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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-07-21 · N° 30. (21.7.1880) · p. Seite 262

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 30. (21.7.1880)
Date
1880-07-21
Page
Seite 262 (sequence 6)
Language
German
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— 262 — ligte Chalukavertheiler Riblin hat dem hl. Raphael in Safet den Rath gegeben, er wöge den von Midhat Pascha zum Oberrabbiner in Syrien ernannten Herrn Ephraim Alkalei veranlassen, gegen Herrn Elieser Rokeach und die von diesem vertretene Bewegung — die Schäden der Chaluka aufzudecken und in europäischen Städten Unterstützungen für Ackerbaucolonien zu gewinnen — nach London zu schreiben. Nützt Alles nichts mehr — legt Rechnung! Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Wir stnd zu der Erklärung ermächtigt, daß Herr Dr. Groß, Rabbiner in Augsburg, sich der Berliner Rabbinerwahl-Commisiion gegenüber nicht bereit erklärt habe, eine Mischehe einzusegnen. Derselbe antwortete vielmehr auf die diesbezügliche Anfrage ungefähr Folgendes: Ich bin tolerant und werde Jedem, der es von mir haben will,' auch den Segen geben, gleichwohl würde ich eine Mischehe n i ch t e i n segnen (im r i t u e l l e n Sinne dieses Wortes), weil sie nach dem talmudischen Eherechte völlig unzulässig ist. (Wir kommen auf das Capitel „Mischehe" noch einmal in nächster Nr. zurück.) Augsburg. Die Verwaltung der hiesigen Gemeinde hat auf die Kunde von der Berufung ihres Rabbiners zur Probepredigt nach Berlin noch vor der Reise des Dr. Groß nach Berlin den Entschluß gefaßt, demselben im Falle er in Berlin nicht annehmen oder nicht gewählt werden sollte, durch eine sehr namhafte Gehaltserhöhung zuzuerkennen. In Haigerloch ist am 18. v. M. der dortige Bezirksrabbiner M. H i l b unter sehr großer Betheiligung der christlichen wie israelitischen Bevölkerung, der kathol. und evang. Geistlichkeit und der Beamten, sowie zahlreicher Fremden aus Hechingen u. s. w. zu Grabe getragen worden. Die Grabrede hielt der zu diesem Zwecke berufene Bezirksraabiner Dr. Sil der sie in aus'Mühringen, der der Achtung und Zuneigung. die sich der Verstorbene während seines 44jährigen Amtirens bei seinen Gemeindeangehörigen und seinen Mitbürgern zu erwerben wußte, einen angemessenen Ausdruck gab. Nach ihm sprachen noch zwei Redner, der Lehrer der zum Sprengel des Verstorbenen gehörigen Gemeinde Dettenfee, sowie Religionslehrer Levi aus Hechingen. Dem Verstorbenen war vor etwas länger als einem Jahre in Folge einer im preußischen Abgeordnetenhause gepstogenen Verhandlung aus einem dem Könige von Preußen zur Verfügung stehenden Fonds ein Jahresgratial von 300 M. gewährt worden. Leider hat er sich dieser Gabe königlicher Huld nicht lange zu erfreuen gehabt. Budapest. Bekanntlich hat sich trotz des kläglichen Fiasco's, welches die famose Berliner Anti-Semiten-Liga mit ihren widrigen und gehäsiigen Tendenzen gemacht hat, auf Betreiben des magyarischen Stöckers, des vielbelachten Victor Jstöczy eine Ungarische Anti-Semiten Liga gebildet. Wie der Moniteur dieser Liga, der sich als ultraliberal geberdende „Függetlenseg" verkündet, setzt diese auch während der Sommerferien das Geschäft des Propagandamachens sowohl in Pest wie in der Provinz im großen Style fort. In Pest hat die Liga — wenigstens nach den wohl nicht allzu zuverläsiigen Angaben jenes Blattes — derzeit 2800 „geherme" und nichtge- Heime Mitglieder, und im ganzen Lande 23 Filialen. Die „Statistische Central Section", so berichtet das jgenannte Blatt, arbeitet fleißig an einem Ausweis über die Vermehrung des Vermögens der Juden; sie legt großes Gewicht auf die Zählung der getauften Juden. Die Liga wird erst vor den nächsten Wahlen die Offensive ergreifen, dann aber mit dem Aufgebot aller ihrer Kräfte vorgehen. Ihr Organ wird unter dem Titel: „Die Judenfrage" im September unter der