Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 24. (9.6.1880)
- Date
- 1880-06-09
- Page
- Seite 208 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 208 — lichen Vorhaben abgereist, die Stellung der Juden daselbst gründlich zu studiren und mit allen Kräften für die Juden einzutreten. Man hat auch wieder Peixiotto vorgeschlagen, um ihn zum Gesandten in Bukarest zu machen. Es wäre gewiß sehr wünschenswerth, wenn dieser erfahrene und muthige Diplomat die Interessen der Juden in Rumänien fördern könnte. — Eine recht anerkennenswerthe Förderung in der Beseitigung eines auch in Amerika bestehenden Verbots, die Schwester seiner verstorbenen Frau zu heirathen, enthält der Brief des Rabbiners Abraham de Sola aus Montreal an Mr. Giroward, der einen auf Beseitigung zielenden Antrag bei den gesetzgebenden Behörden eingebracht bat. Der Rabbiner setzt in seinem Briefe sehr klar auseinander, wie das jüdische Ehes,esetz eine solche Ehe durchaus nicht verbiete, wie es vielmehr im Geiste dieses Gesetzes liege, diese Ehe zu gestatten. Auf literarischem Gebiete sieht man einen von vr. Wise angekündigten Werke über die Geschichte der Juden während der Zeit des 2. Tempels mit Spannung entgegen, da Verfasser darauf hinweist, daß er in seinem Werk die bedeutensten Forschungen mit in Erwägung gezogen und vieles Neue gefunden habe. — Aus den vielen Berichten über Versammlungen wohlthätiger Vereine stnd besonders die über das Monet-Sinai-Hospital und das Orphan Asylum hervorzuheben. Das erstere pflegte vom November 1878 bis November 1879 1474 Kranke und gab für Verpflegung 38912,09 Pfd. St. aus; aus der Armenapotheke erhielten 21809 Kranke Medicamente. In dem Waisenhause sind 308 Waisen in Obhut gebracht und der Kassenstand zeigt, wie groß das Interesse an dieser Anstalt ist. Während die Einnahmen 109428,37 Pfd. betrugen, beliefen sich die Ausgaben nur auf 59100,01 Pfd. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. „Judenverfolgung — Die Juden in Osteuropa. Unter dieser Aufschrift bespricht „Arch isr." den ArtitH der „Norddeutschen Allgemeinen" über (gegen) die Juden und — die Ausweisungen in Rußland! So tief sind wir in den Augen des Auslandes gesunken. Nicht als Juden, sondern als Deutsche empfinden wir doppelt diese Schmach, da wir nichts dagegen einwenden können! Cölu. Das Testament des Geheimen Commercienraths und Bankiers Baron Abraham von Oppenheim wurde am 12. d. in London von seiner dort lebenden Wittwe, beschworen. Der Erblasser vermacht ein Kapital von 50,000 Thalern der Armenverwaltung von Köln, dessen Zinsen alljährlich zu gleichen Theilen unter die christlichen und jüdischen Ortsarmen verlheilt werden sollen; ferner vermacht er 1,500,000 an seine Brüder und Schwestern und 500,000 an die Brüder und Schwestern seiner Gattin. Letztere ist zur Universalerbin eingesetzt und der Testator drückt den Wunsch aus, daß sie während ihrer Lebenszeit jährlich 2000 Thaler unter die Armen vertheilt. (B. B.-C.) Lissa (Posen). Am 19. v. M. hielt der „Verein der isr. Lehrer in Schlesien" (Vorsitzender I)r. Samuelsohn in Breslau) hier seine statutenmäßige Generalversammlung. Prediger vr. Cohn-Oels hielt einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag: Ueber die Entwickelung des jüd. Erziehungswesens in Deutschland seit Moses Mendelssohn. Elsaß-Lothringen. Die officielle Statistik bestätigt, daß Ehescheidungen bei Protestanten häufiger als bei Katholiken und sehr selten bei Juden sind. Paris. Die erste Sammelliste für die Crsmieux-Stiftung weißt bis zum 1. Juni 24,727 FrcS. auf. Von deutschen Gemeinden haben bis jetzt erst Liegnitz,München,Nürnberg, Tarnowitz, Thorn Beiträge eingesandt. Budapest, 2. Juni. (Or.