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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-06-23 · N° 26. (23.6.1880) · p. Seite 227

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 26. (23.6.1880)
Date
1880-06-23
Page
Seite 227 (sequence 7)
Language
German
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5 biner in Anspruch nehmen" — dies kann zu Mißverständ« niffen Anlaß geben. Der besondere jüdische Fahneneid ist (auf unsere Petition) bereits seit einem Decennium vom damaligen Kriegsminister v. Roon aufgehoben worden. (Red.) Ems. 20. Juni. Gestern Abend kam Se. Majestät unser Kaiser zum Kurgebrauch hier an und war der Bezirksrabbiner Dr. Hochstädter gleich den christlichen Geistlichen zum Empfang geladen. Erfurt, 18 Juni. (Or.-Corr.) Bei dem Abobruch der Festungsthore haben sich in letzter Zeit wieder alte jüdische Leichensteine gefunden, die bis an den Anfang des 13. Jahrhunderts reichen. In vergangener Woche aber sind am Andreastbor auf einem Male siebzehn solcher Steine gefunden worden; sonderbarer Weise die meisten dem Andenken von Frauen und Jungfrauen gewidmet. Wir gedenken im „Literaturblatte" die entzifferten Inschriften zu veröffentlichen, bemerken aber schon hier, daß fast keiner der Steine jünger als 600 Jahre ist. Auch der Grabstein eines Märtyrers und einer Märtyrerin befinden sich unter den gefundenen. Zu gleicher Zeit sind auch an der Karthäusermühle 3 Leichensteine aus den Jahren 5031, 5040 und 5049 gefunden und entziffert worden. Die hiesige jüdische Gemeinde erwirbt die Steine und stellt sie geordnet aufdem alten Friedhofe vor dem Brühlerthor auf. — Zum Bau einer neuen Synagoge für die täglich an Zahl wachsende Gemeinde sind innerhalb einiger Tage 22000 uä’. ä fonds perdus gezeichnet worden, mit Gottes Hilfe werden wir bald über die Feier der Grundsteinlegung zu berichten haben. Coblenz. In einer Besprechung der neuesten Schrift Victor Hugo's „Religionen und Religion" urtheill „Univ.isr." sebr richtig über Voltaire, wie über seinen Nachfolger Hugo. „Wenig Freund der Juden, sind sie Feinde des Judenthums, hassen sie es, weil es die Kirche erzeugt hat; darüber strotzen sie von Einwürfen, Epigrammen, Sarkasmen und Beleldigungen gegen Bibel, Talmud, und unsere Vorfahren, unsere Gesetzgebung und unsere Geschichte, unsere Gegenwart und unsere Vergangenheit — und doch sind sie es, die gesäet und entwickelt haben die großen Ideen, die unsterblichen Docrrinen, denen wir unsere Emancipatiou danken, die 1789 begonnen und einst sich überall erfüllen wird". Im Uebrigen weist er V. Hugo nach, daß er Bibel und Talmud nicht kennt und daß seine Vorwürfe der Unkenntniß und dem Mißverständnrß entstammen, ferner daß er, der an Gott glaubt, das Moralgesetz anerkennt und die Unsterblichkeit der Seele lehrt, der Synagoge näher, als der Kirche steht. Seine schönsten Verse, seine erhabensten Gedanken, lassen sich in der von ihm geringgeschätzlen < ibel nachwerscn. Frankfurt a. M. Denr 40. Berichte über den Bestand und Fortgang des hiestgen Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den isr. Glaubensgenoffen entnehmen wir vor Allem die im Vorworte ausgesprochene erfreuliche Bemerkung des Vorsitzenden „daß mit jedem Jahre die Neigung, ein Handwerk zu erlernen, unter der israelitischen Jugend der ländlichen Bevölkerung liefere Wurzel faßt und allmählich sich ein größerer Theil derselben dem Gewerbestande zuwendet." Trotz der reichltchen Spenden (besonders der Familen Rothschild, B. H. und Herz H. Gold sch midt*) konnte der Vorstand allen Ansprüchen nicht gerecht werden, und der Appell desselben an den bekannten Wohllhätigkeitssinn der Frankfurter wird sicherlich Früchte tragen. Gerade in jetziger Zeit, wo den Israeliten der Vorwurf der Arbeitsscheu in gehäffigster Weise gemacht wird, verdient dieser Verein die größte Unterstützung. Nach der summarischen Uebersicht hat derselbe bisher 1232 Lehrlinge ausgenommen und 1184 in den nützlichsten Handwerken ausbilden lassen; am 31. Januar 1880 verblieben 48 