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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-10-07 · N° 41. (7.10.1880) · p. Seite 347

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 41. (7.10.1880)
Date
1880-10-07
Page
Seite 347 (sequence 5)
Language
German
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— 347 — men „Pines" haben sie auf Hunde, die durch die Gassen laufen, geklebt. Daß Verleumdung und Verlästerung neben diesen Gemeinheiten nicht ausbleiben, ist selbstredend. Den guten Ruf des Herrn Pines suchen sie zu untergraben und theilten sogar seiner Frau per Telegramm eine schmachvolle Verdächtigung mit. Genug der Worte! Thaten sind erfordert, um die besseren Elemente vor dem rohen Wüthen der fanatischen Faullenzerbande zu schützen Es müssen die Gabaim der Kollelim (zumal des Kolel Wilna*) von daher, woher sie die Spenden beziehen, energisch angewiesen werden, von der Verfolgung abzulassen und ihnen die Grundsätze eines redlichen und gerechten Vertheilens der Chaluka in allen Details vorgeschrieben werden, von denen sie auch auf Befehl des BriskerRabbinen und seiner Frau nicht abweichen dürfen. Vermischte und neueste Nachrichten. Stettin, 1. October. Am 17. d. M. sind 50 Jahre verflossen, seitdem Herr Lehrer Braun Hardt in Schubin seine Laufbahn als Lehrer betreten. Wenn man bedenkt, wie schwer dieser Beruf selbst heute unter bester gestalteten Verhältnisten noch ist, so wird man begreifen, was ein Lehrer während seiner Wirksamkeit im Laufe eines halben Jahrhunderts durchzumachen hatte. Es ist daher eine Pflicht der Pietät oller Derer, die einst seine Schüler waren, und diese zählen nach Tausenden, sich zusammenzuthun und den Jubeltag ihres einstigen Erziehers zu einem wahren Freudentage zu gestalten. Indem ich alle Schüler und Gönner des Herrn Braunhardt auf diesen Tag aufmerksam mache, hoffe ich, daß Keiner derselben es verabsäumen wird, seinen verdienstlichen, im Amte ergrauten Lehrer den Tribut des Dankes zu zollen. I. Sarasohn, Cantor. Stettin. Am 4 October findet hier die Generalversammlung des „Vereins jüdischer Lehrer in Pommern" zur Berathung des Statuten-Entwurses statt. Mittheilenswerth dürfte es auch sein, daß der Herr Oberpräsident Freiherr v. Münchhausen die Abhaltung einer Hauscollecte in den jüd. Gemeinden Pommerns zu Gunsten der Unterstützungskaffe dieses Vereins genehmigt hat. — In der orientalischen Section der hier tagenden Philologen-Versammlung hat der Herr L.-R. vr. Hamburger aus Strelitz, rühmlichst bekannt durch seine bibl.-talmudstche Realencyclopädie, am 30. Septbr. einen Vortrag „über das Sectenwesen und die Nichtjuden im talmud. Schriftthum" gelhalten, der eine größere Discustion hervorrief. Der Vortrag wird durch den Druck veröffentlicht werden. Bernburg, (Or.-Corr.) Gestatten Sie mir, Herr Redacteur, Sre und die verehrlichen Leser Ihrer Wochenschrift auf das 50jährige Jubiläum des Herxheimers.chen Reltgionsbuches aufmerksam zu machen; gewiß ein höchst seltenes Ereigniß, welches besonders die jüdische Lehrerwelt intereffirt. Zu ganz besonderer Freude und Genugthuung aber gereicht es dem ehrwürdigen, greisen Verfasser, der bei der Ausgabe der 2 8. Auflage seines überallhin verbreiteten Werkes mit vollem Recht ausrufen kann: ri"j Vnn mpa nvrh om Carlsbad. Ein Vorfall hat in diesen Tagen hier einige Aufregung hervorgebracht. Ein Herr Stadler, Eigenthümer des Hauses „Venedig", das im Sommer an Fremde vermie- Ihet wird, hat, einer besonderen und ausdrücklichen Polizei- Verordnung entgegen, an dem höchsten jüdischen Feiertag vor der nahe seinem Hause gelegenen Synagoge seine Matratzen und die Teppiche seiner Zimmer, während man drinnen Gottesdienst hielt, demonstrativ ausklopfen lasten, augenscheinlich in der directen Absicht, ein Aergerniß zu geben. Als *) Dieser hat 1875 Einen der Chaluka verlustig erklärt, und an die holländisch-deutsche Kasse gewiesen, weil er semen Namen Deutsch