Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 37. (10.9.1880)
- Date
- 1880-09-10
- Page
- Seite 316 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 1× ep/1000834
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— 316 — Es wurden im Jahre 1878 Pensionen an 3 Lehrer in Höhe von c. 1200 M., im Jahre 1879 an 4 Lehrer 2040 M. gezahlt (einer erhielt die volle Pension: 1200 M.) Mit Recht weist der Vorsitzende Herr Landrabbiner vr. Meyer in einem „Nachwort" aus das erfreuliche Resultat hin, daß die Kasse in der Lage war, ihrem unangreisbaren Fond aus ihren laufenden Einnahmen wieder 3000 M. hinzuzufügen und dadurch denselben auf 3 8,000 Mark zu bringen — ein Resultat, welches nach so kurzem Bestände geradezu überraschend ist, namentlich im Vergleich mit Vereinen ähnlicher Tendenz. Es sind Unterstützungen bewilligt, deren Höhe von anderen ähnlichen Kassen auch nicht annähernd erreicht werden kann, so daß den Beneficiaten dadurch wahrhaft geholfen und der Zweck, den Mitgliedern für ihr Alter und ihre Hinterbliebenen eine thunlichst sorgenfreie und nicht demüthigende Existenz zu sichern, erreicht ist. Wenn trotzdem noch viele Lehrer, namentlich aber die jüngern, nicht beitreten und auch die Gemeinden nicht darauf dringen, so ist das wegen des sich darin zeigenden Mangels an Gemeinsinn aufrichtig zu beklagen. Die Kaffe zählte Anfangs 1880 im Ganzen 25 Mitglieder, von denen bereits 4 unterstützungsbedürftig sind und daher nicht mehr beitragen. Mehr zu verwundern ist, daß die Zahl der Synagogengemeinden, welche jährliche Beiträge zahlen, bis auf fünf heruntergegangen ist. neu hinzugekommen ist nur eine (Emden). Da die Unterstützungskaffe allen isr. Gemeinden der Provinz zu gute kommt, so sollten auch alle derselben Beiträge zustießen laffen. Rühmend anznerkennen ist die sich gleich bleibende Theilnahme der Gemeinde Hannover und der einzelnen Mitglieder. Die Spende des Herrn Louis Oppenheimer zum Andenken an seinen sel. Vater verdient Nachahmung, ebenso das Legat des Herrn S. Hammerschlag zu Nienburg a. d. Weser, der der Kaffe 1500 Mark vermacht hat. In der jüngsten Generalversammlung wurde eine Com« miffion zur durchgreifenden Revision der Statuten nach Maßgabe der gemachten Erfahrungen niedergesetzt, deren Resultat zum ferneren Gedeihen der Kaffe gereichen möge. Aus dem Hildesheim'fchen. (Or. -Corr.) In der Ja» cobson-Schule zu Seesen hat sich seit Kurzem wieder ein Stückchen Culturgeschrchte abgespielt, welches immerhin als Zeichen eines erfreulicheren Fortschrittes betrachtet werden mag. Der jetzige Hausvater, der 5te in den letzten 14 Jahren, war bis Ostern Religionslehrer in Bromberg, woselbst er 18 Jahre fungirte und in hohem Ansehen stand. Davon zeugen nicht nur deffen Abgangszeugnisse, sondern auch die vielen Ehrengeschenke, welche ihm von Seiten der Gemeinde und von verschiedenen Schulen bei seinem Abgänge gemacht werden. Wäre ihm nicht die Mühewaltung an der Seesener Schule so leicht, und die Einnahmen an derselben so großartig vorgestellt worden, so wäre der brave Mann sicherlich in B. geblieben. Doch kann und wird sein hies. Wirken sich hoffentlich sehr segensreich gestalten. Einige der seitherigen Hausväter hatten die Speisegesetze wenig oder gar nicht beachtet, Herr Cohn aber und seine Familie sollen 2 Monate nichts Gekochtes in der Anstalt genoffen haben, bis der Director die Erlaubniß zur Anschaffung vollständig neuen Geschirres gegeben, und sich mit der altneuen Einrichtung einverstanden erklärt hat. Die wiedereingeführte koschere Küche wird dem Lehrziel hoffentlich keinen Abbruch thun, und kann der Anstalt nur von Nutzen sein, da das Wohl eines solchen Instituts ebenso von einem geeigneten religiösen Hausvater, wie von einem tüchtigen Director bedingt ist Beuthen, O/S., 5. August. Auf offener Straße wurde am Sonntag der Wittwe des verstorbenen Musikus H—d ein noch nicht ganz zweijähriger Knabe durch einen Polizeibeamten fortgenommen, worüber die Mutter fast in Verzweiflung gerieth. Nach der „Oberschl. Grenz-Ztg." ist der Zusammenhang ungefähr nachstehender: Der Musikus H—d, evangelisch, heirathete