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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-11-11 · N° 46. (11.11.1880) · p. Seite 387

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 46. (11.11.1880)
Date
1880-11-11
Page
Seite 387 (sequence 5)
Language
German
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— 387 — sei, insbesondere seit der erläuternden Erklärung der Hamburger Polizei jeder Grund zur Versagung der Bestätigung weggesallen." Dieser vorläufigen Entscheidung ist die Kgl. Regierung trotz der Duplik des Vorstandes treugeblieben und hat sie auf sieben Schreibseiten eingehend motivirt. (Schl, f.) Aus Rheinhessen, 25. Oct. (Or.-Corr.) Vergangenen Samstag wurde in unsrer Gegend ein Fest gefeiert, das. wenn auch eigentlich nur dem Familienkreise angehörend, doch auch für die Oeffentllchkeit nicht ohne Bedeutung ist. weil es zeigte, daß das Wirken und Streben auf geistigem Gebiete Gottlob noch Anerkennung und Achtung findet. Herr I. Klingenstein, Lehrer in Ober-Ingelheim, feierte nämlich am genannten Tage das Fest der silbernen Hochzeit. Verwandte und Freunde aus Nah und Fern waren herbei, geeilt, um dem körperlich rüstigen und geistig frischen Ehepaar ihre Glückwünsche darzubringen, und das Eintreffen schriftlicher und telegraphischer Begrüßungen wollte kein Ende nehmen. Es galt ja nicht allein, das Jubelpaar als solches zu begrüßen, sondern Herrn K. zu zeigen, daß man sein Wirken für S ch u l e und L e h r e r st a n d, sowie ffür verschiedene gemeinnützige jüd. Interessen zu würdigen wiffe Außer den verschiedensten mitunter kostbaren Geschenken von den Schülern und Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde Ober Jngelheim, von Verwandten und Freunden wurde ihm von den Frauksnrler Verwaltungsmitgliedern der „Achawa" — welcher Verein, wie ja bekannt, dem Jubilar seine Ent stehung verdankt — ein prachtvolles Geschenk übersandt. — Der Vorstand des Deutsch'israelitischen Gemeindebundes in Leipzig überraschte ihn durch eine kalligraphisch ausgezeichnete Zuschrift, in welcher die VerdiensteK's. gebührend anerkannt sind.*) Am folgenden Tage erschien Herr Or. Salfeld, Rabbiner in Mainz und überreichte dem Jubelpaar im Namen nahestehender Freunde einen äußerst geschmackvoll gearbeiteten, mit einer Inschrift versehenen Pokal mit einer herzlichen Ansprache. Abends fand der Jugend zu Ehren ein Ball im Klin genstein'schen Hause statt. Möge es dem Jubelpaar vergönnt fein, in eben solch körperlicher und geistiger Gesundheit auch eine goldene Hochzeit zu feiern! Oesterreich. Wien. Das traurige Beispiel, das man in Berlin durch gehäffige Intoleranz gegeben, scheint leider auch in anderen Städten Nachahmung zu finden. Aus Wiener-Neustadt wird nämlich Nachstehendes geschrieben: Der hier seit Jahren in sehr geordneten Verhältniffen lebende und allseitig geachtete Manufaclurwaarenhändler Adolf Sonnenfelv, aus Ungarn gebürtig, ist bei dem hiesigen Stadtrath um die Erlheilung der Zuständigkeit eingeschritten und ungeachtet der Zustimmung des gesummten Stadlrathes und der wärmsten Befürwortung von Seiten des Referenten in der letzten Gemeinderathssitzung auf den Antrag eines Profeffors mit vierzehn gegen dreizehn Stimmen abweislich beschieden worden, weil, wie der molivirte Antrag lautet, „der Petent ein Jude ist." So geschehen zur Illustration der auch von der jüd. Bevölkerung freudigst begrüßten Toleranz-Jubelfeier des großen Kaiser Joseph Anno 1880. Der Vorstatld der israelitischen Cilltusgemeinde in Wiener-Neustadt wird gegen diesen Gemeinderathsbeschluß, welcher der zweiten Stadt in Niederösterreich wahrlich nicht zur Ehre gereicht und eine flagrante Verletzung der Staatsgrundgesetze bedeutet, einen Protest an das Cultusministerium einbringen. (Wie wir nachträglich erfahren, ist der Antrag stelleude und Ausschlag gebende Professor ein — Czeche.) Eibeuschitz. (Or.