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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-10-07 · N° 41. (7.10.1880) · p. Seite 348

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 41. (7.10.1880)
Date
1880-10-07
Page
Seite 348 (sequence 6)
Language
German
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M — 348 — ivW W- ■ ,-j] fi . -A 4 , unser Freund (damals nannte er ihn noch so) ist in demselben Falle?" Gambetta wurde ein wenig verlegen und antwortete ausweichend, seine Genealogie habe ihn nie genügend interessirt, um ihn zu Nachforschungen über diesen Punkt zu veranlassen. Direkt bestritten hat er jedenfalls bis jetzt die Behauptung Lavalette's nicht. Jassy. Durch Dekret des Stadtrathes vom 14./26. August sind die Herren Samuel Meyerkoffer, Jsaac Leybowitz und David Wortmann, naturalisirte Israeliten, aus die Liste der Richter beim Handelsgericht des Distriktes von Jaffy gesetzt worben — das ist eine recht erfreuliche Kunde aus Rumänien. Damit sind dort Juden zum ersten Male zur Ausübung politischer Rechte zugelassen worden. Petersburg. Sehr bcmerkenswerth ist ein Artikel des „Golos" von Crew Rosch haschana (5. September), in w lchem die Emancipation und Gleichstellung der Juden warm befürwortet wird. Der Barometer zeigt also auf schönes Wetter. Hoffen wir. daß es constant bleibt. Der gelehrte Herr Redacteur des „Hameliz", A. Zederbaum, hat den Judenfeind Lintostansky zu einer Disputation aufgefordert. — Im Technologischen Institute haben sich mehr als 400 Zöglinge zur Aufnahme gemeldet. Raummangels wegen wurden nur 132 ausgenommen, unter diesen 38 Juden, die in allen Fächern Nummer 5 — ausgezeichnet — bei der Prüfung erhalten hatten. America. Die von General Merritt angeführten Truppen fanden auf ihrem neulichen Zuge in der Gegend des White-River einen der Kleider beraubien Leichnam, in welchem „der Jude" erkannt wurde. Unter diesem Namen war in der ganzen Gegend Jsak Goldstein bekannt, der kaum 50 Jahr alt einem 7Ojährigen Greise glich und rastlos die Jndianergegenben durchstrich, um — seine Braut zu suchen. Diese war vor langen, langen Jahren aus dem Osten ihrem Bruder nach Californicn gefolgt und war von Jnddianern ge fangen und wahrscheinlich getödtet worden. Goldstern hat nie die Hoffnung aufgegeben, seine Braut als Gefangene der In dianer wiederzufinden, bis er selbst unter ihren Waffen verblutete Auf seinem Grabe haben Freunds die Inschrift angebracht: Jsak Golbstein, von den Indianern am 30 September 1879 ermordet: Asien. Wie die indischen Blätter melden, ist vor einigen Wochen in der Stadt Balkh in Afghanistan eine Karawane aus Bochara in Central Asien eingetroffen, die nur aus Juten bestand und ungefähr neunzig Mitglieder mit zweihundert Kamelen zählte. Sämmtliche Reisende waren bis zu den Zähnen bewaffnet, um sich gegen die räuberischen Ueberder Turkmenen schützen zu können. Die Karawane führte verschiedene Waren, besonders aber Seidenstoffe und Schmucksachen mit sich, die sie in Balkh gegen europäische Fabrikate eintauschen wollte. Sie war ungefähr drei Wochen unterwegs und hielt nur am Samstag Rasttag, dies selbst in der Wüste. Ein eigenes Zelt diente als Synagoge, in dem die Reisenden ihre Andacht früh und Abends verrichteten. Sie erzählten, daß sie jetzt in Bochara (in dieser Stadt leben 8000 Juden mit 15 Synagogen) eine leidliche Stellung haben; ne erfreuen sich dort des besonderen Schutzes des Khans Muzzafer Eddin. In Balkh, wo es ebenfalls zahlreiche Juden giebt, hielt sich die Karawane 24 Tage auf. Feuilleton. Das Gewürzbüchschen. Eine Maranuengeschichte. 