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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-10-14 · N° 42. (14.10.1880) · p. Seite 356

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 42. (14.10.1880)
Date
1880-10-14
Page
Seite 356 (sequence 6)
Language
German
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— 356 — gezogenen Schlüsse: es müsse mit der Chaluka überhaupt ein Ende gemacht werden, nur bestätigt. Das zur V e r t h e i l u n g kommende Geld — wir sagten: Wie viel könnte mit einer solchen dauernden Einnahme geleistet werden und wie wenig wird damit bisher selbst nur zur Linderung der Noth gethan — betrage höchstens 1li Million Silberrudel. Auch der Brief Josef Nyblins an Midhat Pascha gegen den Herrn Rokeach existirt und enthält noch Schlimmeres, als wir berichtet haben. Nur hat Herr R. über denselben nicht im „Chawazeleth" sondern im „Jwri" geschrieben. Berlin, 4. Oktober. Hier fand heute die erste Generalversammlung jüdischer Cantoren Deutschlands statt, zu der Theilnehmer aus allen Gegenden Deutschlands eingetrvffen waren. Zweck der Versammlung war die nach mehrstündiger Debatte beschlossene Constituirung einer „Hülfskaste für erwerbsunfähige Wittwen und Waisen jüdischer Cantoren." Die Nothwendigkeit der Begründung eines solchen Instituts ergab sich daraus, daß sämmtliche israelitische Cultusbeamten Deutschlands, mit Ausnahme derjenigen in Elsaß Lothringen und Württemberg, welche vom Staate besoldet werden, von den resp. Gemeinden durch Privat-Verträge auf Zeitdauer angestellt sind und für die Familien dieser Beamten bei etwaigem Todesfälle des Ernährers in keiner Weise gesorgt ist. Zum Vorsitzenden des neuen Jnstituls wurde der königliche Musikdirektor Lewandowski in Berlin, Mariannenstraße 17, gewählt. Der jährliche Beitrag zur Kaste ist für die Theilnehmer auf 6 Mark festgesetzt worden. Berlin. Der auch in weiteren Kreisen und besonders wegen seiner wissenschaftlichen Vorträge in zahlreichen Berliner Vereinen bekannte Dr. rnsä Sch eye beging am Sonntag sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als praktischer Arzt. Die zahlreichen Glückwünsche, die dem Jubilar von Nah und Fern zugingen, sprechen lebhaft für die allseitige Verehrung, deren sich der Jubilar zu erfreuen hat. (Der Jubilar ist ein Bruder des jüngst hier verst. Cantors Nathanson). Cöln. Als Ergänzung Ihres Berichts über das am 15 und 16. zu feiernde Dombausest, wozu das ganze kaiserliche Haus und die Fürsten Deutschlands hierher kommen, theile ich Ihnen mit, daß unser Rabbiner Di-. Frank eine officielle Einladung zur Tribüne sowie zu dem Festmahle erhalten hat. Am 19. d. M. feiert Herr Freiherr Simon v. Oppenheimer sein goldenes Hochzeitsfest. Derselbe hat an den Oberbürgermeister 30,000 Mk. zur Vertheiiung an jenem Tage an die hiesigen Armen ohne Unterschied der Confestion überwiesen. Leipzig. Dem Gemeindebunde sind beigetreten die Gemeinden Ems, Rodenberg, Sachsenhagen u. Worms. (Mittheilungen aus den letzten zwei Ausschußfitzungen in der nächsten Nr.) Stuttgart, 6. Oct. (Or. Corr.) Der langjährige Conflict zwischen Rabbiner Stern und seiner Gemeinde in Buttenhausen ist dahin ausgeglichen worden, daß ersterer um einen mehrjährigen Urlaub nachgesucht hat, während besten für ihn als Stellvertreter Herr Rabbinatscandidat Laupheimer von Laupheim, ein Zögling des Breslauer Seminars, funklioniren wird. Möchte damit die .gegenseitige Erbitterung ein Ende erreicht haben! Aus Ungarn. Zum ersten Male ist ein Jude in Kroatien zum Deputaten gewählt worden. Die Meisten der Wähler sind griechisch-katholischen Glaubens, und Herr Josef Singer, der jetzige Vertreter des Bezirkes Rasca, hatte einen Geistlichen zum Vorgänger. Aus Fünfkirchen schreibt man: In Ergänzung Ihres Berichtes über die hiesige Königsfeier sei noch gemeldet, daß der hiesige Oberrabbiner Dr. Kohut die jüdische Deputa-- tion führte und mit Erlaubniß Sr. Majestät über den König den vorgeschriebenen hebräischen Segensspruch bedeckten Hauptes sprach. Se. Majestät