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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-10-01 · N° 40. (1.10.1880) · p. Seite 340

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 40. (1.10.1880)
Date
1880-10-01
Page
Seite 340 (sequence 6)
Language
German
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— 340 für das Jahr 1879. Unglücklicherweise werden auch diesmal, wie schon in früheren Jahren, zwei besorgnißerregende Thatsachen feftgestellt: erstens, daß die Sterbefälle die Geburten um 1158 überwiegen, zweitens, daß dieser Ueberschuß der Sterbefälle ausschließlich die rumänische Bevölkerung betrifft. Seit Jahren nehmen wir ein Wachsen dieser drohenden Lage wahr; in jedem Jahre beträgt die Zahl der Todesfälle bei den Rumänen mehr als bei den Geburten, während die jüdische Bevölkerung stets zunimmt, da bei ihr die Geburten die Todesfälle überwiegen. So wurden 1879 in Bukarest 5962 Kinder geboren, denen 7120 Todesfälle gegenüberstehen; es wurden daher um 1158 weniger geboren, als durch den Tod abgegangen sind. Davon kommen auf die griechisch orthodoxe Bevölkerung (Rumänen) 4609 Geburten und 5920 Sterbefälle, macht ein Minus von 1311 Seelen aus. Von jüdischen Eltern wurden 68 6 Kinder geboren, während die Sterbefälle 49 0 betrugen, macht ein Plus von 196 Seelen aus." Als Grund der so auffälligen Abnahme der rumänischen Bevölkerung giebt der genannte Referent die geringe Anzahl von Eheschließungen an, da unter 1000 Rumänen nur 6., jährlich heirathen. Nach dem amtlichen Ausweis der Primärie (Magistrat) betrug die Gesammteinwohnerzahl von Bukarest im Jahre 1878: 177,646 Seelen, darunter 20.749 Juden (11°/«). Da die Bevölkerung im Laufe dieses einen Jahres ziemlich constant geblieben sein dürfte, so kommen bei den Rumänen 44.« Todesfälle und 34 7 Geburten auf 1000 Seelen; bei den Juden hingegen nur 23.« Todesfälle und etwas über 33 Geburten auf die gleiche Anzahl. Diese Zahlen beweisen zur Genüge, daß die moralische Verkommenheit der Juden, von der die Rumänen so viel Aufhebens machen, in das Reich der Fabel gehört. — Seil einiger Zeit erscheint hier ein deutsches Blatt („Bukarester Tageblatt"), das ausschließlich von Christen geleitet wird und mit einem in Rumänien seltenen Muthe für die Juden in die Schranken tritt. Da es das einzige Blatt im Lande ist, das mit Wärme und Geschick unsere Sache rertheidigt, so kann dies nicht rühmend genug hervorgehoben werden. Vermischte und neueste Nachrichten. v . - i Berlin. „Wegen des hohen jüdischen Feiertages am 6. September bitte ich den auf diesen Tag anberaumten Termin zu verlegen." So schrieb der Handelsmann G., welcher von dem Schlächtermeister B. wegen unpünktlicher Miethszahlung auf Räumung der Wohnung verklagt worden, an das hiesige Amtsgericht. Dem Gesuche des Verklagten wurde willfahren und der Termin auf den 14. September verlegt. An diesem Tage erschien jedoch zur mündlichen Verhandlung der Kläger allein, welcher sein Buch für polizeiliche An- und Abmeldungen der Miether mitbrachte und nachwies, daß der Verklagte Katholik sei. Dieser erschien in dem Termin nicht, weil er, wie das „Tgbl." meldet, in der Frist von 8 Tagen, die er durch die Terminsverlegung gewonnen hatte, » Gelegenheit fand zu — rücken. Lauenburg i/Pom., im Septbr. An Stelle des nach Kaiserslautern berufenen Dr. Landsberg ist Herr vr. Max Biram, ein Zögling des jüd. theol. Seminars zu Breslau, der erst Ende dieses Jahres seine Studien an demselben beendet und über die sämmtlichen Feiertage zur Probe hierher berufen war, einstimmig zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden. Nicolai, O.