Redaction Jstüczy ins Leben treten. Die ungarische Anti-Semilen-Liga dürfte'wohl trotz ihrer verzweifelten krampfhaften Anstrengungen gleich ihrer Berliner'Schwester bald ihrer seligen Auflösung entgegengehen. Sedan. In der 2ten Hälfte des August soll der neue Tempel eingeweiht werden, für welchen eine Christin einen Vorhang von weißer Seide mit reichen Silberstickereien (unter den jüd. Geschenkgebern befindet sich wieder Herr Nestor Dreifuß mit Kle-Kodesch) geschenkt hat. Arch. isr. Rumänien. Herr Josef Braun, der wegen Anfertigung und Verbreitung von Photographien, welche die Ausbildung sogenannter jüd. Vagabunden zum Gegenstände hatten — zu 1 Jahr Gefängniß und 2000 Frcs Strafe verurtheilt worden, ist auf Betreiben der isr. Allianz in Wien vom Fürsten Karl begnadigt worden. (Hakol.) Bukarest. Der jüngst verstorbene Herr S. H a l f o n hat etwa 50.000 Frcs. an verschiedene Schulen und Anstalten, jüdische und christliche, legirt Die „Alliance" erhält 5000 Frcs. und ebensoviel das Erziehungsinstitut „Ascha Helena", in welchem selbst gegen Bezahlung Juden nicht zugelaffen werden. Ob dies das allgemeine Wohlthun nicht zu weit treiben heißt, darüber läßt sich streiten. Jedenfalls ist's eine praktische Illustration des von Andern nur oft im Munde Geführten: Segnet, die euch fluchen." — In der Stellung der Juden zeigt sich doch allmählig ein entschiedener Fortschritt: Advokaten sind in Bukarest: Herr Marco Fareby; in Jassy Herr S. A. Goldenthal. Proseffor der Mathematik ist Herr Emanuel David, leitender Arzt des städtischen Hospitals, von Neamtzu Herr Dr. Moritz Moscowitz, in Galatz ist Herr Brociner Steuerbeamter und im Ministerium des Auswärtigen nimmt Herr Bonetti Roman einen Vertrauensposten ein. All' diese Veränderungen zum Guten sind Erfolge der „Alliance", der die Mitglieder hier — zum Danke! — in Masse untreu werden, angeblich aus Furcht vor den Verfolgungen der Rumänen. (Arch. isr.) Aus Rußland. Der alte, würdige Lehrer, Herr Samuel Reffer in Taganrog, hat in Anerkennung seiner Verdienste um den Jugendunterricht eine große silberne Medaille am Bande des Stanislawordens erhalten. Aus einer anderen rufflschen Stadl berichtet „Hameliz": Die Talmud Thora ist zu einer Handwerksschule erweitert worden. Bis Mittag lernen die Knaben Thora und sonstiges Wissen. Nachmittags bis 5 Uhr werden sie von tüchtigen Zimmerleuten und Schmieden in Theorie und Praxis des Handwerks unterwiesen. Aus Ruffisch-Polen. Ueber eine geradezu unglaubliche Entweihung einer rufflschen Synagoge wird einem Petersburger Blatt Folgendes gemeldet: „Während eines Gottesdienstes erschien neulich in der Jüdischen Synagoge im Städtchen Terespol 40 Soldaten und lagerten sich ganz gemüthlich in dem für die Frauen bestimmten oberen Raume der Synagoge. Auf der Kanzel standen um diese Zeit die Kohanim um das Volk zu segnen. Da stieg auch einer der Soldaten auf die Kanzel hinauf, jagte die Priester hinunter, nahm dann eine brennende Kerze und — zündete sich ganz gemühtlich seine Pfeife an." Auf die Bestrafung dieser brutalen Rotte darf man natürlich im heiligen Rußland nicht rechnen. St. Louis. Die „United Hebrew Congregation," die älteste jüd. Gemeinde hier hat für 25000 Dollars ihre Synagoge verkauft (An wen und wozu?) und eine neue zu bauen beschloffen, welche schon am nächsten Rosch-Haschana eingeweiht werden soll. — Herr Dr. Falk von Buffalo ist als Reiseprediger von der „Union der isr. Gemeinden Amerika's" angestellt worden. Feuillelon. Chajim Prostak. Historische Erzählung aus der Entstehungszeit desThasfidismus. Einc wahre Geschichte aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert» von A. S. Weiß mann. (Fortsetzung.) Beschts Geruch der Heiligkeit hatte einen Mann herbeigelockt, der in der chassidischen Mythologie einen hervorragenden Platz einnimmt. Es war dies jener Leib Sa ras, von

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