Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 32. (4.8.1880)
- Date
- 1880-08-04
- Page
- Seite 277 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 277 — Adolf Bnidit 100 M.; zwei Ungenannte je 1O0 M.; Herr S. M. Einkorn 59 M.; der Männergesangverein in Fürth hat bei seiner Auflösung sein Gesammtvermögen von 2164 M. der Stiftung geschenkt; die Hinterbliebenen der Frau Adelheid Jllfelder ein Legat von 2OO M.; endlich hat Herr vr. Wilhelm Königswarter aus Fürth, (z. Z in San Remo) 100 Frcs. der Stiftung übersendet. Die diesjährige, am 22. April 1880 bethätigte Stipendienvertheilung ist bis jetzt die 14. Zu vertheilen waren 1240 M. Davon erhielten 2 Juristen und 1 Polytechniker je 180 M., 1 Jurist 150 M., 1 Mediciner 140 M., 1 Jurist. 1 Mediciner und 1 Polytechniker je 120 M., 1 Seminarist 50 Mark. Im Ganzen sind bis jetzt vertheilt 9793,66 M. Die Vertheilung fand in 110 Portionen statt; die größte Portion betrug 200 M.. die kleinste 30 M.; im Durchschnitt entfallen auf eine Portion 89,03. M. Den Fächern nach haben Stipendien erhalten: 46 Juristen, 23 Mediciner, 7 Polytechniker, 34 Seminaristen. Möge der an die deutschen, insbesondere bayerischen, Cultusgemeinden gerichtete Appell, die Stiftung mit Beiträgen zu bedenken, nicht ungehört verhallen, denn ohne derartige Stiftungen müßte, wie der Bericht richtig hervorhebt, das immer kostspieliger werdende Studium zu einem Monopole der Reichen werden. Oesterrich. Sadagora ist ein unheimlich schmutziger Ort in der Bukowina mit halbverfallenen, rauchgeschwärzten, elenden Lehm- und Bretterhüten, in deren Mitte sich, wie aus einem Märchen, ein kolosialer Prachtbau rein byzantinischen Stils erhebt, und um diesen herum stehen im Halbkreise nette, weißgetünchte, ebenerdige Gebäude. Es ist der „Privattempel" des unter der fanatischen Judenschaft Galiziens als Wundermann berühmten Rabbi A. I. Friedmann mit den Wohngebäuden für den „heiligen Gottesniann" und seinen Stab. Rach diesem Sadagora pilgern die sogenannten Chasiidim, wie die Türken nach Mekka. Rath und Hilfe suchen sie bei dem Rabbi, der Schätze auf Schätze häuft und ein kolosial reicher Mann geworden ist. Und sie finden zumeist die gesuchte Hilfe durch die Macht ihres Glaubens an den Mann und schwören auf ihn und seine Wunderlhätigkeit, wie man im „philosophischen Jahrhunderte" auf Cagliostro schwur. Von Sadagora aus beherrscht Rabbi A. I. Friedmann olle Orthodoxen auf Meilen im Umkreise und segnet und verflucht, diktirt Satzungen und thut in Acht und Bann, wer diesen zuwiderhandelt. Er ist gefürchtet und verehrt. Die Größe seines Ansehens mag folgende „Wundergeschichte" beweisen: Ein armer Jude, welchem das Feuer all' seine Habe verzehrt und dem der Tod all' die Seinen hinwegerafft hatte, pilgerte an Leib und Seele krank, zu dem Wunder-Rabbi; er setzte sich auf die Stufen des Tempels und wartete bis der große Mann ihn ansprechen werde. So verging ein Tag, ohne daß sich Jemand um den armen Teufel kümmerte; des andern Tages bat er einige „Leibgardist-n" des Rabbi, ihn dem „weisen ManGe" zu melden, er fleht, er weint — umsonst,' auch dieser Tag vergeht, ohne das es dem Audienzwerbenden gelingt auch nur die Nasenspitze des heiligen Mannes zu sehen. Am nächsten Tage wurde der Jude bereits ohnmächtig vor Beten und Fasten; endlich befiehlt der Rabbi, den „sonderbaren Schwärmer" vorzuführen. Im Augenblick ist ganz Sadagora auf den Beinen ob der merkwürdigen hohen Gnade, welche dem Armen zu Tyeil wurde, der kein Geld hatte, die Adjutanten des „Selbstbeherrschers aller Chasiidim" zu bestechen. — Der Arme erzählt die Geschichte seiner Leiden, fleht um Rath und Hilfe und bietet dem Rabbi dafür den ganzen Rest seiner Habe — einen halben Rubel — an. Die Winzigkeit dieses Vermögensrestes bewirkte ein wirkliches Wunder, der Rabbi nahm demselben nicht an, sondern er gab ihm gratis den Segen und