Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-06-02 · N° 23. (2.6.1880) · p. Seite 200

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)

OCR text

10 entity mentions

— 200 Weisung einzelner Ausländerin Nichtbeachtung von Formalien seitens der Betroffenen begründet sein mag, so wird doch andererseits schon von Beschränkung der Juden im Kosakengebiete Häuser und liegende Gründe zu erwerben, in den Zeitungen gesprochen. In Plozk wollte die Gemeinde zur Erinnerung an des Monarchen Jubiläum aus den Ueberschüffen der Fleischsteuer eine Handwerksschule errichten, was jedoch der Kreishauptmann nicht gestattete, angeblich, weil dies Staatsgelder seien. („Hameliz" meint, das sei nur möglich, wenn die Gemeinde oder Mitglieder derselben, für welche die Gemeinde hafte, Staatssteuern unbezahlt gelaffen.) Vermischte untuicuefte Nachrichten. Berlin. Der Privatdocent vr. Ludwig Geiger, ist zum Profeffor an der hiesigen Universität ernannt worden. — Herr vr. Berliner, Lector am orthodoxen Rabbinerseminar, hat zu der von ihm nach Handschriften und Jncunabeln zu veranstaltenden Edition des Targum Onkelos von der Königl. Akademie der Wiffenschaften eine Subvention von 1500 Mark erhalten. Berlin. Die Baruch Auerbach'sche Waisen-ErziehungS- Anftalt für jüdische Knaben, welche unter dem Protectorat des Kronprinzen des Deutschen Reiches steht, hat soeben ihren 47. Jahresbericht veröffentlicht. Seit dem Bestehen der Anstalt haben 240 Zöglinge daselbst Aufnahme, Verpflegung und Erziehung gefunden, von diesen widmeten sich 47 dem Handwerker- und 95 dem Kaufmannsstande, 1 wurde Arzt, 1 ist jetzt K. Kammergerichls-Referendar, 1 Zahnarzt, 3 Buchhändler und 13 sind zum Fabrikwesen gegangen, 3 studiren gegenwärtig Philologie, 2 Medicin, 2 Mathematik und Naturwissenschaften, 1 besucht das jüdische Lehrer-Seminar, 1 bildet sich zum Maler auf der Akademie der Künste aus. Von den 52 gegenwärtig in der Anstalt weilenden besuchen 17 das Gymnasium, 35 die Realschule. Die Mädchenabtheilung zählt 22 Waisen, doch soll durch Neubau Raum für noch 16 beschafft werden. Die Kaiserin hat auch in diesem Jahr 200 M. gespendet. Das Gesammtvermögen dieser segensreichen Anstalt beläuft sich (incl. Grundstücke) auf 676,530 M. Berlin. Die Trauerfeierlichkeit für den verstorbenen Rabbiner vr. Aub fand unter sehr großer Betheiligung der Vertreter und Mitglieder der Gemeinde statt. In der neuen Synagoge hielt Herr Rabb. vr. Frankl die recht angemeffene Trauerpredigt. Bemerkenswerth ist, daß der Verstorbene als letzte Function in der Synagoge am Sonnabend wenige Stunden vor seinem Tode das Gebet für den Kaiser verrichtete. Am Grabe sprachen noch die Rabb. vr. Ungerleider von hier und vr. Goldschmidt, ein naher Verwandter Aub's, aus Leipzig. (Aub, geb. im Dec. 1804 in BayerSdorf bei Erlangen, lernte bis zum 14. Jahre Talmud in seinem Geburtsorte bei R. Wolf Hamburger und später in Fürth; er studirte in Erlangen und München, war Rabbiner in Bayreuth und Mainz, wo er 1853 die neue Synagoge einweihete und zum Andenken an diese Einweihung einen Waisenverein gründete, der sehr viel Gutes gewirkt und heute ein Vermögen von 85,000 Mark besitzt.) Erfurt. Die Organe des Herrn Stöcker und seiner Partei haben wenig Glück. Die hier erscheinenve „Thüringer Post", deren Zweck es war, den Intentionen des Herrn Stöcker Ausdruck zu geben, erklärt, daß sie mit dem 30. Juni zu erscheinen aufhören müsse, da sie die nöthige Unterstützung Seitens der Partei nicht gefunden ^abe. Oppeln, 3. Mai Am 2. d. M. beging der hiesige Kaufmann Raphael Lachs das Fest seiner goldenen Hochzeit. Ihm, der seit 1829 hier ansäffig, brachte eine Deputation von Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordneten ihre Glückwünsche dar, nachdem Rabbiner vr. Wiener die Einsegnung des Paares wegen