trat an Dr. Kohut heran und zeichnete ihn sowohl bei der Vorführung der Deputation als auch vor dem jüdischen Tempel mit huldvoller Ansprache aus. Paris. Das isr. Hospital hat von Herrn Openheimer ein Legat von 150,000 Frcs. (120,000 M.) zur Erweiterung und Verbesterung der vorhandenen Einrichtungen erhalten. Paris. Einerseits wird darüber geklagt, daß Polizisten an den hohen Festtagen den Synagogendienern beigegeben waren, andrerseits dagegen, daß Leute, die keine Stelle gemiethet hatten, absichtlich vermiethete Plätze besetzten, um Skandal hervorzurufen! (Arch. isr.) Moskau, 17. September. Der Kaiser hat der von der hien'gen jüo. Gemeinde zum Andenken an das Regierungsjubiläum gestifteten Handwerksschule das Recht verliehen, den Namen „Alexanderschule" zu führen. Feuilleton. Das Gewürzbüchschen. Eine Marannengeschichte. (Fortsetzung) Ein unheimliches Feuer blitzte aus den großen schwarzen Augen des Fremden, während er sprach. Als fühlte der Knabe den versengenden Strahl, wich er einen Schritt zurück. „Wer seid Ihr?" brachte er mühsam hervor. „Ha!" rief der Fremde wild, „bist Du gewöhnt, den Ertrinkenden nach Stand und Namen zu fragen, ehe Du ihn rettest?" Diese Worte jagten die Röthe der Scham in die Wangen des Knaben. „Euer Mönchskleid!" murmelte er. „Ich hoffte in diesem Gewände meinen Versolgern zu entgehen, aber vergeblich." Er öffnete seine Kutte und zeigte dem Knaben die Schaufäden an einem dunkelblau gestreiften Tuche; der Knabe sah überrascht und verständnißinnig 'den Fremden an. „Folgt mir!" sagte er hastig. „Dir folgen? Darf ich Dir denn auch vertrauen?" „Ihr dürft." „Wer sagt mir, daß Du mich nicht verrathen wirst?" „Ich bin Don Jose's Sohn." „Aber selbst Don Jose, Kind, darf nicht wissen, daß Du mich verbirgst." „O!" rief der Knabe rasch, „es ist nicht das erste Mal, daß in unserem Hause" — er stockte und blickte verlegen zu Boden — „sich flüchtige Juden verbergen," ergänzte der Andere. „Trotzdem, Kind, darf selbst Dein Vater nicht ahnen, daß ich mich in seiner Nähe verberge, denn Dein Vater ist mein Feind!" Der Knabe kämpfte einen Augenblick, dann sagte er entschieden: „Seid ohne Sorgen, Alfonso Cordovero wird zu schweigen wissen." Mit diesen Worten bog der Knabe die Büsche auseinander, winkte dem Fremden und führte ihn längs des Flusses an eine Stelle, wo drei uralte Plantanen ihre mächtigen Wurzeln ineinander schlangen und weithin den Boden bedeckten. Im nächsten Momente beugte sich der Knabe, drehte mit Anstrengung eine Schraube, die einem fremden Auge an dieser Stelle gar nicht sichtbar gewesen wäre und zwischen den Wurzeln öffnete sich ein dunkler Gang, zu dem eine schmale Treppe hinunterführte. Der Fremde warf noch einmal einen forschenden Blick auf den Knaben, dann nickte er zufrieden und stieg, dem stummen Wink des Knaben folgend, in die Tiefe; die Platte schloß sich wieder und ernst und gedankenvoll kehrte Alfonso in den Garten zurück. Er schritt geradenwegs wieder auf den Kiosk zu, öffnete einen Verschluß in der Mauer, genau auf dieselbe Weise, wie vorher die Steinplatte, und stand, eine breite Treppe hinabspringend, in einem kellerartigen Raume; der Fremde trat ihm entgegen. „Ich danke Dir," sagte er, „ich werde Deine Gastfreundsreundschaft nur bis zum Ausgange des Sabbaths in Anspruch nehmen, bin ich aber bis dahin ganz sicher hier?" „Ihr wißt ja den Gang, der Euch ungefährdet wieder ins Freie zurückführt; seht, so werden die Schrauben gedreht, nun geduldet Euch, ich bringe Euch trockene Kleider, Trank und Speise." „Du bist gut," sagte der Fremde. Der Knab e sprang fort und kam, einen Korb tragend, eiligen Laufes zurück. Er nahm aus dem Korbe einige reinliche Kleidungsstücke heraus und reichte sie dem Fremden. „Gestattet," sagte er, daß ich Euch beim Ankleiden ein wenig behilflich bin," und er fing an, die Riemen der Sandalen zu lösen, als ihn der Fremde unwillig und fast heftig zurückstieß. „Laß das, Knabe," sagte er gepreßt, „entferne Dich und

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