Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-08-25 · N° 35. (25.8.1880) · p. Seite 302

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 35. (25.8.1880)
Date
1880-08-25
Page
Seite 302 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/5369809-9583817-9584154--4237-9584160
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 302 — — freilich unbeglaubigte — Abschrift eines |ad hoc abgefahren Schreibens des Bromberger Vorstandes beigefügt hätte, worin auch der Nachdruck nur auf das „bewerben" gelegt ist. (Red.) Breslau. Die hies. 11 städtischen höheren Lehranstalten wurden im Sommer von 6425 Schülern besucht, davon ge» hörten 4041 dem evangelischen, 840 dem kathol., 15 36 dem jüdischen Bekenntnisse an; 8 der freireligiösen Gemeinde. Krakau, vr. Adamkowitsch, ein junger tüchtiger isr. Arzt, ist zum ordentlichen Professer an hiesiger Universität berufen worden. (Jwri) Paris. Der „Figaro" bringt nähere Daten über den Pariser Bildhauer Vidal, der völlig blind ist und dabei unabläsiig arbeitet. Er beschäftigte sich ursprünglich mit Anatomie und erst nach seiner Erblindung widmete er sich der Bildhauerei, einem Fache also, für welches das Auge als unentbehrlich gilt. Auf die Weltausstellung 1867 brachte er einen Stier. Für den Kaiser Napoleon modellirte er einen Panther, die Baronin James Rothschild besitzt eine Gazelle von ihm, das Artilleriemuseum ein sterbendes Pferd. Thierstatuen sind seine Specialität; man kann sich also denken, welche großartigen Naturstudien er vor seiner Erblindung gemacht haben muß. Er übernimmt Aufträge auf Portraitbüsten; er betastet das Gesicht des Modells so lange, bis er dessen Physiognomie — in den Fingern hat, und er „trifft" mit großer Sicherheit. Für die Ehrenlegion war er mehrmals vorgeschlagen, doch da er in Folge seines Gebrechens nicht in der Lage ist, eine Unzahl von Visiten bei den maßgebenden Persönlichkeiten zu machen, wurde er immer von Rivalen zurückgedrängt. Paris. Die „Revue" der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Wiffenschaft, deren erste Nummer am 30. Septbr. cr. ausgegeben wird, soll jährlich dreimal erscheinen. Sie wird die Protokolle der Generalversammlungen und des Conseil (des Vorstandes) enthalten. Dieser hat sich in ein Publi« kations- und ein Verwaltungscomitd getheilt. Paris. Unter den 5 Lehrern, welche auf Kosten der Stadt Paris den internationalen Unterrichtscongreß in Brüssel besuchen (neben ihnen 2 Lehrerinnen und 4 Stadträthe), befindet sich Herr Rheims, ein jüd. Lehrer. (Un. isr.) Brüffel. Unter den zur Eröffnung der Ausstellung Geladenen repräsentirten den jüd. Cultus der Oberrabbiner und der Oberkantor. London. Das „Athenäum" berichtet, daß die Predigtsammlung „Naphtule Elohim" des vr. H. Adler (Uebersetzer ist Herr Elias Shaldam) in Mahrattischer Sprache in Bombay erschienen ist. Buckarest. Von hier haben 100 Familienväter, von welchen 70 Handwerker und viele des Ackerbaues kundig sind, da sie Miethlinge bei Besitzern waren, sich an die Alliance mit der Petition gewendet: dieselbe möge ihnen in Palästina Land ankaufen. Sie selbst wollen ein Jeder 400 Frcs. beisteuern und den Mehrbetrag in Jahresraten abzahlen. — Die Petenten nennen das Land, dem sie mit Recht so bald wie möglich den Rücken kehren wollen: “ im (ein schlechtes), es wird, wenn die Auswanderung der Juden von richtiger Hand geleitet würde (was wir wünschen und hoffen), bald den Namen verdienen ^28 im (schlecht durchVerarmung)! Nach dem(„Kol.") Aus Rußland. Für den Colonisationsverein sind bis zum 1. Juli 137,000 Rubel gesammelt worden. Tausende haben sich zur Anstedelung bereit erklärt. „Von der Weichsel bis zum Dnieper" drängt sich Alles zum Handwerk und zum Ackerbau Schmiedet das Eisen» so lange es glüht. Rußland, Palästina und Amerika werden den modernen Pharao's und Hamans zeigen, daß ihre, ach so tiefsinnige (?), historische und naturwissenschaftliche Beschimpfung des Judenstammes