Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 38 u. 39. (18.9.1880)
- Date
- 1880-09-18
- Page
- Seite 333 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 333 — Widerspruch Bescht zu weiteren Mittheilungen Hinzureißen und wendete daher ein: „Kann er denn aber nicht erst nachher gestorben sein." — „So sage ich Dir, daß Chaim bald darauf, nachdem er Jazlowiec verließ, gestorben ist", erwiderte Bescht, indem er sich und seinem Gaste von den: belebenden Wodki einschenkte, und Chaskel nöthigte mitzutrinken. Dieser leistete nicht vielen Widerstand Nachdem er sich aber die Gurgel befeuchtet, suchte er wiederum das Gespräch in Gang zu bringen und sagte, indem er sich den Anschein gab, als rede er mit sich selbst. „Samuely war somit ein recht verschlagener Betrüger, daß er es verstand so lange aller Welt eine günstige Meinung von sich beizubringen, bis es ihm gelang, gewissenlos genug, die arme Frau um ihce letzte Habe zu bringen." — „Wieso ihre letzte?" fragte Bescht so recht interessirt, so blieb ihr doch immer noch ein respectables Vermögen zurück." — „Ganz richtig! wenn nicht der strengfromme Lippschütz seine Kinder mit diesem Gelde ausgestattet und Ester ihrerseits mit ihrer an Verschwendungswuth grenzenden Wohlthätigkeit sich Schätze im Himmel zu sammeln gesucht hätte. Nun aber ist das Unglaubliche eingetreten, sie ist bettelarm geworden. Und wenn nicht meine Jentele, so würde sie sicher schon längst dem Hunger heimgefallen sein." — „Was ich hören muß", rief Bescht sichtlich ergriffen, „es dauert mich aufrichtig diese Frau. Sie muß also auch sonst sehr heruntergekommen sein?" Bescht schenkte sich diesmal mehrere Gläschen ein, ohne auch nur seinen Freund zu traktiren, und stürzte sie in eiligster Hast nacheinander hinunter. Und man müßte eben nicht so pfifftg sein wie Chaskel, um daraus zu erkennen, daß Beschts Leidenschaft zu Ester noch immer eine recht heftige war. Er antwortete daher schlau genug: „Sie ist noch immer ausnehmend schön, gesund und frisch. Die Dummheit ist ja seit jeher ein vor- . zügliches Mittel gegen den nagenden Kummer gewesen. ' ,8ebot6 6IN0 margisch“, der Dumme empfindet nicht, sagen! unsere Chachomim (Weisen). Wenn man sich also seine mißliche Lage nicht zu Herzen zu nehmen versteht, seine traurige Zukunft nicht vergegenwärtigt, wie soll da der Kummer sich einschleichen und Verheerungen anrichten können." — „Das ist wohl der Grund nicht!" erwiderte Bescht abwehrend, „Ester ist nicht dunrm, oder du kennst sie nur wenig. Sie ist nur zu gut, und die Welt ist Hgewohnt,t die G ü t e, weil sie auf ihren Nutzen nicht besonders bedach ist, mit der Dummheit zu verwechseln. Wenn die mißlichen Verhältnisse, ihre Gesundheit, ihre blühende Frische — diese Worte sprach Bescht mit besonderer Hast aus — nicht beeinträchtigen, so hat es wohl seinen guten Grund darin, daß Ester sich ihrem Schicksale ergibt und moralisch mächtig genug ist, es mit Entsagung zu ertragen, oder ein gewisses inneres Etwas, was nichts anderes als ein prophetisches Vorgefühl ist, und einem jeden Menschen innewohnt, sagt ihr, ihr harre noch ein großes Glück." — „Wenn ich Sie Ester so loben höre, wundert mich auch schon gar nicht mehr das, was mir meine Jetttele mitgetheilt, daß Ester von Ihnen seit einer Zeit nur mit Lobeserhebungen spricht. Habt Ihr euch vielleicht in letzter einverstanden?" fügte Chaskel im schelmisch süßlichsten Tone scherzend hinzu. Nach so vielen und unzweideutigen Beweisen von Esters Mißgunst, Widerwillen und Abscheu wider ihn, die sie ihn so ostensiv stets hatte empfinden lassen, mußte Bescht sich sagen, daß an alledem, was Chaskel ihm jetzt sage, kein wahres Wort sei. Aber wir hören so gern, was unserer Eigenliebe schmeichelt, und obwohl wir allen Grund haben, vom Gegentheil überzeugt zu sein, so überlassen wir uns doch dem süßen Wahn, das Unglaubliche für glaublich und das Unmögliche für möglich zu halten, weil es uns so angemessener wäre, weil wir es doch wünschen und weil es uns Vergnügen macht. Und so rief auch Bescht freudig erregt: „Ester, sagst Du, redet von mir in Lobeserhebungen? Hast Du es selbst gehört? Was sagt sie