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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-08-25 · N° 35. (25.8.1880) · p. Seite 301

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 35. (25.8.1880)
Date
1880-08-25
Page
Seite 301 (sequence 5)
Language
German
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— 301 — Aufblühen begriffene Industrie des Kosakengebietes darniederdrücken, den gesammten Handel an sich reißen, u. s. w. Ob diese Berichte der dortigen Verwaltung einer eingehenden Prüfung unterworfen worden sind, ist unbekannt. Das donische Kosakenheer ist aber eine Macht, die man nicht entbehren kann und mit der man rechnen muß. Die Verwaltung des donischen Kosakengebietes gab sich nun die größte Mühe, die von ihr allein bereits im Jahre 1874 aufgeworfene Frage auf das Dilemma zuzuspitzen: Juden oder Kosaken! Aut-aut! Der auf das militärische Princip sich stützende Staat entschied sich natürlich dafür, die Kosaken sich zu erhalten und die paar Juden zu opfern. Das es speciell Juden waren, die in Frage kamen, erleichterte die Sache, da bereits ähnliche alte Verordnungen, wie die neuerlassene, für die Gouvernements Tschernigow und Poltawa existiren, in denen es den Juden gleichfalls nicht gestaltet i>t, sich Güter zu erwerben. Der Vorwurf der zu machen wäre, ist: daß man sich die Entscheidung der aufgeworfenen Frage sehr leicht gemacht, und statt gegen den Niedergang der wirthichaftlrchen Verhältnisse der domischen Kosaken (vorausgesetzt, daß ein solcher Niedergang wirklich exiftirt) durch wirksame Mittel, z. B. durch Unterstützung des wirtschaftlichen Strebens, durch Hebung der gefährdeten Industrie, durch Erweiterung der Volksbildung u. s. w. anzukämpfen, zu einem billigen bureaukratischen Palliativmittel gegriffen, welches wohl kaum den gewünschten Erfolg haben wird! Palästina. Jerusalem. Da es hier alter Brauch ist, daß nur zur Zeit des Vollmondes und in Tagen, welche keine trüben geschichtlichen Rückblicke veranlassen, der „Rischon Lezijon" installirt wird, wurde der neue Chacham Baschi, Raphael Maier Panagil, erst nach Tischoh beow in sein Amt eingeführt. Bedauernswerth ist nur, daß bei rem im ganzen genommen sehr würdigen Emsetzungsacte eine abergläubische Cermonie vor aller Augen verrichtet wurde. Kurz nämlich vor Eintritt des Chacham in sein Haus wurde ein Lamm geschlachtet und mit seinem Blute das Haus und die Treppen gesprengt, — damit der Chacham vor den schädlichen Einflüssen des inn TI? („bösen Blicks") bewahrt bleibe! Amerika. Detroit. Am 13, 14. u. 15. Juli fand hier die Jahresversammlung des Rabbinrschen Literatur-Vereins statt. Die dabei gehaltenen Vorträge werden veröffentlicht werden.*) — Am Niagara tagte der Executivboard des Amerikanischen Gemeindebunds und verhandelte über die Berichte, welche über die Institutionen und Bestrebungen dreses Bundes vorgetragen wurden. (Die Berichte über den Zustand der Vorbereitungsschule zu New 2)ork unter 0r. Gottheil und der Rabbinerschule zu Cincinnati sind den Lesern dieser Zeitung zum großen Theil schon bekannt.) Es wurden bedeutende Beiträge zur Erhaltung dieser Anstalt beschlossen Außerdem werden noch Beiträge für das statistische Comitä, für den Delegirtenausschuß für bürgerliche und religiöse Rechte, und für den Ankauf eines großen Grundstückes für die Rabbinerschule in Cincinnati bewilligt. Detroit 13. Juli. Die in der Nachbarschaft der jüdischen „Shaarey Zedeck" Hierselbst wohnhaften Leute wurden in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli durch eine gewaltige Explosion aus dem Schlafe geriffen und in Schreck gesetzt. Die Synagoge war in die Luft geflogen. Eine Seitenmauer war verschwunden und das Innere des Tempels war in eine Ruine verwandelt. Man hat keine Ahnung über die Ursache der Explosion. Man will nicht recht glauben, daß das Gas die Schuld trägt, muthmaßl vielmehr, daß eine verbrecherische Handlung dem Zerstörungswerk zu Grunde liegt. Anhaltspunkte für diese Annahme sind bis jetzt durchaus nicht vorhanden — berichtet der „Zeitgeist". *) Wir behalten uns eine Besprechung derselben — da die Ansichtat der Referenten stark diverigiren — bis nach Eingang der betr. Druckschrift, vor. (Red.) Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg, 20. August. In einem glänzend und warm geschriebenen Artikel, welchen Herr Dr. Nem 6 npi diese Woche im „Pest. Lloyd" über die „Antisemiten-Liga in Ungarn" veröffentlicht — es gebricht uns an Raum ihn vollständig wiederzugeben. Einzelnes werden wir daraus noch mittheilen — erzählt er u. A Folgendes: Jedes Mal, wenn wir von dem Punkte sprechen hören, kommt uns eine kleine Geschichte in den Sinn, die wir vor Jahren in dem Hause Berthold Auerbach's von diesem selbst haben erzählen hören. Im Jahre 1848 war's, da wurde in Frankfurt a. M. ein großes Banket gefeiert, an dem Deutsch- Rationale und selbst allerhand verdächtige Demokraten theilnahmen, unter Anderen Berthold Auerbach. Nachdem einige Redner gesprochen, erhob sich auch der Dichter der Dorfgeschichten, bei dem der Zauber der Rede vielleicht noch die Anmuth seines geschriebenen Wortes übertrifft. Als er geendet, eilte alles auf den Redner zu, um ihn zu beglückwünschen, unter Anderen auch ein Senator der ehrsamen Stadt Frankfurt, der, ihm lebhaft die Hand schüttelnd, ausrief: —„Oh. Herr Auerbach, wenn alle Juden wären wie Sie!" Worauf Auerbach in demselben Tone schlagfertig erwiderte: —,.O, Herr Senator, wenn alle — Christen wären wie ich!" Magdeburg, 19. August. Die „Köln. Zeit." bringt im ersten Blatt der heutigen Nr. einen „von einem activen preuß. Officier" (also keinem Juden) geschriebenen Artikel „gegen die antisemitischen Bestrebungen", der sich dem Besten anreiht, was wir als „christliche Stimmen über Juden" veröffentlicht haben; wir werden ihn in nächster Nr. bringen, denn er ist die beste, widerlegende Antwort der im „Wests. Merkur" veröffentlichten, eine Einschränkung der Rechte der Juden fordernden Petition unserer protestantischen Ultramontanen an den Fürsten Bismarck. Die Verbreitung sowohl dieses Artikels der „Köln. Zeit." als auch eines Auszuges des vorstehend genannten aus dem „Pest. Lloyd" als besonderes „Flugblatt" wollen wir hiermit dem Ausschuß des Gemeindebundes anempfohlen haben. Berlin, 20. August. Heute haben wir hier einen braven Mann zu Grabe getragen, den in den weitesten jüd. Kreisen bekannten jüd. Buchhändler und Verleger vr Moritz Poppel au er. Er war wegen seiner nicht unbedeutenden hebräischen und talmudischen und bibliographischen Kenntniffe in jüd.-theologischen reisen sehr geschätzt; seine leutselige, friedliebende Natur gewann ihm Jeden, der mit ihm zu thun hatte, zum Freunde; in seinem kleinen Laden in der neuen Friedrichstr. 61 fand man immer einen Cirkel von jüd. Gelehrten. Sein durch Präcision und zahlreiche Notizen rituellen und biographischen Inhalts besonders ausgezeichneter jüd. Kalender trug seinen Namen fast in jedes jüd. Haus.! 'rT'3'2f'3'n Wie wir erfahren, wird sein Geschäft in bisheriger Weise weiter sortgeführt. (Vgl. Inserat.) Berlin. Herr Rabbiner 1)r. Nas cher berichtet, daß er sich allerdings auf kurze Zeit habe beurlauben lassen, aber bei vollkommenem Wohlbefinden keine Veranlaffung haben, von seiner lebenslänglichen Anstellung an der Schochare-hatob- Gemeinde zürückzutreten. Bromberg, 18. Aug. Unser Correspondent schreibt uns: „Ich muß bei meiner Mittheilung stehen bleiben, Herr Dr. Schreiber aus Bonn hat beim Bekanntwerden der HilfSpredigerstelle Vacanz bei dem hies. Vorst an de angefragt, ob sich hier für seine Bestrebungen ein günstiges Feld darbiete, in welchem Falle erdie Stelle anzunehmen bereit sei. Ob dies als Bewerbung anzusehen sei, mögen Andere beurtheilen " „Man sieht, was es mit den „unter Berufung auf das Preßgesetz" geforderten sog. „Berichtigungen" des Herrn Schreiber auf sich hat; wir hätten seiner diesbezüglichen auch keinen Glauben geschenkt, wenn er nicht eine

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