nur erlogenes Altweibergewäsch ist. — Nach dem „Golos" sollen Polen und Juden die Be» rechtigung erhalten, in den Südwestprovinzen Posthalter zu werden. . (Hazephira). In Mohilew am Dnieper, hat Herr I. Rainer testamentarisch 10.000 R zu einer interconfeffionellen zinsfreien Darlehnskaffe bestimmt, die nunmehr ins Leben getreten ist. (Hazephira.) Krementschig (Rußland). Etwa 20 jüd. Familien von hier bitten, sie als Colonisten anzusiedeln. Da die Geldsammlungen noch lange Zeit dauern werden, bis sie ein genügendes Resultat ergeben, und vie sonstigen Formalien, welche der Vereinsglündung vorangehen müssen, außerdem sehr zeitraubend sein, spricht Hameliz*) den Wunsch aus, Herr Paliakoff möge vorläuftg Güter auf seinen Namen erwerben und darauf die eben Genannten wie die Bittsteller aus Borispol ansiedeln, mit der Bedingung, in 30 bis 40 Jahren den Kaufpreis des Landes heimzuzahlen. Durch solch praktisches Vorgehen würde die ganze Landbewegung einen erhöheten Aufschwung bekommen! Wielkotschi (Galizien). Hier, wo etwa 200 jüd. und mehr als 150 christl. Familien wohnen, ist Herrr Niffan Peier e i n st i m m i'.g zum Bürgermeister gewählt worden, nachdem er 8 Monate Vicebürgermeister gewesen. Es ist das der 18. jüd. Bürgermeister in Galizien. (Jwri.) Feuilleton. Chajirn Pro stak. Historische Erzählung aus der Entstehungszeit des Chassidismus. Eine wahre Geschichte aus der zweiten Halste des 18. Jahrhunderts von A. S. Weiß mann. (Fortsetzung.) Erst gegen Mittag hielten wir vor einem Wirthshause auf der Landstraße, kaum eine Meile von hier. Ein alter Mann, man konnte ihn für einen Siebziger halten, saß auf i einer rohgezimmerten Bank vor seiner Herberge. Es war der ' Wirth, denn er schmauchte sein Pfeifchen, war sehr bequem gekleidet, wie wir es uns alle nur zu Hause erlauben. Eine weite! läppische Hose aus groben Linnen von einem Riemen zusammengehalten, eine buntfarbige Weste mit langen, bis zu den Knieen reichenden Schaufäden, krummgetretene Pantoffel und ein trichterartiges Tuchkäppchen bildeten beu vollständigen Anzug dieses Mannes. Kaum wurde er unserer ansichtig, als er sich; erhob und auf uns zukam. Er schien seinen Augen nicht zu trauen, er beschirmte sie daher mit seiner Linken und bemühte sich sichtlich, seinen Blick zu concentriren. Mit einem Male stieß er einen Schrei der Freude aus, schritt auf Sara, der Pferdelenkerin, wie auf eine alte Bekannte zu, ergriff ihre Hand, die sie ihm entgegenreichte, und schüttelte sie auf einer Weise, als wollte er sie aus dem Handgelenk reißen und rief dabei aus: „Ah! endlich sieht man Sie wieder! Ich glaubte Sie schon tüchtig im Pfeffer; denn nicht überall verfängt die : j Schönheit und Nichts auf dieser Welt läuft glatt ab. Aber! > unsere Liebe zu diesen edlen Thieren ist stark genug, um vor den Folgen nicht zurückzuschrecken. Nicht wahr meine Heldin!" — Sara schwang sich vom Wagen, klopfte den Alten auf die Schulter, der sich nun mit den Pferden zu schaffen machte r und sie mit Kennermiene betrachtete und Bemerkungen machte, .tj h die ich mir als kabbalistische Phrasen auslegte. Erst später ] grüßte er Leib Saras mit dem üblichen „Scholem alechem“. aber ohne ihn auch nur recht anzusehen, denn sein streng? prüfender Blick ruhte unverwandt auf uns. Und sein Blick | war ein durchdringender, ich überhaupt fühlte mich dabei sehr * unbehaglich. Auch Chaim und Bescht schienen meine Empftn- ' düng zu theilen. — „Diese Leute gehören unserer Zunft nicht j . an," sagte er zu Leib Saras ganz kategorisch, „der eine zittert j gar, als hätte sich der Juli zum Dezember verwandelt", und | , *) Im „Hameliz* wird offiziell dementirt, daß in Terespol Sol« § 1 baten in der Synagoge einquartirt und den Gottesdienst gestört hätten. £ | Nur in den Bothe-Midrasch sind im Januar Soldaten beherbergt wor- | § den, doch sei nie eine Störung des Gebetes vorgekommen. (Red.) | |

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.