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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-07-14 · N° 29. (14.7.1880) · p. Seite 251

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 29. (14.7.1880)
Date
1880-07-14
Page
Seite 251 (sequence 3)
Language
German
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— 251 —! alsbald ankaufte. 1862 beschickte er abermals die Meltausj r stellung von London, wo seine Werke: Ein Mädchen mit dem , gefangenen Amor und zwei Statuen: Vor und nach der Jagd . ungeteilte Anerkennung fanden. Trotz dieser jahrzehntelangen Abwesenheit in fremden Län- : dern hatte den Künstler niedie Sehnsucht nach der Heimath verlassen. ' Wie das Werk, das zuerst auf ihn aufmersam machte, mit ungarischen Worten den Urheber anzeigte, wie er den Erlös seiner eri sten von königlicher Huld gewürdigten Leistung den vertriebenen , Kindern seines armen Vaterlandes widmete, so war sein Herz [ allezeit bei seinem Ungarn, das er in den langen Jahren seiner Entfernung nur ein einziges Mal 1851 hatte aufsu-! chen können. Und wie die Treue selten einseitig ihre Blü-! then zu entfalten pflegt, war der treue Sohn seiner Heimath i auch ein treuer Sohn seines Glaubens und Volkes und blieb; ein „jüdischer Dulder", wie er sich selber nannte, auch „auf [ thränengetränktem römischen Boden in seinem düstern Kämj merlein". Und doch hätte er es ja so leicht sich licht und leicht machen können —, er blieb aber eben treu. Das Jahr 1866 sollte eine schicksalsvolle Wendung auch in seinem Leben herbeiführen. Er hatte von Rom aus sich bei der Bewerbung um das Sz6ch6nyidenkmal durch ein Modell eingestellt, das unter 18 Concurrenzarbeiten den ersten Preis davontrug. Baron Josef Eötvös, der überall zu nennen ist, wo es etwas Großes und Gutes aus Ungarn in der Neuzeit zu melden gilt, die Grafen Day und Waldstein waren es nun, die als Vorsteher des Denkmalcomit6s den Künstler; nach der Heimath beriefen. Die Geschichte der Kränkungen I und Quälereien, die er hier zu erleiden hatte, hängt mit der Feindseligkeit zusammen, die vom Anfang an einige hochadelige Mitglieder jenes Comitss gegen ihn einnahmen. An seinem ersten Entwürfe wurde allerhand herumgedoktert, Verbeflerungen, vielleicht richtiger Verschlimmerungen, die man trotz der Prämiirung ihm vorschlug, suchte er mit seltener Geduld auszuführen, trotzdem dauerte es bis zum Jahre 1868, ehe das Modell der Hauptgestalt endlich gut geheißen wurde. Aber weitere fünf Jahre vergingen, ehe das fertige Werk in die k. k. Erzgießerei von Wien zur Ausführung in Bronze geschickt werden konnte. Der Zusammenbruch des in Dreimal-Lebensgröße angelegten Riesenmodells und die Nothwendigkeit, es von Neuem herzustellen, bilden die Zubehör äußeren Mißgeschicks bei so viel innerem Verdruß und Aerger. 1874 wurde ein neuer Preis aus die Statuen ausgeschrieben, welche den Sockel des Denkmals schmücken sollten. Obwohl er auch hier wieder als preisgekrönter Sieger aus der Bewerbung hervorging, machte man wieder allerlei Ausstellungen und Aenderungsvorschläge, auf die der bescheidene Künstler mit wahrem Seelengleichmuth einging. Selbst noch im Guß verfolgte das Unglück sein Werk und man war gezwungen, die Enthüllungsfeier um ein volles Jahr aufzuschieben. Man muß die ganze traurige Geschichte dieses Kunstwerks kennen, das Gezänke der Parteien, das Jahre hindurch darüber in der Gesellschaft und in der Presse sich bemerkbar machte, die heftigen Streitigkeiten, die innerhalb des Adels dadurch hervorgerusen wurden, um es zu begreifen, warum ein Denkmal, das nach fast fünfzehnjährigem Harren und Kämpfen endlich der Nation, die es errichten ließ, feierlich übergeben wurde, dem Künstler nicht diejenigen Ehren einbrachte, die bei diesem Anlaß sonst auf das Haupt solch eines Glücklichen wie ein Blüthenregen zu fallen pflegen. Wohl hatte die hauptstädtische Presse bereits lange vorher Engels Werk besprochen, sein Schicksal und seine schöne Vergangenheit in wiederholten Artikeln erzählt und verherrlicht, aber der Tag der Enthüllung hat Nichts von dem erfüllt, was man für den selbstlosen Mann hatte wünschen dürfen. Kaum daß der Festredner Pulszki flüchtig seines