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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-10-01 · N° 40. (1.10.1880) · p. Seite 341

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 40. (1.10.1880)
Date
1880-10-01
Page
Seite 341 (sequence 7)
Language
German
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341 — Für Dich darf es genug sein, wenn ich Dir sage, daß nach meiner kabbalistischen Schaumig Ester mir vom Himmel bestimmt war und noch ist. Ester ist aber auch eine Favoritin der Engelwelt, die sie ebenso mit inneren Vorzügen begabt, wie sie die Natur im Aeußern mit verschwenderischer Milde beschenkt. Hierdurch wurde aber der Neid der sutra d’mseaw a (unreinen Geister) rege gemacht, und diese galt und gilt es nun, zu besiegen. Wenn alle die, die mit Ester nur in Berührung kamen, ebenso durch ihr freundliches, wohlwollendes und einnehmendes Wesen, wie durch ihre besondere Schönheit, Anmuth und Geschmeidigkeit lieb gewonnen wurden, wie sollte es erst bei mir der Fall gewesen sein, der ich mit prophetischem Instinkte geschärft, durch den kabbalistischen Scharfblick mir mit Bestimmtheit sagte, Erster sei von Seiten der himmlischen Vorausbestimmung mein. Was ich thun konnte war, mich ihrer verdient und würdig zu machen. Ich ließ mich keine der asketischen Uebungen verdrießen oder mir sauer werden, um an Körper und Seele geläutert zu sein. Ich hatte den Ruf der Heiligkeit erlangt, aber auch Ester hatte sich wunderbar entwickelt. Um jedoch bei ihrem Vater um ihre Hand anhalten zu dürfen und dessen Zustinuuung sicher zu sein, wollte ich mich mit Ruhm bedecken. Die Gelegenheit bot sich, wie gewünscht, von selbst dar. Und ich sah darin den Finger Gottes. Die Sohariten forderten die Talmudisten der ganzen Polakei zu einem öffentlichen Disput heraus. Das Lemberger Erzbisthum voll der Negierung unterstützt bestand darauf und traf die strengsten Anordnungen. Die gesammte polnische Judenheit vermochte nur zwei hervorragende Männer zu stellen, und ich war der Dritte. Wir kehrten zwar besiegt Heini, aber für mich ein unendlich großer Ruhm mit Rabbi Chajim Kohen Rappaport, Rabbiner der zweitgrößten Judengemeinde Polens, und Rabbi Jzchak Dob Beer, teilt scharfsinnigsten Talmudisten, Sohn des me'ir nethiboth und Jazlowcer Rabbiner im Vordergrund gestanden und gekärnpft zu haben. Ich glaubte deil Zeitpunkt für gekoinmen und mich nahe am Ziele. Aber o Entsetzen! Der Satan hat sein teuflisches Werk ausgeführt. Ester war inzwischen Chaims Weib geworden! — Diese maasse Soton, dieses teuflische Werk, war aber keineswegs geeignet, nieine heiligen Empfindungen zu der göttlichen Ester zu ersticken, verwandelte sie vielmehr in noch leidenschaftlichere Gluth. Ihr himmlisches Bild wollte von mir nicht weichen weder in meinen Träumen noch bei meinem Wachen, bei all' meinem Thun und Lassen, weder beim Studiuin des Talmud, noch beim Vertiefen in die Kabbala. — Ich war bemüht, durch kabbalistische Combinationen und sympathetische Mittel Esters Verbindung mit Chaim, die ja doch nur ein Werk des Satan war, zu lösen, um dann die heimzuführen, die eigentlich vom Himmel mir bestimmt war. Ich suchte mich Ester zu nähern, sie von meiner heiligen Empfindung, meinern innern Seelenkanlpf, wie dem mit der feindlichen Geisterwelt zu verständigen, ich wollte ihr übrigens begreiflich machen, daß sie sich über eine Verbindung die nur maasse satan (teuflisches Werk) ist, keine Scrupel machen dürfe. Allein wie maasse satan wollte sie mich nie anhören und floh selbst meinen Schatten. Nun mußte das geschehen was geschehen ist; Chaim mußte sterben, Ester auf den Bettelstab kommen, um mein zu werden. Und sie soll es werden beim heiligen Sohar und bei den göttlichen Eßer-Sephiroth (zehn Intelligenzen) geschworen! Dir aber Chaskel bietet sich die günstige Gelegenheit dar, dich uni eine gute Sache verdient zu machen, die Wiederherbeiführung der Harmonie in einer durch Teufelswerk gestörten Seelenverschwägerung (8od Ha'ibur) zu bewerkstelligen. Aber auch eine kleine Abschlagzahlung auf dein großes Verdienst, welches nur im Paradiese ganz belohnt werden kann, sollst du aus meiner Hand im Betrage von 50 Dukaten erhalten. Das ist eine große Summe Geldes, denn Bescht belohnt jeden ihm erwiesenen Dienst königlich. Und mit dieser Summe wirst du für deine Tochter schon eine gute Partie finden können. „Hier hast du schon jetzt fünfzehn blanke Dukaten." sagte Bescht, indem er diese aus seiner Hosentasche zog und sie ihm auf den Tisch