Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 46. (11.11.1880)
- Date
- 1880-11-11
- Page
- Seite 388 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 388 — gelassen, hat ein musikalisches Werk unter Händen, in dem der gelehrte Verfasser auch die Charakteristik des altjüdischen Synagogengesanges behandelt. Der musikalische Theil unsres Gottesdienstes ist insofern einer Umgestaltung unterzogen worden, als wir einen großen Theil der vorzüglichen „Breslauer Gesänge von Obercantor M. Deutsch" bereits zu den hohen Festen einführten. Wir dürfen diese Gesänge, die in der That einen bedeutenden Fortschritt auf dem Gebiete der Synagogenmusik bezeichnen und doch unverkennbar echt jüdisches Gepräge haben, als überaus wirkungsvoll empfehlen. Herr Dekorationsmaler Rubenson hier, wurde unmittelbar, nachdem er die Gothenburger Synagoge restaurirt hatte, nach Nora berufen, um dort die innere Ausstattung einer Kirche zu übernehmen. Die dortige Kirchenbehörde drückte dem jüd Maler ihre besondere Zufriedenheit mit seiner Arbeit aus. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin, 4. Nov. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten Versammlung nahm vorder Tagesordnung Stadtv. Diersch zu etwa folgender Ansprache das Wort: „Meine geehrten Herren! Unsere Stadt ist in den letzten Tagen aus Anlaß der Stadtverordnetenwahlen zum Schauplatz höchst bedauerlicher Vorgänge gemacht worden, bedauerlich um so mehr, als sie gerichtet sind gegen einen Mann, den zu den Unseren zu zählen, wir uns zur ganz besonderen Ehre schätzen. Meiner Ansicht nach, und ich glaube darin Ihre Zustimmung zu sinden, ist diese Art der Behandlung communaler Angelegenheiten eine durchaus tadelnswerthe und unwürdige. (Sehr richtig!) Was unsere persönliche Stellung zu dem gekränkten Manne betrifft, so ist dieselbe dekaunt; zum Ueberfluß gestatten Sie mir, hier öffentlich zu konstatiren, daß unser Kollege und Vorsteher Hr. vr Straßmann nach wie vor unsere vollste Sympathie besitzt." (Lebhafter Beifall.) Vorsteher Dr. Straßmann: „Ich danke Ihnen herzlich und werde mich bemühen, Ihr Vertrauen auch fernerhin zu verdienen." Berlin, 2. Novemb. Am Montag früh erschienen große rothe Zettel an den Anschlagssäulen, die wie folgt lauteten: „An die Wähler des 33. Communal-Wahlbezirkes. Jeder anständige freisinnige Mann bekämpft die verderblichen Umtriebe einer gewiffen Partei. Wählet keinen Juden!" Diese drei letzten Worte waren mit kolossalen Lettern gedruckt. — Viele Personen umstanden die Säulen und sprachen in lauter Weise ihre Entrüstung aus. — Das königl. Polizeipräsidium ließ die Zettel sofort von den Anschlagssäulen durch Schutzleute entfernen. Berlin. Der Vertreter der Berliner Disconto-Gesellschaft, Herr I. Freymark, der sich in voriger Woche in finanziellen Angelegenheiten seines Instituts in Petersburg aufhielt, wurde auf das dortige Paßbureau gerufen, woselbst er seinen Paß mit einem Vermerk versehen zurückerhielt, welcher lautete: „Der preußische Unterthan, Jude Isidor Freymark, hat nicht das Recht in Petersburg zu verweilen." In Spandau ist am letzten Sonnabend die neue Synagoge eingeweiht worden Die in Breslau jüngst verstorbene Frau G. Kempn er, hat letztwillig der hiesigen Corporation ein Legat von 2400 Mark überwiesen, deren Zinsen an ihrem, wie an den Todestagen ihrer verstorbenen Kinder, an Arme vertheilt werden. Danzig, 2. November. Heute tagten hier diverse Rabbiner von O st- und W e st p r e u ß e n, um ein Statut zur Gründung eines engeren Verbandes zu berathen. Daffelbe wurde in 2 Sitzungen zu Ende berathen, und angenommen. Als nächster Versammlungsort wurde Thorn ausersehen. Näherer Bericht folgt. Aus Westfalen. Die Marks - Haindorf'sche isr. Lehrerbildungsanstalt in Münster