vor etwa 5 Jahren eine israelitische . Frau, und es entsproffen aus dieser Ehe zwei Kinder männj lichen Geschlechts, die nach evangelischem Ritus getauft wor-! den sind. H—d, welcher seine Familie hier zurückgelaffen hatte und stark brustleidend war, nahm im vorigen Jahre ein Engagement bei einer französischen Kunstreitergesellschaft in Odessa an, erkrankte jedoch in Folge des rauhen russischen Klimas sehr schwer und kehrte bei rauher Jahreszeit zurück, um wenigstens bei seiner Familie zu sterben. Trotz mannigfacher Unierstützungen war die Roth in der Familie des Schwererkrankten groß und steigerte sich derartig, daß H—d kurz vor seinem Tode angeblich in Gegenwart von Zeugen erklärt haben soll, er wünsche, baß seine beiden Knaben, im Alter von 4 und ca. 2 Jahren, zur jüdischen Religion übertreten sollten, wahrscheinlich in der Erwartung größerer Unterstützungen seitens der Verwandten seiner Frau. Bald nach dem Tode des H. ließ die Wittwe ihre beiden christlich getauften Kinder beschneiden und kurz barauf wurde der königl. Staatsanwaltschaft Anzeige von dem Vorfall gemacht. Die Frau sowohl wie der Operateur wurden jedoch von der wider dieselben erhobenen Anklage freigesprochen. Der Frau, welche i wie bereits mitgetheilt, in sehr bedrängten Verhältnissen lebt, wurde von der Polizei aufgegeben, die beiden Knaben zu eineranderweitigen Unterbringung und Erziehung he rauszugeben. Da der älteste Knabe bei Verwandten außerhalb untergeb7 acht i worden war, so wurde der Wittwe H. anfgegeben, denselben innerhalb einer vierzehntägigen Frist wieder hierher zu scha ffen.! Das jüngste Kind, welches der Wittwe am Sonntag genom-? men wurde, ist angeblich bei einer Familie in Pleß untergebracht worden. (Das sind die Folgen der von Vielen jetzt so hochgepriesenen Mischehe. Red.) Mainz, 25 August. In unserer Nachbargemeinde B. lebt schon seit fast einem Jahrzehnt ein Mann — Pole von Geburt — der einen kleinen Handel betreibt und nebenbei das Amt eines Vorsängers bekleidet. Vor einem Jahr machte derselbe die Bekanntschaft eines sehr wohlhabenden Mädchens und verlobte sich mit ihr. Die Hochzeit de- Paares wurde auf die Mitte dieses Monats festgesetzt. So war es beschlossen aber — der Mensch denkt und Gott lenkt. Das Turnfest zu Frankfurt war gekommen, aus allen Theilen Deutschlands waren die Turner herbeigeströmt, auch Oesterreich war stark vertreten und sogar aus einer mittelgroßen Stadt an der österreichisch-polnischen Grenze hatten sich einige Turner zu dem Feste eingefunden. Die Turner unserer Nachbargemeinde B. waren selbstverständlich auch in nicht geringer Anzahl auf dem Festplatze erschienen. Eines Abends traf es sich, daß mehrere von diesen inst ihren österreichischen Festgenoffen zusammenkamen und von diesem und jenem plauderten. Unter Anderem wurde von einem Turner aus B. auch beiläufig der Name jenes Vorsängers erwähnt, welcher ebenfalls österreichischer Unterthan sei. Kaum hatte aber einer der österreichrschen Turner deffen Namen vernommen, als er sich genauer darnach erkundigte und schließlich erklärte, der Träger dieses Namens sei in seiner Geburtsstadt ansäffig gewesen, habe v^r 9 Jahren der Heimath den Rücken gekehrt und seitdem seine Frau mit zwei Kindern ohne alle Nachricht von sich geraffen. Nach der Rückkehr der Turner wurde nun der Frau des Vorsängers dort mitgetheilt, daß ihr Mann sich in B. befände und im Begriff stehe, sich abermals zu verehelichen. Die Frau wendete sich hierauf an ihre Behörde und die Wahrheit kam an den Tag. Aus der Verheirathung wurde selbstverständlich nichts und der Gemeindevorstand hat den Vorsänger sofort seines Dienstes entlasten. Aus -er bairischen Pfalz. (Or.-Corr.) Wir haben in einer frühern Correspondenz schon einmal der unter Leitung des Herrn S. Bärmann stehenden „Gewerb- und Handelsschule" in Dürkheim a/H. Erwähnung gethan. Ein so anerkanntes, von einem Juden geleitetes und stets auch von vielen christlichen Knaben frequentirtes Institut ist in einer Rischusperiode, wie die jetzige, ein viel zu wichtiger, der Rischusvertilgung dienender Faktor unseres öffentlichen Lebens,