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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-07-14 · N° 29. (14.7.1880) · p. Seite 254

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 29. (14.7.1880)
Date
1880-07-14
Page
Seite 254 (sequence 6)
Language
German
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254 — len die Gemeinden: Brakel, Kerpen, Peckelsheim, Rottweil, Tübingen-Wankheimu. Wolfenbüttel. Königsberg i. Pr. Die Gemeinden Ost- und Westpreußens stnd im Begriff, einen Provinzial Verband zur Förderung der Bestrebungen und Ziele des deutscher. Gemeinde - bundes zu bilden. Näheres in der nächsten Nummer. Kaiserslautern. Hier wurde Herr vr. Landsberg z. Z. Rabbiner in Lauenburg — Schüler des Breslauer Seminars — zum Rabbiner gewählt. Homburg v. d. H. Unser Rabbiner Herr Dr. Appel hat die auf ihn in Krotoschin gefallene Wahl dankend abgelehnt; er bleibt uns erhalten. Bromberg. Herrvr. Schreiber in Bonn bewirbt sich um die hiesige Hilfspredigerstelle. Budapest. (Or.-Corr.) Auch in diesem Jahre ist die Prüfung im Rabbiner-Seminar vortrefflich ausgefallen. Die Candidaten blieben auf alle an ste gerichteten, selbst die complicirtesten Fragen die richtige Antwort nicht schuldig. Es war unter den vielen Gästen auch so Mancher, welcher seine vorgefaßte Meinung gegen die Leistungen dieses trefflichen Institutes nun, eines Bessern belehrt, aufgeg-ben hat. Erstaunenswerthes leisteten die Jünger in der vaterländischen Sprache, was zu den vollkommensten Hoffnungen berechtigt, daß für Ungarn hier ausgezeichnete Rabbiner und Prediger herangebildet werden. Auch Herr Prof. vr. Kaufmann hat sich bereits des Ungar. Idioms bemächtigt, und es dürfte nicht mehr lange dauern, daß wir von dem ausgezeichneten Redner auch ungarische Predigten hören werden. Paris. „Arch. isr." berichtigt, daß die von einem andern franz. Blatte genannten Herren F. Franck und Moritz Block keine Juden sind. Den Seitenhieb auf die deutsche Preffe, die nach der Tonfarbe des Namens auf iüd. Bekenntniß zu schließen pflege, hätte sie, ohne der Logik zu nahe zu treten, unterlassen können. Dergleichen Jrrthümer werden überall begangen und Irren ist menschlich, nicht national. Der Aufruf zur Vorsicht ist freilich sehr beachtenswerth. Paris. Auf Antrag einiger Deputirten hat die Kammer 3200 Frcs. (2000 für den Consistorialrabbiner, 1000 für den Vorbeter und 200 als Kosten) für das neue isr. Consistorium zu Besaneon für Doubs und Jura bewilligt. — Der Staatszuschuß für den israel. Cultus beläuft sich somit auf 202,900 Frcs. (162,320 Mark!) Die Zahl der Consistorien auf 12.*) (Arch. isr.) Paris. Das bedeutende Legat des Herrn Hesse (4 Nordbahnactien, circa 150000 Frcs.) kommt, wie wir vermuthen, dem Rothschildschen Hospital zu Gute, das damit um 10 Betten erweitert wird. Die 1200 Frcs. bilden ein Capital, dessen Zinsen zur Erhaltung des Grabes des Herrn Hesse verwendet werden sollen. (Un. isr.) London. Herr H. L. Keeling hat 2000 Pfd. Sterling den verschiedenen isr. Schulen testamentarisch hinterlassen, 10,000 Pfd. sollen nach dem Tode einer Verwandten als Keelingsfonds für Solche angesehen werden, welche Vorbeter rc. werden wollen. Sheffield. Herr Fischer, ein Unitarier, hat testamentarisch 8000 Pfund (160000 Mark) zu einer Stiftung vermacht, von welcher Frauen, Mädchen oder Wittwen, die Katholiken, Unitarier oder Juden sind — die eben deswegen von einer bestehenden Stiftung gleichen Zweckes ausgeschlossen bleiben — unterstützt werden sollen. (Arch. iSr.) Odessa. Es ist ein wunderbares Bild, das die Entwickelung der hiesigen Gemeinde bietet. Noch 1839 war keine Spur von Gemeindeleben. Fremd lebten die von allen Ländern Eingewanderten neben einander und fast gehässig standen die Brodyer (Modernen) den Russen (Altmodischen) gegenüber. Allmählich ward's, wie durch Zufall, immer besser. Die Lust *) Der in der vorigen Nr. erwähnte Jesuiten-Levy ist ein getaufter Sohn des ehemaligen Sekretär's des isr. Eonfistoriums von Straßburg, Lesnhard Lttch» für die Gemeinde zu wirken ward durch einzelne gute Beispiele angeregt. Herr Sittenfeld gründete die Schule, Herr Blumenthal stellte geregelten Gottesdienst her. — vr. Schwabacher wurde Rabbiner. Und den Eifrigen wurden die Mittel willig gespendet — denn man war froh, mit Geld sich loszukaufen, um nur nicht weiter damit behelligt zu werden. Das hatte manche Unzuträglichkeiten im Gefolge. Endlich aber vereinigten sich beide genannte Parteien im Eifer für das Ganze, neben der neugeordneten Talmud Thora erwuchs ein Waisenhaus- Arbeitsschule, Hospital, Zufluchshaus wurden errichtet. Vereine aller Art künden das lebhafte Interesse für Juden und Judenthum. Nun ist auch die Chewra Kaddischa reorganisier worden — sie hat beträgliche Einnahmen, sorgt für die Armen und legt hübsch Rechnung. Abzustellen wäre der Prunk, der ein Begräbniß 1. Klasse 256 Rubel theur macht. Das ist unjüdisch. Aus Kiew wird bitterlich über den erbarmenswerthen Zustand der Leichenbestattung geklagt. Eine Lade zur Aufnahme der Leiche ist nicht vorhanden, ein Sarg (piX) wird nicht angefertigt — gegen all' dies stemmt sich die Masse, die denkunfähige, der alles durch Gewohnheit geheiligt und berechtigt wird. „Hameliz" bemüht sich in einem für eine Zeitung fast zu langen Aussatze, den Kiewern nachzuweisen, daß das hinaustragen der Leichen auf den Betten (der Malbim wurde in dem eisernen Gasthofsbette auf den Friedhof gebracht, auf dem er gestorben) oder bei Aermeren in beliebig gemietheten, offenen Wagen unjüdisch ist, während der feste „Oron" biblisch und talmudisch bezeugt ist. Kischineff. Hier ist das goldene Zeitalter eingekehrt. Die Schächter haben jeder 20 Rubel Fixum und 5 Rubel Gebühren wöchentlich — 1250 Rubel Jahreseinkommen, der Cantor 1500 Rubel. Die Kehrseite der Medaille ist, daß die Armen die hohe Fleischsteuer nicht erschwingen können. (Hameliz.) Bukarest. Ein Corr. des „Archiv, isr." macht darauf aufmerksam, wie die vage Fassung der „Aufenthaltsbestimmungen der Fremden im Lande" geeignet ist, den Juden neue Qualen zu bereiten. Ein Artikel lautet z. B.: „die Lokalbehörde behält sich das Recht vor, selbst vor Ablauf der gewährten Zeit, die Aufenthaltserlaubniß zu widerrufen, sobald der Fremde der Gesellschaft schädlich sich erweist, oder die öffentliche Ordnung stört oder vagabondirt." Sobald ein Jude einem Concurrenten in den Weg kommt, ist er schädlich; sobald er sich nicht ruhig alle Schmähungen gefallen läßt, stört er die Ordnung; sobald er reist, ist er ein Vagabond. (Etwas gemildert ist die Verordnung dadurch geworden, daß Besitzer von Immobilien und solche, die fünf Jahre im Lande wohnen und Geschäft betreiben, keine Spe« zialerlaubniß brauchen! Red.) In Corfu starb Herr Samuel Vita R i e t i, Präsident des dortigen Alliance-Comit6's — der als Kaufmann, Patriot und Beschützer von Handwerkern und Künstlern hoch geachtet war. In Cauada wohnten 1871 im Ganzen 1115 Juden. Sie vertheilten sich auf Ontario 518, Quebec 549, Neu- Braunschweig 48. (Un. isr.) Feuilleton. Chajim Prostak. (Fortsetzung.) Daß man in dieser neu gebildeten Gemeinde mit ihrem bacchantischen Cultus gleich daran ging, die Morenu-Ordination sür überflüssig zu erklären und daß sämmtliche Prostaken sich die schwänzige Uniform des Streimel auffetzten, darf als selbstverständlich vorausgesetzt werden; ebenso daß in diesen Kreisen auch der Sohar trotz Bann und Verpönung hoch und in Ehren gehalten wurde. * Zu seinem größten Leidwesen sah Rabbiner Beer, daß

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