Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 45. (4.11.1880)
- Date
- 1880-11-04
- Page
- Seite 379 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 379 — und damit zur Volkssprache der Juden Palästinas zu erheben, weiter reden! Jerusalem. Herr Louis Heimann aus Plymouth, regt im „Jew. Ehronicle" die Frage au, wie es mit der Hinterlassenschaft des reichen Pinto (Pineda) stehe. Tiefer war 1787 gestorben und sein in den „Memorabilia Judaica von Sainto" gedrucktes Testament enthält den Passus: „Der Regierung gebe ich 10 (in „Chawazeles" 10 Tausend, ist wohl ein Druckfehler?) Tonnen Geld (jede Tonne ä 100,000 Florin) als Darlehen, zu 3°/». welche sie alljährlich an die in Jerusalem wohnenden Juven zahlen soll. Das Capital bleibt ewiges Eigenthum der Regierung. 1) Werden diese Zinsen noch gezahlt? Und wenn nicht, giebt es ein Mittel, die holländische Regierung zur Zahlung derselben anzuhalten? — Die türkische Regierung hat allen Provinzen und Städten die Erlaubniß ertheilt, 1/iQ ihrer Einnahmen (mit Ausnahme des Einnahmezolles rc.) zur Verbesserung der Schulen und für öffentliche Arbeiten zu verwenden. — Die Zeitungen in Constantinopel sprechen sich sehr heftig gegen die Einwanderung der Jesuiten aus. — Die Wittwe des Rabbiner Meier Auerbach ist seit Montag den 13. Sept., an welchem Tage die schwache Greisin auf dem Oelberg zum Besuch der Gräber ging, verschwunden. Man befürchtet entweder Mord oder Sturz in eine Felsenspalte. Bisher haben alle Nachforschungen noch kein Resultat ergeben. Amerika. New - York. Das amerikanische Judenthum hat in der letzten Zeit zwei Illustrationen erhalten, welche die angeneh meren Farben, mit denen die neu erwachende Thätigkeit auf dem Gebiete des Unterrichts und der wissenschaftlichen Forschung wir die große Wohlthätigkeit die jüdischen Verhältnisse schmückte, empfindlich trüben. — Die Schaare Tefillah Synagoge hatte keine günstigen finanziellen Verhältniffe zu verzeichnen. Was thut man? Da werden Reformen im Gottesdienste eingeführt, um das Geschäft zu heben. — Herr Rabb. Dr. Hirsch war in Louisville angestellt; ein inniges Verhältniß verband ihn mit seiner Gemeinde, seine Anstellung wird erneuert, seine Stellung verbessert und in tiefer Rührung verspricht der Rabbiner bei dieser Gemeinde zu bleiben. Kaum sind einige Wochen vergangen, so verbreitet sich das Gerücht, Herr Rabbiner vr. Hirsch habe eine Anstellung in Chicago angenommen, die besser dotirt war. Und in der Thal war die Nachricht wahr. Große Aufregung entstand in der Gemeinde zu Louisville, nicht darüber, daß der Rabbiner eine andere Stelle annahm, sondern sein Wort nicht hielt — um des Geldes willen. Solche Zustände sind allerdings sehr betrübend, daß man so die Religion zur Waare, zur Geschäftsspeculation herabdrückt, Treue und Geunnung dem Gelds opfert, und zwar in solchen Kreisen, kann der Rest von Idealismus von Selbstlosigkeit nicht zu besserer Entwickelung bringen. Es treten freilich ähnliche Zustände überall auf, aber in so craffer Form sind ihrer wenig zu verzeichnen. Die Achtung vor dem Rabbinerstande und die Ehrfurcht vor den Religionsgesetzen werden auf solche Weise bedenklich erschüttert. vr. Wise macht neue Vorschläge zur Regelung der Rabbinatsstellungen, es ist aber nicht zu erwarten, daß die amerikanischen Gemeinden in seinen Vorschlag willigen werden, eine Art Jury in dem Gemeindebunde zu etabliren. Hier sitzt der Schaden, wie es scheint, tiefer. Es ist der Geschäftssinn, die Gewinnsucht, welche die edelsten Glieder erfaßt hat. — Doch gehen wir zu Erfreulicherem. Da haben wir zuerst auf die Rede hinzuweisen, mit welcher der Repräsentant Cox im Repräsentantenhause für die unterdrückten Juden in Marocco, Rußland und den Donauländern eingetreten ist. Ein warmes Herz und eine begeisterte Sprache, ein fleißig gesammeltes Material und tiefdurchdachte Gedanken zeichnen die Rede aus und werden sie nicht nur für die