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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-11-04 · N° 45. (4.11.1880) · p. Seite 380

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 45. (4.11.1880)
Date
1880-11-04
Page
Seite 380 (sequence 6)
Language
German
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— 380 — den soll. ES wird beantragt, das Vermögen deS Vereins nach dessen Auflösung einem neuzugründenden israelitischschweizerischen gemeinnützigen Unternehmen von der größten Wichtigkeit zufließen zu lassen, nämlich zur Gründung eines Vereins zur Errichtung eines „Israelitischen Asyl- und Waisenhauses" in der Schweiz. Mailand. Die hiesigen Journale heben in ihren Berichten über den Besuch des ehemaligen Khedive von Aegypten, Jsmael Pascha, und seine Fahrt zum Comer See mit sichtbarer Beiremdung hervor, daß er fast beständig von Israeliten begleitet wurde, und daß er selbst bei Einigen derselben zu Tisch geladen war. Jsmael Pascha hat von früher her Beziehungen besonders zu dem Commandeur Herrn Levy und zu dem Hause Basevi. Außerdem ziehen die Orientalen es vor, bei Juden zu wohnen und zu speisen, der koscheren Küche wegen. Constantinopkl. Die Alliance-Schulen konnten nicht alle schulpflichtigen Kinder aufnehmen. Daher fanden die Miffionsschulen noch immer ein reiches Feld für ihre Bestrebungen. Um dieser Schmach ein Ziel zu setzen, fordert der Verein „Hachemla" vom Großrabbiner einen Beitrag aus dem Consistorialfonds zur Begründung von Schulen. Derselbe wurde bewilligt und 2 Schulen begründet, die unter Aufsicht eines Comilü's stehen,! welches den Namen Mephiz hadath wehaskala (Verbreiter | des Gesetzes und der Bildung) trägt. Vorsitzender dieses s ComilL's ist Herr Salomon Fernandez. 300 Kinder (Knaben und Mädchen) sind dadurch den Missionsschulen entzogen worden. Rio-Jantiro Außer in P a r a hal's bisher in ganz Brasilien keine Synagoge gegeben Jetzt haben die Franzosen auch hier eine — aber sie sind zu exclusiv. Deshalb versammelten sich Polen und Nusien an den hohen Festen besonders, und haben Seier. Schofar und Gebetbücher sich aus der Heimath schicken lassen. An Zahl wären die Juden genügend, eine Gemeinde zu bilden, aber der Jndifferentismus oder gar der unreligiöse Sinn ist zu stark. Callutta. Von der Karawane der Israeliten, die nach Balky gekommen, und über welche alle Zeitungen berichtet haben, ist noch zu erwähnen, daß die 200 Theilnehmer hochgewachsene Männer sind (dem „Ausland" zu gefälliger Beachtung) und durchweg geschickte Schützen, theils mit dem Bogen, zumeist aber mit Flinten bewaffnet. — In Afghanistan leben mindestens 100000 Juden. Die Willkürherrschaft ist auch für sie nicht erfreulich. Sie bejahen Kopfsteuer, und denen, welche nicht zahlen können, werden Weib und Kind abgepfändet Während dcs Krieges gegen England wurden ihre Lasten und Leiden gesteigert und ersehnen sie die Engländer als Befreier. (Hamaggid.) Feuilleton. Das Gewürzbüchschen. Eine Marauuengeschichte. (Fortsetzung) Arglos waren Don Jos6 und seine Gattin ihren sabbatblichen Beschäftigungen nachgegangen. Nach außen verrieth nichts, wie tief und innig die Seele dieser Menschen im Judenthum wurzelte. Und wenn ja einer der Diener irgend etwas l Auffälliges bemerkte, ja wenn man auch zuweilen aus dem Kiosk ein seltsames Geräusch vernahm, das die Nähe von Menschen anzeigte, so waren doch alle zum Schlöffe Gehörigen der Familie zu treu ergeben, um je einen Verdacht an Ketzerei aufkommen zu lassen. Die Hitze war am Sabbath sehr groß gewesen Frau Juditha hatte sich in die innersten kühlen Gemächer zurückgezogen und auch Don Jos6 hatte das Haus nicht verlassen. Alles athmete erquickt auf, als am Abend ein starkes Gewitter die unerträgliche Hitze ein wenig , zu lindern begann. Es war sehr dunkel geworden und die grell aufflammenden Blitze ließen die unmittelbar darauf folgende Finsterniß noch unheimlicher erscheinen. Die kleine Familie hatte sich wieder im Wohnzimmer zusammengefunden und Don Joss