-S. 7. Septbr. Die königl. Regierung zu Oppeln hat den vom Magistrat eingereichten Organisationsplan für Wiedereinführung confeffionell getrennter Schulen genehmigt und die Auflösung der Simultanschule zum 1. Oktober cr. angeordnet. Dessau, 17. Septbr. Am gestrigen Tage wurde der Rabbinats-Candidat Schönberger, der auf Empfehlung Prof. Steinthal's während der Feiertage hier gepredigt hatte, mit 6 (gegen 5) Stimmen zum Prediger und Religionslehrer unserer Gemeinde gewählt. Der Gewählte ist Hörer der Hochschule für die Miss. d. Jud. in Berlin. Mainz, 23. Septbr. Die Stelle eines Klausrabbiners in Mannheim ist dem Rabbiner vr. Julius Fürst von hier übertragen worden. Durch seinen am 15. Oct. a. cr. erfolgenden Fortgang wird die Stelle eines akademisch gebildeten Religivnslehrer für die höheren Schulen vacant. Darmstadt^ 12. Septbr. (Or.-Corr.) Die Uebersiede« lung der isr. Seminarzöglinge von Friedberg nach Alzey ist zweifelhaft geworden, da seitens derselben an die Regierung die Bitte gerichtet worden ist, sie in der bisherigen Anstalt zu belassen Es ist dies jedenfalls auf Betreiben der orthodoxen Partei geschehen, und es ist zu befürchten, daß die Negierung in diesem Falle gar dem Wunsche der Juden willfährt und auf diese Weise davon Umgang nehmen kann, auf Staatskosten denselben isr. Religionsunterricht ertheilen zu lassen. Der Genuß der politischen Errungenschaft würde auf diese Weise für lange Zeit verloren gehen, und es ist deshalb hohe Zeit, daß Gemeinden und einflußreiche Männer bei der Regierung zur Geltendmachung ihrer Rechte Einwendung erheben. Hannover, 10. September. Am ersten Tage des Roschhaschana-Festes starb hier der als Architect überhaupt und besonders als Erbauer vieler Synagogen in Deutschland — wir nennen u. A. Breslau, Hannover, Schweidnitz, Hameln, Bleicherode — berühmt gewordene Baurath Edwin Oppl er. Cöln, 17. Septbr. (Or. Corr.) Es dürfte besonders bei der leider jetzt herrschenden gegenteiligen Strömung als eine Akt der Toleranz hervorzuheben sein, daß Herr Banquier Jakob de Jonge, Vorsitzender des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde, dieser Tage in einer sehr stark besuchten Volksversammlung als Mitglied des Festcomit4s für der hist. Festzeit der Dombaufeier einstimmig gewählt wurde. (Das uns vorliegende Namensverzeichniß der Comit« Mitglieder enthält übrigens noch einige Träger jüd. klingender Namen: Heimann, Rosenthal, Oppenheim. Red.) Budapest. (Or.-Corr.) Spät kommts; aber es kommt. Wie uns aus sicherer Quelle mitgetheilt wurde, soll in Großwardein in wenigen Tagen eine Zeitschrift betitelt: „Anti- Jstöczy", erscheinen. Wir wünschen dem Herausgeber Erfolg zu dem inhio ruy. In Baja, einer größeren ungarischen Stadt, wurde bei der letzthin stattgehabten Wahl ein Jude zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Feuilleton.") Chajirrr Prostak. Historische Erzählung aus der Entstehungszeit des Chassidismus. Eine wahre Geschichte aus der zweite» Hälfte des 18. Jahrhunderts von 2l. S. Weißmann. (Fortsetzung) Von dem Tage an, seitdem ich Ester zum ersten Male sah, sie war damals noch sehr jung, empfand ich ein Gefühl, welches mir deutlich sagte, daß unsere Seelen von ein und derselben Region, von ein und demselben Schoresch (Wurzel, Abstammung) und ganz nahe verwandt sind und daß es meine Aufgabe sein müsse, einen Jichud (Vereinigung) zwischen uns Beiden herbeizuführen, denrt nur dadurch kann die Seele, die nur in Nizuzoth (Funken) zerstreut umherirrt und daher nicht ihre ganze Leuchtkraft äußern kann, zusammengeführt werden. Du bist nicht Kabbalist und vermagst diese Tragweite nicht zu ermessen. *) In nächster Nr. beginnen wir eine MC* neue spannende Erz-Hlnng aus der Marannenzeit. Die Redaetton.

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