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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-09-18 · N° 38 u. 39. (18.9.1880) · p. Seite 326

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 38 u. 39. (18.9.1880)
Date
1880-09-18
Page
Seite 326 (sequence 4)
Language
German
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— 326 An öffentlichen Schulen werden sie von den meistens engherzig confessionell gesinnten Directoren nicht zugelaffen; in christliche Familien werden sie selten ausgenommen, — wenn sie auch in vereinzelten Fällen von vorurteilsfreien Frauen vorzugsweise gern genommen werden, — schon deshalb, weil sie die Zöglinge nicht in der Religion unterrichten können. Wenn dann die Mädchen aus Verzweiflung und von der drückendsten Roth getrieben, ihrem angestammten Glauben untreu werden, so haben es solche, wenn auch im geselligen Leben noch so hoch dastehende, doch der Verachtung öffentlich preiszugebende Frauen zu verantworten. (Es ist dies ein neuer Beleg des alten Satzes: „Die Juden (resp. die Jüdinnen) machen das größte Rischuß!" — diese hoffärtigen, herzlosen, judenfeindlichen „jüdischen Damen" müßten mit voller Namennennung öffentlich an den Pranger gestellt werden auch — „aus Princip"! (Red.) X. Charlottenburg. (Or.-Corr.) Obgleich Zahlen beweisen, so kann durch falsch angewandte Zahlen am ehesten Jrrth um und Täuschung hervorgerufen werden. Dies scheint auch bei dem von Ihrem gesch Blatte Nr. 33 angeführten Artikel des „Auslandes" der Fall zu sein, denn, wie die daselbst angeführten Zahlen selbst beweisen, ist nicht die größere Zahl der Geburten die Ursache der „Fruchtbarkeit des Judenftammes", es ist vielmehr die längere Lebensdauer der Geborenen. Die Ursachen der längeren Lebensdauer der Juden sind aber folgende: 1) Eine kleinere Zahl von Todtgeburten. 2) Eine ganz bedeutend geringere Kindersterblichkeit. 3) Eine größere Lebensdauer der Erwachsenen. Aus jedem Wochenberichte der Berliner Zeitungen ist zu ersehen, daß Todtgeburten und Kindersterblichkeit bei Unehelichen einen bedeutend höheren Prozentsatz erreichen als bei Ehelichen, ebenso, daß dieser Prozentsatz bei der ärmeren Bevölkerung ein höherer ist als bei der wohlhabenderen. Da aber die unehelichen Geburten bei den Juden weit seltener und ihre Wohlhabenheit eine größere ist, so sind die Erscheinungen ad 1 und 2 ganz naturgemäß. Hierzu kömmt noch, daß anerkanntermaßen die jüdischen Krauen während der Zeit, daß sie guter Hoffnung sind, sich einer weit schonenderen Behandlung erfreuen und daß auf die Pflege der jüdischen Kinder eine größere Sorgfalt verwandt wird. Der unverhältnißmäßig starke Besuch höherer Schulen ist für Letzteres schon Beweis genug. Daß aber Fernbleiben vongesundheitsschädlichen, aufreibenden und gefährlichen Berufsarten, höhere Wohlhabenheit und besonders Mäßigkeit die Lebensdauer verlängern, ist nicht minder einleuchtend, es bedarf daher für 3. keines Beweises durch Zahlen, die mir momentan nicht zu Gebote stehen. Das gerade Gegentheil von der Behauptung, „daß bei ungemischten Arten und Species die Fruchtbarkeit größer und mehr gesichert ist", scheint wahr zu sein, denn bekanntlich werden taubstumme Kinder, von denen es unverhältnißmäßig viele unter den Juden giebt,*) zum größten Theil in Ehen unter Blutsverwandten erzeugt. Die geringe Seßhaftigkeit der Juden, erzeugt durch die vielen Verfolgungen, die sie früher erlitten, sowie dadurch, daß sie keinen Grundbesitz erwerben konnten, der sie an die Scholle fesselte. ferner ihre Wanderungen, welche sie als Studirende (B'Tim) und Kaufleute unternahmen, war und ist wohl der Grund davon, daß aus dem rDT p ein rQT p geworden. Münster, 8. September. (Or.