-Corr.) Unser Rabbiner, Hr. Or. Tauber, folgte am 31 Oclober einem Rufe nach Brüx als Rabbiner und Religionslehrer. Die hiesige Gemeinde überhäufte den Scheidenden mit Ovationen. In der decorirten Schule wurde der Rabbiner als Obmann des Ortsschulrathes in Lied und Wort gefeiert und wirkte das aus dem Herzen eines warmen Schulfrei»»- *) Es gebricht uns an Raum, den Text) der Adreffe und sonstige Gedichte hier abzudrucken. (Red.) des kommende Abschiedswort tief auf das Gemüth der o;rfammelten Jugend und der Honoratioren der Gemeinde. Als Ehrengeschenk wurde ihm ein prachtvoller silberner T lfelaufsatz von einer zahlreichen Deputation, geführt von dem verdienstvollen Bürgermeister Herrn Hermann Singer, überreicht. Eine Reihe von Equipagen gab:n Sr. Ehrwürden das Ehrengeleit bis Branitz Der Abgang des Or. Trüber wird hier allgemein tief bedauert. Troppau, 27. Oct. (Or.-Corr.) Der Kaiser von Oesterreich, der Erlöser der österreichischen Juden von tausendjährigem Drucke, beglückte seine schlestsche Bevölkerung mit einem 7lägigen Aufenthalte, vom 17. bis 23. d. M. Auch der hiesigen. Israel. Cultusgemeindeoertretung wurde das Glück zu Theil, unter Führung ihres Rabbiners, Herrn Or. Blüh, sich Sr. Majestät vorstellen zu dürfen. Der Herr Rabbiner wurde von Sc. Majestät huldvollst empfangen. Der gütige Monarch nahm die Huldigung und auch den nach jüd. RituS ertheilten Segen, sowie den Dank, daß die österreichische Judenschast unter der glorreichen Negierung Sr. Majestät die Gleichberechtigung mit allen Staatsbürgern des Reiches erhalten hat, insbesondere buldvollst auf. Der Kaiser erkundigte »ich eingehend über die Verhältnisse der Cultusgemeiude und entließ den Rabbiner und die Gemeindevertetung mit den liebevollen Worten: „Ich freue mich sehr. Sie hier bei Mir zu sehen." Dem Herrn Rabbiner Or. Blüh wurde auch die Ehre zu Theil, zur Hoftafel zugezogen zu werden. Schweden. Stockholm, 28. October. (Or.-Corr.) Die in Deutschland seit einiger Zeit in Scene gesetzte Judenhatz mit ihrer unsauberen Literatur hat auch uus mit einem ihrer giftigen Erzeugniffe bedacht. Vor Kurzem nämlich erschien :hier in schwedischer Uebersetzung eine der bekannten Schmähschriften von Marr oder Treitschke, versehen mit einem Vorworte, das den deutschen Ursprung des Machwerkes nicht verläugnet, aber hinzufügt, daß all' das über die Israeliten Gesagte auch volle Anwendung auf unsre schwedischen Juden finde. Glücklicherweise fehlt hier der Boden für diese theils lächerlichen, theils bubenhaflen Angriffe; der Charakter der Schweden ist nicht empfänglich für solch' giftige Vorurtheile gegen einen Theil ihrer Mitbürger, die sich der Gleichberechtigung so würdig gezeigt haben. Wir können mit Fug behaupten: das noch hier und da etwa bei uns bemerkbare „Rrschus", ist einzig und allein von den vielen hier eingewanderten Deuschen i m p o r t i r t; in keinem der hies. unzähligen Vereine — mit Ausnahme der deutschen — zeigt sich auch nur die geringste Spur confessionellen Vorurtheils. Zu dem vor einiger Zeit für den Hosprediger Or. Lundberg zu Ehren seines 80. Geburtstages stattgehabten Feste waren auch mehrere unserer jüd. Gemeindemitglieder geladen und erschienen, worüber der Jubilar in einem Toaste seine besondere Freude zu erkennen gab. Einer der jüd. Gäste, Hr. Or. Lamm, betonte in gewohnter geistreicher Weise das gute Einvernehmen der verschiedenen Confeffronen und sagte unter Anderem: „In den schwedischen Bibeln befindet sich zwischen dem alten und neuen Testamente nur ein Blatt, dieses durch allgemeine Menschenliebe und wahrhafte Toleranz auszufüllen wäre die Aufgabe unserer Zeit, die in unserm Lande bereits sehr glücklich gelöst sei." Dieser Tage erschien im Buchhandel ein umfangreiches Werk über Polizeiwesen, verfaßt vom Herrn Polizeiintendanten S. Rubenson, Sekretair unserer Gemeinde. Das Werk ist das Resultat einer auf Staatskosten unternommenen Studienreise und wird einstimmig von der Presse als eine hervorragende Arbeit gerühmt, als das Beste, was hierzulande auf diesem Gebiete erschienen. In der diesjährigen Kunstausstellung bemerkte man auch mehrere von der Kritik sehr günstig beurtheilte Oelgemälde von Profeffor Saloman und Herrn Hirsch. Herr Saloman, der sich nach dem Ableben seiner berühmten Gattin, der Sängerin Nisch-Saloman, hier nieder«

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