-Corr.) Hundert und fünfzig Rabbiner aus allen Gauen Ungarns orthodoxer Gemeinden weilen gegenwärtig hier in unserer Hauptstadt. Sie haben bereits mit ihren Be rathungen und Sitzungen im orthodoxen Tempel begonnen Ihr Alterspräsident ist der 80jährige Rabbi KatzausDeutsch Kreutz. Wie aus ihren ersten Berathungen zu entnehmen ist, wollen sie zuvörderst Beschlüffe fassen, durch welche die Beschuldigung des Landtags-Deputirten Molnar, als wären die orthodoxen Juden in Ungarn den nationalen Bestrebungen feindlich, energisch widerlegt werden sollen. — Dann soll gegen das hiesige Seminar losgezogen werden. Auch mehr Unterstützung für orthodoxe Zwecke vom Schulfonds zu erhalten, will man durch eine Eingabe beim Ministerium versuchen. Die Sitzungen sind geheime; wahrscheinlich weil sie das Licht der Oeffentlichkeit zu scheuen haben. Budapest. (Or.-Corr.) Der Verein zur Magyarisirung der Israeliten, wie zur Verbreitung ungarischer Schriften unter dieselben, soll zu seinem Präses den Herrn Rabbiner vr. S. Kohn designirt haben. Im Allgemeinen wird ein solcher Verein für ganz überflüssig gehalten, zumal da unsere Kinder ohnedies alle ihre Lehrgegenstände und selbst die Religionslehre ausschließlich in ungarischer Sprache lernen und im Hause stets ungarisch sprechen. Auch werden sehr oft im Tempel ungarische Predigten abgehalten und viele Gesänge und Gebete ungarisch recitirt. Italien. Jn's italienische Parlament sind 4 Israeliten gewählt, die Herren E. Arbib (Biterbo), der Com. Romanin Jacur (Piove), Maurogonato (Mirano), Luzzatti (Oderzo). Zur Ballotage kommen ebenfalls 4, in Rom Samuel Alatri. in Pesaro G. Finzi, in Asola L. Frizzi, in Mailand H. Fano. — Der (konstitutionelle) Abgeordnete Maurogonato (Isr.) ist mit 211 Stimmen zum Vicepräsidenten der Depulirtenkammer gewählt worden. Padua. Es ist sehr anzuerkennen, daß die bis jetzt noch unedirten Werke des unvergeßlichen S. D. Luzzatto durch die pietätvolle Mühewaltung seines Sohnes in italienischer Sprache der Oeffentlichkeit übergeben werden. Bis jetzt sind sehr intereffante Stücke aus den Jugendwerken Lazzatto's, bestehend in Gedichten, in einer philosophischen Arbeit über die Thora, von der 7 Kapitel erschienen sind, Autobiographien, welche wiffenschaftliche Aufschlüsse über die Familie Luzzatto's und die Geschichte der italienisch-jüdischen Literatur, sowie über das arbeitsreiche Leben des Meisters selbst bringen und einige sehr merkwürdige Briefe, die er mit Geiger gewechselt hat. Es verdieut das Unternehmen des treuen Sohnes die vollsten Sympathien, da es werthvolle Schätze aus der Vergessenheit rettet. Paris. In einer vom Präfecten berufenen Commission zur Prüfung der Bücher, welche als Prämien verth eilt werden sollen, hat auch ein jüd. Lehrer (Herr Höment) Sitz und Stimme. Madrid. Die juristische Akademie hat Professor Mayer in Wien zum Ehrenmitgliede ernannt. London. Eine interessante literarische Neuigkeit ist das Werk der berühmten Orientalisten Mr. Edwin Arnold über Guatama, den Gründer des Buddhismus, weil es auch auf die christlichen Religionsanschauungen ein Helles Licht wirft. St. Petersburg. Kaum regt sichs, daß Beiträge zur Begründung jüdischer Ackerbau-Colonien gesammelt werden, als aus den schon bestehenden Bitten kommen, man möge zuerst die Verarmten in diesen unterstützen. Die beigefügte Warnung, die dazu bestimmten Gelder nicht zu gleichmäßiger Vertheilung zu senden, da sonst auch die reichen Bauern ihren Antheil nehmen, läßt die ganze Bitte wesenlos erscheinen. Mögen dort, wie überall, die besser Situirten den Aermeren Hilfe angedeihen lassen. Bettler sollen die Colonisten nicht werden — sondern Arbeiter. — Nach dem „GoloS" wären die Juden aus der Provinz Tambot ausgewiesen worden, weil entdeckt worden wäre, „daß sie eine große Zahl von Sabbathianern zum Judenthum verleitet hätten."