schickte sich an, den AuSgang des SabbathS in alt gewohnter Weise zu begehen. Da klopfte es leise an die Thür, ein alter, treuer Diener steckte den Kopf herein und sagte zögernd und sehr verlegen: „Herr, seltsame Gestalten treiben sich vor dem Schloßthor umher, es war mir, als ob ich bei dem Scheine des Blitzes —" der Alte verstummte. Don Jos6 runzelte leicht die Stirn, „so geh' doch hinaus und frage sie, was sie wollen." „Oh, ich möchte das Thor nicht öffnen," stammelte der Diener. „Und ich möchte jetzt nicht gestört sein!" rief Don Jos6 ungeduldig. Alfonso erbebte und er hätte doch nicht sagen können, wo vor. Als aber jetzt der Vater sich an ihn wandte und ihn beauftragte, das Gewürzbüchschen aus dem Kiosk zu holen, erschrak der Knabe heftig, daß der Vater nicht ohne Spott fragte: „Fürchtest Du das Gewitter da draußen? mein Sohn? Weißt Du. nicht, daß wir überall in Gottes Hand stehen?" Alfonso raffle sich auf, er trat durch die Thür, die geradewegs in den Garten führte und schritt beherzt über den Rasen. Die dichten Rosenbüsche verbreiteten einen betäubenden Duft. Die Wangen des Knaben glühten, sein Kopf brannte, es sauste ihm vor den Ohren. Eine unsägliche Angst hemmte seine Schritte; aus der Dunkelheit schienen geisterhafte Gestalten aufzutauchen und ihm den Weg zu versperren. Unschlüssig blieb er sieben. „Der Vater wird schelten," murmelte er, „ohne den Duft des Gewürzes kann er ja die heilige Handlung nicht begeben, ich muß das. Büchschen holen." Er raffte seinen Muth zusammen und li f eine kurze Strecke weiter. Ein greller Butz zuckte auf, Alfonso schlug entsetzt die Hände vor's Gesicht. „Gott! ich kann nicht weiter", rief er, „weht der Hauch Gottes denn nur aus dem Dufte des Gewürzes? Hat es der Vater nicht selbst gesagt, daß er uns allüberall, selbst in dem Dufte der Blumen, entgegenweht? Ach, lieber Gott, verzeih' mir's, wenn ich eine Sünde thue." Und durch den Entschluß ermuthigt, sprang der Knabe zu dem Rosenbusch, brach eine halboffene Blüthe und rannte wie ein flüchtiges Reh wieder dem Hause zu. Er fand Vater und Mutter sorglos und ruhig am Dsche. Don Jos6 hatte den Becher mit Wein gefüllt und reichte die eben entzündete Wachskerze dem wieder eintretenden Knaben. Die Kerze flackerte unruhig in der bebenden Hand, während sich die andere Hand im Wamse des Knaben vergrub. Der Vater hatte die ersten Worte gesprochen, als man lärmende Stimmen im Corridore vernahm; die Thür wurde aufgeriffen und auf der Schwelle stand ein Mann, aus deffen Antlitz Angst, Reue und Entsetzen sich furchtbar malten. „Rettet Euch! rettet Euch!" stieß er heraus und versuchte die Thür vor den Nachstürmenden zu schließen Don Josv taumelte wie vom Schlage getroffen zurück. „Gonzales!" Bei diesem Namen stieß Alfonso einen gellenden Schrei aus. Juditha stand blaß und hochaufgerichtet vor ihrem Knaben, als wolle sie, wie eine Löwin ihr Kleinod verteidigen „Barmherziger Gott, rettet Euch doch", rief Gonzales, indem er sich mit übermenschlichen Kräften gegen die Thür stemmte, um sie zu schließen. „Zu spät!" kreischte er und im nächsten Augenblicke stürmten mehrere bewaffnete Diener der Inquisition in das Zimmer. (Schluß folgt.) Chajim Pro stak. Historische Erzählung aus der Entstehungszeit des Chassidismus. Eine wahre Grschichtk «us der;wkite« Hätstr des 18. Jahrhunderts von A. S. Weiß mann. (Schluß.) Das Pfingstfest war abgelaufen, aber Jaslowiec hatte noch immer ein festliches Aussehen. In den räumlichen Propinationslokalitäten wurde freie Tafel gehalten. Die Armen verfehlten nicht, den vollsten Gebrauch davon zu machen, denn die Getränke wurden ihnen unentgeltlich verabreicht. Dabei fehlte auch die Musik nicht. Ester wollte an dem Tage ihrer Freude, wie weiland ihre Namensschwester, da sie dem persischen Könige Ahasveros die Hand reichte, auch den Armen Freude bereiten. In Esters Haus rvar die Elite der Gemeinde versammelt. Keine Musik, keine ausgelassene Lustigkeit, auch

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