-Corr.) Unsere Gemeinde hat am 27. und 28. v. M. ein schönes Fest gefeiert: Die Einweihung ihrer neuen Synagoge, — ein prächtiges Bauwerk, eine Zierde unserer Stadt. Schon seit mehreren Jahren hatte sie die Nothwendigkeit erkannt, die alte, zu klein gewordene, im Jahre 1830 erbaute, in einem unansehnlichen Stadttheile versteckt gelegene Synagoge durch eine neue größere zu ersetzen, bis es ihr 1878 gelang, einen paffenden *) Bericht über die jüdische Taubstummenanstalt in Wien. Bauplatz zu erwerben. — Noch in demselben Jahre ist der Bau nach einem Plane des Architekten Hoffmann aus Herborn begonnen und im Laufe des vorigen Monats vollendet worden Dieser noch junge Mann hat sich durch den, im maurischen Style ausgeführten Prachtbau ein Verdienst um die Gemeinde erworben. — Die Einweihung, von Herrn Dr. Mansbach. Seminar - Lehrer hier, in würdigster Weise vollzogen, hat unter zahlreicher Betheiligung der Bürgerschaft stattgefunden. Nachdem derselbe Freitag Nachmittag in der alten Synagoge eme kurze Abschiedsrede gehalten halte, wurden die Thorarollen nach der neuen gebracht. Hier hatten sich auf Einladung des Vorstandes die Spitzen der höheren Staats- und der Stadt - Behörden versammelt. Nach einer kurzen Ansprache des Baumeisters übergab derselbe dem Vorsitzenden des Vorstandes den Schlüssel zur Synagoge, welchen dieser mit paffenden Worten dem den Oberpräsidenlen (der sein Bedauern ausgedrückt hatte, durch eine Reise verhindert zu sein) vertretenden Regierungs-Präsidenten mit der Bitte überreichte, in das Gotteshaus zu treten. Nachdem die Ehrengäste, gefolgt von der Gemeinde und einem sehr zahlreichen Publikum unter einem Präludium der Orgel, ihre Plätze eingenommen hatten, wurde ein Choral gesungen, alsdann von dem Prediger die „ewige Lampe" angezündet. Nachdem hierauf der Psalm 24 vom Vorbeter und Chor gesungen war, hielt Herr vr. Mansbach die Weihrede, nach deren Schluffe ein zweiter Choral gesungen wurde. Mit dem Abend-Gebete schloß die erhabene Feier. — Auch am folgenden Morgen war die Synagoge von einer andächtigen Menge gefüllt, auf welche die Predigt und überhaupt die ganze Feier einen sehr wohlthuenden Eindruck gemacht hat. Ref. kann diesen Bericht nicht schließen, ohne den Eifer rühmend hervorzuheben, mit welchem die Gemeinde den kostspieligen Bau gefördert hat. — Nach der so würdigen kirchlichen Feier war Abends ein ebenso gelungenes weltliches Fest im zoologischen Garten veranstaltet, wo die ganze Gemeinde und mehrere Ehrengäste durch Eoncert und Ball in frohester Stimmung bis in sehr später Stunde sich vergnügten. — Möge die Eintracht der Gemeinde, durch welche dieser Bau ermöglicht worden ist, niemals gestört werden. (Soweit unser Berichterstatter. Wir fahren mit dem „möge" fort. Möge es dem Tempel nicht an Besuchern fehlen, und möge die Gemeinde dafür Sorge tragen, daß das Wort Gottes nicht schwinde aus ihrer Mitte, möge sie einen religiösen Führer wählen, damit „nicht ein Jeder thue was recht in seinen Augen scheint", und das religiöse Leben in der rabbinerlosen Provinz Westfalen nicht ganz ersterbe, daß es nicht heiße: „Israel baute herrliche Tempel und vergaß — des Ewigen seines Gottes." Red.) Oldenburg (Großherzogth), 9.Sept. (Or.-Corr.) Unsere Gemeinde hat durch den Tod des Kaufm. und Antiq. S. L. Lands berg, deffen sterbliche Hülle wir am 1. Selichottage in den kühlen Schoß der Erde eingebettet haben, den Verlust eines trefflichen Mannes, eines seiner besten Mitglieder zu beklagen. Aus Lübeck gebürtig, gehörte der Verstorbene bis zum 40. Lebensjahre dem Lehrerberufe an, dem er in seinem Wirkungskreise Harburg, Diepholz (Pr. Hannover) und hier mit größter Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit oblag«, mußte jedoch damals wegen unzureichender Bemeffung seines Gehaltes das Amt aufgeben, als er seinen eigenen Heerd zu gründen beabsichtigte. Auf dem Gebiete der bibl. und talmudischen Schriften heimisch, war er bis in sein spätes Alter hinein bestrebt, die Lücken in andern Wissenschaften auszufüllen und sich viele Kenntniffe in älteren und neueren Sprachen anzueignen. Sein Haub bildete oft den Centralpunkt und Sammelplatz für Gelehrte, Geistliche, Lehrer und Juristen, weil er wie kein Zweiter im Stande war, für Fachschriften die beste Auskunft zu geben. Bei den Pastoren im Lande, von denen einige bei ihm Unterricht in der hebr. Sprache hatten, stand er in hoher Achtung. Er erfreute sich nicht allein hier einer allgemeinen Beliebtheit, da sein Wohlwollen und seine Güte

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