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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-07-08 · N° 28. (8.7.1880) · p. Seite 243

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 28. (8.7.1880)
Date
1880-07-08
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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— 243 uns keinen Freund. Marr hat eine jüdische Frau gehabt, und was ist er geworden? Der fromme Christ will keine Ehe mit Juden und haßt schließlich den Theologen, der sie einsegnet der religionslose Judenfeind aber bleibt es mit und ohne Mischehe. Darum bleiben wir bei dem Satze: „Eine Misch» ehe ist vom jüdisch-moralischen Standpunkte aus ein Unsinn und eine Lüge und die religiöse Einsegnung einer solchen: eine Perfidie, eine Sanction der Treulosigkeit!" Josef Engel, der Meister des Szvchenyidenkmals. Auf dem schönsten Platze der ungarischen Hauptstadt, einem der wunderbarsten, durch Natur und Kunst gleich sehr verherrlichten Plätze Europa's überhaupt, dem Franz-Josefplatze von Budapest, beglünzte am 23. Mai 1880 die selten gewordene Frühlingssonne zürn ersten Male ein erhabenes Kunstwerk, dessen Enthüllung einen Festtag für das ganze, Land bedeutet und Alles herbeilockte was die Provinz und die Hauptstadt an Vertretern des Adels und alles Ruhmes in Künsten und Wiffenschaften aufzuweisen hat. Galt es doch chas Denkmal des Grafen Stefan Sz6ch6nyi zu enthüllen, der seinem Vaterlande der beste Sohn, der treueste Diener, ja ein Bote und Vertreter der Vorsehung gewesen. Der erste Ungar, unter diesem stolzen Namen kennt ihn das ganze Land. Boden und Ströme, Sprache und Nationalität Ungarns sind diesem seltenen Manne in gleicher Weise verpflichtet, er hat so viel des Großen und Ruhmreichen geschaffen, daß man billig darüber streiten kann, welcher seiner Schöpfungen die Palme des Verdienstes vorzüglich zuzuerkennen sei. Erwartungsvoll blickt die nach Zehntausenden versammelte Menge auf das verhüllte Kunstwerk, ob die entschleierte Gestalt wirklich das Bild des allverehrten Heroen wiedergeben werde, ob hier ein Denkmal errichtet worden, das die Züge des ehernen Mannes in Erz treu und rein der Nachwelt überliefern werde. Und ein Ruf des Staunens, der dankerfüllten Bewunderung geht durch die Reihen und mit dem Namen Stefan Szvchenyi verbindet sich fortan der Name Josef Engel, mit dem ersten Ungarn der Name dessen, der einmal der letzte Jude gewesen. Daß es ein Jude sein mußte und keiner von den Ungetreuen, der dem nichts weniger als judenfreundlich gesinnten, im Uebrigen aber unvergleichlichen Grafen den Dank seiner Nation in den Formen seines Genies auszudrücken und zu verewigen berufen war, das ist eine von den Thatsachen, in denen sich zuweilen die in der Geschichte der Juden so oft hervortretende Hand der Vorsehung auch heute noch bewährt. Die Thatsache verdiente nach vielen Seiten hin beleuchtet zu werden. Sie wäre bedeutungsvoll genug gewesen, wenn sie nur den Triumph des jüdischen Künstlers gezeigt hätte, sie wird einzig in ihrer Art dadurch, Zaß sie einen monumentalen Beweis des so vielverdächtigten jüdischen Patriotismus enthält. Um dies ganz würdigen zu können, ist es nöthig, den Lebensgang des Mannes kennen zu lernen, der diesen unvergänglichen Triumph errungen und die Frage zu beantworten: Wer war, wer ist — Josef Engel. Vielleicht erscheint die Antwort auf diese Frage wie ein bescheidenes, aber in seiner Knappheit um so anschaulicheres und belehrenderes Kapitel aus der Geschichte der jüdischen Entwickelung in diesem Jahrhundert. Was man auch von den Bedingungen des Genies sagen möge, wir wissen nicht, woher es kommt; wir sehen es und begreifen es nicht, wir staunen und können Nichts erklären. Man muß nicht in der Nähe der Akropolis geboren sein, um ein mächtiger Bildhauer zu werden, sonst wäre Josef Engel nie ein Künstler geworden. Sütoralja-Ujhely,*) wo er im Jahre 1815 geboren wurde, eine Ortschaft im Zempliner Commitat, bietet nämlich und bot