Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 31. (28.7.1880)
- Date
- 1880-07-28
- Page
- Seite 269 (sequence 5)
- Language
- German
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Glaubensgenossen, denn jedenfalls rührt das OpuS von einem jener vom Abendmahle Ausgeschlossenen her. j Und dann, alauben Sie denn, die Juden würden nicht von | Christen auch mit Spott und Hohn bedacht? Wenn Sie jemals; auf dem Lande einer jüdischen Beerdigung mit beigewohnt und dabei die von Christen gemachten Aeußerungen mit an gehört haben, so werden Sie zugeben: Die Christen machen es doch den Juden riel ärger, als es umgekehrt der Fall ist. ES fällt aber keinem Juden ein, darob sich von u l l e n Christen gekränkt zu fühlen und ich glaube, Sie und Ihre Glaubensgenossen sollten einmal das Gleiche thun. In der Hoffnung u. s. w. Auch dieser Brief hat seine gute Wirkung gehabt. Bis heute ist auch nicht eine irgendwie judenfeindliche Bemerkung in dem Blatte wieder zu lesen gewesen. Ich dachte, man müsse mit den Leuten immer so deutlich als möglich sprechen, und ihnen ihr Unrecht stets in flagranti vohalten; gar viele würden sich wie in obigem Falle belehren laffen — probatum est! Amram, Lehrer in Zwesten. Aus dem Regierungsbezirk Cassel, im Juli. (Or.-Corr.) Manchem jungen Rabbiner dürfte das nachfolgende Ereigniß als warnendes Verspiel dienen: Ein in diesen Blättern bereits bekannter junger Rabbiner in unserem Regierungsbezirke, deffen Amtslhätigkeit sich mit ganz besonderer Vorliebe den Schlachtmeffern und Frauenhaarscheiteln zuwendet, ließ einen alten, als tüchtig bewährten Schachet, den er früher schon ein- oder mehreremal geprüft, wiederum Revue paffiren und neun, nach Einigen sogar zwölf Stunden lang das Messer schleifen, sodaß derselbe — im Hochsommer!*) — sich bis zur Nacht hinein zu quälen hatte. Zu seiner Frau zurückgekehrt, erklärte der Bemitleidenswerthe, der vom Schächten leben mußte: „Das ist mein Tod und der Rabbiner hat ihn zu verantworten!" Höchstwahrscheinlich war dem Manne während des Schleffens schon die Galle in's Blut gestiegen, woraus sich wie gewöhnlich die Gelbsucht entwickelte — und seit einigen Wochen deckt ihn die Erde. Einsender hat lange Anstand genommen, den Thatvestand zu veröffentlichen, allein diese Herren müssen doch zu der Einsicht gebracht werden, wohin der blinde Eifer solcher Hochorthodoxie**) zu führen vermag. (Wer denkt da nicht an Jesaias Vorwurf C. 66 V. 3: w'x roö —mn rsmw! Red.) Rumänien. .1. F. Bukarest. (Or.-Corr.) Der durch Beseitigung des Art. 7 herbeigeführle humanitäre Sieg ist bis jetzt noch immer mehr idealer als realer Natur, denn die Handvoll Gleichgestellter bildet kaum einen verschwindenden Bruchtheil zur Gesammtzahl der rumänischen Israeliten, jedoch ist der moralische Standpunkt dieses Sieges vorläufig als um so befriedigender zu registriren: „Muth und Selbstbewußtsein", diese beiden kostbarsten Momente des socialen Lebens, deren sich die Israeliten Rumäniens bis zur Abrogirung des Art. 7 leider nicht allzusehr rühmen konnten, beginnen nunmehr sich allmählich einzustellen, was wir aus tiefstem Grunde unseres Herzens willkommen heißen. Eine so zahlreiche Menschenrasse, — wie es die Israeliten Rumäniens sind — der die elementarsten Menschenrechte vorenthalten werden, und die sich nicht mindestens durch Entsendung einiger aus ihrer eigenen Mitte heroorgehenden Kämpfer ihrer Haut anscheinend zu wehren weiß, — verdient neben unserer gerechten Theilnahme ebenso gut unser Mitleid ob der beispiellosen Muth- und Hilflosigkeit. — Die Israeliten Rumäniens haben *) Sollte vielleicht die Hitze des Tages dem Examinator zu Kopf gestiegen sein? Nur ein hirnverbrannter Schädel vermag solche „Menfchenquälerei* auszuführen, oder auch nur zu billigen. **) Und da bedauert das in Berlin erscheinende Blatt dieser Richtung es gar sehr, daß „die schönsten und größten Gemeinden" zur Zeit zu Reformrabbinern hätten greifen müssen, weil diese sogen, „gebildeten" neuorthodoxen Rabbiner (zu denen der obige „Mefserschleifenlasser" auch gehört) damals noch nicht so weit waren, die Gemeinden zu beglücken; was letztere zu bedauern