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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-09-18 · N° 38 u. 39. (18.9.1880) · p. Seite 327

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 38 u. 39. (18.9.1880)
Date
1880-09-18
Page
Seite 327 (sequence 5)
Language
German
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— 327 — Me Menschen ohne Unterschied des Standes und der Religion umfaßte, wie es den Forderungen wahrer Frömmigkeit entspricht, sondern sein Name, der das Gepräge der 216 auf ins trug, hatte auch außerhalb der Grenze des Großherzogthums einen guten Klang. Als Mitglied der All. isr. univ. hatte er für die religiösen Angelegenheiten des Judenthums das größte Interesse und schämte sich seines Bekenntnisses als Jude nicht. So lange die Füße seinen schwachen Körper zu tragen vermochten, nahm er bis einige Tage vor seinem Tode am Gottesdienste theil, um nicht blos seinem religiösen Bedürfnisse zu genügen, sondern auch, wie er häufig sagte, eine alte ehrwürdige Institution aufrecht zu erhalten. Die Klagen und Bitten der Armen und Dürftigen fanden bei ihm niemals ein verschlossenes Ohr und verhärtetes Herz; gar viele Thränen des Kummers hat er im Stillen getrocknet und Wohlthätigkeit oft und gerne in Verborgenheit auch gegen Nichtjuden geübt. Eine lange Reihe von Theilnehmenden aus allen Ständen der städtischen Bevölkerung halten sich dem Trauerzuge angeschlossen; es waren viele seiner ehemaligen Schüler herbeigeerlt, um dem Dahingeschiedenen das letzte Ehrengeleite zu geben. Am Grabe sprach der L.-R. Dr. Glück, der seine eigene Rührung über den zu schnellen Tod kaum zu bemeistern vermochte, tief empfundene Worte. Möge das Andenken des Verstorbenen zum Segen fortdauern! — Emil Weinberg, dessen Vater früher hier Lehrer war und seit einigen Jahren das Ehrenamt emes Stadtraths bekleidet, hat im April c. sein Examen für Jura glänzend bestanden und eröffnet somit die Reihe der jüd. Rechtsgelehrten im Großherzoglhum. L. Bodenfelde, im August. (Or.-Corr.) Nicht minder als der in der Oeffentlichkeit wirkende Mensch verdient derjenige volle Anerkennung für seine dem Wähle der Mensch heit gewidmete Thätigkeit, welcher im engen Kreise dasselbe Ziel eifrig verfolgt und somit in der Kette der gesammten Menschheit ein nützliches Glied bildet. Ein solches im Stillen wirkendes Dasein, welches der vollen Dankbarkeit der Gemeinde gewiß sein kann, führt der allverehrte Vorsteher der israelitischen Schule zu Bodenfelde, Herr Freudenthai. 25 Jahre ist es her, daß derselbe Vorsteher der bezeichneten Schule geworden ist und viele aus dieser Schule hervorgegungene Personen verdanken ihm insbesondere, daß sie eine geachtete Stellung in der Gesellschaft einnehmen Da erscheint es in Rücksicht darauf, daß der Jubilar sich jede officielle Feier verbeten hat, angemessen, hier einige Worte über die Thätigkeit des Herrn Freudenthal als Schulvorsteher zu sagen. Als Herr Freudenthal vor 25 Jahren Schulvorsteher der israelitischen Gemeinde zu Bodenfelde wurde, betrug die Anzahl der Schüler 16, dieselbe ist seitdem stetig gestiegen, trotzdem Hindernisie verschiedener Art das Gedeihen der Schule erschwerten. Hierzu gehört der Umstand, daß die Gemeindemitgliederanzahl abgenommen hat und ferner, daß die christlichen Schüler, welche bis vor 1 Jahre die hiesige israelitische Schule besuchten, jetzt in Folge der herrschenden conservativen Richtung dieselbe verlaffen haben. Diese sowie viele auswärtige Schüler hatten sich in Folge des weitverbreiteten Ansehens der hiesigen Schule in dieselbe aufnehmen laffen, wohl wissend, daß ihrer in derselben eine gute Erziehung harre, baß sie in den Stand gesetzt würden, durch den in derselben erlangten Bildungsgrad dereinst eine öffentliche Stellung zu bekleiden oder sich in eine höhere Klaffe des Gymnasiums aufnehmen zu laffen. Eben dem Verdienste des Herrn Freudenthal, welcher stets dafür Sorge trug, daß tüchtige energische Lehrer an der Anstalt wirkten, ist es auch zu verdanken, daß während des ganzen Vierteljahrhunderts, seit dem Herr Freudenthal das Amt eines Schulvorstehers bekleidet, kein hiesiger Knabe jüdischen Glaubens es verschmäht hätte, die