Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 31. (28.7.1880)
- Date
- 1880-07-28
- Page
- Seite 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 270 — Palästina. Jerusalem. Herr Moses Rubowitz, der seit 24 Jahren als Apotheker am Rothschild'schen Hospitale wirkt, ist durch eine Dank« und Anerkennungsadreffe des Munizipalrathes unter Genehmigung des Pascha geehrt worden. (Habaz.) — Haben Sie schon von der Chewra gehört, die seit vielen Jahren in London unter dem Namen „Jerusalemverein der hohen Familie" besteht? Ihr Zweck ist Geldsammeln und sie haben bisher Anständiges darin geleistet. Aber für wen? Ein Jerusalemitaner kömmt nach London, er kann allen Fragen Rede und Antwort stehen — nur wer die „hohe Familie" ist, das ist ihm ein Räthsel, das sich ihm erst löst, als er von einem Vorsteher des gedachten Vereins einige im schaurigsten polnisch-jüdisch-deutsch verfaßten Briefe erhält, die der Geldempfänger geschrieben. Ja es ist in Wahrheit eine „hohe Familie". Sie überragt durch ihren Reichthum alle andern in Jerusalem. Die Familie des R. Jacob Jehuda Levy, des Vorsitzenden des Beth-din der Peruschim, er und sein Sohn Salman Levy haben sich zu Vorstehern des Kolel Warschau und damit zu unumschränkten Herren über einen Theil der Chaluka gemacht. Angeblich 60 Gelehrte sollten von dem Gelde unterstützt werden, aber der Herr Levy hat sich dafür Häuser und Höfe und Geld verschafft, daß er auf Wucherzinsen ausleiht. Die Frauen dieser Familie prunken in Goldschmuck, Edelstein und Perlen und kostbaren Gewändern. Sand in die Augen. — Soweit haben wir einen Auszug aus „Chawazeleth" gegeben. Uns ist's eine weitere Begründung für die Forderung: Fort mit der Chaluka. Schulen, Ackerbau und Arbeit wollen wir begründen und festigen helfen, aber nicht länger uns von Diebesgesindel narren lasten. . - rum ra pnac klagte schon Jesajas. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Ein englischer Miffionsoerein, der unter den Juden wirkt, berichtete vor Kurzem, daß es im Durchschnitt zweitausend Pfund (40,000 M.) kostet, um einen Juden zu bekehren, und etwa 500 (10,000 M.), um ihn „zur ernstlichen Erwägung der Religionsfrage zu veranlassen." Das ist doch ein offenes Geständniß. Rakel, 23. Juli. Gestern wurde Herr vr. Prager, erster Lehrer der Religionsschule in Hannover, zum hiesigen Rabbiner gewählt. Man sieht seiner Annahme der Wahl, besonders im Jntereffe des Jugendunterrichts — das Rabbinat war 2 Jahre unbesetzt — mit großen Hoffnungen entgegen. Berlin. Der im Justizministerium angefertigten „Statistik der preußischen Schwurgerichte und der von denselben erkannten Strafen und Freisprechungen für das Jahr 1878" entnehmen wir die folgende Mittheilung: „Nach den Religionsbekenntnissen geordnet, gruppiren sich die Angeklagten wie folgt: Evangelische im Jahre 1876 4129, 1877 4794, 1878 4853, Katholiken 2800 bez. 2922 und 3137, Juden 135 bez. 155 und 193. Es kommt also im Durch schnitt ein Angeklagter auf: Evangelische im Jahre 1876: 4029, 1877 3503, 1878 3428, Katholiken 3081 bez. 2952 und 2750, Juden 2517 bez. 2192 und 1760." Berlin. Mit der Gründung jener künsessionellen Bank, welche die Kreditstockung der Landwirthschaft in Folge der Muchergesetze paralysiren sollte, ein Projekt, von dem wir unfern Lesern in Nr. Mittheilung machten, scheint es noch gute Wege zu haben, denn eine Säule des Unternehmens stürzt nach der andern ein, ehe noch der Bau unter Dach gebracht ist. In der „N. Pr. Ztg." erklärt der Herr Hofprediger Stöcker: „daß er an den Unternehmen durchaus unbetheiligt sei" — daß allerdings „die Idee, als sie in allgemeinen Umriffen zu seiner Kenntiß gebracht sei, sein Jntereffe erregt, er aber jede Betheiligung abgelehnt habe, so lange nicht anerkannte und bewährte Namen aus