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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-07-14 · N° 29. (14.7.1880) · p. Seite 250

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 29. (14.7.1880)
Date
1880-07-14
Page
Seite 250 (sequence 2)
Language
German
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— 250 — Th. 4. Haus und Schule gingen bei der Erziehung Hand in Hand und standen in schönster Harmonie. Th. 5. Auch das weibliche Geschlecht bekam einen für dasselbe paffenden Unterricht. Th. 6. Demgemäß ist es wünschenswerth, daß das Pädagogische im Talmud mehr beachtet und verbreitet werde. An der Debatte über die aufgestellten Thesen betheiligten sich besonders vr. Kroner, vr. Adler, vr. Stein, Spier (Großkrotzenburg), Amram, Neumark, Tannen» bäum und man kam schließlich zu dem Resultat, daß die intereffante Arbeit des Referenten ein schätzenswerther Beitrag auf einem Gebiete des Wiffens sei, das wohl verdiene ausgebaut und der pädagogischen Welt zugänglicher gemacht zu werden. — Herr Jac. R ach o d überbrachte hierauf den Gruß des deutsch-isr. Gemeindebundes und gab den Sympathien deffelben für die Bestrebungen des Lehrerstandes lebhaften Ausdruck, mit den Worten der heiligen Schrift schließend: „Seid stark und fest!" Herr vr. Kroner begrüßte die Versammlung Namens des Vereins israel. Cultusbeamten Mitteldeutschlands und sprach seine Genugthuung über das wechselseitige, freundliche Entgegenkommen der Nachbarvereine aus, indem er, anknüpfend an das ‘T'js die Lehrer als die Aufbauenden betrachtete, deren Bau nur dann sicher in die Höhe steige und fest stehe, wenn er im Frieden errichtet werde. Gleichzeitig übermittelte Redner freundliche Grüße des Herrn Rabb. vr. Rahm er aus Magdeburg und Prediger Fackenheim (Mühlhausen). Nach Vorlesung des Rechenschaftsberichts durch den Caffirer Gutkind.-Cassel, schritt man zu den Anträgen und Mittheilungen, wobei besonders der Antrag Amrams über Berücksichtigung der Anciennität bei Besetzung der isr. Schulstellen eine längere Discuffion hervorrief. Gutkind-Caffel beantragte: für den Anschluß der hessischen Gemeinden an den Gemeindebund zu wirken. Herr Nachod skizzirte im Anschluß daran die Ziele des Bundes in folgenden Punkten: 1) Wahrung der Gesammtintereffen der Israeliten Deutschlands. 2) Förderung des Religionsunterrichtes. 3) Veranlaffung der Staatsregierung, diesen Unterricht analog dem der andern Confeffionen, obligatorisch einzuführen. 4) Beseitigung der Wanderbettelei. 5) Unterstützung armer Gemeinden für die Bedürfniffe der Religionsschule. 6) Hebung der Handwerke bei den Israeliten. 7) Zurückweisung ungerechtfertigter, judenfeindlicher Angriffe. 8) Fürsorge für taubstumme Kinder israelitischer Confessio». Als nun auch noch Herr L.-R. vr. Adler den deutsch-israel. Gemeindebund als hochwichtig für die Culturentwickelung der Israeliten Deutschlands bezeichnet hatte, wurde der Antrag Gutkind einstimmig angenommen. Es wurden nun noch ron dem Vorsitzenden verschiedene Mittheilungen betreffs des Lesebuchs für israel. Schulen und eines pädagogischen Jahrbuchs des Vereins der israel. Cultusbeamten Mitteldeutschlands gemacht und die vov verschiedenen Autoren eingesandten Schriften zur Einsichtsnahme vorgelegt. Während der Verhandlungen war eine Anzahl telegraphischer und brieflicher Grüße undEntschuldigungen eingelaufen und wurde allseitig bedauert, daß Herr Rabb. vr. R a h m e r-Magdeburg, der seine Betheiligung in ziemlich sichere Aussicht gestellt hatte, durch unaufschiebbare anderweitige Beschäftigung am Erscheinen verhindert war. Herr L.