Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 46. (11.11.1880)
- Date
- 1880-11-11
- Page
- Seite 389 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 389 — phonfe James de Rothschild, Rue Saint-Florentin 2, Baron Gustave Samuel James de Rothschild, 23 Avenue Marigny, und Baron Edmond James de Rothschild, 23 Rue Lafitte, Paris. Die Eintragungskosten betrugen 62,500 Frcs. Paris. Die sogenannte Frau De Kaulla, die Ehefrau des Obersten Jung, welche des Verrathes bezichtigt, jedenfalls aber der Unsittlichkeit überwiesen ist, stammt aus Bayern und zwar, wie „Arch. isr." treffend es bezeichnet, aus h a l b jüdischer Familie. Jüdin von Geburt, hat sie durch Taufe und gemischte Ehe sich vom Judenthume losgesagt und die Beweise um einen schlagenden vermehrt, daß von dem, was das Judenthum verliert, die Moralität nicht eben viel gewinnt. Kiew. Zum Profeffor der Augenheilkunde ist Herr Mandelstamm vorgeschlagen und dürfte seine Bestätigung baldigst erfolgen. Ein Pfund Brod kostet, wie „Hameliz" berichtet, jetzt schon 7 Kopeken und sollen bereits Todesfälle in Folge Verhungerns vorgekommen sein. _ Feuilleton. Das Gewürzbüchschen. Eine Marannengcschichte. (Schluß) Don Jos6 hatte seine Fassung wiedergewonnen. Gonzales lag zu seinen Füßen und flehte um seine Verzeihung. Der Anführer der Soldaten trat auf Don Josv zu und sagte kurz: „Herr! Ihr steht in Verdacht, heimlich ein Jude zu fein." „Ich habe gelogen!" schrie Gonzales und versuchte mit seinem Leibe Don Jos6 zu decken. Ein verächtliches Lächeln spielte um deffen Lippen. „Und welcher Beweis liegt gegen mich vor?" fragte er. „Den Beweis denken wir hier zu finden," antwortete der Gefragte kalt. Er wollte auf den Knaben zutreten, der geisterbleich noch immer die brennende Kerze in der rechten Hand hielt, während die linke in den Falten seines Gewandes steckte. „Rührt den Knaben nicht an, oder es kostet Euer Leben!" rief Gonzales. Da trat Don Jos6 zwischen Weib und Kind und sanft dem Knaben die brennende Kerze aus der Hand nehmend sagte er stolz: „Tritt her, mein Sohn, wir werden die Wahrheit zu bekennen und für sie zu sterben wissen." „Gebt das Gewürzbüchschen heraus!" rief einer der Soldaten barsch. „Oh, Vater!" rief der Knabe und wandte in großer Verwirrung seine Augen dem Vater zu. Der Vater deutete offenbar die Verwirrung > des Knaben falsch. „Ich habe nie geglaubt, daß in der Seele Alphonso Cordovero's feige Furcht wohnt!" „Vater!" rief der Knabe erschrocken, „Du thust mir Unrecht," und rasch zog der Knabe seine Hand aus den Falten seines Gewandes, öffnete sie und eine von Thautropfen schimmernde Rose lag darin. „Gott! Gott!" rief Gonzales und sank aufschluchzend in die Kniee. Die Soldaten standen ganz verblüfft da. Sie warfen einen mißtrauischen Blick auf Gonzales, stammelten einige Entschuldigungen und zogen sich zurück, ärgerlich über mißlungenes Unternehmen und beunruhigt über die etwaigen Folgen die es haben konnte. Don Jos6 und Juditha blickten in maßlosem Erstaunen auf dieses I scheinbare Wunder, daß sie sich nicht erklären konnten. So-! bald sich die Soldaten zurückgezogen hatten, erzählte der Knabe mit fließenden Worten, wie er in den Besitz der Rose gekommen. Gonzales hatte das-Gesicht auf den Boden gedrückt, bewegungslos gelauscht. Jetzt stand er langsam auf und wankte wie gebrochen zu Don Jose. „Ich muß mein eigener Ankläger sein, sagte er tonlos, ja ich wollte Euer Verderben, ich habe das Mitleid dieses Knaben geweckt, ich habe mich in Euer Haus geschlichen und um schnöden Judas-Lohn Euch verrathen. Aber die Engelsreinheit und die Güte dieses Kindes überwanden mich und mein böses Herz. Allein