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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-07-08 · N° 28. (8.7.1880) · p. Seite 244

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 28. (8.7.1880)
Date
1880-07-08
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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Versammlung zu Krakau" ein Vorgehen verabredet worden, dessen Ziel nichts anderes sei, als dem Judenthum die Herrschaft der Welt zu erobern und zu sichern. Der erste Schritt zur Erreichung dieses Zieles sei der Beschluß gewesen, sich in allen Ländern der Presse zu bemächtigen. Man habe zu dem Ende in den verschiedenen Ländern zunächst nichtjüdische Journale durch Abonnement und sonstwie unterstützt; man hätte sodann andere ganz in den eigenen Besitz zu bringen gewußt, aber nicht um sie officiell als jüdische, sondern mit nationalem Anstrich erscheinen zu lasten; nebenher habe man eine Anzahl von Zeitschriften gegründet, welche die Vertretung der jüdischen Interessen officiell auf ihr Programm gechrieben haben. Als Blätter der ersten Klaffe nennt das kirchliche Blatt u. A. die „Times," „Les Debats," „L'Jndependance belge," „La Revue des deux Mondes"; zu den weiteren in eigenen Besitz der jüdischen Propaganda übergegangenen Blättern gehören: „Daily Telegraph" in England, „La Patrie" in Frankreich, die „Neue Freie Presse" in Oesterreich, die „Perseveranza" in Italien rc. Es wird hinzugefügt, daß selbstverständlich auch Deutschland Organe dieser Elaste aufzuweisen habe, aber vorsichtiger Weise werden dieselben nicht wie die auswärtigen Journale namhaft gemacht. Wir brauchen nicht erst zu sagen, daß man über die ganze Historie, die da aufgetischt wird, nur mit einem Lächeln hinweggehen kann. Frankfurt a/M., 28. Juni. (Or.-Corr.) Bei der diesjährigen Wahl von 3 Mitgliedern zum Gemeinde-Ausschuß fand eine Agitation statt, wie solche nur bei politischen Wahlen hier vorzukommen pflegt. Veranlaßt wurde dieselbe durch die projektirte Erbauung einer neuen Gemeinde-Synagoge, mit welchem Projekt unsere Gemeinde durch die briefliche Aufforderung zu Geldbeiträgen überrascht wurde. Die Gemeindemitglieder der ältern Richtung, denen bisher für ihren Cultus die räumlich nicht mehr genügende Synagoge im Compostellhof überlasten wurde, hat sich um Abhülfe an den Gemeinde-Vorstand gewendet. Derselbe hat nun seine Geneigtheit erklärt, die bisherige Hauptsynagoge der älteren Richtung zu überlasten, wenn es gelinge, die erforderlichen Kosten zur Erbauung einer neuen Synagoge ohne allzuschwere Belastung der Gemeinde zu beschaffen. Es wurde auch sofort, unter dem Vorsitze eines Vorstandsmitglieds ein Sammel Comits gebildet und in den ersten Tagen seiner Wirksamkeit wurden schon 100.000 Mk. Beiträge gezeichnet. Von vielen Gemeindemitgliedern wurde die Ueberlastung der Hauplsynagoge unter Abrogirung des reformistischen Cultus, an die ältere Richtung für einen offenen Rückschritt gehalten, dem man entgegenlreten müsse; von Andern, denen eine Cultusreform gleichgiltig ist, wurden die zunehmenden Cultuskosten und die hierdurch nicht zu beseitigende Erhöhung der Steuer in Betracht gezogen, wenn es auch gelänge, den größten Theil der Baukosten durch freiwillige Beiträge zu beschaffen. Auch der in Aussicht genommene Bauplatz — in der Außenstadt — wurde beanstandet. Die Agitation bemächtigte sich sofort der Lokalpreste und eine sachgemäße Eingabe an den Vorstand wurde von vielen Mitgliedern unterzeichnet. Von besonderer Wichtigkeit war somit auch die Wahl für den Ausschuß, um tüchtige und freisinnige Männer in die Verwaltung zu bringen, die aus Opportunität sich nicht zu Compromiffen verleiten lasten. Bei der Abstimmung — während in den letzten Jahren immer nur einige Zwanzig Gemeindemitglieder von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten, stimmten diesmal 525 — wurde die Opposition besiegt und die Ausführung des Projektes hängt nunmehr von der erreichten Höhe der freiwilligen Bau-Beiträge ab, die sich auf 300,000 Mk. belaufen müßten, eine Höhe, die wohl schwerlich auf dem Wege der Privat-Zeichnung erreicht werden wird, beschlosten. X Bielefeld, 22. Juni. (Or.