hiesige israelitische Schule zu besuchen. Wie erhebend muß für den Jubilar das Bewußtsein sein, daß er so viel zur Fortbildung und dem wahrhaft glänzenden Erziehungsresultate vieler der heut angesehen dastehenden früheren Schüler der hiesigen Gemeinde beigetragen hat. Und andererseits mag derselbe auch von der aufrichtigen Dankbarkeit unserer Gemeinde fest überzeugt sein, die in dem Wunsche gipfelt, der Jubilar möge seiner wirksamen erfolgreichen Thätigkeit noch viele Jahre erhalten bleiben. Es sei uns gestattet, aus der gedachten Wirksamkeit des Herrn Freudenthal hervorzuhebcn, daß derselbe zur Aufmunterung der Schüler aus eigenen Mitteln Prämien für fleißige Kinder vertheilte, daß er fast allmonatlich dem Unterrichte längere Zeit beiwohnte und die angestellten Lehrer durch seinen erprobten Rath und auch durch die Thal in ihrem Berufe unterstützte. Die Beliebtheit des Herrn Freudenthal zeigte sich an dem Jubiläumstage ganz besonders. Von nah und fern kamen Gratulationen, die früher hier angestellten Lebrer hatten die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, dem Jubilar ihre Anhänglichkeit zu bezeigen, die Schuljugend war erfreut, ihrem geliebten Vorsteher zu Ehren in Frohsinn und Heiterkeit den Tag ats Fest zu feiern und Herr Freudenthal ließ es sich nicht nehmen, sie mit Getränken und Backwerk zu bewirthen. So läßt sich denn von Herrn Freudenthal wohl der Ausspruch mit Recht anwenden: „Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, ist eingeweiht.". Wahrlich! die von Herrn Freudenthal geleitete Schule ist eine geweihte Stätte, aus der zum Nutzen und Frommen der Gesammtheit nur brave und tüchtige Menschen hervorgehen. Darum schließen wir mit dem W insche, daß es dem Jubilar vergönnt sei, nach ferneren 35 Jahren sein fünfzigjähriges Jubiläum als Vorsteher der israelitischen Schule zu Bodenfelde zu begehen. Aus der Provinz Posen. (Or.-Corr.) Seite 5 des „Zur Berufslhätigkeit der Juden" führt Herr L. Rost einen Passus aus einem Bibel-Vorurtheil oder berechtigter H lffe an, der lautet: Bei fast allen Handlungen der Juden im Verkehr mit Christen spielt dieser Beweggrund seine Rolle, der Schachergeist, das stete selbstsüchtige Streben nach Gewinn. Von Wevell heißt der Verfasser dieses famosen Schriflchens. Seltsame Erinnerungen weckt dieser Namen in mir Es war in den 60er Jahren, da pachteten zwei Brüder von Wevell von einem Herrn v. O. mehrere Rittergüter in unserer Provinz. Im Vereine mit einem dritten, adeligen Herrn und unterstützt von andern Slandesgenossen wurden großartige Oel- und Mehlmühlen, sowie Brennereien errichtet, Drainage und sonstige Verbesserungen auf den Gütern durchgeführt — lebhafte Handelsverbindungen wurden angeknüpfl. Der Werth der Güter ward verzehnfacht. Die beiden Herren v. W. waren Schwiegersöhne des Besitzers ihrer Pachtgüter geworden, dadurch stieg ihr Credit ungemein. Da p.ötzstch, als Hunderttausende ausgepumpt waren, ließ der Herr Schwiegervater die Pächter wegen angeblich nicht bezahlter Pacht in Concurs erklären — der dritte Pächter war ruinirt (der ehrliche Mann gab Alles hin), eine große Zahl jüdischer Familien verarmte, stürzte in grenzenloses Elend — denn die Gläubiger mußten nach Anwaltskosten zahlen, ohne einen Pfennig zu erhalten — und Herr v O. der Schwiegervater der beiden Herren v. W. — verkaufte die Güter zu hohen Preisen und steckte den kolossalen Gewinn ein, den dereinst seine Schwiegersöhne, bezw. seine Enkel erben werden! Noch heute aber darben und jammern „Schacherjuden" über das Eiend, das der Familie v. W. Angehörende über sie gebracht haben. Frankreich. Paris. Eine Gesellschaft zum Schutze verlaffener oder verwahrloster Kinder ist in Bildung, welche alle Politik und religiöse Beschränkung bei Seite laffen will Demgemäß ist Baron Rothschild Schatzmeister, und der Grandrabbin von Paris Mitglied des provisorischen Comils's und wird auf eine erkleckliche Betheiligung der Juden gerechnet, obwohl hoffentlich, nicht allein wegen ihrer geringen Zahl, die Wohlthaten dieses menschenfreundlichen Vereines selten einem jüd. Kinde zu Gute kommen werden. In den drei Synagogen

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