Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 46. (11.11.1880)
- Date
- 1880-11-11
- Page
- Seite 385 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Boren und erreichte somit nur ein Alter von nicht 50 Jahren. Wenn eS ihm aber auch nicht vergönnt war länger zu wir» ken und zu schaffen und riß das unerbittliche Geschick den Meister auch zu früh aus der Werkstatt frohen Schaffens, dennoch wird über Generationen hinaus bis in die fernsten Geschlechter die Thätigkeit Oppler's unvergessen bleiben und daher sein Andenken gesegnet sein für alle Zeit. M a x We i n b e r g. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Magdeburg. Die „Magdeb. Ztg.", ein Blatt, das in Bezug auf das Leben und die Bewegung innerhalb der pro testantischen Kirche eine sehr geachtete Stimme hat, schreibt: „Man sollte meinen, daß dem christlich socialen Agitator Herrn Stöcker nachgerade die Augen darüber aufgehen müßten, wie unvereinbar solche Vorgänge, wie sie in den letzten Versammlungen der von ihm geleiteten christlich-socialen Arbeiterpartei sich zugtragen haben, mit der Würde und dem Ansehen des von ihm bekleideten Pfarramts sind, und noch dazu in so ausgezeichneter Stellung, wie die siinige es ist. Das in der letzten Versammlung von einem Mitgliede dadurch gegebene grobe Aergerniß, daß der Festzug in Köln als eine „Judenmaskerade" bezeichnet werden durfte, wird durch eine Zurücknahme dieses Ausdruckes, zu der sich Dr. Polakowsky verstehen mußte, in keiner Weise beseitigt, zumal Herr Stöcker sich gemüßigt sah, hinzuzusügen. „daß dieser Gegenstand mehr als nölhig in der Presse Staub aufgewirbelt habe." Die Preffe hat einfach ihre Schuldigkeit gethan, indem sie einen solchen, leider unter der Mitwirkung evangelischer Geistlicher geübten Unfug in gebührender Weise gekennzeichnet hat. Aber kaum war diese Angelegenheit erledigt, so wurde die christlich-sociale Versammlung von Neuem der Schauplatz des wildesten Tumultes, wie aus allen Berichten übereinstimmend hervorgeht, und zwar diesmal in unvermeidlicher Folge der Anmaßung, mit welcher Herr Stöcker sich für befähigt und berechtigt hält, j.de Frage des socialen und volkswirthschaftlichen Lebens in den Bereich seiner Beurtheilung beziehungsweise Verurtheilung zu ziehen, gleichviel, ob er dazu competent ist oder nicht. Als nun gar Herr Stöcker sich zu den leidenschaftlichsten Ausfällen gegen die Gewerkvereine und deren Selbsthilfe fortreißen ließ, als er dieselben „die Rekrutenbataillone der Fortschrittspartei in Berlin nannte, als er den Atheismus" als zu den Grundsätzen der Gewerkvereine gehörig bezeichnete, durch den an sich schon jede Nächstenliebe ausgeschloffen werde, da steigerte sich der Tumult zu einer solchen Höhe, daß die Versammlung geschloffen werden mußte. — Wir fragen jeden Unbefangenen, ob es eines Geistlichen würdig ist, an solchen Vorgängen überhaupt, sei es auch nur pasiiv, sich zu betheiligen, geschweige denn, dieselben durch sein persönliches Auftreten und Eingreifen mit herbeizuführen. Vermag Herr Stöcker durch die Theilnahme an solchen Versammlungen das Ansehen seines Standes für die Dauer noch zu wahren? Hält sich Herr Stöcker zur socialen Agitation für berufen, so ziehe er seinen Talar aus und widme sich ganz seinen volksbeglückenden Bestrebungen; aber Beides zusammen ist unvereinbar." Berlin, im October. (Or.-Corr.) Ich freue mich, Ihnen die Mittheilung machen zu können, daß die jüdische Waisenerziehungsanstalt in Jerusalem am 30. September endlich eröffnet worden ist. Wie Ihnen bekannt, ist die Absicht des Vereins, zunächst für die Kinder von Aschkenasim zu sorgen, durch den Unverstand der fanatischen Führer vereitelt worden, so daß der Verein sich genöthigt gesehen hat, für jetzt nur Kinder von Sefardim aufzunehmen, und zwar mit Zustimmung des neugewählten Chacham-Baschi der sefardischen Gemeinde. Man darf sich indeß der Hoffnung hingeben, daß man sich auch bei den Aschkenasim bald davon überzeugen wird, daß allgemeine Bildung und Anhänglichkeit an den väterlichen Glauben nicht so unverträglich sind, wie jene Fanatiker meinen oder zu meinen vorgeben. Es bedarf wohl kaum der Versicherung, daß a l l e Einrichtungen