amerikanischen, sondern für alle Juden denkwürdig machen. Dann wollen wir das großartige Reese-Hospital erwähnen, welches die jüdische Wohlthätigkeit in Chicago errichtet. In diesem Hospital werden 80 Kranke ausgenommen werden ton« nen und alle Fortschritte der modernen Hospitalbauten und Einrichtungen werden hier zur Anwendung kommen. — Am 21. September ist das sechste Schuljahr des Hebrew Union College zu C i n c i n n a t i eröffnet und somit die Anstalt ihrem Bildungsziele näher gerückt, vr. Wise ist für seine Schule sehr thätig und es ist zu hoffen, daß sein Wirken trotz seiner reformatorischen Rich'.ung oennoch für vas amerikanische Judenthum von gutem Erfolge sein wird. — Das Verhältniß der jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten zur Gesammtbevölkerung ist 3 : 500. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Der „Petit Parisien" berichtet über die Judenhetze in Deutschland und sagt dabei: Es ist die Ehre unseres Landes (Frankreich), daß man niemals hier Vorgänge sehen wird, wie die, welche der Prediger Stöcker hervorgerufen hat. Er meint, es bedürfe ja nur eines Wortes einer einflußreichen Person in der Umgebung de- Kaisers, um diese Bewegung zu erdrücken — aber man will eben nicht. — Merkt Ihr noch immer nicht, deutsche Brüder christlichen Glaubens, daß Ihr durch die Judenhetze den Hohn und den Spott, wie die Verachtung des Auslandes auf unser gemeinsames Vaterland ladet? Frankfurt a. M. Am 5. November begeht unser allverehrter Herr vr Lepoid Stein das Doppelfest seines 70. Geburtstags und zugleich des 50. Jahrestags seiner rabbinischen Wirksamkeit. Zahlreiche Freunde beabsichtigen, an diesem Tage der Verehrung Ausdruck zu verleihen, deren sich der hochgeschätzte Jubilar in allen Kreisen seiner Mitbürger erfreut. (Wir gratuliren dem Nestor jüd. Kanzelberedtsamkeit zu seinem Jubiläum! Red.) Aus Mähre», 21. Oktober. (Or.-Cor.) In Boskowitz, eine der ältesten und größten Gemeinden des Kronlandes, feierte am 17. d. M. der allgemein geachtete und beliebte Oberlehrer der isr. Mädchenschule Herr Jakob Kahn sein 25jähriges Dienstjubiläum. Die Schülerinen und die Amtscollegen dieser Anstalt benutzten diese Gelegenheit, um ihrem hochverehrten Lehrer Levison ihre Ergebenheit aus Dankbarkeit zu liefern. X. Budapest. In kurzer Frist geht hier eine neue Vorstandswahl vor sich. Der Landtagsabgeordnete Mos. Wahrmann, welcher als Präses des Vorstandes einstimmig gewählt wurde, will diese Ehrenstelle nicht annehmen; es wird daher den Wählern nicht leicht, einen Mann, der allen Anforderungen für diesen Posten entsprechen würde, aufzufinden, zumal auch hierorts, wie fast in allen ungarischen Gemeinden, aus die Vermögenszustände des Mannes gesehen wird. „Die Vorsteher müssen alleGeldmänner sein", das ist hier ein feststehendes Axiom. Daß bei derartigen Grundsätzen Leute zu Vorstehern oft gewählt werden, welche es am wenigsten verdienen — und nachher durch ihre Jngoranz und Engherzigkeit viel mehr schaden als nützen — ist selbstverständlich. Es wäre wahrlich an der Zeit, daß man bei einer jüdischen Vorstandswähl auf Exod. 18, 21 mehr Rücksicht nehmen möchte. Paris. Den Wünschen des Publikums wird endlich Rechnung getragen. In der Synagoge der Rue de la Victoire wird die portugiesische Aussprache des Hebräischen, welche stets zu schlechten Witzen Anlaß gab, abgeschafft und zur deutschen zurückgekehrt werden. London. Sir Nathaniel v. Rothschild hat dem Vorstande der United Synagognes für dessen Sitzungssaal das von Herrn B. E. Marks gemalte Bild des Oberrabbiners vr. Adler geschenkt. Zürich, 27. October. Der Vorstand des „Culturverein der Israeliten in der Schweiz" (Präsident Rabbiner vr. Kisch) laoet durch Circulär die Mitglieder zu einer Generalversammlung auf den 31. d. Mts., in welcher über Auflösung des Vereins oder doch über die Umwandlung desselben zn einem Vereine mit enger gezogenen Tendenzen berathen wer«