Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 46. (11.11.1880)
- Date
- 1880-11-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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v t 7>y :a > «r ■ t 46. 1880. Israelitische s?»'«««? Wochen-Zchrift für die religiösen und soeialen Interessen des Judenthums. \fj\V Erschrint jeden Mittwoch u. koslet sammt dem wöchentlich erscheinenden „I üdischen Lileraturblatt" bei allen P o st ämtern und Buchhandlungen vierteljährlich S Mark. Mit direkter Zusendung: Nach Oesterreich 8 st.; nach dem Auslände: 16 Mk. (20 Frcs. 8 Rub. 4 Dollars) jäbrlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" ä 25 Ps-, d«S „Literaturblatts" k 15 Pj. Verantwortlicher Redacteur und Herausgeber Rabbiner vr. W. Kahmer in Magdeburg. -#• Magdeburg, 11. November. Inserate für die „W o ch e n s ch r i f t", wie für das „I ü» discheLiteraturblatt", die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum werden mit SS Pf. berechnet und sind ausschließlich an die Central- Annoncen-Expedition von G. L. Daube & Co., Frank, urt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris ,c. einzusenden. Inhalt: Leitende Artikel r Das Judenthum in der politischen Tagespresse. — Baurath Edwin Oppler. Berichte «nd Correspondenzenr Deutschland: Magdeburg. Berlin. Kassel. Aus Beuthen. Aus Rheinhessen. Oe st er reich: Wien. Eibenschütz. Troppau. Schweden: Stockholm. vermischte und neueste Nachrichten: Berlin. Berlin. Berlin. Spandau. Breslau. Danzig. Aus Westfalen. Cassel Bremen. Nürnberg. Zürich. Rom. Rotterdam. London. Paris. Paris. Paris. Kiew. Feuilleton r Das Gewürzbüchschen. — Der Mutter Todestag. Inserate. Wochen- November 1880. Kisslew 5641. Kokender. Freitag .... 12 9 Sonnabend . . 13 10 am (4 u. 51 M.).l Sonntag.... 14 11 Montag .... 15 12 Dienstag . . . 16 13 Mittwoch . . . 17 14 Donnerstag . . 18 15 Das Judenthum in der politischen Tagespresse. Viel haben wir in dem letzten Jahre über die feindliche Sprache geklagt, die in der Tagespresse an vielen Orten über das Judenthum in beleidigender, verleumderischer und entehrender Weise in Anwendung gebracht wurde. Und noch jetzt haben wir uns bald gegen den groben Steinwurf der Kaplanspresse und der Winkelblätter, bald gegen die feinen Pröjectile der geübten Artillerie der Salonliteratur, bald gegen die gefahrvollen Wurfgeschosse der Elitetruppen der Wissenschaft zu vertheidigen. Dem Einen ist die Racennatur an uns zuwider, dem Andern sind wir zu mächtig, dem Dritten sind wir zu irreligiös, dem Vierten wieder zu bigott, dem Fünften zu idealistisch, dem Sechsten zu realistisch; kurzum man sagt uns alle, selbst die sich widersprechendsten schlimmen Eigenschaften nach. Aber auch das Juden t h u m selbst, die Religion, welche wir bekennen, welche sich auch in ruhigeren Zeiten genug zu wehren hat, wird jetzt vielseitig geschmäht. Bald sind es die mittelalterlichen Melodien vom Rational- und Rachegott, bald die moderneren vom heidnischen Gott des Lichtes, welche Fanatismus oder Radicalismus aufspielen, bald die Phrasen vom Ceremonienthum, vom verknöcherten Satzungswesen, mit denen man das traditionelle Judenthum, bald die Redensarten von hohler Freigeisterei und pietätsloser Zerstörungs sucht, mit denen jede Neuerung verhöhnt wird. Und merkwürdig ist es. daß selbst solche Vorurtheile, welche durch die moderne Forschung nicht nur widerlegt, sondern für Jedermann klar in ihrer Nichtigkeit dargestellt worden sind, immer wieder wie die Pilze aus dem faulen Boden der Unwissenschaft und dem Giftsamen des Hasses emporwuchern. Immer noch ist das Bild, welches selbst der gebildete Christ vom Judenthume hat, das Vorbild, welches der vorurtheilsvolle christliche Jugendunterricht und die gepflegte Unwissenheit in den Seelen zuerst geschaltet haben. Ein Verständniß für das Judenthum ist selten zu finden. Was ist da zu thun? Die Frage ist schon oft besprochen worden. Uns liegt es heute daran, auf einen großen Hebel» stand hinzuweisen, der u n s s e l b st zur Last gelegt werden muß Und welches der sein soll? Wir meinen nicht die verschiedenen unschönen und unedlen Thaten einzelner Juden, welche leider uns Allen aufgebürdet werden. Nein, wir meinen vielmehr die seit einigen Jahren eingerissene Unsitte, jüdische cultuelle Angelegenheiten, das heißt, innere Streitfragen in politischen Blättern zu veröffentlichen und dort zur Erörterung zu bringen. Was ist gewöhnlich die Ursache hiervon? Etwa das Bedürfniß, seine Meinung den Juden, den Gemeindemitgliedern, mitzutheilen. Dazu sind ja die jüdischen Blätter da. „Aber diese werden nicht von allen Juden des Ortes gelesen!" Nun dann kann man dieselben ja in Separatabzügen als Flugblätter circuliren laffen. Vor Allem man kann ja dahin wirken, daß gewisie jüdische Zeitungen in der Gemeinde verbreitet sind. „Die jüdischen Zeitungen erscheinen aber nur einmal wöchentlich und es thut oft Noth, sofort seine Stimme zu erheben." So dringend find selten die Fälle, daß das Einzelne nicht acht Tage warten könnte. Aber selbst in dringenden Fällen könnten Flugblätter auch hinreichen. „Das ist aber zu kostspielig!" Nun dann benutze man nur die jüdischen Zeitungen fleißig, es wird sich dann auch lohnen, dieselben öfter erscheinen zu lassen. Ein Muster könnte uns Deutschen hierin die englische jüdische Presse sein, insbesondere das „Jewish Chronicle". Das ist