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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-09-01 · N° 36. (1.9.1880) · p. Seite 309

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 36. (1.9.1880)
Date
1880-09-01
Page
Seite 309 (sequence 5)
Language
German
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und der Anwälte der Gerichte ersten Ranges zuj bringen. Letztere werden zugleich ersucht, Exemplare dieses Circulärs den Untersuchungsrichtern u. s. w. zukommen zu lassen, u. s. w." Nun aber hat es mir unlän gst geschienen, daß diesem Circular Seitens der gerichtlichen Beamten nicht immer nachgekommen wird. In Folge dessen ersuche ich Ew. u. s. w., die gerichtlichen und poliz. Beamten neuerdings auf das genannte Circular aufmerksam zu machen. Ein genügende Anzahl Exemplare dieses Erlaffes folgt hiermit zur Vertheilung an den bezüglichen Beamten. Der Justizamtster. (gez) A. E. I. Mod der man. — Für das hier aufzurichtende Sarphati-Monument, von welchem in Nr. 32 dies. Bl. bereits die Rede war, hat Prinz Friedrich der Niederlande den Betrag von f. 200 gespendet. Großbritannien. London. Die „Anglo-Jewish-Assocation" hat ihren neunten Jahresbericht herausgegeben, welcher in klarer und eingehender Weise die Thätigkeit dieser edlen Vereinigung zur politischen und geistigen Befreiung der Juden in Asien, Afrika und dem Osten Europa's schildert. Freilich sind ihre Bemühungen zum großen Theile in Gemeinsamkeit mit der „Alliance" zu Paris unternommen worden, das aber ist gerade das Hocherfreuliche, daß diese Vereinigung mächtiger, einflußreicher und hochherziger Männer zu innerer Stärkung und würdiger Vertretung führt. Aber dieser englische Bund, welcher 29 Zweigvereine und 8 Agenturen mit 1734 Mitgliedern zählt, hat auch selbstständig gethan, was eben Israeliten thun können und sollen, wenn es gilt, für die Glaubensgenoffen einzutreten. Sie haben sich der rumänischen, marokkanischen, serbischen, bulgarischen, ostrumelischen, ruffischen, asiatischen Juden energisch angenommen, haben durch die Presse für die Veröffentlichung der Zustände gesorgt, unter denen die Juden da gelitten und leiden, sie haben Deputationen an die einflußreichen Männer zur Zeit geschickt und dort die Herzen der Mächtigen gerührt und für die Gedrückten erwärmt, sie haben überall, so weit sie konnten, geschrieben, gesprochen, gebeten, vertheidigt und zur Unterstützung Viele mit bewogen. Sie haben energisch die unwahren Darstellungen der Judenfeinde in Rumänien bekämpft und dafür gesorgt, daß das Unrecht, das an den Juden geübt wurde, als solches auch von der gebildeten Welt betrachtet und verurtheilt wurde — Q.Tsn Qm. Der Bund hat auch vortreffliche Berichterstatter, welche interessante Berichte über die Juden auf der Bflkanhalbiniel (auch über die in Bagdad) erstatteten. Die Berichte sind dem Jahresbericht beigefügt. Der Bund hat aber auch mit Geldmitteln das Werk der jüdischen Geisiesemancipalion unterstützt. Er trug im Jahre 1879/80 zur Erhaltung der Schulen in Blgdad, Beyrut, Mogador, Philippolis, Salonica, Smyrna, Sofia, Tunis und Widdin mit einer Gesammtsumme von 859 Pfd. 8 Sh. 11 D bei. Er hat auch für die Errichtung von Schulen in Palästina einen Beitrag von 200 Pfd. verwilligt und dafür gesorgt, daß zur Verhütung von Epidemien in Marocco die Impfung unter den dortigen Juden eingeführt werde. Das Verzeichniß der Spenden und der Fonds zeigt uns, daß die Einnahmen des 1879/80 durch Spenden um 1000 Pfd. Sterling sich vermehrten, welche dem Erzrehungsfond 190 Pfd., sowie eine kleinere Summe dem Schulbaufond von Tunis und Jerusalem zuführten. So schön dieses Resultat an sich ist, so will es scheinen, als ob es doch den Erwartungen nicht entspräche, die man sowohl in als außerhalb Englands von dem Reichthum und der hochherzigen Begeisterung für das Judenthum bei den englischen Juden zu hegen berechtigt ist. Doch ist wohl zu hoffen, daß die edlen Werke des englischen Bundes die englischen Juden selbst immer mehr begeistern werden und dieser zum Wähle der Gedrückten immer größere Gaben einzunehmen so glücklich sein wird. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Aus Neuß läßt die „Köln. Ztg." sich berichten daß der dortige Schächter abgesetzt worden ist, weil er am Samstag vom Frankfurter Turnfeste heimkehrte. Dabei wird seltsamerweise Mangel an Toleranz der Gemeinde vorgeworfen. ^Wenn's die Herren sich doch nur klar machen wollten. Die Schächtbefugniß ruht auf dem Vertrauen, welches man einer Person schenkt, daß sie die bezügl. Ceremonialgebote sorgfältig beachtet. Sobald nun dieselbe Person wichtige Ceremonialgesetze öffentlich Übertritt, hat sie den Beweis erbracht, daß sie das bisher ihr geschenkte Vertrauen nicht verdient und nicht Schächter sein kann! Ebensowenig wie man es vernünftiger Weise verübeln kann, daß man einen schwatzhaften Menschen keine Geheimnisse anvertraut, kann man es einer jüdischen Gemeinde verargen, daß sie einem Manne, der die Ceremonialgesetze Übertritt, nicht deren Wahrung übertragen will! Red. Aus Frankfurt a/M. wird uns geschrieben, daß die beiden in Nr. 33 erwähnten Brüder Dr. Arnold und Julius Beer, bei ihrem Tode dem Judenthüme nicht mehr angehörten, Berlin. Der neue israelitische Kirchhof in Weißensee wird nach einer offiziellen Mittheilung Mitte nächsten Mo - nats eröffnet werden. Die Beamten sind bereits hinaus beordert und Herr Gustav Lichtenstein, ein Sohn des in jüdischen Kreisen sehr bekannten Kantors Lichtenstein, zum Jnspector deffelben ernannt worden. Der alte Kirchhof vor dem Schönhauser Thor, beiläufig einer der schönsten Berlins, bleibt indessen bestehen und kommen, soweit noch offene und Erbbegräbnißstellen vorhanden, Todte dort zur Beerdigung. Unzweifelhaft wird man bei den neuen Anlagen die Schönheit und Kunstvollendung der früheren fortwirken laffen und so auch hier unseren Weltstadt-Todten ein unvergängliches Denkmal errichten. Breslau. Unserm Mitbürger Herr Dr. rncä. Gustav Joseph ist die große Auszeichnung zu Theil geworden, von der philosophischen Facultät der Universität Leipzig auf Grund seiner bisher veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten zum Dr. philosophiae honoris causa ernannt zu werden. — Am Sonntag, den 15. d. M.. wurde in stillster Feierlichkeit auf dem hiesigen israelitischen Friedhöfe das Denkmal des verdienstvollen Dr. H. Sachs-Bey aus Kairo (weil. Leibarzt des egyplischen Khedive) enthüllt, der am 29. September vorigen Jahres zu Baden Baden starb und auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe beerdigt üegt. Das Denkmal besteht aus moosgrünem schwedischem Granit in Form einer egyplischen Pyramide, die auf einem weißen Felsensockel ruht. Elbing, 19. August. Am 24. d. M. feierte einer unserer ältesten und geachtetsten Mitbürger Herr Sanitätsrath Dr. Samuel Cohn mit seiner Gemahlin das Fest der goldenen Hochzeit, nachdem es ihm im Vorjahre vergönnt gewesen, das 50jährige Jubiläum eines Ehrenbürgers der Stadt Elbing zu feiern. Der hochbetagte Jubilar erfreut sich einer seltenen Frische und Rüstigkeit und übt noch seine ärztliche Praxis aus. Myslowitz, 17. Aug. Am gestrigen Tage feierte hier das sehr geachtete Ehepaar Pniower seine goldene Hochzeit, wozu sich sehr viele auswärtige Freunde eingesunden hatten. Die Einsegnung geschah, wie üblich in der hiesigen Synagoge wobei der Rabbiner Herr Dr. Jaff6 eine herzliche Ansprache hielt. Danzig, 17. Aug. (Or.-Corr.) Hier ist vor einiger Zeit ein Mann, der nach seinem in französischer Spracheangesaßten Paffe aus Plewna stammt und Chajim Cohn heißt, an einem Sabdath in einem Cigarrenladen verhaftet worden, weil er dem Rabbiner einer Nachbargemeinde eine silberne Dose, die sich noch in seinen Besitze vorfand, gestohlen hatte. Da derselbe bereits aus dem Gefängnisse entlassen, ihm aber die glänzenden Zeugnisse, welche er von einer großen Anzahl von Rabbinern Oesterreichs und Deutschlands (z. B. Pest, Wien,

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