines Bethamidraschrabbiners in Schneidemühl, 6 Jahre wirkte er in Labischin als Gemeinderabbiner. Tag und Nacht lag er dem heiligen Studium der Thora ob, ohne dabei von seiner fast asketischen Lebensweise bis zu seinem Ende abzulaffen. Dabei war er freundlich, gesprächig, theilnehmend, den Neichen ein steter Mahner, den Armen ein unaufhörlicher Geber. Zur Beerdigung am Donnerstag den 18. ha^te sich nicht nur die ganze Gemeinde, sondern auch eine sehr zahlreiche Schaar Verehrer und Freunde aus weitem Umkreise eingefunden. Die Rabbiner aus Zn in und aus Bar ein hielten