zählte, „und diese sollen dir nicht in Rechnung gezogen werden", fügte er hinzu. — Chaskels Augen erglänzten bei diesem blanken Goldschimmer und er streckte seine Hand gierig danach wie nach Etwas Unerlaubtem aus. — „Nun mußt du dich aber sputen", begann Bescht wieder. — „Ja! ja sputen werde ich mich schon. Ich habe aber noch Beweise nöthig, um Ester von dem Hinscheiden ihres „Prostaks" überzeugen zu können. Auch der Rabbiner wird, wie ich glaube. Beweise verlangen, ehe er Ester die Erlaubniß zur Wiederverehelichung ertheilen wird". — „Du hast Recht Chaskel." Aber es liegt auch in meinem Interesse Ester nicht früher die Mittel zu ihrer Freiwerdung aus den Ehebanden zu geben, bis ich ihrer Einwilligung sicher bin. Und offen gestanden, bloßen Worten werde auch ich keinen Glauben beimessen. So wisse denn, sobald Ester eine Verbindung mit mir wird eingehen wollen, wird sie Dir ein Zeichen anvertrauen müssen, das nur wir beide, ich und sie, wissen können, und dann, aber erst dann werde ich ein Littest auf talmudischer Basis und nach talmudischer Norm zu erbringen bemüht sein." — Bescht gab seinem Schadchen noch seinen Segen auf den Weg und Chaskel niste ab. (Ende des 15. Kapitels.) i Zur Judenhatz Literatur. i Bei meinem jüngsten Besuche in Oberschlesien theilte mir j ein Jugendfreund, der in Gräfenberg (in österreich. > Schlesien) als Kurgast geweilt hatte, zwei Gedichte mit, die dort vor Kurzem als riesengroße Plakate an allen Straßen- I ecken, öffentlichen Plätzen und Promenaden angebracht waren. Das erste dieser Gedichte (A) ist ein Pamphlet, welches seinen Ursprung der gegenwärtig bei uns so sehr beliebten Judenhatz verdankt; das zweite (6) enthält in Form einer poetischen Epistel eine sachgemäße Abfertigung des Pamphlets, die aber so witzig und zugleich so würdevoll gehalten ist, daß sie Ersteres weit in Schatten stellt. Ich überschicke Ihnen für die Wochenschrift beide Gedichte in wortgetreuer Abschrift zu Nutz und Frommen unserer Zeitgenossen und als Zeichen der Zeit — für die Nachwelt. Ich will nur noch hinzufügen, daß das Pamphlet (sub A) seine norddeutsche Abstammung offenbar an der Stirn trügt. Dr. S. A. Die jetz'ge Woche bringt uns viel: Ball, Hunderennen, Kegelspiel. Die nächste wohl steht ihr nicht nach; Drum höret an, was ich Euch sag': Euch alle, Bochers, groß und klein, Zu einem Rennen lad' ich ein. Erst mit, dann ohne Hinverniß Sollt laufen Ihr mit Eure Fuß (sie). Dem schnellsten Jtzig winkt als Preis Ein Ponceau-Kaftan, Höslein weiß, Die ihm jetzt einbringt seine Kunst, Roch frei vonLausu.Knoblauchsdunst. Den zweiten Mauschelrenner freut Peijes-Pommad' auf lange Zeit; Möge er sie in die Löckchen reiben, Schmarotzer-Tbierchen zu vertreiben. Als 3. Preis, 'ne Wurst mit.'Zwiebel, Mein lieber Cohn, ist auch nicht übel; Doch dafür muß mit einem Satze, Ob darob auch das Höslein platze. Und dir der Kaftan komnit in Quere, (Genommen werden die Barriere, Auf daß das Nennen mannigfaltig, Müß^. Jl>r auch, staunet nur gewaltig! Auf allen Vieren springen weg Noch über trefe Wurst und Speck, 'neu Gulden Eintritt für so'n Sport. Giebt jeder Goj schon gerne fort. Drum all Ihr Bocher, groß und klein, Schreibt schnell euchjetzt alsRenner ein. Die Zwiebel — Ananas der Juden — Wird auch verabfolgt Euch in Buden. Erquicken sollen dran sich Alle. Sowohl der Chossen wie die Kalle. ». Erwiderung. Wir könnten Euch den Hohn bezahlen Mit Witz sowohl, als auch mit Geld; Mit beiden sind ja allzumalen, Stets „uns'reLeut" recht gut bestellt. Doch jeverMensch hat seinVergnügen, Der Eine höhnt, der Andere lacht; — Wir lassen uns damit genügen, Daß Euer Hohn uns Spaß gemacht. Des Himmels wunderbare Gaben, Sie fließen uns ganz so wie Euch, Ob Kaftan oder Rock wir haben, Dem Wald, der Quelle ist es gleich. Doch was darunter schlägt im Herzen, Ob Liebe drin, ob Spott, ob Haß, ObMitgesühl »mt fremdenSchmerzen Für uns hatWerlh allein nur Das. Die Ananas, sowie die Zwiebel, Sie wachsen beid' auf Gottes Wunsch Ist diese in der Wurst nicht übel Versüßet jene uns den Punsch. So füllet jedes seine Stelle Hier in der Welt getreulich aus — Vergället Ihr uns hier die Quelle. Erwartet Lied' uns doch zu Haus. Intoleranz und auch die Güte, Sie finden in der Welt wohl Platz; W i r gebenWerth mehr demGemüthe Und lassen E u ch — die Judenhatz. Uns lockt hieher der Heilung Quelle, Genesung suchen wir hier auf; Vergiftet Ihr uns auch die Stelle — Verachtend nehmen wir's inKauf.

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