des Waisenhauses darauf berechnet sind, die Kinder gewissenhaft und streng nach den Vorschriften des traditionellen Judenthums zu erziehen, daß die Zeiten des Gebetes, die Vorschriften bei Einnehmen der Mahlzeiten (Waschen und Tischgebet), sowie über die Feier der Sabbathe und Festtage genau inne gehalten werden. Die Anstalt steht unter Leitung des Dr. Herzberg, dem (und dessen Frau) die Verpflegung. Erziehung und Leitung der Kinder übergeben ist; neben ihm fungiren unter seiner Verantwortung noch zwei Lehrer und ein Jnspector, dessen Wohnung unmittelbar an den geräumigen und lustigen Schlafsaal der Kinder stößt, die demnach bei Tage wie bei Nacht unausgesetzt beobachtet werden können. Unter den Unterrichtsgegenständen steht oben an die Kenntniß der heiligen Schriften und grammatische Kenntniß des Hebräischen, neben diesem die Erlernung des Arabischen als der Landessprache. In dem Umstande, daß die Kinder sefardischen Eltern entstammen, also des Deutschen unkundig sind, ist es begründet, daß das Deutsche nicht sofort Unterrichtssprache, sondern vorerst nur Lehrgegenstand ist. Es soll indessen von Anfang an darauf hingewirkt werden, daß die Waisen in die deutsche Sprache eingeführt werden und eine deutsch-nationale Bildung erhalten, was natürlich nicht ausschließt, daß auch noch ander, europäische Sprachen, zumal das Französische, in den Lehre plan ausgenommen werden. Ich werde nicht ermangeln, Jhnenwenn es Ihnen erwünscht sein sollte, fortlaufende Berichte über den Fortgang des Unternehmens einzusenden.* *) 'Aber freilich knüpft sich daran auch die Bitte, für eine umfassende Unterstützung des Unternehmens die Stimme zu erheben. Es ist keine Ausgabe gescheut worden, um die Anstalt auch in ihren kleinen Anfängen als eine Musteranstalt für orientalische Schulen hinzustellen. Dazu bedarf sie aber der lebhaften und andauernden Unterstützung Aller, deren Herz an der Hebung des Cultuszustandes unserer Brüder im heiligen Lande hängt. Möchte es endlich zur allgemeinen Ueberzeugung werden, daß die großen Summen, die alljährlich aus frommer Intention nach Palästina wandern, bisher nur dazu gedient haben, den Bettel, den Ruf nach immer größerer Unterstützung, und mit ihm die U n w i s s e n h e i t und den F a n a t i s m u s zu steigern. Möchten doch unsere Brüder, deren Herz und Hand für die Bewohner des heiligen Landes geöffnet sind, einsehen, daß nur ein verbesserter Jugendunterricht dem langjährigen Schaden, an dem das Land krankt, abhelfen kann; daß jeder Pfennig, der für Bildungszwecke verwendet wird, ein Saatkorn ist, das einst freudig und zukunftsreich aufgehen wird. — Fast gleichzeitig mit der Eröffnung der Waisenanstalt in Jerusalem hat der Verein in Berlin eines seiner würdigsten Mitglieder durch den Tod verloren. Herr G. H. Heymann ist am 19. October im Alter von 78 Jahren gestorben. Durch wahre Herzensfrömmigkeit und einen unbegrenzten Wohlthätigkeitssinn nahm er eine hervorragende Stellung in der Berliner Gemeinde ein, bekleidete die höchsten Gemeindeämter und sah sich erst mit zunehmendem Alter genöthigt, seine gemeinnützige Thätigkeit mehr und mehr einzuschränken. Dem „Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" gehörte er sett dessen Bestehen als „Stifter" an und der Vorstand des Vereins wird es als seine Pflicht erkennen, den betreffenden Vorschriften des Statuts genau nachzukommen.**) Möge ein .) Berichte über den Fortgang dieser nach Ueberwindung so vieler Schwierigkeiten nunmehr eröffneten ersten, von deutschen Glaubensgenossen gegründeten jüd. Waisenerziehungsanstalt in Jerusalem werden uns selbstverständlich stets willkommen sein. Wir »weife! n auch Nicht, daß für dieses überaus wohlthätige Institut nunmehr auch dre Spenden reichlicher fließen werden. In Holland hL bereits em Conntö von hochangesehenen religiösen Männern einen warmempfundenen Aufruf zur Unterstützung deS „Berliner Vereins »ur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" erlaßen Red * ) 8 Z der Statuten des „Vereins u. s. w. lautet - Dieienia'en welche dem Verein eine Schenkung oder ein Vermächtniß von 150(?M.' machen oder bereits gemacht haben, sollen unter der Bezeichnung: S tif-