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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-07-08 · N° 28. (8.7.1880) · p. Seite 246

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 28. (8.7.1880)
Date
1880-07-08
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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— 246 — nach Deutschland zurück: George Ebers ist also von jüdischer Herkunft, sowohl von Vatersals von Mutterseite und sind ihm die in seinem jüngsten schönen Roman vorkommenden, in Ihrem Nr. 25 zitirten Worte gewiß aus Pietät gegen die Stammesgenoffen seiner Väter eingegeben, sowie auch aus der schönen Stelle in „Uarda" wo Pentaur mit Musa (Moses) zusammentrifft, seine Ansicht über die hohe Bedeutung dieses Gotlgesandten hervorgeht. vr. jur. F. I. Cohen. Italien. Rom. Alle isr. Deputirteu der jetzigen Kammer gehören der Rechten an. Herr Alatri ist in Rom nicht gewählt worden, weil die ministeriellen Blätter theilweise es nicht verschmäht haben, selbst die Religion in die Bekämpfung seiner Wahl hineinzuziehen, und eine bei der jüd. Gemeinde einflußreiche Persönlichkeit es verstanden hat, eine beträchtliche Zahl von Israeliten für den Gegencandidaten zu gewinnen, „weil es nicht opportun wäre, 6n masse gegen die Regierung zu stimmen". — Gegenüber einem judenfeindlichen Artikel eines progresiistischen Blattes in Mantua (die Juden scheinen auch dort zumeist Anhänger der Rechten zu sein) hat der 90jährige Senator Graf Arrivabene folgendes Schreiben veröffentlicht: Herr Director! Seit meiner Kindheit habe ich die wahre Freiheit und die wahre Gleichheit verehrt, ohne Unterschied sowohl der Stände als der Religionen, stets habe ich mit größter Freude Alle um mich gesammelt, welche ich achtungs- und schätzenswerth erkannte. Ich kann daher nicht den Schmerz verhehlen, den ich beim Lesen eines Artikels empfand, in welchem man die Ausschließung einer Religionsgemeinde proclamirt, weil ne sich unabhängig in der Ausübung eines politischen Rechtes gezeigt hat. Vor wenig Monaten noch glaubte ich, daß der langsame, aber unaufhaltsame Fortschritt der liberalen Ideen und der Principien der Gleichheit in der Gesellschaft die alten Vorurtheile des Mittelalters dem tiefsten Vergeffen überliefert habe. rc. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg, im Juli. Von dem freiprotestantischen Pfarrer in Alzey, Herrn Rost, ist soeben ein treffliches Schriftchen erschienen, das sich die Widerlegung des von den Herren Marr und Genossen gegen die Juden erhobenen Vorwurfs der Arbeitsscheu zur Aufgabe gestellt hat und das mit großem Fleiß und der erforderlichen Objektivität ausgearbeit ist. Wir werden im „Literaturblatt" demnächst näher darauf zurückkommen. Das empfehlenswerthe Schriftchen führt den Titel: „Zur Berufsthätigkeit der Juden" und ist im Commissions- Verlage von Jos. Weiß in Alzey zum Preise von 50 Pf. zu beziehen. Berlin, 5. Juli. Unter der Protektion des bekannten Hofpredlgers Herrn Dr, Stöcker werden soeben die ersten vorbereitenden Schritte gethan, um ein Aktien - Unternehmen ins Leben zu rufen, welchem die Aufgabe gestellt wird, dem nothleidenden christl. Landnurth billige Darlehne zu schaffen und die Verwerlbung seiner Produkte zu erleichtern. Die neue Gründung will das Kapital streng „christianisiren", wie es seiner Zeit der belgische Graf Langrand -Dumonceau — welcher bekanntlich seiner vertrauensseligen, „gläubigen" Gläubigerschaft die Kleinigkeit von etwa 17 Millionen Franks verpulvert hat! — getban „Der Lanvwirth soll" — wie es in dem Cirkular heißt — „aus der Macht und den Händen der I u d e n befreit und es soll somit ein Kampf des Christenkapitals gegen das Judenkapital systematisch begonnen werden. Berlin. Bezüglich der Confefsion der die hiesigen höheren Schulen besuchenden Zöglinge ergiebt sich, daß 4658 Gymnasiasten oder 73,5 pCt. evangelischer, 1484 oder 23,4 pCt. jüdischer', 180 oder 2,9 pCt. katholischer Religion und 16 oder 0,2 pCt. Diffidenten waren; von den Realschülern waren 4946 oder 86,8 pCt. evangelischer, 608 oder 10,7 pCt. jüdischer. 