übrigens durchaus keine Veranlaffung haben. in den letzten Jahren — wie dies oft genug in dies. Bl. hervorgehoben wurde — eine beklagenswerthe Unmündigkeit bekundet, indem sie nicht im Stande waren, auch nur ein einziges publicistisches Organ unterhalten zu können, und dennoch ist solch ein bescheidenes Organ daheim stets geeigneter als alle auswärtigen Blätter, manch' infame Verleumdung wenn nicht im Keime zu ersticken, so doch auf Ort und Stelle durch energische Zurückweisung zu Nichte zu machen und der Lächerlichkeit preis zu geben. Namentlich ist's die allwöchentlich seit etwa Jahresfrist in Bukarest erscheinende „Fraternitäten", die sich durch Unerschrockenheit, Muth, durch freies männliches Auftreten, wo es gilt, bornirte Angriffe und Verläumdungen zurück zu weisen, besonders auszeichnet. Wir wollen der „Fraternitäten" ein langes, unverkürztes Dasein wünschen! Ein Herr Gr. Jipescu, in deffen Hirnkasten es wohl nicht mit rechten Dingen zugehen muffe, machte sich vor etwa 3 Wochen das Vergnügen, in dem national-liberalen Blatte „Romania Libera" eine famose ellenlange Epistel unter dem Titel: „Der Bauer und der Jidan!" („Jidan" ist die schimpfliche Bezeichnung für Jude) vom Stapel zu laffen. — In dieser von robusten Unconsequenzen und dialektischen Unbilden strotzenden Epistel sucht der ehienwerthe Herr Jipescu neben Geltendmachung von verschiedenen andern Ungeheuerlichkeiten auch den Nachweis zu liefern — natürlich durch bloße nackte Worte und maliziöse Phrasengespinnste — daß die jüdischen Spirituosen-Berschleußer durch Vergiftung der Getränke tausend und abertausenden Bauern ein frühzeitiges Grab bereiten. Die „Fraternitatea" vom 18. Juni c. begegnet diesen sauberen unverfrorenen Behauptungen mit gebührender Verachtung und thatsächlichen Beweisen; den Schlußpaffus des Herrn Jipescu, daß die Juden im Allgemeinen „Mördern" gleichen, indem sie den Bauern die letzten Centimes entreißen etc., begleitet die „Fraternitatea" mit folgenden Worten: „Es ist mannigfach bekannt, daß der Jude, wenn nicht viele, so doch die eine unbestreitbare Eigenschaft besitzt: er tödtet nicht. Das Gebot: „Du sollst nicht tödten!" ist Gemeingut Aller, und Exod. Cap. 19,20 (soll wohl heißen Cap. 21,20) verbietet noch besonders, einen Fremden zu tödten. Im Uebrigen leuchtet die „Fraternttatea" Herrn Jipescu heim, mit den gewiß maßgebenden Worten eines Herrn A. Guritza (Christ) der hohe Functionen in der rumänischen Armee bekleidet hat. Ich will die diesfälligen Aeußerungen des Herrn Guritza den Lesern der „Jsr. Wochenschrift" nicht vorenthallen. „Finden wir unter den Jidan's Rumäniens" sagt Herr Guritza in seiner daheim wohlbekannten Brochüre: „Meine Gedanken", „daß ein Vater seine Tochter, eine Mutter ihr Kind, ein Bruder seine Schwester ermorden soll? Bei uns Christen ist dies vorgekommen und geschehen solche Verbrechen noch heute im Verborgenen. Zeigen Sie mir die Jidan's, die, seitdem sie bei uns weilen, je organisirte Diebes¬ und mordende Räuber-Banden gebildet hätten? Bei uns Christen waren es Hunderte und sind's heute noch. Ich müßte ganze Papier-Rieße absorbiren, wollte ich all' die von Christen vollbrachten Verbrechen und Grausamkeiten registriren." Eine andere ehrenwerthe wohl beleumundete Persönlichkeit, Herr R. Hamilton Lang, Ex-General-Director des rumänischen Tabak-Monopols, der mehrere Jahre in Bukarest gelebt und dem die Gelegenheit geworden, die Charaktere der Juden wie der Christen Rumäniens hinlänglich zu studiren, äußert sich in einem in der „Tims" veröffentlichten Briefe wie folgt: „Man hat es für gut gefunden, den Charakter einiger Juden aus Rumänien anzuschwärzen; in Wahrheit aber kann kaum eine Menschenklaffe gefunden werden, die offensivloser, mäßiger, moralischer und minder ruhestörend als die rumänischen Juden wären. Die Statistik der Verbrechen und der Erziehung beweist dies bis zur Evidenz jeder Widerlegung spottend." Aber selbst unsere Gegner vermögen es nicht, sich eines gewissens von der Abrogirung des Art. 7 herrührenden moralischen Anfluges gänzlich entschlagen zu können. Ich behalte es mir vor, nächstens meine Wahrnehmungen fortzusetzen