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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-11-18 · N° 47. (18.11.1880) · p. Seite 392

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 47. (18.11.1880)
Date
1880-11-18
Page
Seite 392 (sequence 2)
Language
German
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392 — e insümmt? Noch ist es Zeit, der Verwirrung entgegenzutreten und nationale Schmach abzuwenden; noch kann die künstlich angefachte Leidenschaft der Menge gebrochen werden durch den Widerstand besonnener Männer. Unser Ruf ergeht an die Christen allerParteien, denen die Religion die frohe Botschaft vom F r i e d e n ist; unser Ruf ergeht an alle Deutschen, welchen das ideale Erbe ihrer großen Fürsten, Denker und Dichter am Herzen liegt. Vertheidiget in öffentlicher Erklärung und ruhiger Belehrung den Boden unseres gemeinsamen Lebens: Achtung jedes Bekenntnisses, gleiches Recht, gleiche Sonne im Wettkampf, gleiche Anerkennung tüchtigen Strebens für Christen und Juden. Berlin, den 12. November 1880. Professor Or, med. Albrecht. - Professor Df. Arndt. — 6. F. Arndt, Aeltester der Berliner Kaufmannschaft. — Professor A. Auwers, Secretair der Akad. der Wissenschaften. — Realschuldirector Dr. Bach. — Bessert, Abgeordneter und Syndicus der Berliner Kaufmannschaft. — Stadtschulrath Prof. Dr. Bertram. — Prof. Bruns, Dr. der Rechte. — Dr. Cauer, Stadtschulrath. — Ed. Conrad, Präsident der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft. — Contenius, Rechtsanwalt. — A. Delbrück, Aeltest-r der Berliner Kaufmannschaft. — G. Dietrich, Vicepräsident der Aeltesten Berliner Kaufmannschaft. — Prof. Dr. Dropsen. — Geh. Reg. Rath, Bürgermeister Duncker. — Commerzienrath Eger. — Dr. Engel, Geh. Ober-Reg.-Rath. — Ad. Enslin, Verlagsbuchhändler. — Oberbürgermeister Dr. von Forckenbeck. — Profeffor Dr. Förster, Direktor der Sternwarte. — A. Frentzel, Aeltester der Berliner Kaufmannschaft. — Df. Galleukamp, Gewerbeschuldirector. — Geh. Commerzienrath Fr Gelpcke. — Stadtältester Geseuins. — Professor Dr. Gneist. — Commerzienrath E. Hergersberg. — Herme-, Stadtrath. — Professor Dr. Hosmann, z. Z. Rector der Universität. — Professor Df. Hosmann, Gymnasialdirector. — Df. Friedrich Kapp. — Karsten, Rechtsanwalt. — Jul. Kaussmann, Aeltester der Berliner Kaufmannschaft. — G. Keibel, Aeltester der Berliner Kaufmannschaft. — Kirchhofs, Mitglied der Akade. mie der Wissenschaften. — Df. Koerte, Geh. Sanitätsrath. — H. Kochhann, Aeltester der Berliner Kaufmannschaft. — Geh. Ober-Reg.-Rarh a. D. Kieschke, Abgeordneter. — Koffla, Rechtsanwalt. — Landgerichts-Direktor Kowalzig. — Krebs, Rechtsanwalt. — Df. Kürten, Stadtverord. neter. — Laue, Rechtsanwalt. — Lesse, Rechtsanwalt. — Landgerichtsdirector Lessing. — Df. Lisco, Prediger. — Professor Dr. Th. Mommsen. — Nöldechen, Stadtrath. — P. Parey, Verlagsbuchhündler. — Hans Reimer, Buchhändler. — Geh. Medlcinalrath Reichert, Mitglied der Akademie der Wisienichaften. — Rickert, Abgeorvneter. — Runge, Stadtrath. - - Sarre, Stadtrath. — Prof. Df. W. Scherer. — Df. Schröder, Prof, der Medizin. — Schmeidler, Prediger. — Schräder, Eisenbahndirektor. — Schröder, Kammergerichtsrath. — Professor Df. Schwalbe, Realschuldirektor. — Dr. Werner Siemens, Mitglied der Akademie der Wissenschaften. — Dr. Georg Siemens, Direktor der Deutschen Bank. — E. Stephan, Geh. Commerzienrath. — Stephan, Reg.- u. Landes-Oeconomie-Rath a. D. — Struve, Abgeordneter. — Stubenrauch, Rechtsanwalt. — Df. Thomas, Prediger. — Professor Df. Birchow. — Vollgold, Commerzienrath. — Professor Df. Watteubach. — Professor Df.Weber, Mitglied der Akademie der Wissenschaften. — Df. Max Weber, Stadtrath und Abgeordneter. — Df. Wegscheider, Geh. Sanitätsrath. — von Wilmowski, Rechtsanwalt. — Zelle, Stadtsyndicus. Wir haben dieser „Erklärung" nur wenig hinzuzufügen. Es sind mannhafte, kernige Worte zur rechten Zeit, und so werden sie denn auch vom deutschen Volk in ihrer ganzen Tragweite erkannt und verstanden werden. „Die Erklärung ist — wie ein Bert. Bl. mit Recht hervorhebt — frei rott jedem phrasenhaften Aufputz; sie ist ruhig und klar. Man merkt ihr an, daß Männer, denen die Würde des Deutschen Volkes am Herzen liegt, sie abgefaßt hoben. Man wird keinem der Männer, die das Schriftstück unterzeichnet haben, eine.»