Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 46. (11.11.1880)
- Date
- 1880-11-11
- Page
- Seite 384 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ein wirklicher Sprechsaal, wo alle öffentlichen jüdischen Angelegenheiten ausgetragen und durchgesprochen werden. Aber die Beschwerlichkeiten, welche die jüdische Presse bietet, ist nicht die Ursache der Benutzung der politischen Ta« gespreffe. Denn die Presse richtet sich nach dem Bedürfniß des Publikums gern und bereitwillig. Vielmehr ist der Grund ein unschöner Zug, daß man die inneren Angelegenheiten gern auf die Straße trägt, damit man von den Christen gehört werde, dort Ehre und Beifall finde und mit dieser Macht verbunden seinen jüdischen Gegner beschäme und so an den Pranger stelle. Dies ist ein großer Mangel an Selbstgefühl, welcher uns Alle herabsetzt. Welche Ehre verdient Jemand, der seine Familienangelegenheiten, seine häuslichen Geheimnisse am Biertische preis gibt? Das ist auch eine Art mny 'H'z. Ist denn wirklich der Christ ein competenterer Richter als das jüdische Publikum, ist diese öffentliche Meinung wirklich so tief mit unserm Fühlen verwachsen, daß sie in unsern innern Angelegenheiten uns fördern und helfen kann. Nein, bis jetzt nicht. Da ist mehr Freude als Schmerz, wenn wir uns streiten, da ist mehr Ekel als Entrüstung, wenn wir uns bekämpfen, da ist Hohn, über das was uns heilig ist und Kälte für das, was uns die edelste Begeisterung warm empfinden läßt. Ein Sprichwort sagt: Die Denunciation beachtet man, den Denuncianten verachtet man. Wenn ein Rabbiner in einer Gemeinde für den Scheitel eine glühende Rede hält, geht das die christliche Welt etwas an, ist sie competent zu beurtheilen, ob das Frömmigkeit oder Schwärmerei oder Aberglaube oder sonst was Anderes ist? Wenn ein Rabbiner eine Orgel oder sonstige CultuSreformen einführt, geht das den Christen etwas an, versteht er, ob das erlaubt oder verboten ist? Aber Eins versteht er, daß wir uns zanken, daß wir uneinig sind, uns beleidigen und „mechallel ha-Haschem“ sind, den „jüdischen Namen" entweihen. Jetzt aber brauchen wir Einigkeit im Innern, einen guten Namen nach außen, darum halte ein Jeder auf Wahrung der Ehre und Makellosigkeit des jüdischen Namens! Baurath Edwin Oppler Ln Hannover. (Schluß.) Ueber Oppler's große Bedeutung für die Veredelung des Kunstgewerbes mögen die Auslassungen eines competenten Beurtheilers, des Assessors Jugler hier eine Stätte finden. Derselbe schreibt darüber im Hannov. „Wochenblatt für Handel und Gewerbe" Nr. 37: „Es ist nicht der Ort hier, auf die Bauthätigkeit O's einzugehen, oder dessen Verdienste als Architekt zu würdigen; es ist vielmehr allein seine Stellung zum Kunstgewerbe, welche hier hervorgehoben werden muß. Seine Bauten sind zahlreich genug, nicht nur hier in Hannover, sondern weitaus zerstreut im ganzen deutschen Lande, sie sind öffentliche Denkmale, welche der Architekt sich setzt und welche für ihn reden, welche sein Denken und Empfinden, die Schönheit seines innern Schauens der Mitwelt offenbaren, der Nachwelt überliefern, es sind Zeugnisse des schöpferischen Geistes, die auf der Gasse liegen, vor Jedermanns Augen. Es giebt aber noch eine andere Seite der Thätigkeit des Architekten, die sich weniger öffentlich dokumentirt, eine solche, die sich nicht dem Aeußern des Gebäudes zukehrt, sondern dem Innern, die darauf ausgeht, das Haus uns zu schmücken und zu verschönern, die uns ein trautes Heim bereiten läßt. Hier ist ein unendlich weites Reich; an tausend Dingen kann sich die Gestaltungskraft bewähren, und all die Geräthe, dis Utensilien des täglichen Leben-, auf denen der Blick stündlich ruht, die s uns so oft durch die Finger gleiten, sie können zu Gebilden l der Kunst werden. Damit ist aber ein Gebiet bezeichnet, auf ) dem Oppler Meister war, auf dem wir ihn eben so sehr, twenn