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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-07-08 · N° 28. (8.7.1880) · p. Seite 245

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 28. (8.7.1880)
Date
1880-07-08
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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— 245 — frage", welche diesen Gegenstand behandeln, bereitwilligst zur Verfügung gestellt, die unter den Mitgliedern vertheilt wurden. Die Versammlung bat sich ebenso zur Tendenz dieser Aufsätze, als auch zu den von dem Verfasser auf der jüngsten Conferenz in Halle ausgestellten und in der „Wochenschrift" mitgelheilten Thesen bekannt und sieht der Herausgabe des „Schul- und Gemeinde-Gesangbuches" der Leipziger Cantoren Liebling und Jacobsohn mit Spannung entgegen. Die von Letzterem vorgeleglen ersten Druckbogen fanden ungetheilten Beifall. Nach Beendigung des gemeinschaftlichen Mittagmahles hielt Herr Schuldirector Stern einen Vortrag über pädagogische Lehrsätze der Bibel und des Talmuds, der die Jngendlehrer zu wahrhafter Begeisterung, tue in einem Beifallssturm ihren Ausdruck fand, hingerissen. Bis in später Abendstunde waren^ die Collegen vereinigt. Die Herren Vorsänger Leb mann-Würzburg und Jacobsohn-Leipzig erfreuten die Versammlung noch durch deis schönen Vortrag einiger allen Gesänge aus der Jomitn hannauroim Liturgie. B. Marburg, 28. Juni. (Or.-Cor.) Am 13. c. wurden die sterblichen Reite des hiesigen Kaufmanns Moritz Erlanger, der in einem Alter von 66 Jahren und nach mehrtägiger Krankheit an Lilngenentzündung gestorben, dem Grabe überliefert. Gin unabiebbarer Leilrenzng aus allen Ständen und Consesfionen, wre er dort lange nicht gesehen worden, hatte igm das Ehrengeleite gegeben, was den guten Ruf des Verblichenen am besten documentirt. Erlanger stammte aus hochachtbarer Familie, halte sich als Privatmann verbältnißmäßigiebr viele Kenntnisse erworben und war nicht nur offenen, ehrlichen Charters, sondern auch ein echter Patriot, sowie Jude von der Sohle bis ziim Scheitel, den auch nöchigen Falles Ausgaben nicht scheute, wenn für süne Glaubensgenoffen einzutreten war. Er hatte wie jeder Andere, seine Schwächen, aber auch hervorragende, gute Eigenschaften: dem Bedrückten half er, dem Hnlfesuchenden stand er bei. und wo es galt Gemilluth Cheßed zu üben, war er stets bei der Hand. Wenn auch selbst nicht zum Synagogen-Borftande zählend, nahm er sich doch aller Gemeindeangelegenheiten nachdrücklichst an; ilno es ist bezeichnend für ibn: — sein letzter Gang galt dem isr. Friedhofe, um eine Umzäunung desselben mit Fichtenstämmchen, zu überwachen. — Der Verblichene hat eine äußerst brave Witlwe und 3 erwachsene Kinder in recht guten Verhältnissen vinterlaffen. Möge ihm die Erde leicht werden! Oberaula, 28. Juni. (O^.-Corr) Am 23 Juni feierte der sehr strebsame und diensteifrige Lehrer I. Rothschild zu Ziegen Hain sein 25jähriges Dienstjubilüiim. Bereits beim Frühgottesdienste l alten sich die Gcmeindemitglieder versammelt und vor Eröffnung desselben trat Herr Kreisvorsteher Wallach daselbst zum Jubilar hin und überreichte denselben unter paffender Ansprache im Namen der Gemeinde einen silbernen Pocal. In die Wohnung zurückgekehrt, stellten sich nach und nach die ehemaligen und gegenwärtigen Schüler ein und überbrachten ihrem Lehrer nicht nur künstlich gewundene Blumenbonquets, sondern auch meist recht ansehnliche Geschenke Gegen 1 Uhr Mittags begann die synagogale Feier, zu der sich Männer wie Frauen im feinsten Festschmuck eingefunden hatten. Nachdem der greise Lehrer Lissard zu Amöneburg das Minchagebec und einige Psalmen in würdiger Weise vorgetragen, predigte Herr Provinzial Rabbiner Dr. M u n k zu Marburg über Daniel 12,3, und erklärte dem Jubilar in längerer Ausführung, daß er trotz schwachen Körpers auf leine bisherigen Leistungen in Schule und Gemeinde mit Befriedigung und Stolz zurückschauen könne. In rührendem längeren Dank- und Bittgebete ergoß der Jubilar alsdann seine Gefühle vor Gott und mit einigen Psalmen endete die wahrhaft erhebende Feier im Gotteshause. Nun trugen auch die