geschrieben hat. .Polizei herbeigeholt wur^e, verhöhnte der Besitzer dieselbe und schmähte die Gemeinde, die drinnen ihren Gottesdienst abhielt. Erst als anwesende Cnrgäste erklärten, daß sie sein unanständiges Benehmen bekannt geben und dafür sorgen würden, daß im nächsten Jahre sein Haus möglichst wenig benutzt werde, gab der biedere Eailsbader Wohnungsvermiether klein bei und stellte sein Verfahren ein. Aus Mähren. Das von dem Rabbiner in Proßnitz, Hern vr. Emil Hoff, dem Kaiser bei besten Anwesenheit in Olmütz überreichte Exemplar der anläßlich der Jubiläumsfeier des Kaiserpares gehaltenen Festrede wurde mit Allerhöchster Genehmigung der k. k. Familien-Fideicommiß-Bibliothek einverleibt. Haag. Wir haben bereits über die Enthüllung des Spinoza-Denkmals in Haag berichtet. Bildhauer Her - amer, ein Schüler Dumont's, hat Spinoza im Kostüm der Zeit dargestellt. Der Mantel ist über die Sestellehne zurückgeschlagen. Der Denker sitzt und sinnt im Hauskleid. In der an die Wange gedrückten Rechten hält er den Griffel. Spinoza's Physiognomie ist portraitgetreu gelungen. Der Gesichtsausdruck erscheint vom physischen Siechthum mehr verklärt als gedrückt. Die Bronzestatue, gegossen von Thiebaut, erhebt sich auf rothpolirtem Granitsockel mit der stummberedten Inschrift: „Spinoza". Zur Enthüllungsfeierlichkeit wird noch nachträglich gemeldet, daß als der berühmte Holländische Spinoza-Forscher van Bloten, der die Festrede hielt, in tiefster Ergriffenheit das Zeichen zum Falle der Hülle gaben, alle Anwesenden sich entblößten Hauptes erhoben. Der Bürgermeister Geversdeynoot dankte dann für die Stadt Haag, in deren freies Eigenthum die Bildsäule übergeben wurde, und der Buchhändler Nyhoff legte schließlich Namens eines Leipziger Philanthropen-Clubs einen Kranz auf die Denkmalstufen nieder. Die „Spinoza de blyde Boodschapper der mondige Menschheed" (Spinoza der heilbringende Sendbote der mündigen Menschheit) betitelte Gedenkrede Van Vloten's wurde allen Festgästen gedruckt überreicht. Niederlande. In einer Versammlung von Magistraten und Schöffen wurde die Frage erörtert, was der Standesbeamte thun solle, wenn ein Jude am Sabbath einen Geburts- oder Sterbefall anmelde unv sich weigere des Sabbaths wegen zu unterschreiben. Man beschloß in solchen Fällen aus Rücksicht auf die religiösen Pflichten des Juden ihn von der Unterschrift zu dispensiren. Paris. „Arch. isr." klagt über die Dauer des Gottesdienstes am Roschha schanah und schlägt vor, einige, sonst schöne Gesänge, wegzulasten. — Herr Antoine Stern übergab aus Anlaß des Hinscheidens seiner Frau der städtischen Hilfskaste 19000 Fr. zur Vertheilung an alle Arrondistements. mit Ausnahme des 9, welches besonders bedacht wurde. — Die Sammlung für Cremisux' Denkmal betrug am 31. August 49.7771 Frcs. 50 — Paris. Ob Gambetta jüdischen Ursprungs sei? Herr Adrien de Lavalette, der im Jahre 1877 die „Assemdlee nationale" zu dem alleinigen Zweck gegründet hat, um mit allen Mitteln einer persönlichen, unskrupulösen Polemik Gambetta zu bekämpfen, behauptet es jedoch täglich und bringt fortwährend neue angebliche Beweise für seine Behauptung bei. Die Physiognomie beweist zwar in dieser Hinsicht nichts, allein es ist richtig, daß diejenige Gambetta's eher für als gegen seinen semitischen Ursprung spricht. Man hat ihn selbst einmal darüber befragt. Es war im August 1876, zur Zeit der Erhebung Disraeli's in den Grafenstand. In einem Salon war eine zahlreiche Gesellschaft versammelt, darunter Jules Simon, Crsmieux und Gambetta. Man sprach von Disraeli und dem jüdischen Ursprung mancher hervorragenden Staatsmänner und Cr6mieux wandte sich an Simon mit der Frage: „Ist es wahr, daß in Ihren Adern jüdisches Blut fließt?" Simon erwiderte sofort, sein Großvater sei als Jude gestorben, erst sein Vater habe die Taufe empfangen und auf Gambetta deutend fügte er hinzu: „Ich glaube.

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