Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 47. (18.11.1880)
- Date
- 1880-11-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 47. 1880. Israelitische »««»ili* für die religiösen »nd (oeiolen Interessen de» Jndenlhums Erscheint jeden Mittwoch! ~ , , u. kostet sammt d-mwöch - nilich erscheinenden VerantworlUchcr Rcdactcur imd Herausgeber 3ia(,6iller i)r. M. Aahmer in Magdeburg Mit direkter Zusendung: Nach Oesterreich 8 si.: nach dem Au s l a nd e: 16 Mk. (20 Frcs. __ 8 Rub. 4 Dollars) ja l> r l i ch. Einzelnummern der „Wochenschrift" a 2b Pf., de» „Literaturblatts" » IS Ps. Magdeburg, 18 November. Inserate für die „W o ch c n s ch r i f t", wie für da? „I ü- > discheLiteraturblatt", die dreigespaltene! Petitzeile oder deren Raum werden mit 35 Pf. berechnet und sind ausschließlich an die Central- Annoncen-Erpedition von G. L. Daube Äc Co., Frankiurt a. M., Magdeburg,! Berlin, Hamburg, C ö l n, München, 1 j Zürich, Wien, Paris rc. einzusenden. j Inhalt: Leitende Artikelr „Siehe, er schläft und schlummert nicht, der Hüter Israels!" — Aus der Berliner Stadtverordneten-Versammlung. Berichte nnd Correspondcnzen: Deutschland: Berlin. Erfurt. Danzig. Stettin. Beuthen O/Schl. Aus der Rheinprüvinz. Homburg v. d. H. München. Oesterreich: Wien. vermischte und neueste Nachrichten: Magdeburg Berlin. Berlin. Berlin. Berlin. Berlin. Berlin. Limburg. Rogasen. Wiesbaden. Alzey. Rußland. Petersburg. fB eil ag e:] Berlin. Feuilleton: Wie man ein „-'addik" wird! — Ein moderner „Baal- Tcfchuwa.^ — Nathaniel Rothschild und die „Alliance". — Eine verfehlte Gründung. Inserate. Wochen- November 1880.! Kisslew 5641. Kalender. Freitag .... 19! 16! Sonnabend . . 20 17 (4 u. 43 M.) Sonntag.... 21! 18 Montag .... 22; 19 1 Dienstag . . . 23 ' 20! Mittwoch . . . 24 21 Donnerstag . . 25 j 22 „Siehk^ er und schlummert nicht, der Hüter Israels!" Wenn dieses Blatt in die Hände unserer verehrlichen Leser 'gciaHy:, werden dieselben bereits mit freudiger Genngthming die „Erklärung" gelesen haben, welche sämmtliche liberale Zeitungen der Hauptstadt des Deutschen Reiches heute an der Spitze ihrer Sonntagsnnmmer bringen, jene Erklärung, ausgegangen von 74 Männern der verschiedensten Berussklassen, Zierden der Wissenschaft, des Handels und der Industrie, — und sie werden gleich uns wieder einmal die Wahrheit des Psalmenwortes, das so Vielen schon in Zeiten schwerer Sorge und tiefer Bekümmerniß Trost und Hoffnung eingeflößt, und das in der Geschichte Israels so oft wunderbar sich bewährt hat, mit dankerfülltem Herzen aufs Neue empfunden haben: S i e h e, e r schläft und schlummert nicht, der Hüter Israels! — Er erweckt zur rechten Zeit die rechten Männer, um das rechte Wort zu sprechen. Ein solches „Wort zur rechten Zeit" ist in der That die hier folgende Erklärung. «Heiße Kämpfe haben unser Vaterland geeint zu einem mächtig aufstrebenden Reiche. Diese Einheit ist errungen worden dadurch, daß im Volksbewußtsein der Deutschen das Gefühl der nothwendigen Zusammengehörigkeit den Sieg über die Stamme s- und Glaubens gegensätze davon trug, die unsere Nation wie keine andere zerklüftet hatten. Solche Unterschiede den einzelnen Mitbürger entgelten zu lassen, ist ungerecht und unedel und trifft oor Allem Diejenigen, welche ehrlich und ■ ernst bemüht sind, in treuem Zusammengehen mit der Nation die Sonderart abzuwerfen. Von ihnen wird es als ein Treubruch Derer empfunden, mit Denen sie nach gleichen Zwecken zu streben sich bewußt sind, und es wird dadurch verhindert, was das gemeinsame Ziel ist und bleibt: Die Ausgleichung aller innerhalb der deutschen Nation noch von früher nachwirkenden Gegensätze. In unerwarteter und tief beschämender Weise wird jetzt an verschiedenen Orten, zumal den größten Städten des Reichs, der Rassenhaß und der Fanatismus des Mittelalters wieder ins Leben gerufen und gegen unsere jüdischen Mitbürger gerichtet. Vergessen wird, wie Viele derselben durch Fleiß und B e ga b u n g in G e w e r b e und H a n d e l, in K u n st und Wissenschaften dem Lande Nutzen und Ehre gebracht haben. Gebrochen wird die Vorschrift des Gesetzes wie die Vorschrift der Ehre, daß alle Deutschen in Rechten und Pflichten gleich sind. Die Durchführung dieser Gleichheit steht nicht allein bei den Tribunalen, sondern bei dem Gewissen jedes einzelnen Bürgers. Wie eine ansteckende Seuche droht die Wiederbelebung eines alten Wahnes die Verhältnisse zu vergiften, die in Staat und Gemeinde, in Gesellschaft und Familie, Christen und Juden auf den Boden der Toleranz verbunden haben. Wenn jetzt von den Führern dieser Bewegung der Neid und die Mißgunst nur abstract gepredigt werden, so wird die Masse nicht säumen, aus jenem ziellosen Gerede die praktischen Consequenzen zu ziehen. An dem Vermächtniß Lessings rütteln Männer, die auf der Kanzel und dem Katheder verkünden sollten daß unsere Cultur die Jsolirung desjenigen Stammes überwunden hat, welcher einst der Welt die Verehrung des einzigen Gottes gab. Schon hört man den Ruf nach Ausnahmegesetzen und Ausschließung der Juden von diesem oder jenem Berus und Erwerb, von Auszeichnungen und Vertrauensstellungen. Wie lange wird es währen, bis der Haufen auch in diesen 5