Kränklichkeit des Jubilars in deffen Behausung vorgenommen hatte. Würzburg, 25. Mai. In der vorgestrigen Generalversammlung der isr. Gemeindemitglieder wurde mit überwältigender Majorität die Trennung der S t a d t gemeinde vom Land bezirk beschloffen. Wien. Die österreichische Regierung hat die Verbreitung einer Anzahl judenfeindlichen Schriften — darunter die Marr'schen — auf Grund des § 305 des Strafgesetzbuches (Aufwiegelung etc.) verboten. — Freitag, den 28. d. Mts., starb hier der als begeisterter Dichter, wie als edler Mensch gleichsehr sausgezeichnete vr. Moritz Rappaport (geb. zu Lemberg 9. Febr. 1808). Von bleibendem literarischen Werlhe sind seine beiden epischen Dichtungen: „Bajazzo" (1863) und „Moses" (1873). Seine letzte poetische Gabe war ein Sonettenkranz zum 70. Geburtstage L. A. Frankl's. In seinem Nachlaß soll sich eine metrische Uebertragung der „Psalmen" befinden. Ec ruhe sanft [ Ungarn. In dem Stäbchen Göllnitz hat sich jüngst ein Mann (Namens Schwarz,) erschoffen, der mit zu den enragirtesten Jstöczs gehörte und stets eine hirnverbrannte Begeisterung für die Ideen des „Magyarischen Stöcker" an den Tag gelegt hatte. Erregte schon der Selbstmord in dem kleinen Stäbchen großes Aufsehen, so war dies umsomehr mit dem Testament des Selbstmörders der Fall. In demselben vermacht er tausend Gulden der Famile Desjenigen, der aus irgend einem Grunde in die mißliche Lage käme, einen Juden erschlagen zu müssen! .... Schlagendere Argumente für das Unheil, welches die Hetzagitatoren durch ihr wüstes Treiben anrichten, können wahrhaftig nicht gefunden werden. Paris. Die „Revue de Geographie" berichtet über die Juden in der Türkei: Heutzutage trifft man fast überall in der Türkei Israeliten. 40,000 in Constantinopel, 15,000 in Adrianopel, 15,000 in Philippopel, 2500 in Rustschuk, 1100 in Schum la, 2500 an den Dardanellen, 1000 etwa in Creta, 30,000 in Salonichi, 23.000 in Smyrna, 9000 in Aleppo, 30 000 in Bagdad, 1400 in Bayruth. Zusammen 170,500. Hierbei hebt sie rühmend den Einfluß hervor, den die „Alliance" durch ihre Schulen auf die Hebung dieser Bevölkerung geübt hat und übt. Paris. Ein in ChLteau des Ferriöres als Gärtnergehülfe angestellter Herr Meyer Cohen erklärt gegenüber der Behauptung des Herrn Guedallah, daß aus der Ackerbauschule in Jaffa kein Arbeiter hervorgegangen sei — daß er und mehrere Kameraden dort ausgebildet worden. Lissabon. Der „Globe" berichtet, daß am 2. Mai die hier wohnenden Juden eine Berathung gehalten über die Maßnahmen, um ihre bürgerlichen, politischen und religiösen Rechte zu wahren im Einklänge mit den Grundsätzen deS jetzigen Ministeriums. Wilna. Der von dem Metropoliten Moskau's für das beste Schulbuch in den am russischen Priesterseminar gelehrten Disciplinen ausgesetzte Preis von 500 Rubel ist Hrn. S t e i nbe rg, Inspektor im Lehrerseminar zu Wilna, für sein hebr.- russisches Wörterbuch zugebllligt worden. Rumänien. Um des Jndigenats unwürdig erklärt zu werden, genügt es, Mitglied der Alliance zu sein. So berichtet ein Correspondent der Arch. isr. Baslui (Moldau). In Fokschani brannten 300 Häuser ab, die Christen gehören — in Pungesti 120, Juden angehörige. Für die Ersten hat die Regierung 10,000 Frcs. geschickt und alle Wohlthätigkeitsvereine in Bewegung gesetzt. Für die Andern ist absolut nichts geschehen, selbst nicht von Juden. Haben sie Furcht, als Judenfreunde verschrieen zu werden? (Arch. isr.) Oran. Am 11. Mai wurde der Grundstein zur neuen Consistorialsynagoge gelegt. Maroceo. Die Juden haben den außerordentlichen italienischen Gesandten, der zur Conferenz nach Madrid abreiste, lebhaft begrüßt uno Deputationen an ihn gesendet. Dar erregt den nationalen Eifer eines Mattes in Oran — und es wird geschimpft. (Arch. iSr.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.