zum Beispiel?" — . „Ich wiederhole Ihnen nur, was Jentele mir gesagt, denn ich stehe mit Ester in keinem Verkehr mehr, was und wie sie sich über Sie ausspricht, kann ich Ihnen ebensowenig sagen, weil ich, offen gestanden, mich darum nie interessirte, konnte ich doch nicht wissen, ob der Zufall mich zu Ihnen führen und ob Sie überhaupt daran Interesse haben werden." — „Ich bin fest überzeugt, daß dem io ist, daß Du mir reinen Wein einschenkst, denn wie sollte sie es nicht, nachdem sie alle ihre Freunde, von Lippschütz bis Samuely so arg hintergangen haben. Nun rücke näher heran, Chaskel, ich habe Dir sehr Wichtiges zu eröffnen." — Bescht füllte sein Gläschen und das seines Mystificators wieder und wieder. Chaskel fühlte ein inneres Vergnügen. Er sah nur zu gut ein, daß Bescht sich so sehr grau getrunken, daß er nicht mehr die Macht über sich wird haben können, seine Geheimnisse zurückzuhalten. Und in der That nichness jajin jozo sod (Wein herein, Geheimniß heraus) Bescht ergriff Chaskels Hand, drückte sie mit Wärme; er erwiderte diesen Druck mit beiden Händen, was hinreichend genügte, den bereits ganz benebelten Gottesmann vertrauensvoll zu machen. — „Chaskel willst Du Geld, viel Geld verdienen," sagte hierauf Bescht zu ihm. — „Ob ich will! wie soll ich nicht wollen? wenn ich eine erwachsene Tochter, ein Mädchen von bald zwölf Jahren habe, die noch nicht einmal Bcaut ist. Gott gerechter! — und ich soll nicht wollen. Ich will, sage ich Ihnen, lieber Bescht!, ich will und und mag es sein, was es will," rief Chaskel in erkünstelter Extase aus. — „Gut also, so höre mich. Willst Du ein Schadchan (Heirathsvermittler) werden?" — „Nichts lieber, als das." — „In der Angelegenheit, die ich Dir aufgeben will, wird es keine Schwierigkeiten haben, wird eine besonders geschickte Ueberredungskunst erforderlich sein und wird man eine gewandte Taktik anwenden müssen. Kurz und gut, ohne Mithilfe Deiner klugen Frau verzweifle ich an den Erfolg." — „So wird meine kluge Jentele ihre Mithülfe schwerlich versagen können." — „Auch ich bin dessen sicher. Nun so höre mich und unterbrich mich nicht, selbst wenn dir etwas räthselhaft sein soll." (Forts, folgt.) Die Judenkolonie „Ararat." Die Notiz in Nr. 35 unsrer Ztg. über die durch Explosion zerstörte Synagoge in Detroit, das in der Nähe der N i a g a r afälle gelegen, erinnert uns an eine kurze Erzählung im „Dahei m", Mardochai Manuel Noah kaufte Grand Island, eine Insel in der Nähe der Niagarafälle, vom Staate New-Jork, um daselbst eine jüdische Kolonie zu gründen welche allen verfolgten Glaubensbrüdern Schutz gewähren sollte. 1825 erließ er eine Proklamation an alle Juden, nach Ararat (so nannte er die neue Freistadt) zu ziehen, wo er als „Richter" walten wollte. Im September 1825 fand die Einweihung statt, zu der so viele Menschen hinzugeströmt waren, daß die Insel sie nicht fassen konnte, und die Festlichkeiten in den: nahen Städchen Buffalo begangen werden mußten. Die bischöfliche Kirche war dazu zur Verfügung gestellt, das Militär, die Geistlichkeit, die Civilbeamten, die Freimaurer befanden sich im Zuge. In der Kirche hielt Noah im rothsammetnen Mantel „von Gottes Gnaden Richter in Israel" eine hochtönende Rede — in der er sein Reich den Vorläufer des neuen Gottesreiches nannte. Doch die Kolonie ging bald ein. Wir ersuchen unsre Correspondenten in Amerika, uns Näheres über diesen interessanten Vorgang und die etwa noch vorhandenen Spuren jener Gründung zu berichten. Das Reifezeugnis» der Anstalt berechtigt für den einjährig freiw11- T 11 n i n i i Ilsen Militärdienst. — Zöglinge vom lUIlflßlQ illPh-NpIlllIß 13. Jahre ab finden in allen Klassen (tzuarta bis 1111111U1Q -1 UUll utUlllv prima) Aufnahme. Das Winter-Semester beginnt am 12. October c. Prospekte und Auskunft über Pension u. s. w. durch den Direktor U*°> Wahl. Höhere Erfurt. Z516] In einer gebildeten jüdischen FamNi in Hannover finden ein oder zwei Knaber resp. junge Leute Aufnahme, Beköstigung uw elterliche Pflege. Erste Referenzen stehen Diensten. Adressen unter M. Ufr. 1307g nimmt die Annoncen» Exp edition vor Js. Bgrik & Co. in Halle a/S. entgegen