in der Lehre. *) Der Stammbaum dieser weitverzweigten wohlthätigen Familie ist von dm HH. R. M. Meyer (Berlin) und Elias Ul lmann, Actuar der Frankfurter Gemeinde, ausgestellt und in splendider Ausstattung im Druck erschienen. Er zählt bis jetzt 529 Glieder. Solche segensreiche Thätigkeit überhebt uns jeder besonderen Empfehlung dieses Vereins. Schweiz. Der Freiburger Großrath hat mit 82 Stimmen gegen 10 einen Elsäffer, der seit dem Kriege dort wohnt, die Naturalisation versagt, weil er Jude ist. Wir enthalten uns jeder Bemerkung über diese bisher allein vom „Arch. isr." gebrachte Nachricht, weil wir zur Ehre unseres Jahrhunderts hoffen, daß, wenn auch das Factum richtig ist, die Begründung als erdichtet sich erweisen wird. Paris. Herr Samuel Hesse, Verwandter des Grandrabb'in, der als Junggeselle in Batignolles gestorben ist, hat dem israelitischen Hospital 400 Obligationen der Nordeisenbahn (158,000 Frcs.) vermacht, um dafür 10 Betten au unterhalten. Bei einem zweiten Legat zu gleichem Zwecke, von 1200 Frcs. ist nicht klar, ob damit die Zinsen oder das Capital gemeint ist. — In einem Briefe an den Präsidenten der Anglo-Jewish-Affociation bat Midhat Pascha den Juden von Beyruth ein glänzendes Zeugniß ausgestellt, dabei aber bedauert, den Damascenern ein solches versagen zu müffen. Sie Haben keine Schule und überhaupt kein Streben nach Civilisation. Es fehlt ein tüchtiger, energischer Rabbiner, doch meint der Pascha Einen zu kennen, der ganz geeignet dazu sein wird. Für die Schule aber fehle Geld. Daraufhin haben Herr A. de C a m o n d o in Paris und Herr S a s s o o n in London Jeder 10,000 Frcs. gegeben. Die Alliance und die Anglo-Jewish Affociation wollen jährlich 4000 Frcs. beitragen und die Gemeinde Damascus soll 6000 Frcs. aufbringen. Mitau. 62 Schüler zählte im verfloffenen Jahre die Talmudthoraschule und 1600 Rubel wurden für dieselbe verwendet (von dem Talmud-Thoraverein.) — Ebensoviel gab der Krankenverein an Unterstützungen aus. Der Frauenvrrein hat einen Fonds von 5000 Rubel angrsammelt. Oran. Der Stadtrath hat der „Gesellschaft der israel. Jugend" 500 Fr. Beisteuer bewilligt. Jerusalem. Baron Hirsch soll die Absicht haben, noch in diesem Sommer Jerusalem zu besuchen, um durch Selbstsehen sich zu überzeugen von dem, was dort noth thut. O, daß der welterfahrene Wohthäter die Reise i n c o g n i t o machte — oder tüchtige Menschen, denen er volles Vertrauen schenken kann, mit sich nähme, die unbekannt Manches sehen würden, was ihm sonst sorgfältig verhüllt werden dürfte! — Ein Versuch, der Ende Mai gemacht worden ist, durch Gemeindedeputirte Alles schnell regeln zu laffen, um die Wahl des Chacham Baschi bald vornehmen zu können, ist durch die Machinationen der Leute gescheitert, welche die Ordnung zu fürchten haben, die durch die 17 Bedingungen hergestellt werden sollte. Deshalb verlangen sie, es solle nur ein Gemeinderabbiner gewählt werden, der keine staatliche Anerkennung und Stellung erhalten soll Nur keine Ordnung und keine Controlle! — Das ist hier das Loosuugswort. Amerika. Einige amerikan. Rabbiner haben jüngst Mischehen eingesegnel, darob in den Blättern großer Disput pro und contra Wir stimmen den Eröterungen der „Arch., isr."*) daß damit ein Zeichen zum Abfall vom Judenthum gegeben werde, bei — und fügen hinzu: Was hat die religiöse Trauung bei der Schließung einer Ehe zu schaffen, welcher der religiöse Boden fehlt? Sollen die Kinder dieser nach jüdischem Ritus geschloffenen Ehe Christen werden? Oder zum Theil Christen, zum Theil Juden? Folgen die Kinder aber dem Vater, dann bietet der Uebertrin der Mutter allein Gewähr der religiösen Erziehung! Seid Juden, seid Christen — aber was ihr seid, seied ganz — das bunte Gemisch ist keiner Religion von Segen. fi *) Daß Aub der erste jüd. Rabbiner Deutschlands gewesen, der vr. phil. geworden (wie Arch. isr. schreiben) bezweifeln wir. Frankel b“l und Andere waren älter als er und hatten ihre Studien früher beendet.

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