besonders damals Nichts, was die Phantasie *) Vgl. Reich, Beth-El II, 142. ff. besonders anregen und nähren konnte. Das Leben in einer streng religiösen Judengemeinde, die Erziehung in einem Elternhause, in dem die Satzungen des Judenthums die einzigen Formen waren, die der Knabe in seine Seele aufnahm, der frühe Unterricht im Talmud, der alle Kräfte des Verstandes, aber keineswegs die Phantasie weckt und fördert, alles das scheint uns wenig dazu zu bestimmen, einem unter diesen Verhältnissen erwachsenden Knaben die Erwartung entschiedener Anlage zur Kunst entgegenzubringen. Ein Enkel des berühmten kabbalistisch angehauchten R. Mose Teitelbaum sollte auch unser Josef dem Talmud sich widmen und so mußte er, kaum 13 Jahre alt geworden, „auf die Jeschiba" nach Ungvür. Da er den Vorträgen hier noch nicht folgen konnte, ging er nach Jgar, um 1830 von hier nach Preßburg sich zu wenden, wo er bei R. Mose Sofer den Schiur besuchte. Doch scheint man hier mehr von den Sachen und Sächelchen gesprochen zu haben, die dieser Tausendkünstler von einem Bachur schnitzte, formte, drechselte, als etwa von besonders gelungenen Fragen, die er beim Talmudvortrag etwa kunstgerecht gestellt hätte. Besonders war es ein zu einem Ohrgehänge verarbeiteter Kirschkern, der ihm einen gekannten Namen verschaffte. Es waren die Familien Schwabacher und Kohn, die den begabten Jüngling auf ihre Kosten nach Wien schickten, damit er hier seine Anlage ausbilde. Hier ging er zu einem Drechsler in die Lehre, bis Sachkenner ihm riechen, die Akademie für bildende Künste aufzusuchen. Bald zog er die Aufmerksamkeit der Lehrer auf sich, erhielt Stipendium, darunter eines vom Kardinal Schwarzenberg, und gewann bald den zweiten Ehrenpreis, den er aus der Hand des Staatskanzlers Metternich entgegennahm. (Schluß folgt.) Berichte und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin. In der „Kreuz-Zeitung" lesen wir folgende Notiz: „Der „Wiener Presse" wird aus London vom 19. d. M. Folgendes gemeldet: „Das hiesige Bankhaus.Rothschild hat in officieller Weise dem Finanz-Ministerinm in Petersburg erklären lassen, daß es die Anlehens-Unterhandlung mit Rußland abbrechen müßte, wenn die gegen die Juden in Angriff genommenen Maßregeln nicht ihr Ende nehmen sollten." Diese Nachricht würde, wenn sie richtig ist, ein neues eigenartiges Schlaglicht auf die Macht jüdischer Geldbarone und die Art und Weise, wie sie dieselbe zur Geltung zu bringen suchen, werfen. Es wäre von allgemeinen Jntereffe, wenn von unterichteter Seitt der Sachverhalt in authentischer Weise bald näher bekannt gemacht würde." .... Sollte es, meint der B. B. C., an der „Neuen Preußischen" ebenso wie an der Wiener „Presse" völlig spurlos vorübergegangen sein; daß der russische Staat vor noch nicht 3 Wochen eine Anleihe von hundertfünzig Millionen Rubeln creirt hat und dieserhalb für Jahr und Tag dem Geldmarkt nicht weiter eine Anleihe offeriren wird? Die Firma Rothschild ist denn doch wohl viel zu erfahren in finanziellen Dingen, um der Ruffischen Regierung, die noch dazu vor drei Wochen gezeigt hat, daß sie die Hülfe der Rothschild's und der anderen Finanzmächte gar nicht bedarf, um hundertfünfzig Millionen aufzubringen, mit irgend etwas zu drohen, womit sie gar nich drohen kann. Das Märchen von einer Drohung der Rothschild's und von einem Eingreifen der Firma in die Angelegenheiten Rußlands ist somit nichts als eine jener Enten, die die heißen Sommermonate flügge zu machen pflegen. Der Eifer der „Kreuz-Zeitung" ist also wieder einmal ein et was übel angebrachter Uebereifer gewesen und es braucht sich nicht weiter zu echaufsiren, das vortreffliche Blatt, welches das Kreuz an der Stirn trägt und deshalb stets so warm für Liebe und Duldung eingetreten ist. Zu derselben Entengattung gehört die von der „Allgemeinen Evangelisch-Lutherischen Kirchenzeitung" ihren Lesern aufgetischte Notiz, daß vor 40 Jahren auf einer „israelitischen

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