hat in den 55 Jahren ihres Bestandes 270 Schulamtscandidaten ausgebildet. Zum Erwerbe eines eigenen Gebäudes für das Seminar hat Herr Rittergutsbesitzer Löb 15,000 M. unter der Bedingung bestimmt, daß das Fehlende durch freiwillige Gaben 'aufgebracht werde.! Herr H. Jtzig von Münster hat 500 M. zu diesem Zwecke geschenkt. Hoffentlich wird es an Männern unter Israels Reichen nicht fehlen, die zur Ausführung dieses Werkes namhafte Beiträge spenden. Cassel. Herr Landrabbiner vr. Adler begeht am 10. d. M. seinen 70. Geburtstag. (Mit dieser Nachricht geht uns soeben ein im Druck erschienener hochintereffanter Vortrag des greisen Verfaffers zu: „Die Bedeutung des Effäerbundes in der fortschreitenden Culturentwickelung der Menschheit",-den wir in einer spätern Nr. besprechen werden. Möge der hochverehrte Jubilar noch recht lange als Zierde seiner Gemeinde, des modernen Rabbinerthums und der jüd. Wiffenschaft in Rüstigkeit des Wirkens und Schaffens erhalten bleiben, i'ff'ö'y. — Red.) * Bremen. In den nächsten Wochen wird eine Massenauswanderung rumänischer Juden über Bremen stattfinden. Ungefähr 700 Familien mit ca. 3000 Köpfen beabsichtigen ihre Heimath zu verlaffen und nach Amerika überzusiedeln. Die Unterhandlungen wegen der Beförderung durch den Norddeutschen Lloyd sind bereits abgeschloffen. Nürnberg. Unser Rabbiner Herr vr. Lewin hat sich entschloffen, sein Amt niederzulegen und nur der jüd. Wiffenschaft zu leben. Zürich, 5. November. Die Befürchtung, welche der gesch. Recensent der Stern'schen Broschüre in voriger Nr. des „Jüd. Literaturblattes" ausgesprochen, hat sich leider schnell erfüllt. Der hiesige Thierschutzverein eröffnet wieder die Campagne gegen die Schechita, nachdem die hier erscheinenden „Thierschutzblätter" leider Gottes jetzt in der Lage sind, urbi et orbi lriumphireud zu verkünden, daß sogar rabbinische Gutachten vorliegen, welche die Abschaffung des rituellen Schächtens verlangen! Der hiesige Rabbi- « ner vr. K i s ch ist mit allen Kräften bestrebt, den Sturm zu beschwören. (Hoffentlich gelingt ihm dies auch; wir stellen ihm bereitwilligst unser Bl. zu diesem Kampfe zu Gebote. Daß neben dem Buttenhäusler, jüngst beurlaubten Stern auch der Frankfurter jüngst 70 Jahre alt gewordene Stein als intellectueller Urheber dieser Hatz gegen die altbewährte jüd. Institution des Schlachtens figurirt, ist sehr betrübend und wirft einen Schatten auf seine Jubiläumsfeier. Red.) Rom. Beider 16. Ausstellung nationaler Lehrmittel hat das „Asyl der isr Kinder" hier eine silberne Medaille erhalten. Rotterdam. Es dürfte für die Leser der „Wochenschrift" nicht uninteressant sein, zu erfahren, daß das Abgeordnetenhaus in Haag den Antrag auf Wiedereinführung der Todesstrafe mit großer Majorität abgelehnt hat. London. Der Präsident des Board of Deputies, Herr Joseph Mayer Mont ifi ore, Neffe von Sir Moses, starb am 9. October. Er war seit 1849 Mitglied des Board und hat sehr viel für die unterdrückten Glaubensgenossen gethan. Alle isr. Schulen, Asyle und Waisenhäuser Londons waren bei der Beerdigung am 13 October vertreten und bekundeten so die Dankbarkeit der Armen. - Paris Unter den 3 Vorträgen, welche bei der jüngsten Generalversammlung der Athens oriental gehalten wurden, war der eine über die Bewohner Syriens von Herrn Josef Hal6vy und der zweite über die Fortschritte der Assyriologie von Herrn Julius Oppert. (Arch. isr.) Paris. Durch notariellen Act vom 14. October ist die Dauer der Handelsgesellschaft Rothschild Fröres, welche am 3V. September d. I. abgelaufen war, bis zum 30. Septbr. 1905 verlängert worden. Das Gesellschaftsoermögen ist auf 50 Millionen Francs normirt und vertheilt sich mit je einem Drittel auf folgende drei Gesellschafter: Baron Mayer Al-