Namens dachte. Die Kritik hat nach der Enthüllung meist nur mit gedämpfter Anerkennung sich über das Werk ausgesprochen, aber Eingeweihte wissen, was von dem unter der Macht des Parteidrucks gefällten Kunsturtheil zu hatten ist. Die öffentliche Meinung, der einem so öffentlichen Gegenstände wie ein Denkmal die höchste Richterin, hat sich einstimmig zu Gunsten des Künstlers ausgesprochen und sein Werk mit warmem Beifalle ausgenommen. Man hat sich vielfach darüber aufgehalten, daß denr Künstler nicht ein Zeichen der Anerkennung von der Regierung zuerkannt wurde, aber Her stille Mann weiß die Wege zu den allmächtigen Herren im Lande nicht und ist viel zu wenig für äußere Ehre empfänglich, als daß er große Anstrengungen aufbieten würde, um sie zu erlangen. Aber Kränkung ist noch ein Anderes als fehlende Anerkennung. Und als Kränkung war es zu bezeichnen, als man die Ausschmückung der neuen Oper durch Statuen Schülern überließ und den 65jährigen Meister schnöde überging, der fast fünfzehn Jahre seines Lebens an das Denkmal des größten Ungars gewendet hat. Aber die Wahrheit bricht sich dennoch Bahn und so ist auch die Hoffnung noch nicht aufzugeben, daß der Name des Künstlers, wenn sein vorgerücktes Alter ihm nur Kraft und Zeit läßt, noch mit manch bleibendem Werke verknüpft sein wird. An Entwürfen fehlt es ihm nicht; möge der Stern der für den Künstler so wichtigen öffentlichen Gunst ihm noch einmal leuchten. D. K. Berichte und Correspondenzeu. Deutschland. Magdeburg. Herr Cantor und Lehrer R o s e n t h a l in Neumark, W.-Pr., theilt uns Folgendes mit: Auf Grund meiner von 120 College» mitunterschriebenen Petition an das Abgeordnetenhaus, betreffend die Gleichstellung der jüdischen Cultusbeamten mit den christlichen, erhielt ich folgende Antwort. „Berlin, den 30. Juni 1880. Das Haus der Abgeordneten ist in seiner Plenarsitzung vom 28. d. M. dem Beschluffe der Petitionskommiffion beigetreten, die von Ew. Wohlgeboren eingebrachte Petition vom 15. December v. I. zur weiteren Erörterung im Plenum für nicht geeignet zu erachten, weil die Erfüllung der gestellten Anträge sich nur im Wege gesetzlicher Neureglung erreichen ließe, hierzu aber für eine Initiative des Hauses ein ausreichender Anlaß nicht vorliegt. Hiervon mache ich unter Rückgabe der Petition ergebenst Mittheilung und bemerke, daß nach der Bestimmung der diesseitigen Geschäftsordnung Petitionen zur Erörterung im Plenum des Hauses der Abgeordneten nur dann gelangen können, wenn auf eine solche Erörterung entweder von der Com» miffion oder von 15 Mitgliedern des Hauses angetragen wird. Der Bureau-Director des Hauses der Abgeordneten." Wie aus diesem Bescheide zu ersehen ist, sind die Gründe in meiner Petition nicht genügend motivirt. Daß aber solche zur Genüge vorhanden sind, ist Jedem bekannt. Es wäre zu wünschen, daß, da die Sache einmal angeregt ist, eine geschicktere Feder die Angelegenheit in die Hand nehme und bei der nächsten Eröffnung des Landtages wieder vorbringe. Auch dürfte es nicht schwer fallen, 15 Abgeordnete für diese Sache zu intereffiren, die den Antrag zur Verhandlung im Plenum stellen würden. Am besten wäre es, wenn der isr. Gemeindebund sich dieser Aufgabe unterziehen möchte, der Erfolg wäre dann gewiß nicht zweifelhaft. (Wir kommen auf diesen wichtigen Gegenstand demnächst zurück. Red.) Erfurt, 6 Juli. Wie wenig die jüngste Judenhetze selbst in manchen conservativen Kreisen Boden gefunden hat, habe ich zu meiner Freude soeben erfahren. In meinem früheren Amtskreise Dir sch au hatte ich Gelegenheit, mir den dortigen Krieger- und Militärverein, an deffen Spitze hohe inaktive Militärs stehen, durch Vorlesungen und Vorträge an patriotischen Gedenktagen zu verbinden. Schon bei der Anwesenheit Sr. Hoheit des deutschen Kronprinzen unterließ es der Rapport abstattende Vorsitzende des Vereins nicht, meiner geringen Verdienste zu gedenken, in Folge deffen der Kronprinz sehr Huld« volle Worte an mich richtete. Jetzt, nachdem ich Dirschau seit fast emem Jahre verlassen habe, erhielt ich gestern rin künstlerisch ansgestattetes Diplom, welches in schmeichelhaftesten

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