?inseitige Parteinahme vorwerfen können. Persönlichkeiten der verschiedensten Berufs-Sphären haben ihre Namen unter die Veröffentlichung gesetzt und den verschiedensten Parieistellungen gehören die Unterzeichner an; streng conservative Männer haben die Erklärung unterschrieben, gerade so gut, wie solche von fortschrittlicher Gesinnung. Daneben figuriren die Namen von Männern der Wiffenschaft, die niemals mit der Politik etwas zu thun gehabt haben, und neben diesen stehen die angesehensten Aerzte und Juristen der Hauptstadt des Deutschen Reiches. Man wird von gegnerischer Seite absolut keinen Vorwurf gegen eine Erklärung erheben können, unter der sich die Namen des berühmten Geschichtsforschers Mommsen, des Astronomen Förster, des Juristen Gneist, des preußischen Historikers Dropsen und die so vieler anderer Persönlichkeiten befinden, während zugleich die berufenen Vertreter des Handels und der Industrie Berlins Schulter an Schulter mit den Männern der Wissenschaft und den Repräsentanten des Gemeinwesens der Reichshauptstadt stehen. Es ist nur zu wünschen und zu hoffen, daß, wie in der Reichshauptstadt, so auch rings in allen Gauen des großen Vaterlandes diese beredte Erklärung ein freudiges Echo und eine entschlossene Nacheiferung und Zustimmung wecke, damit Alles, was im Sinne schöner Menschlichkeit freisinnig und edel denkt und fühll, sich öiefer Kundgebung anschließe. Dann wird es auch vom Ausgange dieses Kampfes heißen, wie die Bibel uns im laufenden Wochenabschnitt von dem Kampfe mit dem „feindlichen Nachtgeiste" berichtet, der mit Jacob rang bis der Morgen anbrach: „Ich lasse dich nicht — es sei denn, du habest mich gesegnet!" Ans der Berliner Stadtverordneten- Berfammlung. Ein skandalöser Vorgang zum Kapitel der Judenhetze beschäftigte die Berliner Stadtverordneten-Versammlung am 11. November. Es handelte sich, wie die Leser durch die Zeitungen bereits erfahren, um das ganz unqualifizirdare Auftreten zweier Lehrer an Berliner höheren Lehranstalten, der Herren vr. Förster und vr. Jungfer, gegenüber einem jüdischen Mitbürger dem Herrn Eduard Kantorowicz. Nach der von dem Letzteren veröffentlichten Darstellung haben die beiden Herrn Lehrer ihrem Judenhaß während einer Fahrt in einem Pferdebahnwagen in einer so demonstrativen Weise Luft gemacht, daß die mitfahrenden Israeliten großes Aergerniß daran nehmen mußten und es zu einer sehr unliebsamen Scene im Pferdebahnwagen gekommen ist, welche damit ihren vorläufigen Abschluß fand, daß, nach dem Verlaßen des Wagens, Herr Kantorowicz den Herrn vr. Jungfer ohrfeigte. Dieser Vorfall gab mehreren Stadtverordneten Anlaß zu einer Interpellation, über welche wir nach dem „Berliner Tageblatt" berichten. „Vonden Stadtvv. Dr.Hermes, Dr.Langerhans und Genossen ist folgende Anfrage eingegangen: „Hat ver Magistrat Kenntniß genommen von den Vorgängen, mit welchen die beiven Gynasiallehrer Dr.Förster und De. I ungfer An l aß zu großem öffentlichen Aergerniß gegeben haben?" Stadtv. Dr. Hermes: Wir, die unterzeichneteten Mitglieder der Versammlung, haben uns für verpflichtet gehalten, eine Angelegenheit hier zur Sprache zu bringen, welche in der Bürgerschaft eine außerordentliche Aufregung hervorgerufen hat. Wir halten uns umsomehr verpflichret, als zwei Lehrer unseres stävtischen Friedrichs-Gymnasiums die Veranlassung zu bisher unerhörten skandalösen Vorgängen gegeben haben, wobei die Frage in den Vordergrund tritt, wie ist es möglich, daß in der Stadt der Intelligenz und Toleranz zwei Männer mit solchen sittlich unreifen Anschauungen Erzieher der Jugend sein können. Dann aber nehmen wir auch mit,Freuden hierbei Anlaß, unseren mit Recht entrüsteten jüdischen Mitbürgern zu versichern, daß wir die zeitige von einem Hofpredigerin Scene gesetzte Judenhetze verabscheuen und diejenigen verachten, welche sich an derselben agitatorisch betheiligen. Die Vertretung der Berliner Bürgerschaft ist beseelt von derjenigen Toleranz, wie sie in Leffings „Nathan" ihren unvergleichlichen Ausdruck gefunden. Sollten unter un *

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