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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-08-11 · N° 33. (11.8.1880) · p. Seite 286

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 33. (11.8.1880)
Date
1880-08-11
Page
Seite 286 (sequence 6)
Language
German
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286 — Thätigkeit in den Jahre 1878 und 79 erstattet. Mit 298 Mitgliedern trat er in diese Periode ein, davon gingen 30 ab, und kamen 81 zu, sodaß er jetzt 349 zählt. An auswärtigen Anstalten Studirende (wie am Breslauer Seminar) zu unterstützen, ist dem Verein verboten worden, ebenso das Verthetlen von Unterstützungen den Zöglingen einer Schule zu überlasten. Ein Vorschlag, alte und brodlose Lehrer zu unterstützen, konnte bisher nicht realisirt werden. Präsident ist Baron Horace Ginsburg, Vicepräsident Herr Sak, Mitglieder die Herren Baek, Harcavy (Sekretair) Bakst und Baron David Ginsburg. Die Filiale in Odesta hat 1879 2391 Rubel eingenommen und 2048 Rubel 20 Kopeken verausgabt. In Wilna und Miesk sind Filialen in Bildung — die Mitglieder in Odesta haben ihre Beiträge für dortige Schüler verwendet. An Zeitungen wurden „Haboker-Or", „Hakarmel", „Ha- Maggid", „Ha-Meliz,", „Hazephire", und „Haschacha", an Schulen, Bibliotheken, Vereine, Rabbinen und Schriftsteller auf Kosten des Vereins versendet. Russische Zeitungen zahlt Herr Baron H. Ginsburg. Mit 1233 Rubel wurden ruffische und hebr. Bücher angekauft, durch ein Darlehn von 300 R. die Herausgabe eines Buches unterstützt. Fremdsprachliche Zeitungen und Bücher wurden für die Bibliothek für 300 R angekauft (Baron H. G. zahlte dazu 150) — 1252 Bücher wurden an Rabbiner, Lehrer und Bibliotheken vertheilt. Ein alter Lehrer erhielt zum Bücherankauf 85 Rubel, zu welchen Vorstandsmitglieder 45 beigesteuert hatten. Mit 3180 R. wurden 25 Schulen im Betrage von 25 bis 300 R. unterstützt. Für ärmere Schüler und Studenten sind 7776 R. 46 Kr. verausgabt. — Der Verein wurde mit Deficit arbeiten, wenn nicht die Herren Ginsburg und Rosenthal ihn so reichlich bedächten. Wilna. Die Talmud-Thora unterrichtet Waisen und arme Kinder im Talmud, Hebräisch, Russisch und Rechnen. 1879 wurden 60 Zöglinge ganz unterhalten, 40 erhielten Esten und theilweise auch Kleider. Dazu noch 80—100, die nur unterrichtet werden. Nach der Entlassung werden die Zöglinge bei Handwerkern untergebracht. Fortan jedoch wird die Einrichtung von Handwerksschulen erstrebt. Der Fonds von 13050 Rubeln soll zur Vergrößerung des Gebäudes verwendet werde-n. Die Einnahmen betrugen 9804,92 Rubel, die Ausgaben 7360,43*/,. (Hameliz.) Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Aus Bukarest und Großwardein wird vor einem gewissen I. Nappoport gewarnt, welcher es verstanden, sich von der Alliance Empfehlungen zu erschwindeln und angeblich für dieselbe sammelt. Uns scheint es überhaupt unzulässig, Sammler umherzuschicken. Dieselben verzehren im günstigsten Falle so viel von dem Gesammelten, daß wirkungsvoll gehaltene Aufrufe mindestens denselben Betrag ergeben. Halberstadt. Unsere Gemeinde ist von einem schweren Doppelverluste betroffen worden, eine Säule der Thora und eine Säule der Wohlthätigkeit sind ihr entristen worden: Herr Rabbinbtsaffeffor Jsaac Lange und Herr Aron I. Hirsch starben, der erstere, 52 Jahre alt, am 31. Juli, der andere im Alter von 35 Jahren am darauffolgenden Tage, tief betrauert von der Gemeinde und der Stadt. Beider Andenken wird zum segensreichen Vorbild in der Gemeinde lange leben! 