130 ober 2,3 pCt. katholischer Confeffion und 15 oder 0.2 pCt. Diffidenten. Dessau. Das Project, welches anläßlich der im vorigen Jahre stattgehabten hundertfünzigjährigen Gedenkfeier Moses Mendelssohn's gefaßt wurde, auf der Stätte, wo der berühmte Philosoph geboren, ein Asyl für betagte Gelehrte zu errichten, geht nunmehr seiner Verwirklichung entgegen. Aehnlich wie das Feierabendhaus in Gandersheim wird in Deffau den Lehrern und Gelehrten jüdischen Glaubens ein Feierabendhaus errichtet werden. Mit der Ausführung des Baues ist der Baumeister Paul Rathke betraut worden und schon dem Entwürfe nach wird das Haus eine Zierde der Stadt und der Ascanischen Straße werden. Anzuerkennen ist dabei die Pietät, daß das eigentliche Hinterhäuschen, in welchem Mendelssohn das Licht der Welt erblickte, unangetastet bleiben und jo in seiner Echtheit erhalten werden wird. Die Vorarbeiten sind jetzt so weit vorgeschritten, daß bereits mit dem Ausbau der Grundmauern begonnen wird. Beim Ausschachten stieß man auf eine größere Anzahl Schädel und Knochenüberreste, die aller Wahrscheinlichkeit aus jener Zeit herrühren, wo an dem Fundorte der Galqenberg stand. Der Umstand, daß man auch auf die Pfähle stieß, die den damaligen Galgen trugen, läßt dies um so sicherer erscheinen. Hcilbronn, 25. Juni. Am vergangenen Sonntag fand hier der Delegirtentag der Bezirks.irmenkasse für durchreisende israelitische Arme statt. Die meisten bisher dem Verband angehörenden Gemeinden haben ihre Fortbetheiligung wiederum erklärt und es steht zu hoffen, daß auch noch weitere Gemeinden sich anschließen. Die Last des Hausbettels — namentlich der russischen, böhmischen und polnischen Armen — ist dadurch erleichtert. Aus Jglau wird der „D. Z." geschrieben: „Vor wenigen Tagen wurde von unserer Polizei eine aus mehreren schulpflichtigen Burschen bestehende „Räuberbande" eingefangen. Die Aeltesten der Räuber stehen im Alter von 13 Jahren, der Hauptmann war ein lljähriger Bursche. Die kleine Bande war wohl organisirt und verübte ihre schlechten Streiche meist am Abend; während des Tages wurde, statt die Schule zu besuchen, flott gelebt oder in der Nähe der Stadt der Aktionsplan berathen. Die Burschen hatten es besonders auf die die Schwimmschule besuchenden Knaben israel. Abkunft abgesehen und diese mit dem Rufe: „Jud', dav Geld oder das Leben!" überfallen und ihnen unter Androhung von Mißhandlungen die Baarschaft abgenommen. Diese Burschen dürften die Ersten sein, welche in die vom Landtage zu gründende Besserungsanstalt kommen." Paris. (Curiosum.) Die ^Zesuiten-Anstalt in der rue des postes wird, wie „Gaulois" meldet, einem gewiffen Levy übergeben werden und die Jesuiten wollen nach wie vor als Lehrer am Werke bleiben Damit wird dem franz. Schulgesetze ein Schnippchen geschlagen. Uns ist es interessant zu erfahren, ob der neue Schuldirector ein getaufter oder ein ungetaufter „Levy" ist? Paris. Die Predigten des R. Israel Galanter haben doch gewirkt. Die Vorsteher der beiden polnischen Synagogen haben im „Hamaggid" die Vacanz der Stelle eines Moreh Zedek ausgeschrieben. Er soll ein tüchtiger Talmudist und Darschan sein, auch weltmännische Gewandtheit besitzen. — Weitere Kenntnisse, auch die des Französischen sind nicht erfordert, An Gehalt sind 3000 Frcs., an Nebeneinkommen circa 1000 Frcs. festgesetzt. Paris. Herr Moses Schwab bereist im Aufträge des Ministeriums Baiern und Württembergs, um die in den dortigen Bibliotheken befindlichen orientalischen Jncunabeln zu studiren. — Ein Jude aus Persien oder Marocco verbrannte im Hofe des Ministeriums des Auswärtigen. Der Unglückliche soll, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, seine Kleider selbst in Brand gesetzt haben. Er ist seinen Wunden im isr. Hospital erlegen. — Eine Jahrzeit, die ein Bataillonschef feierte (in Chalüns sur Marne) zählte im Minjan 3 Kommandanten 2 Capitäne, die Uebrigen (außer dem Grandrabbin) Offiziere. Rumänien. Die Folgen des Berliner Vertrags für die Israeliten sind: Von den 883 als Soldaten en bloc zum

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