meine Reue kam zu spät, nur ein Wunder konnte Euch reten und Gott ließ dieses Wunder geschehen. Meines Bleibens ist nicht länger in diesem Lande, ich muß fort!" Und mit diesen Worten schritt er zur Thür. Alphonso eilte ihm nach. „Geht | nicht so von uns," bat er. „Wo wollt Ihr hin?" fragte Juditha. „Fort, fort!" lautete die Antwort, „der spanische Boden brennt mir unter den Füßen." Don Jos4 mir r,o Bewegung zitternder Stimme flüsterte in Gonzales Ohr: „Willst Du nach Holland, alter Freund?" Elektrisch von diesem Ton und dieser Stimme berührt, breitete Gonzales die Arme aus und rief: „Dahin, wo ich wieder ein Jude sein und ein guter Mensch werden kann." „Bleibe die Nacht bei uns," sagte Don Joss, „und wenn Du nach Holland kommst, sieh Dich nach einem Fleckchen Erde um, wo eine glückliche Familie ungetrübt ihrem Gotte leben kann." „Du wolltest?" Don Jos6 legte ernst den Finger auf die Lippen. Gonzales verstand ihn. Als der Morgen dämmerte, brach Gonzales auf. An seinem Busen wohlverwahrt, lag die Rose, die Don Jos4 und seine Familie gerettet hatte und die ihn jetzt als Talismann in die Ferne begleitete. Wenige Jahre später siedelte auch Don Jose nach Holland über. Hier lebte er hochgeehrt und geachtet, wie einst in seiner Heimath und durfte laut und offen dem Gotte seiner Väter dienen. In den Stürmen der Revolution, die den Niederlanden die Unabhängigkeit wiedergab, stand ein Sprößling des Hauses Cordovero in den Reihen der Freiheitskämpfer. Louise Freyhan. Der Mutter Todestag. (Jahrzeit - Elegie.) Der Mutter Todestag, es ist ein Jahr, Daß die so heißgeliebte heimzegangen, Daß ich die kalte Hand, das weiße Haar Zum letzten Male küßte, schmerzumfangen; Die theure, die für mich gesorgt, gewacht, Zu der mein Geist am Tage mich getragen. Die freundlich mir erschien im Traum der Nacht, — Ich kam zu spät, ihr „Lebewohl" zu sagen; O Gott, zu spät, zu spät! der Stuhl war leer, Dort, wo sie saß und ihre Enkel lehrte — Ich habe keine liebe Mutter mehr, . An der ich hing und die mein Herz verehrte. Für Mann und Kinder hat sie nur gelebt. Für sie gespart und bittre Noth gelitten, . Und wie ein guter Engel sie umschweb!, Und wie ein Held so kühn für sie gestritten, Die theure Mutter hat durch That und Wort Zum ernsten Lebenskampf mich vorbereitet, Ihr Bild hat mich als Talisman und Hort Bei Freud' und Trübsal überall begleitet; Drum ihrem Angedenken Lob und Ehr'! Es dient den Kindeskindern noch zum Heile. — I ch habe keine liebe Mutter mehr, In deren Arm, an deren Herz ich eile. Der letzten Worte denke ich, — sie stand, Den Segen sprechend, vor des Hauses Pforte, Sie küßte mich, sie drückte mir die Hand Und sprach die unvergeßlich — ernsten Worte: „Gott weiß allein, ob wir uns wiederseh'n, „Ich bin ja alt und muß von hinnen scheiden, „Doch kann beruhigt ich zum Vater gehn, „Ihr seid versorgt und werdet Unrecht meiden." Wie ward der Abschied mir so schwer, so schwer! (An ew'ge Trennung könnt' ich nimmer denken.) Ich habe keine liebe Mutter mehr, Zu ihr, zu ihr als Kind den Schritt zu lenken. In diesem stücht'gen Leben, was hält Stand? Erlöscht nicht Freundestreue in Gefahren? Löst sich nicht oft der Ehe heilig Band? Nur Eins wird ewig Festigkeit bewahren: Die „Mutterliebe"; ob auch um uns droht Der Weltenbau zu brechen und zu wanken, Sie kennt Gefahr nicht, kennt nicht Schmach und Noth. Nicht zweifeln, zögern, zittern nicht und schwanken; Sie ist ein Heiligthum, so hoch und hehr, — Doch ach! — ich preise, was ich nicht mehr habe: Ich habe keine liebe Mutter mehr! Die theure Mutter ruht so tief im Grabe. _ 27. Oktober 1880. H^bu-s. dm 22. Marcheschwan SmT. Dr. Moritz Katzenstein.