'n'n-rn'n Leipzig, 30. Juli. Im Kreuzgange des PaulinumS der hiesigen Universität wurde ein anonymer Anschlag vorgefunden, der die Commilitionen zur Unterzeichnung einer Petition an den Cultusminister um Vertreibung der jüdischen Commilitonen und Entfernung der Docenten jüdischer Confeffion auffordert. Die im Wortlaut angeheftete Petition ist voll von Schmähungen gegen die jüdischen Commilitonen und Lehrer, welche sie als „Fremdlinge" in der Nation bezeichnet. Frankfurt a/M. Das iSr. Waisenhaus ist zur Annahme des Geschenkes des Herrn Schütz aus New Dort im Betrage von 50,000 M. ermächtigt worden. Bad Ems, 1. August. (Or.-Corr.) Die hiesigen Heilquellen haben in der Regel eine besonders gute Wirkung gegen Kehlbeschwerden Man sieht darum während der Saison viele Geistliche und Lehrer, Prediger und sonstige Redner, deren Sprachorgane mit der Zeit mürbe wurden, aus allen Nationen und Confestionen am hiesigen Kurplatze. Auch das Judenthum ist hierbei zahlreich vertreten. So gebrauchten hier die Kur folgende Rabbiner: Mr. Zadoc Kahn aus Paris, Dr. Grünebaum aus Landau, vr. Kuttner aus Schwedt, vr. Rosenberg aus Ungarn; und gegenwärtig sind noch hier vr. Steinhard aus Arad, vr. Golds ch m i d t aus Leipzig, vr. A d l e r aus Caffel und vr. Joel, Seminarrabbiner aus Breslau. Ferner gebrauchte Herr Profeffor vr. Derenbourg aus Paris die hiesige Kur. — Hoffentlich werden ihnen die hiesigen Heilquellen mit Gottes Hilfe neue Kraft zur Führung ihres anstrengenden Berufes bringen! Altona, 3. August. Nachdem der Normal-Lehrplan und das Regulativ für die Schule der hochdeutschen Israeliten« Gemeinde von der königl. Regierung genehmigt worden, kann die Sch lle vom 1. Octob. d. I als Volksschule im Sinne der allgemeinen Bestimmungen mit Nebencursen in fremden Sprachen (Englisch und Französisch) weitergeführt werden. Aus Bonn schreibt uns Herr Schreiber, daß die Nachricht, daß er sich um die Hilfspredigerstelle in Bromberg beworben, auf Jrrthum beruhe. Lemberg. Der galizische Landtag hat zwar eine Resolution angenommen, wonach der jüdische Religions-Unterricht in polnischer Sprache erfolgen soll, doch wird dieser Beschluß, da die jüd. Gemeinden autonom sind, wohl nicht zur Ausführung gelangen. In Petrozseny (Ungarn) sind ein Israelit und sine Katholikin mittels schriftlichen Vertrages eine Ehe auf drei Jahre eingegangen. Das Spaßigste an dieser Geschichte ist aber, daß der gestrenge Herr Stuhlrichter, wie ungarische Blätter ernsthaft versichern, den Vertrag nicht allein als Zeuge unterschrieben, sondern auch sein Amtssiegel beigedrückt hat. Da ein Knabe, der aus dieser seltsamen Ehe hervorgegangen, in die israelitische Matrikel eingetragen wurde, kam die Angelegenheit in Folge einer Klage des Bischofs von Siebenbürgen vor den ungarischen Cultusminister und dieser hat angeordnet, daß der Knabe, als zur katholischen Religion gehörig, aus der Matrikel gestrichen, gegen den Stuhlrichter und die übrigen Betheiligten aber die Untersuchung eingeleitet werde. London. Der Antrag auf Abschaffung des Gesetzes, daß Niemand seine Schwägerin heirathen darf, ist im englischen Parlament schon wiederholt verhandelt und s. Z von Lord Palmerston unterstützt worden, welcher insbesondere geltend machte, daß, wenn ein Mann, dem seine Frau gestorben, sich wieder entschließt, eine zweite Frau zu heirathen, es für denselben immer noch bester sei, nur eine Schwiegermutter zu haben, als daß er mit zweien „behaftet" sei. Feuilleton. Chajim Pro stak. Historische Erzählung aus der Eutstehungszeit des Chassidismus. Sine wahre Geschichte aus derzweiten Hstste des 18. Jahrhundert» von 3l> S. Weiß mann. (Fortsetzung.) Nun nahm Rabbiner Beer seinen Vortrag wieder auf „Wenn ich Dathan und Abiram — ich meine Bescht und Chajim — zu mir lud, war es mir keineswegs darum zu thun, sie zu hindern, nach ihrer eigenen Art selig zu werden. Nein! denn das widerspricht der Idee des JudenthumS. Einem Volke, dem nicht materielle Größe, politische Machtent-

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