-R. vr. Kroner empfiehlt die „Isr. Wochenschrift", die in Heffen jetzt schon viel und gern gelesen wird, zur weit möglichsten Verbreitung. Für die nächstjährige zu Marburg stattfindende Jahresversammlung übernahm Levi» Sachsenhagen das Referat über das Thema: Der Unterricht in der biblischen Geschichte nach Umfang, Zeit, Auffaffung und Methode. Nachdem die Ausschußmitglieder durch Acclamation wiedergewählt worden waren, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem Wunsche: „Auf fröhliches Wiedersehn in Marburg!" Amram sprach hierauf dem Vorsitzenden und den Ausschußmitgliedern den Dank der Versammlung aus. Gegen 4 Uhr wurde das gemeinschaftliche Mahl eingenommen, bei welchem die animirte Stimmung ihre höchste Potenz erreichte. Den Neigen der Toaste eröffnete der Vorsitzende mit einem Hoch auf Se. Majestät unseren allergnädigsten Kaiser und entsandte die Versammlung höchstdemselben telegraphisch nach Ems ehrfurchtsvollen Wunsch für besten Erfolg der Cur. Gutkind toastete auf die anwesenden Gäste, Cornelius auf den Vorsitzenden, L-R. vr. Adler auf die Versammlung, und Levi auf den Referenten. Nun folgten noch Schlag auf Schlag bis zum Schluffe der reichlich besetzten Tafel Toaste ernsten und launigen Inhalts, und selbst der Nestor der heffischen Lehrer, Gutkind-Zierenberg, der nach 59jähriger Dienstzeit am 1. Februar d. I. in den Ruhestand getreten, wollte hierbei nicht zurückstehen; so wurde noch der heffischen Gemeinden, des Gemeindebundes, des Seminars zu Cassel und der Lehrerfrauen unter schallenden Hochs gedacht. Das Tischgebet, welches Herr L.-R. vr. Adler auf Wunsch des Ausschusses verrichtete, leitete Herr Cantor Kamin sky- Caffel mit einem herrlichen nibjttsn *TIP ein. Ein gemeinsamer Spaziergang nach dem herrlich gelegenen Frauenberge bildete den Schluß des angenehm verlebten Tages, der wohl allen Betheiligten lange rm Gedächtniß bleiben wird. Die Schriftführer: Cornelius- Rotenburg. Levi- Hofgeismar. Josef Cngel, der Meister des Szecherryidenkmals. (Schluß.) Schon im nächsten Jahre gewann ev»zwei Preise, und zwar die ersten, für Nachbildung der Natur und der Kunst. Da traf ihn das Gebot seines Vaters, der Bildnerei zu entsagen, und der hoffnungsvolle Jünger der Kunstakademie ward ein Pfeifenschneider zu Preßburg. Er schien aber für den Künstlerberuf bestimmt zu sein, denn der Neid der christlichen Zünfte zwang ihn, sein eben oröffnetes Geschäft aufzugeben und nach Wien zurückzukehren. Im Jahre 1837 ging er, nachdem er aufs Neue die Wiener Akademie besucht hatte, nach Paris und von da nach kurzem Aufenthalte nach London. Hier konnte er keine Aufnahme in die Akademie finden, mußte mit geringen Arbeiten sein Leben fristen und ward Schüler der school of arts. Eine Arbeit, die der österreichische Gesandte Fürst Eszterhäzy mit ungarischer Inschrift hier von ihm zu sehen bekam, schuf diesen ungarischen Cavalier und Kunst - mäcen zu seinem Gönner und Beschützer um; jetzt ward ihm der Eintritt in die Akademie verschafft, das fürstliche Haus öffnete ihm seine gastlichen Pforten und bald sollte der erste akademische Preis für bildende Kunst sein edles Streben krönen. Durch eine Gruppe, deren Modell Baron Brenner, Sekretär der österr. Botschaft, bei ihm gesehen hatte/ ward die Aufmerksamkeit des Prinzgemahls Albert auf ihn gelenkt, der ihn mit der Ausführung der Gruppe beauftragte und behufs ihrer Vollendung nach Rom schickte. Als er jedoch 1847 hier anlangte, da ergriff die allgemeine Bewegung Europa's auch die ewige Stadt, die Ruhe des Künstlers war zerstört und erst 1851 konnte die Londoner Ausstellung die fertige Gruppe der öffentlichen Anerkennung und Bewunderung zuführen. Herrlich, wie das Werk selber, war die Verwendung der Summe, die dem Künstler dafür ausbezahlt wurde; er widmete den vollen Erlös seiner jahrelangen Arbeit den nothleidenden Verbannten der ungarischen Emigration. Bald erhielt er neue Bestellungen; seine große Gruppe: Achilles und Penthesilea für den Capitän Seeland, die spinnende Parze für den Prinzgemahl und für den Lordmajor Salomons. Sr. Kön. Hoheit Prinz Albert hatte so sehr an den Werken des Künstlers Gefallen gefunden, daß er bis zu seinem leider so früh erfolgten Tode sein wärmster Gönner blieb. Nur einmal lächelte Engel noch die Fürstengunst; das war zu Rom im Jahre 1857, wo der König von Preußen fein Atelier besuchte und die eben fertig gewordene Statue: Die Unschuld

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