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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-07-21 · N° 30. (21.7.1880) · p. Seite 261

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 30. (21.7.1880)
Date
1880-07-21
Page
Seite 261 (sequence 5)
Language
German
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regte allgemeine Bewunderung. Durch Unterstützung der reichen Familie Obermeier in Augsburg, die sein Talent erkannten, als er mit feinem Cousin Bernhard Naumburg in der Synagoge in Kriegsbaber sang, erhielt der 12jährige Knabe Gesang-und Musikunterricht vom Theater-Direclor Mauerer und besten Gattin. Schon früh versuchte er sich in einigen kleinen musikalischen Schöpfungen. Zu den ersten, die er veröffentlichte, gehört die prächtige vierstimmige Melodie zu „Weschom’ru b’ne Israel“ in Cohn's Sammlung. Seine gründliche Kenntniß der traditionellen Synagogen-Melodien verdankt er theilweise seinem Onkel Simson Naumburg, theils dem Unterrichte des sei. Raph. Wolfsohn in Jchenhausen. Er wirkte längere Zeit am Münchener Synagogen-Chor, kam von dort nach Straßburg und übernahm die Direction des Chores, mit dem bedeutenden Chasan Levy zusammen wirkend. Von dort erhielt er im Anfänge der Vierziger Jahre einen Ruf als Chor- Chansan in Besaneon und wurde im Frühjahr 1845 durch Empfehlung des Compostteur Halevy als Oberkantor in Paris empfohlen. Durch seine Bearbeitung und Harmonisirunq der traditionellen Gesänge sowohl, als durch seine prachtvollen und würdigen Original-Compositionen, hat sich Samuel Naumburg ein bleibendes Denkmal geschaffen und seine musikalischen Söpfungen sollten mit denen eines Sulzer in unfern Tempeln den modernen opernartig-'n Stücken oder den der katholischen Kirche entlehnten Tonstücken entschieden vorgezogen werden, wenn unsere Gotteshäuser einen jüdischen Charakter und Sinn bewahren wollen und sich nicht in blinder Nachäfferei eines fremden Cultus gefallen. Frankreich. Paris, 12. Juli. HerrJsaac Pereire, ein Mann, der in der Fmanzgeschichte dieses Jahrhunderts eine hervorragende und oft verhängnißoolle Rolle gespielt hatte, ist heute Nacht auf seiner Bentzung Gretz, nachdem er von einem Unwohlsein, das ihn vor einigen Tagen befallen hatte, vollkommen genesen schien, am Gehirnschlage gestorben. Er war im Jahre 1806 zu Bordeaux geboren und der Enkel Jakob Rodriguez Pereire's. eines um den Taubstummenunterricht hoch verdienten Gelehrten aus dem Anfänge dieses Jahrhunderts. Mit seinem älteren Bruder Emil, der ihm vor einigen Jahren in den Tod vorangegangen, noch in jungem Alter nach Paris gekommen, schloß er sich eifrig an Saint-Simon und desten Schule an. Unter der Garantie eines Consortiums, an desten Spitze das Haus Rothschild stand, erwirkten sie die Concestion zu der ersten Eisenbahn in Frankreich, der kleinen Linie Paris- St. Germain und legten damit den Grund zu ihrem fürstlichen Vermögen und ihrer wechselvollen Gründerlaufbahn Sie hatten mit der größten Mühe 5 Millionen für die Bahn aufgebracht, welche später für 60 Millionen verkauft wurde. Durch ihre Theilnahme an dem Bau und der Verwaltung der Nord-, der Lyon- und der Midi-Bahn hatten sie sich schon unter Ludwig Pyilipp eine hervorragende Stellung in der Pariser Finanzwelt errungen; aber ihr eigentlicher Glanz und auch ihre Katastrophen oder richtiger die von ihnen für die Capitalisten- und Speculationswelt herbeigeführten Katastrophen fielen in die Zeit des zweiten Kaiserreichs, unter desten Patronat sie den Cr6oit-Mobilier und eine Reihe verwandter Institute, wie die Immobilere, die Rivoli-Gesellschaft. die Transatlantique, gründeten uydvon fremden Unternehmungen namentlich auch die österreichische Staatsbahn an sich oder doch in den Besitz einer von ihnen dirigirten französischen Gesellschaft brachten. (Das persönliche Vermögen der beiden Brüder wurde im Jahre 1868 noch auf 160 Millionen Frcs geschätzt.) Ein idealistischer, menschenfreundlicher Zug war dieser Persönlichkeit bis zu ihren letzten Stunden geblieben und man erinnert fich des Preises von 100,000 Frcs., welchen Pereire für die beste Denkschrift zur Lösung der socialen Frage und ihrer Unterfragen ausgeschrieben hat