nicht mehr, bewundern als den Architekten. Es ist das l ein Gebiet, auf dem der unendlich viel und mit Freudigkeit geschafft hat. Hier offenbarte sich so recht seine gestaltungs- : reiche Phantasie, die fast spielend die Entwürfe hervortreten; ließ; aber wir erkennen auch seine bedeutende Kenntniß der technischen Hülfsmittel der Arbeit, sein Verständniß für die; Bildsamkeit des Materials, wodurch die schwierige Aufgabe , allein gelöst werden konnte, die Anforderungen des modernen! Lebens zu vereinigen mit der Formenschönheit früherer Zeiten. Sein liebevolles Umfassen der Kunstschöpfungen der alten Kleinmeister eröffnete ihm ein besonderes Verständniß für die Art ihres Schaffens, er verstand es, selbst den Volkshumor, den die alten Handwerker in ihre Arbeit übertrugen, zu erfassen; sein vielfacher Verkehr in den Werkstätten lehrte ihn die Kunstgriffe kennen, mit einfachen Mitteln künstlerische Wirkungen zu erzielen und den Werken der Hand geistiges Gepräge zu leihen. Diese Thätigkeit, die Kunst in die Gewerbe einzuführen und durch die Gewerbe das ganze Leben künstlerisch, reicher und innerlicher zu gestalten, hat er vielfach als die eigenste Aufgabe seines Lebens hingestellt. Und viel ist es. was er darin geleistet hat. Ueberaus zahlreich sind die Hauseinrichtungen, die er geschaffen; vorzugsweise, und überall da, wo es ihm gestaltet war, seinen eigenen Intentionen frei nachzugehen, in dem Formengewande der Gothik, dabei aber meist originell und den Bedürfnissen einer den Komfort liebenden Zeit leicht und zwangslos sich anschließend. Doch auch die Formen der Renaissance beherrschte er mit seltenem Geschick. Er hat versucht die Anschauung, das Stieleinrichtungen steif, unpraktisch und theuer si >d zu bekämpfen. Mit welchem Glück er diese Richtung verfolgt hat, zeigte u A. in öffentlich anerkannter Weise die Hannoversche Gewerbeausstellung von 1878. Der Einblick in das freundlich anheimelnde Oppler'sche Zimmer wird noch in Aller Erinnerung sein, die es in Augenschein genommen haben. Wenn es ein hohes Verdienst der Hannoverschen Architekturschule genannt werden muß, zur Entwicklung des Gewerbes beigetragen, die Handwerker angeregt zu haben, nach Stilzeichnungen zu arbeiten und Empfindung für das Stilistische der Arbeit erweckt zu haben, so muß hier neben dem Meister Haase der Name Oppler's in erster Linie genannt werden. Welche reiche Fülle von Arbeit hat er den Gewerben geschaffen, wie viele Entwürfe sind aus seinem Atelier hervorgegangen, wie viele Schlösser, Villen und reiche Privathäuser sind gefüllt mit Arbeiten, die das Gepräge dieses Geistes tragen. Nur die außerordentliche Geschäftsgewandtheit neben der künstlerischen Begabung konnten es möglich machen, die vielseitigen Schwierigkeiten, welche sich der Ausführung theils seitens der Bauherren, theils seitens des ausführenden Gewerkes entgegenstellten, so geschickt zu beseitigen, um in der kurzen Zeit weniger Jahre das Alles ins Leben zu rufen. Ungeachtet seiner zeitraubenden Thätigkeit fand Oppler dennoch Zeit, sich an den literarischen Arbeiten zu betheiligen. Die von Seiten des Ingenieur- und Architekten-Vereins zu Hannover herausgegebenen „Beiträge der Kunst in den Gewerken" waren seit 1872 unter die Redaction Oppler's gestellt und in erneuter Gestalt unter dem Titel „Kunst im Gewerbe" erschienen. Ja die erschienenen Bände verdanken ihren Inhalt fast seiner alleinigen Thätigteit. Vergönnte ihm seine vielseitige Thätigkeit auch nur wenig Muße für diese Arbeit, so hat er doch mit besonderer Liebe, mit der Zähigkeit, die ihn überall auszeichnete, und selbst mit Opfern unter schwierigen Verhältnissen daran festgehalten und die Herausgabe, soweit es möglich war, fortgesetzt. Ein reicher Schatz künstlerischer Entwürfe ist darin für das Kunstgewerbe niedergelegt." Oppler war im Jahre 1831 zu Oels in Schlesien ge-