-Corr.) Die Nr. 25 Ihrer gesch. „Wochenschrift" bringt unter „Arabien" die aus englischen Blättern stammende alte Mähr von selbstständigen jüdischen Volksstämmen im nördlichen Arabien. Es sind dies die sogenannten „Jehud Chebr", d. h. die alten Juden von Chaibar, welche, trotzdem daß Mohamed ihre kleinen Republiken schon vor mehr als 1200 Jahren vernichtet und sie selbst ausgerottet oder mit dem Schwerte zum Islam bekehrt hat, immer noch als Spukgeister in Arabien umgehen. Von Zeit zu Zeit tauchen sie in den Berichten leichtgläubiger Reisenden wieder auf und hat man ihnen sogar angedichtet, daß sie Nachkommen des Jonadab ben Rechab seien und nach den Satzungen ihres Ahnherrn nur in Zelten wohnen und sich des Weingenustes enthalten. Es ist alles dieses reine Fabel. Nach den Mittheilungen der zuverlästigsten Reisenden gibt es in Nordarabien durchaus keine selbstständigen jüdischen Volksstämme mehr. Der Name „Jehud Chebr" ist nur ein Schimpfname, mit welchem die arabischen Muselmänner ihre ärgsten Feinde zu benennen belieben. Dagegen sollen sich noch im östlichen I)emen in Südarabien, nordöstlich von der Hauptstadt Sanaa. mitten unter mohamedanischen Beduinen einzelne selbstständige jüdische Stämme befinden, welche sogar zuweilen von den von Sanaa nach Mekka pilgernden Karavanen Tribut erheben. Inbesten sind auch diese Nachrichten mit großer Vorsicht aufzunehmen, es läuft zu leicht ein Mißverständniß unter. Hat doch vor verschiedenen Jahren der englische Gouverneur von Aden einem jüdischen Reisenden erzählt, daß nach ganz bestimmten Mittheilungen arabischer oder afrikanischer Händler in der Nähe der Ssomalistadt Härrad in dem afrikanischen - Lande Adel ein mächtiger jüdischer König existire, der ein großes gut gerüstetes Heer habe, während es sich hierbei offenbar um den christlichen König von Schoa handelte, den tue Mohamedaner als Juden bezeichnelen. Unter den südarabischen Juden in 2)emen, von Allem in Sanaa ist man allerdings von dem Vorhandensein der gedachten jüdischen Stämme überzeugt, die man gewöhnlich Daniten nennt und von denen man die verschiedensteu Geschichten erzählt. Metz. Würzburg, 24. Juni. (Or.-Corr.) Ich berichte Ihnen in Kürze über den Fortgang der Verhandlungen auf der Conferenz des Israelitischen Lehrervereins für die drei fränkischen Kreise Bayerns. Nach Erstattung des Rechenschaftsberichts, aus dem zu entnehmen ist, daß dem Verein bis jetzt 66 ordentliche und 30 außerordentliche Mitglieder beigetreten und der einen Cassabestand von M. 600 aufweist, richtete der Deputirte des Gemelndebundes (Hr. Jacobsohn) an die Versammlung eine Ansprache, die einen guten Eindruck gemacht. Er habe den ehrenvollen Auftrag erhalten, äußerte ungefähr derselbe, dem Verein die Sympathie des Gemeindebundes auszusprechen. Aus seinem Erscheinen wolle man das volle Jntereste erkennen, welches der Bund dem Lehrerstande zuwende. Die materielle und moralische Hebung desselben habe er schon längst als eine seiner wichtigsten Aufgaben betrachtet. Solle er aber ersprießlich wirken, so hätten die Lehrer zunächst die Pflicht, in ihren Gemeinden das Verständniß für die Bestrebungen und Ziele desselben zu erwecken. Denn es sei sehr zu beklagen, daß man gerade im Süden unseres Vaterlandes verhältnißmäßig zu wenig Jntereste für die Thätigkeil «des Gemeindebundes wahrnehme. Er hoffe aber, daß die Vorurtheile, welchen man hier begegne und die hervorgegangen aus einer grundfalschen Auffassung des wirklichen Sachverhältnistes, mit der Zeit schwinden würden und alsdann werde er hier dieselben eifrigen Förderer finden, wie er sie in Nord- und Mitteldeutschland besitze. Dazu könne aber vornehmlich der israelitische Lehrerstand beitragen. Hierauf schritt man zur Wahl des Vorstandes, des Rendanten und zweier Schriftführer. Der provisorische Vorstand, an dessen Spitze Herr Schuldirector Stern stand, wurde einstimmig wiedergewählt und als Ort der nächsten Generalversammlung Kissingen bestimmt. Zur Besprechung gelangte sodann die jetzt überall discutirte Frage der Einrichtung des synagogalen Gemeindegesanges. Auf Wunsch des Vorstandes hatte der Secretär des Gemeindebundes, Herr B. Jacobsohn, der bekanntlich auch , Cantor und Lehrer bei der israelitischen Gemeinde in Leipzig > ist, eine Anzahl Exemplare seiner Aufsätze „Beiträge zur Cultus-

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