reichlich gedeckte Tafel und der perlende Wein das ihrige zu fröhlicher Stimmung bei, die sich durch recht viele Toaste, von denen die des Herrn vr. Munk auf den deutschen Kaiser und die iSr. Lehrer Heffens hervorzuheben, bekundete. — Die mittlerweile zahlreich eingelaufeneu Briese, Gedichte und Telegramme waren bereits der Rühe nach verlesen und die Tafel ihrem Abschluß nage gekommen, als der Postbote nochmals eintrat und von drei Brüdern und ehemaligen Schülern des Jubilars, die als tüchtige Lehrer zu Berlin und Deunold fungiren, einen silbernen Pocal lammt einem Schreiben, das des Abdruckes werth wäre, überbrachte. Selbstverständlich erhielten dieselben ein donnerndes Hoch. Der späte Aeend erst trennte die Festt§eilnehme: in heiterster Laune. Doch verniag ich den Bericht nicht zu schließen, ohne der Gemeinde Zicgenhain nochmals anerkennend zu gedenken. Brandes. Frankreich. Paris. Der Berichterstatter der Deputirtenkammer für das Cultusbudget, Herr Gatineau. hat die Frage der Trennung der Kirche vom Staate eingehend bebandett und spricht sich, obsckon er zur äußersten Linken gehört, für die Beibehaltung des gegenwärtigen Standes der Dinge aus. Zwei Zeitungen bringen in ihrem Feuilleton Romane mit jüdischen Figuren: das „Evenement" die „Petttes Abrabam" von Georges Duval und das XIX. Siecle „Un enfant d’Israel“ von Eduard Eadot. Besonders der Letztere wird den Juden und dem Judenthume gerecht. Rur fehlt es leider nicht an Uebertrelbungen und an Ungenauigkeiten. Bon Letztern sei eine erheiternde mttgetheüt: „Das Fam'.ttenhaupt setzt sich zu Tisch, die Andern bleiben gebückt stehen, bis das Jüngste der beiden Kinder ein kurzes Gebet von etwa 20 Worten gesprochen, in welchem es Gottes Segen erstehet." Die Gelehrten der „Arch. lör." können es nicht enträthseln, woher Herr Caool diese seltsame Schilderung hat. R'.ch will's bedünken, daß der Schriftsteller einmal Etwas von der ma nischtannoh gehört und das auf jedes Essen bezogen hat. — Herrn Prague von den „Arch. isr." ist ein kleines schriftstellerisches Malheur prffirt. Er hat das in Ihrem geschätzten B'atte nach Gebühr gewürdigte Opus des Bonner Plagiator „Moses Mendelssohn's Verdienste um die deutsche Ration" ernsthaft genommen und sieht darin eine der guten Früchte der Angriffe gegen die Juden. Wenn der Mann Recht hätte, würde es sich bewahrheiten: „Vom Bösen kommt Böies". Die Lobsprüche des Herrn P. gebübren den Herren Grätz, Deffauer und Bodek — daß sie der „Abschreiber" gefischt, ist eine Verlegenheit für das sonst trefstich geleitete Blatt. — In einer Zuschrift an die „Arch." spricht sich Herr Grandrabbin Isidor beifällig über die Verurteilung der Einsegnung gemisster Ehen und die Befürwortung der Laimschulen aus. Ueber ersteren Punkt sagt er wörtlich: „Indem Sie gegen die Mischehen protestiren, üben sie ein religiöses Werk; diese Ehen sind durch ihre naturgemäßen Folgen der Ruin der jüd. Gemeinde, und Sie finden mit Recht das Vorgeben eines amerikan. Rabbiners befremdend, welcher seine religiöse Mission bei einein Akte glaubte vollziehen zu dürfen, den diese Religion mißbilligt." Das stimmt ganz mit den von Ihnen in Nr. 26 darüber Gesagten. (Vgl. Lart.) Holland. Leewarden 23 Juni. (Oc -Cor.) Mit Bezug auf die Notiz über George Ebers m Nr. 25 Ihres geich. „Lilteraturblattes", das ich immer mir vielem Jnlereffe lese, erlaube ich mir, Ihnen Nachstehendes milzutheilen. Vor einigen Monaten theilte ein holländisches Blatt über Ebers, dessen Werke hier zu Lande sehr beliebt sind, das Folgende mit: Sem Vater (ein geborner Jude) sei in seinen Jünglingsjahren nach Rollerdam gekommen, um sich dort in einem Geschäftshaus weiter als Kaufmann auszubilden. Er machte da die Bekanntschaft einer jüdischen Dame, der Schwester des jetzt noch in Haag lebenden rühmlichst bekannten und sehr geachteten Advokaten 0r. D. H. Levysohn-Norman, oeffen Sohn, obgleich erst ein angehender Vierziger, schon hohe Aemter im holländischen Ost- Indien bekleidet hat. Herr Ebers, der Vater des berühmten Aegyptologen, heirathete später die genannte Dame und kehrte

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