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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-06-16 · N° 25. (16.6.1880) · p. Seite 214

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 25. (16.6.1880)
Date
1880-06-16
Page
Seite 214 (sequence 4)
Language
German
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— 214 — Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Magdeburg. „Damit diese thörichten Redensarten endlich einmal aufhören, schließe ich nunmehr diese Versammlung!" Mit dieser Erklärung hat Herr Stöcker die letzte Versammlung der tobenden christliche socialen Arbeiterpartei geschlossen. „Wir sollten meinen, schreibt die „Magd. Ztg.", daß nach den wahrhaft scandalösen Vorgängen der letzten beiden Stöckerabende es die höchste Zeit wäre, daß diesen Versammlungen überhaupt ein Ziel gesetzt werde. Es kann dem Christenthum und der Religion gar kein größerer Schaden bereitet werden, als es durch die Profanationen geschieht, denen das Heiligste fortwährend in diesen tumultuarischen Versammlungen ausgesetzl ist. — Wenn die Pastoren in einer aus solchen Elementen, wie sie in den Stöcker-Versammlungen sich theilweise einfinden, und wie sie zumal durch das anziehende Thema: „Das Vagabondenthum" angelockt werden mußten, von „Herren Strolchen" reden, wenn sie ohne inneres Verständniß und äußeren Beruf die schwersten socialen Fragen mit einer Phrase zu lösen suchen und dabei vor einem solchen Publicum mit Bibelsprüchen um sich werfen — dann können sie sich nicht wundern, wenn ihnen mit einem Hohngelächter geantwortet wird, durch das gerade das Gegentheil von dem beabsichtigten Eindruck erreicht wird. Auch wir wünschen von Herzen, „daß diese thörichten Redensarten endlicheimal aufhören," aber das Beste kann Herr Hofprediger Stöcker selbst dazu thun, wenn er endlich seine Agitationen einstellt." Uebrigens haben die allerneuesten Vorgänge bet der letzten Versammlung, in der Hr. Stöcker über die „religiösen Parteien" sprach und die Socialisten auf die „Börsenbarone" hetzte, gezeigt, daß der Hr. Hofprediger die Versammlung nicht mehr zu zügeln versteht. Die Geister, die er heraufbeschworen, wird er nun selber nicht mehr los. Es kam bereits zu Schlägereien innerhalb der Versammlung; man ließ nicht mehr blos Hrn. Stöcker, sondern auch Lafsale und die Socialdemokraten hochleben. Es wird höchste Zeit, diese Versammlungen polizeilicherseits zu verbieten. Bonn, 8. Juni. (Or Corr.) Unser großer Plagiator hat an dem unverwischlichen Denkzettel noch nicht genug, den Jbr gesch. „Literaturblatt" ihm zu geben die Ehre erwiesen hat. Die betr. Nr. hat gar Vielen, die sich durch die geschriebenen und gesprochenen Phrasen desselben noch hatten blenden lassen, endlich die Augen geöffnet; „wir wiffen nun, was wir statt eines Rabbiners an ihm haben," war das allgemein Urtheil, und man war begierig, ob derselbe am Schabuothfeste vielleicht über das Thema 2133ri K1? predigen würde; er schwieg aber darüber weislich. Run dann wird doch der fingerfertige Schreiber in einer Replik, oder Antikritik sich zu vertheivigen, zu entschuldigen, die Schmach von sich abzuwelzen suchen! Nichts von alledem. Er setzt sich vielmehr hin und schreibt ein neues Werk — natürlich wieder „a b." (Ein anderes Schriftstellern scheint der Mann gar nicht zu kennen!) Einen Fortschritt bekundet aber seine Schriftstellerei' in diesem neuen sehr theueren — 3 Mark kostenden — Buche; er sagt, resp. läßt den Verleger in der pomphaften Ankündigung über sich sagen: der „als hervorragender Schriftsteller (muß nach der neuen Orthographie bekanntlich „Schriftstehler" heißen) in der jüd. Literatur rühmlichst (au!) bekannt, giebt in diesem Werke das Gediegenste und B e st e, was die größten Koryphäen des modernen Judenthums . . . sagten." Es werden u. A. ausgeschrieben: Jellinek, Salomon, Kley, Mann-, heimer, Zunz, Herzheimer, Holdheim, Geiger, Stein, Josl Sachs, Adler, Aub, Lazarus, Emil Lehmann, Süßkind — „eine herrliche Blumen lese" — nennt's der Verleger wohl aus Verlegenheit, wie man eine solche Ausschreiberei mit einem anständigen Titel bezeichnen solle.) Nein, wenn wir das Glück hätten, zu „den größten Koryphäen des modernen Judenthums" zu gehören, wir würden allen Ernstes es verbieten, von solchen Abschreibern ausgeschrieben zu werden, und unseren Namen mit dem ihrigen in Verbindung zu bringen; das ist doch eine allzu zweifelhafte Ehre! Aus Oberschlesien. (Or.