konservativsozialreformerischen Kreisen dem Unternehmen zur Seite treten." Diese Gründung wäre also wohl schon gründlich begraben und ihre Gründer sind auch zugleich bei der Bestattung die Leichenbitter. Homburgv.d.H., 13.Juli. Der General-Jnspector des öffentlichen Unterrichts in Frankreich, Herr LLvi aus Paris, besuchte am letzten Freitage die Allgemeine Bürgerschule dahier, ließ sich die Organisation derselben erklären und wohnte dann im mehreren Elasten dem Unterricht bei. Derselbe bezeigte für Alles Jnterrefle, und meinte, auf dem Gebiete des Elementarunterrichts würde in Deutschland etwas Bedeutendes geleistet. Cöln. Die Wittwe des verstorbenen Bankiers Abraham v. Oppenheim hat unserer Stadt 600,000 M. zum Geschenk gemacht, welche für ein Hospital für arme Kinder, ohne Unterschied der Confeffion, verwandt werden sollen, und zwar sollen 300,000 M. für den Bau und die Einrichtung und 300,000 für die Unterhaltung des Krankenhauses bestimmt sein. Am 9. October, dem Sterbetag des Hrn. v. O., soll der Grundstein gelegt werden. Italien. Die isr. Asyle Roms haben von einem ungenanntbleiben wollenden Engländer 5000 Frcs.kerhalten. — Die Gemeinde Verona wollte die Kosten der beiden, am 23. und 24. Mai c. gefeierten Hochzeiten der Töchter des Herrn Rabbiners Pardo tragen. Dieser hat das Geschenk den Armen zuzuwenden gebeten. Turin. Auf der hiesigen Kunstausstellung sind jüd. Künstler auf allen Gebieten der Kunst mit anerkennenswerthen Leistungen erschienen. 2 Bildhauer, 4 Maler und 1 Malerin und im Kunsthandwerk: 1 Holzschnitzer, 1 Maler auf Holz und 1 Kupferstecher. Auch in der Abtheilung für alte Kunst repräsentiren sich Gegenstände des Ritus und Manuskripte in schönster Weise. Commanveur Gicaomo Malvand Jude ist Generalsekretär im Ministerium des Auswärtigen. Rom. Das Asyl für israelit. Kinder erläßt einen Aufruf, in welchem es um Unterstützung bittet, da die beiden Anstalten (für Knaben und für Mädchen), aus denen es besteht, ursprünglich nur 130 Kinder 2 mal wöchentlich unentgeltlich Suppe verabreichen konnte, die Zahl der Bedachten aber auf 280 gestiegen ist und die Vertheilung in jüngster Zeit 3 mal, fortan täglich erfolgen soll. (Arch. isr.) Paris. (Curiosum) Die Boulevardjournale melden: Am 5. Juli um 11 Uhr fanden in St. Philippe-du-Roule die Obsequien der Gräfin Haber statt, die im Älter von 89 Jahren gestorben ist. Auf die Kunde von der Austreibung der Jesuiten ließ sie, die schon seit lange übergetreten war, sich taufen — 3 Tage vor ihrem Tode. Sie hat die Kirche in Coudance, einem Dorfe in Seine et Marne bauen lasten, wohin ihre Leiche gebracht wird. — Natürlich war die fromme Gräfin einst Jüdin! Auffallend bleibt, daß man ihren Tod nicht der Aufregung über die Austreibung der Jesuiten zuschrieb. Wenn nur die fatalen 89 Jahre nicht gewesen wären! Paris. Herr Ferdinand Dreyfus, Cabinetschef des Unterstaatssekretairs der Finanzen ist zum Delegirten des Finanzministers bei der Ausstellung in Brüssel ernannt worden. — Herr und Frau Victor Saint-Parl haben zum Andenken an ihren ältesten Sohn, Achille Jacob St. P., dem Consistorium einen Preis von 1000 Frcs., der jährlich im November einem in demselben Jahre zum Dr. der Rechte pro-' movirten franz. Israelit zuertheilt werden soll, übergeben. (Arch. isr.) Oran. In die Commistion für die Bezirks-Ackerbau- Ausstellung (welche im October stattfinden soll), sind vom Stadtrathe 5 Israeliten delegirt Außer diesen einige bedeutende Grundbesitzer und Industrielle. Palästina. „Habazeleth" hat schon mehrere Male constatirt, daß die Chaluka nicht weniger, als 4 Mill. Rubel jährlich einträgt. Wie viel könnte mit einer solchen dauernden Einnahme geleistet werden und wie wenig wird damit bisher selbst nur zu Milderung der Roth gethan!? , .MÄ»