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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-11-25 · N° 48. (25.11.1880) · p. Seite 405

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 48. (25.11.1880)
Date
1880-11-25
Page
Seite 405 (sequence 5)
Language
German
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— 405 — sein ernsten Tage nur hoffen, daß es Ihnen noch vergönnt sein möge, den Sieg derjenigen geschichtlichen Entwickelung zu erleben, an deren Verwirklichung Sie selbst mitgearbeitet haben. Sollte es jedoch im Rathschluffe Gottes anders bestimmt sein, so sind wir überzeugt, daß Sie in dem Bewußtsein, das Rechte und Wahre nach Kräften angestrebt zu haben, Ihre volle Befriedigung finden werden. Mit größter Hochachtung verharren wir: Der Ausschuß der israel. Lehrer Konferenz Heffens. vr Stein-Kassel. Davidsohn-Helmarshausen. Cornelius -Rotsenburg. Gutkind-Kassel. Levi-Hofgeismar." Die Mitglieder des Provinzial Vorsteheramtes und die Aeltesten der Synagogen Gemeinde Kaffel gratulirten persönlich. Abends brachten die Zöglinge des israel. Seminars und des Waisenhauses ein Ständchen, bei welcher Gelegenheit Herr Dr. Stein Namens des Lehrer-Kollegiums beider Anstalten eine Ansprache dielt. — Möge der Gefeierte so wie zur mn? auch zur muj gelangen! Königsberg r/Pr., November- (Or.-Corr.) Mannhafte Entrüstung hat sich in Folge der jüngsten „antisemitischen" Ereignisse der Herzen der Israeliten bemächtigt und in der That scheint es hohe Zeit, daß mannhafte Thatkraft und enger Zusammenschluß der Lethargie den Platz streitig mache, die alle Schläge ins Gesicht ruhig hinnimmt. Ueber ein für die Judenheil Altpreußens wahrhaft erhebendes Werk der Einigung kann ich aus den letzten Wochen berichten. In Einmüthigkeit sind die Rabbiner Ost- und Westpreußens zusammengetreten und haben nach eingehenden Berathungen, denen in Theilnahine zu folgen mir vergönnt war, einen Verband constituirt. Gerade Altpreußen, in dem die Anhänger aller Confessionen friedlich bei einander leben — in Königsberg hat Herr Hosprediger Stöcker bei seiner jüngsten Anwesenheit über diese entente ooräiule verwunderte Augen gemacht — wird von auswärtigen Agitatoren zur Operationsbasis für ihre „Reform"-Bestrebungen gegen die „nur - Juden" erkoren. Hierher verlegen die Hallucinationen der „antisemitischen" Broschürenschreiber ja auch die jüdische Masseneinwanderung, und in der letzten Nummer der „Grenzboten" wird als die Heimath des deutschen Judenthums unser Grenzland — Samogitien bezeichnet. „Jude und Königsberger" sagte Bismarck von Johann Jakoby, als er ihn als Querulanten bezeichnen wollte — wenigstens berichtet also Herr Moritz Busch, weiland Sekretär im Büreau des Canzlers, jetzt Redacteur der officiösen „grünen Blätter", die einst K u r a n d a begründet. In einer Zeit, in der dieses Blatt den Satz wagen darf, „in der Frage des Judenthums bleibt die Gefahr lebendig, daß ein böser Tag einmal über den Geist der Völker komme" ist es herzerhebend, zu sehen, wie sich die Wächter des Judenthums, die Rabbiner, zu gemeinsamer Förderung der ihnen anvertrauten Jntereffen vereinigten. Zum 2. und 3. November waren die Kollegen von fern und nah herbeigeeilt, um im Gewerbehause zu Danzig gemeinsam zu berathen. (Wir haben über diese Versammlung in vor. Nr. nach der „Danz. Zeit." bereits berichtet und laffen hier noch einige nähere Mitlhei lungen und Ergänzungen folgen. Zunächst die Präsenzliste): Anwesend waren die zwei Rabbiner der Städte Danzig, Graudenz, Thorn, Könitz, Elbing, Dirschau, Pr. Stargardt, Neuenburg, Berent. Briesen und aus Ostpreußen die drei Rabbiner von Königsberg, Tilsit und Memel. (Die Rabbiner von Straßburg, Zempelburg und Culm fehlten entschuldigt, hatten aber ihren Beitritt zu den Beschlüssen erklärt). Zweck des Verbandes ist neben dem gegenseitigen Austausch von Erfahrungen in der Amtsverwaltung überhaupt — die Herstellung einemöglichst einheitlichen Schul- und Lehrplans für den Religionsunterricht, die Ausbildung geeigneter Lehrkräfte, womöglich durch Gründung eines eigenen Lehrerseminars und die Begründung der Institution von