-Corr.) Die Verwaltung der Commerzienrath Fränkel'schen Stiftungen in Breslau ist unabläffig thätig, den Intentionen der Erblaffer gemäß Werke der Humanität eifrig zu fördern. In allen Theilen der Stadt erheben sich stattliche Gebäude, welche die Namen der hochherzigen Spender tragen. Unter ihnen heben wir die Häuser hervor, welche armen, würdigen Einwohnern der Stadt Breslau, ohne Unterschied der Confessio», billige Wohnungen gewähren. Sieben Grundstücke besitzt bereits die Fränkel'sche Stiftung zu diesem Behufe. Der unlängst zu Görlitz verstorbene Commerzienrath Alexander Katz hat letztwillig der dortigen städtischen Armenkaffe 3000 M., der Realschule 600 M. und dem Gymnasium 4500 M. hinterlaffen. Die Zinsen aus letzterer Summe sollen jährlich einem würdigen und fleißigen Schüler ohne Unterschied der Confeffion zugewendet werden. — Von schlesischen Glaubensgenoffen sind mehrere in ehrender Weise bei der Weltausstellung in Sidney ausgezeichnet worden. Dazu gehören u. A. die Strohhutfabrikanten Burgfeld, Breslauer u. Weigert in Breslau. Dem Wollwaaren - Fabrikbesitzer Commerzienrath M. Teich mann in Leobschütz ist für seine dort aufgestellten Fabrikate ein erster Preis zuerkannt worden. Jüngst hat eine interconfessionelle Liebesgeschichte im Ratiborer Kreise bei der ultramontanen Bevölkerung viel Aufsehen erregt. Der christliche Buchhalter eines jüdischen Mühlenbesitzers gewann Herz und Neigung der Tochter feines Prinzipals. Die Verschiedenheit des religiösen Bekennt» niffes bereitete den Liebenden großen Kummer und noch größere Schwierigkeiten — er, der Sohn streng katholischer Eltern, sie, eine Jüdin, deren Vater streng am Ritus hält. Der junge Mann konnte erst dann zu seinem Ziele gelangen, als er den Nachweis erbrachte, daß er in den Bund Abrahams sich habe aufnehmen lassen. Aus der Provinz Posen. (Or.-Corr.) Die Unterstützungskaffe des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen hielt am 13. d. M. in L i s s a die Jahresversammlung ab. Nachdem der Vorsitzende Dr. Samuelsohn aus Breslau einen eingehenden Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes erstattet, welche hauptsächlich in dem Entwurf der Statuten, in der Begründung eines größeren Unterstützungsfonds und in der von unerwartet schnellem Erfolg gekrönten Anstrebung der Rechte einer juristischen Person für die Kaffe bestanden, referirt der Schriftführer vr. Brann über Mitgliederzahl, den Kaffen - bestand u. s. w. Dem Vorstande, welcher wiedergewählt wird, sowie allen Denjenigen, die durch Beiträge oder sonstige Thätigkeit den Verein gefördert haben, wird hierauf der Dank der Versammlung ausgesprochen. — (Ein ausführlicher Bericht erfolgt in nächster Nr.) Die Jahresversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen fand darauf im Anschlüsse an die eben erwähnte Versammlung statt. Nach Eröffnung derselben durch den Vorsitzenden und Erstattung des Berichtes durch den Schriftführer hielt Herr Or. Cohn-Oels einen von gespanntem Jntereffe der Zuhörer bis zum Ende begleiteten, ebenso anregenden wie unterhaltenden Vortrag über die Entwickelung des jüdischen Erziehungswesens in Deutschland seit Moses Mendelssohn. Nach einer daran geknüpften Debatte dankt der Vorsitzende im Namen der Hörer dem Vortragenden. Hierauf folgte auf Anregung von Badt-Breslau eine lebhafte Debatte über das Verhalten, welches die Lehrer der jüdischen Religion zu den Lügen und Schmähungen, welche gegen das Judenthum geschleudert würden, zu beobachten hätten. (Ein näherer Bericht auch über diese Versammlung folgt demnächst.) Ter Vorstand wurde wiedergewählt. Ein gemeinsames Mahl, gewürzt durch ernste und heitere Reden, hielt nach der schweren Arbeit des Tages die Teilnehmer noch einige Zeit traulich beisammen, bis die Dampfwagen sie nach und nach nach den verschiedensten Richtungen entführte. BomTaullUs, 31.Mai. Ein Pröbchen religionS- X

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