1. Toledo! Glühende Mittagshitze liegt auf den öden Straßen, unbarmherzig dringt das weiße Sonnenlicht durch alle Fugen und zeigt mit erschreckender Klarheit, was im Laufe der Jahrhunderte aus ehemaliger Pracht und Herrlichkeit geworden. Die stolzen Mauern sind gebröckelt, die hohen Paläste sind zu ärmlichen Ruinen herabgesunken, öde und wüst liegen die einst so sorgsam gepflegten Gärten. Wohin das Auge blickt, starrt uns die Vergangenheit, gleich einem hohläugigen Gespenste, im hellen Mittagslicht entgegen. Hart am Ufer des Flusses, wo uralte Platanen ihre Wipfel erheben, erstreckt sich ein prachtvoller, parkartiger Garten. In seiner Mitte erhebt sich ein Palast in rein maurischem Styl. Wohlgepflegte Laubgänge durchschneiden den Garten und münden alle bei einem Kiosk, in dessen Bogenwölbungen thauschwere, duftige Blüthenzweige hineinragen. Dieser kühle Raum diente an den heißen Tageszeiten zum Aufenthaltsort für die Bewohner des Palastes. Hier lebte nun zur Zeit, als die Reformation sich in Deutschland immer mehr auszubreiten und die Inquisition Spanien zu entvölkern begann, der in ganz Toledo hochgeachtete Don Jos6 mit seinem Weibe, der schönen Judith« und seinem einzigen Sohn Alphonso. Don Josä mar eben so reich, wie gut; kein Bettler ging unbeschenkt von seiner Thür, kein Trauernder verließ ungetröstet sein Haus. Sein Großvater war der Leibarzt der Königin Jsabella gewesen und hatte, wenn auch mit schwerem Herzen, das Christenthum angenommen, als der harte Befehl Ferdinands und Jsabellens die Juden gleich den Mauren aus Spanien verwies. Aber der Volksmund wußte viel zu erzählen, wie oft der in der Gunst der Königin unerschütterte Leibarzt den heimlich im Lande umherziehenden Juden Obdach und Schutz gewährt hatte. Der Vater Don Jos6's war Kaufmann geworden und hatte, von der Gunst des Hofes und des Adels getragen, den Grund zu dem bedeutenden Vermögen gelegt, das jetzt Don Joss mit Einsicht und Klugheit verwaltete und mehrte. Es war, als ob der Himmel alles Erdenglück auf das Haupt eines einzigen Menschen häufen wollte. Obgleich sich hie und da der Verdacht regte, daß Don Josä noch dem angestammten Glauben seiner Ahnen heimlich treu geblieben, so wagte doch Niemand ihn, dessen laut anzuklagen; denn sein unantastbar makelloser Lebenswandel war ein festes, schützendes Bollwerk, gegen welches selbst die stets wachsamen Diener der Inquisition nichts auszurichten vermochten. Kaiser Karl V. wußte seinen Rath und seinen Reichthum zu sehr zu schätzen, um ihn auf einen bloßen Verdacht hin zu stürzen. Sein häusliches Glück war in Toledo sprichwörtlich. Judith« hing mit einer fast schwärmerischen Neigung an dem Gemahl und der Knabe, der zwischen beiden aufwuchs und die Anmuth der Mutter mit der Charakterstärke des Vaters in sich zu einen schien, berechtigte die glücklichen Eltern zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft. Ein schöner Herbstmorgen war angebrochen, das Laub der Bäume wetteiferte in seiner goldigen Färbung mit den purpurnen Früchten, die in üppiger Fülle sich zwischen den Blättern hervordrängten. Vor dem Hause hielten zwei Reitknechte die prücht ig gezäumten Maulthiere. Auf der Terrasse saßen beim Morgentrunk Alphonso und seine Eltern in leisem traulichen! Gespräch. „Du willst mich also wirklich begleiten?" fragte Don Jos6 die schöne Juditha. „Muß ich nicht?" erwiderte sie eben so leise und ein Blick tiefer Liebe sprühte aus ihrem Auge; „muß ich nicht meinen allzu kühnen Herrn Geniahl ein wenig im Zügel halten, damit er, indem er Andern dient, sich nicht selber schade." Don Josä faßte ihre Hand. „Mein guter Engel," sagte er, „bist Du es nicht, der jeden Flüchtling mit offenen Armen aufnimmt und ihn so heimlich und so sicher birgt und pflegt?" „Und glaubst Du, daß es eine Sünde ist?" fragte sie zurück. „O, nicht wahr, Vater, Andern Gutes thun ist nie eine Sünde!" rief der Knabe, der mit klaren Augen, aus denen eine ganze Welt von Herzensgüte strahlte, den Eltern zugehört hatte. Der Vater zog das liebliche Kind an sich, küßte seine Stirn und sagte ernst: „Gutes thun, ist niemals Sünde, mein Sohn, aber von dem Guten sprechen, das man thut, märe zuweilen eine Sünde." „Und dürfte ich auch zu Dir nichts davon sprechen?" fragte der Knabe erstaunt. wird gut sein, mein Kind," er-

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