Wanderlehrern. Jn's Auge gefaßt wurde auch die zweckmäßige Regelung des WohlthätigkeitS- und Armen- Unterstützungswesens in den Gemeinden. Natürlich gehört allen gemeinsamen Angelegenheiten in Bezug auf die rechtliche und sociale Stellung der Bekenner der jüdischen Religion das Interesse des Verbandes. Auf Grund einer Resolution des Herrn vr. Rülf wird der Ausschluß der religiösen Parteifrage für den Verband betont. Die Resolution hat folgenden Wortlaut: „Die Versammlung erklärt, daß ihre Tendenz keine legislative bezw. reformatorische, sondern eine rein administrative, auf einheitliche Verwaltung und Gestaltung der Berusslhätigkeit ihre Theilnehmer gerichtete sei, und daß vorzugsweise die drei wichtigen Angelegenheiten: Religionsschule, Armenpflege und Glaubensvertheidigung in den Kreis ihrer Berathungen gezogen werden soll. Es wurde ferner beschlossen, daß amtirende Religionslehrer nach Beschluß der Generalversammlung auch ausgenommen werden können. (Dieselben haben jedoch kein Stimmrecht und sind außerordentlich; Mitglieder.) Der Jahresbeitrag für die Mitglieder wird auf 5 Mark festgesetzt. Eine Reihe von Zusätzen zu den Zielen der Vereinigung — einen Pensions - Fonds für Rabbiner-Wittwen der Provinzen zu gründen, einen allgemeinen Rabbiner - Verband Deutschlands im Anschluß an die Provinzial-Verbände von Posen und Pommern herbeizuführen — wird als sicherlich wünschenswertb, gegenwärtig aber als unausführbar abgelehnt. (Uns scheint gerade das Zusammengehen mit den bereits bestehenden Vereinen ähnlicher Tendenz — wir erwähnen hier des vom Berichterstatter völlig übersehenen „Vereins jüd. Cultusbeamten Mitteldeutschlands" — und das Anstreben eines über ganz Deutschland sich erstreckenden Gesammtverbandes vom echljüdischen Standpunkte aus als dringend geboten. Wir zweifeln auch nicht daran, daß dieses Ziel von allen Einzelverbänden im Auge gehalten wird. Die Ausführbarkeit durfte etwa durch Delegirte derselben in nähere Berathung zu ziehen sein. (Red.) Leipzig, 19. Nov. Nach dem Protokoll-Auszug über die beiden letzten Ausschußsitzungen des deutsch-israel. Gemeindebundes sind dem Bunde Lüneburg, Raboldhausen, Lublinitz und erfreulicher Weise auch Mainz beigelreten. Es wurde über diverse Subventionsgesuche berathen und beschlossen. Hamburger's „ReaUEncyciopädie." Wolfs's „Agende" durch Entnahme einer entsprechenden Anzahl von Exemplaren zu subvensioniren, einem Präparanden in Kaiserslautern von 1881 ab ein Stipendium aus der „Herxheimer- Stiftung" zu gewähren; einem Cultusbeamten in Ostpreußen Mk. 50 als Zuschuß zu den Eintrittskosten in die A ch a w a zu gewähren, wenn die betreffende Gemeinde den Rest von Mk. 25 leistet; einer kleinen Gemeinde in Thüringen einen Zuschuß zu den Kosten für Erlheilung von Religionsunterricht zn bewilligen. Sodann wurde der Wortlaut der Eingabe an das preußische Cultusministerium bezüglich des obligatorischen Religionsunterrichts festgestellt. Zu eingehender Berathung gab ein eingebrachter Antrag, betreffend die frivole Angabe „confeffioneller Bedenken" behufs Austritts aus der Gemeinde*) Anlaß. —Ein Entwurf zu einem neuen Circular in der Handwerksfrage in Betreff der Bildung von Berufswahl wurde genehmigt. Homburg v. d. H. (Schluß.) Der neueste Semesterbericht der Alliance Jsr. Univ. bringt einen Bericht, das russische Hülfswerk betreffend, und einen Specialbericht des Memeler Comits's. Was wird das Centralcomit6 auf diele gediegene und klare Auseinandersetzung des braven Grenz- Comitä's, das mit begrenzten Mitteln einem großartigen Nothstand gegenüber so Großes geleistet hat, erwidern, wenn dieses in allzubescheidener Weise bittet: „die seither bewilligten Mittel vorläufig wiederum auf 3 Jahre zu bewilligen?" Ich dächte, die deutsch-jüdischen Blätter und die Localcomit6's der Alliance *) Mittheilungen aus den Gemeinden über derartige Vorkommnisse, bei denen offenbar die Angabe „wegen religiöser Bedenken" nur als Aushängeschild resp. zur Verhüllung ganz anderer Motive mißbraucht «rrd dürften dem Ausschuß zur Anzeige zu bringen zu sein. (Red.)

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