und der erst 1881 fällig wird. Die „Liberty," erschien mit schwarzem Trauerrande. Ein französisches Blatt sagt in feinem Nekrologe über ihn: „Die Armen verlieren in ihm einen unermüdlichen Wohlthäter, die Börsenspeculation einen mächtigen Athleten, der Journalismus einen Schriftsteller von Fach, welcher mit einer seltenen Fähigkeit und Ueberlegenheit die schwierigsten Fragen der Finanzwistenschaft und der National Oekonomie behandelte." Paris, 15. Juli. Dem Begräbnisse Isaak Pere ire's, der heule in der israelitischen Abtheilung des Friedhofes von Montmartre beigesetzt wurde, wohnten, wie bei der Vielseitigkeit und den mannigfaltigen Beziehungen des Verewigten nicht anders zu erwarten war, Notabilitäten aus allen Lagern bei, so z. B. Unterrichtsminister Jules Ferry, Herzog Tdcazes, Unterstaatssecretär Sadi Carnot, Herzog v. Larochefoucauld, Polizeipräfect Andrieux, Marquis v. Chateaubriand, Victor Lefranc, Graf Cyaudordy, Edmoud About, Baron Chabaud- Latour, General Klapka, der Chemiker I B. Dumas, Camille S6e, Radar, Camille Doucet und selbstverständlich die Spitzen der Finanzwelt, wie die Fould, Hirsch, Erlanger, Camondo und Bischoffsheim. Auf dem Friedhofe sprachen die Rabbiner Mayer urd Lehman; sonst wurde auf den ausdrücklichsten Wunsch des Verstorbenen keine Rede gehalten. Palästina. Jerusalem. Schlimmer kann es nicht werden. Im „Hameliz" erzählt Herr Lehrer Steinhardt weiter, wie man sich gerühmt, man werde den unbequemen Lehrer tobten, wie das Gesindel mit Schofartönen den Bann gegen ihn durch die Straßen ausgerufen und wie angeblich auf Anordnung des Rabbi Josua Loeb, ehemals Rabbiner in Brisk, die Vorsteher der Kolelim Wilna und Samut, ihm den Antheil an der großen und kleinen Chaluka vorenthielten, da er sich weigerte, einen Revers auszustellen des Inhalts, daß er nie mehr in Jerusalem weltliches Wissen lehren wolle! Aber auch, was die Vertheidiger der gegenwärtigen Wirlhichatt zugeben und erklären, genügt, um uns die Augen zu öffnen. Im „Libanon" spricht sich ein Greis gegen die Schulen folgendermaßen aus: „Bester ist's, daß diejenigen Schüler, welche nicht Gemara in der Talmud Thora lernen wollen oder können, ihr Lebelang umherlaufen, muffig umherlungern auf den Straßen Jerusalems und thun, was ihr Herz begehrt, nur sollen sie nicht eine Stunde Bösewichter vor Gott werden, etwa Arabisch oder Französisch von einem Lehrer zu lernen, der Nicht Rabbiner ist." Er macht den Vorschlag, um die Sache mit weniger Lärm zu betreiben: Die Geldvertheiler sollen eine Versammlung berufen (und damit sie recht besucht werde, sollten sie vorgeben, eS handle sich um die Vertheilung einer kleinen Chalukah!) Dann soll eine Schrift vorgelegt werden, nach welcher jeder Unterschreibende sich für sich und seine Nachkommen bis zum Ende aller Geschlechter verpflichtet, sein Kind in keine Schule zu schicken. An die Gründer der Schulen aber soll geschrieben werben, daß „ohne Zweifel kein Kind der Radbinen in die Schule kommen wirb, sondern nur Söhne von Schneidern, Schustern, Schmieden oder Waisen, Verlastene und dergl. Das sei doch keine Ehre für die Stifter re" Dieser rabbinische Hochmuth wäre lächerlich, wenn's nicht zu traurig wäre! Jerusalem. Gegenüber einem Artikel der in „Stuttgart" erscheinenden „Warte des Tempels", in welchem behauptet worden, daß "die von Sir Montefiore gegründete „Kolonie der Juden" in sehr schlechtem Zustande sei und den Beweis liefere, daß der Juden größte Thätigkeit im Betteln und Nichtsthun bestehe — muß konstaürt werden, daß es keine derartige Kolonie giebt. Der Artikelschreiber hat die Zufluchtshäuser des Juda Paro als eine Ackerbaucolonie ausgegeben, um den Juden Etwas am Zeuge zu flicken. Das sind Wohnhäuser für alte, arme und schwache Personen, die natürlich anders aussehen, als ein Dorf rüstiger Ackerbauer. In Betreff der Wahl des Chacham Baschi ist Mitte Juni eine Einigung dahin erzielt worden, daß der Pascha ersucht wird, den Herrn Raphael Meier Panigil zum stellvertretenden Chacham Baschi zu ernennen, bis der Sultan ihm diese Würde überträgt. Die neueste Nr. des „Chawazelet" berichtet: Der berüch»

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