sprach: „Geh' hin mein Sohn, mein Segen wird Dir helfen, Du bist nicht mehr unglücklich!" Kaum war der arme Teufel vor die Thüre des vom Wundermann bewohnten Hauses getreten» so ereignete sich eine Szene, zu welcher die Auftrittsszene Arthur Vryks im „Carneval in Rom" als Modell gedient haben könnte. Nichdem der Menge auf die landesübliche Frage: „was hat er gesagt?" die Geschichte von dem gesegneten Halbrubelftück kundgethan ward, ging eine Lizitation los, desien Wogen der Fanatismus thurmhoch peitschte. „Ich geb' fünfzig Gulden" — „Ich hundert" — „Ich zweihundert" — „Ich fünfhundert!" Genug, der Jude verließ Sadagora mit sechstausend Gulden, welche ihm des Rabbis Anhänger in verschiedener Form widmeten. So hatte der Segen des Rabbi „Wunder" gewirkt. Holland. Amsterdam. Zu den um die hiesige Stadt hochverdienten Männern zählt unoestritten vr. Samuel Sarphaty — ja. ihm ist in erster Reihe der große Aufschwung unserer Stadt zuzuschreiben. Der Jndustnepalast, Specialausstellungen und sonstige die Stadt fördernde Unternehmungen haben ihn populär gewacht. Dem allzufrüh Gestorbenen beweist sich die öffentliche Dankbarkeit in manigfacher Weise. Eine neue prächtige Straße trägt seinen Namen. Durch eine Collecte, zu welcher 120 Künstler — meistens Maler und Graveure — Arbeiten geschenkt und Tausende von Arbeitern ihre Spenden gegeben — wurden die Mittel beschafft, ihm in einem Springbrunnen mit schlichter, rührender Inschrift ein Monument zu errichten. Dasselbe soll nunmehr in einem neuen Stadttheile, nicht weit vom Jndustriepalaste aufgestellt werden. Die Stadt wird sicherlich den vom Cowits verlangten Beitrag von 3000 Florin nicht versagen. Amsterdam. Die Familie R o s e n t h a l, die die berühmte Bibliothek des vor einigen Jahren in Hannover verstorbenen Herrn L. Rosenthal catalogisiren ließ, hat dieselbe unter dem Namen „Bibliotheka Rosenthaliana" der hiesigen Universität zum Geschenke übergeben. Die Bibliothek enthält 6000 Bände und viele Unica unter den Hebraica und Judaica, und soll einen Werth von 250.000 Gld. repräsentiren. Rotterdam. Kürzlich starb hier ein sehr geachteter Glau - bensgenosse, Herr L. L. Jacobson im Alter von 68 Jahren. Er war ein Enkel des gelehrten Rabbinen dieser Stadl. Levi Heyman Breslau (1781—1807) und selbst talmudisch sehr gebildet. Mit seinem Vetter und Schwager, dem Rabb. Löwenstamm, gründete er das jüd- Waisenhaus in seiner Vaterstadt, deren Gemeindevertretung er bis zuletzt angehörte. — Seine sprichwörtliche Redlichkeit, seine Verwandten- und Menschenliebe haben ihm eine fast patriarchalische Verehrung erworben. Leichenreden hielten die HH. Rabbinen B e r e n si e i n (Haag) und vr. Frank (Cöln). Amerika. New-Aork. Die Mischehefrage beschäftigt auch hier lebhaft die Theologen und Nichttheologen und selbst der Reform anhängende Rabbinen halten die religiöse Trauung einer Mischehe durch einen Rabbiner für unerlaubt, für ein schweres Vergehen an Israel. Zwar betont vr. Mielziner dabei die Pflicht, die jüdischeRace rein zu erhalten, vr. Sonnenschein die Rücksichten, welche ein Rabbiner als Gemeindebeamter seiner Gemeinde schuldig sei; man vermeidet es sichtlich von dieser Seite das spezifisch-religiöse Element bei dieser Frage schärfer ins Auge zu fassen, doch thatsächlich ist man einig in der Verurtheilung einer Mischehe-Einsegnung. Die Vertheidiger derselben führen als Hauptgrund an. daß der jüdische Theil in der Mischehe, wenn er ernstreligiös ist, auch den nichtjüdischen Theil, wenn er seiner Religion nicht treu anhängt, einen heilsamen Einfluß ausüven könne und Kinder aus solcher Ehe hervorgingen, die dem Christenthume und Heidenthume ganz abgewendet, für das Judenthum größere Sympathien hätten. Das ist aber eitel und nichtig. Ein Jude, der eine Mischehe eingeht, ist nicht ernst-jüdisch-religiös, kann für da- Judenthum nicht begeistern, und ein Segen sind