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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-06-02 · N° 23. (2.6.1880) · p. Seite 197

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 23. (2.6.1880)
Date
1880-06-02
Page
Seite 197 (sequence 3)
Language
German
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— 197 — Firma S. Kaufmann & Co, (Burgstr. 8), dankend entgegengenommen)." Diese beiden Aufrufe an die jüdische Mildthätigkeit bedürfen keines CommentarS; da beide dasselbe Ziel verfolgen, so darf ein Zusammengehen der beiden Vereinsvorstände wohl als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Magdeburg, 27. Mai. Die vergangene Woche hat an Judenhatz'Material (auf der „Pastoral-Conferenz", in dem „Verein zur Verbreitung des Christenthums unter die Juden") so Vieles — wenn auch spottwenig Neues — gebracht, daß wir die ganze Nr. damit füllen könnten. Aber das Gefühl des Ekels vor allen diesen Etöckereien und Stänkereien waltet nicht nur bei uns, sondern bereits auch bei allen anständigen christlichen Tagesblättern vor. Wir begnügen uns desha.b mit der Wiedergabe des Urtheils der „Magd. Ztg " Sie schreibt: „Die Berliner Pastoral-Conferenz hat mit ihrer wüsten Debatte über die Judenfrage sich selbst wieder gebührend gekennzeichnet. Dreist genug waren die früheren Agitationen der Socialdemokratie, deren Zweck die Vernichtung des Königthums, der Verfassung und aller gesellschaftlichen Ordnungen war; allein die Socialisten kämpfen wenigstens mit offenem Visir, während die Pastoral-Confrenz es vorzog, ihre Aufhetzung gegen unsere jüd. Mitbürger hinter Gottes Wort zu verstecken. Die christlichen Gemeinden des preußischen Staates haben gegen den Pastoralen Hochmuth der Conferenz Protest einzulegen und die gestrige Debatte über die Judenfrage als eine geistliche Verirrung sonder Gleichen zu kennzeichnen. Ohne diesen Widerspruch würde draußen in der Welt die Vorstellung aufkommen können, Preußen wäre der Tummelplatz ärgerlichster Judenhetze geworden und die Verlästerung unserer jüdischen Mitbürger stände unter dem Schutz der christlichen Kirche, der christlichen Moral. Die Verirruug der Pastoral-Conferenz ist so arg wie möglich; dies auszufprechen, dünkt uns Pflicht zu sein, damit nicht die Meinung aufkomme, als decke sich mit dem wüsten Toben einer geistig Bankerott gewordenen orthodoxen Richtung unserer Kirche das aufgeklärte deutsche Volksbewußtsein. In ganz plumper Weise wird eine Frage discutirt, die, so weit sie eine sittliche Berechtigung hat, nicht vorsichtig genug erörtert werden kann. Der Führer war wieder einmal Herr Stöcker, der zu wissen glaubt, was Gottes Rathschluß sei. Er sagt uns, was Gottes Regiment mit den Juden vorhabe und daß sie ein „verworfenes Volk" seien. Im Vordersatz mißbilligt er die mittelalterlichen Judengräuel, um im Nachsatz zu verrathen, daß diese Gräuel ihre Berechtigung hatten; denn die Juden sind nach Stöcker Christenverächter und Wucherer immer gewesen bis zu dieser Stunde. Und in dieser brutalen Weiseargumentirten nahezu alle Redner der Conferenz, blos daß sie in Herrn Stöckor ihren Apostel und Meister feierten. Dessen Judenhetze gilt den Mitgliedern der Conferenz als eine sittlich befreiende Thal, die in jeder Einzelgemeinde nachgeahmt zu werden verdiene. Als vor vielen Jahren die socialdemotratischs Wühlerei begann, wurde ihr von nur zu Vielen jede Tragweite abgesprochen und ähnlich gleichgültig bleiben jetzt wieder Viele gegenüber diesen neuesten Hetzereien. Diese aber bergen genau dieselben Gefahren in sich, wie der Laffalle-Hasselmann'sche Radicalismus."*) Magdeburg. Wir lassen den Schluß des Festberichts über die Rabbiner- und Lehrer-Conferenz in Halle folgen: „Um zwei Uhr Nachmittags begann das von der Gemeinde *) Wie wir vernehmen, haben einige liberale Abgeordnete christlicher Confessio» den Entschluß gefaßt, eine allgemeine Volksversammlung nach einem der größesten Berliner Locale einzuberufen, um gegen die pfäffsschen Hetzereien der Pastoralconferenz, des Judenmissions - Ver, einrc. einen energischen Protest zu erlassen. Männer, wie Eugen Richter. Pfarrer Neßler und Albert Träger stehen an der Spitze dieser anti-antisemitischen Bewegung. Halle den Conferenztheilnehmern gegebene Festessen. Der Obmann des Festcomit6eS, Herr Kaufmann H. W o l f e n st e i n, eröffnete die Tafel mit einer kernigen Ansprache an die Gäste, in welcher er von der großen Befriedigung und geistigen Erhebung sprach, mit welcher auch die Laien durch die Conferenzverhandlungen erfüllt worden wären. Die Reihe der offiziellen Tischreden eröffnete Landrabbiner vr. Krön er mit einem Toaste auf Se. Majestät den deutschen Kaiser. Er hob hervor, wie der königstreue Geist im Judenthum allezeit die größte Liebe und Verehrung gegen das Landesoberhaupt gelehrt habe, wie wir aber in Kaiser Wilhelm und in seinem erlauchten Thronerben noch besonders Schutzherren des Judenthums inmitten eines wüsten Lärmens und Hetzens gegen unsere Glaubensgenossen zu verehren und zu lieben haben. Ein dreimaliges donnerndes Hoch gab Zeugniß von der begeisterten Gesinnung der Versammelten für Kaiser und Reich. Herr Rabbiner vr. Ra hm er hatte es übernommen, der Gemeinde Halle und ihrer Vertretung den tiefgefühlten und innigen Dank der Gäste für das überaus freundliche Entgegenkomrren auszusprechen. An die talmudische Auslegung des von Abraham gepflanzten Baumes jüd. Gastfreundschaft (vgl. Raschi zn Genes. 21,33) anknüpfend betonte er, daß das geistige Interesse, welches dem Streben der Versammlung entgegengebracht wurde, noch bedeutender wiege, noch viel erfreulicher sei, als die wirklich rührende Sorgfalt für das leibliche Wohlbefinden der in ihrer Mitte tagenden Versammlung. Er schloß mit einem Hoch auf den Vorstand, die Repräsentanten (Vorsitzender Herr Jos. Türkheim er) und das Festcomitä. Herr Rabbiner vr. D e s s a u e r benutzte eine talmudische Erzählung um das Verdienst, edle Gesinnungen in der Gemeinde zu fördern, dem Gemeinderabbiner zu vindiciren und in seinem Trinkspruch das Fortbestehen eines solchen beiden Theilen zur Ehre gereichenden Verhältnisses zu wünschen. Rabbiner vr. Caro auS Erfurt, der es übernommen hatte, das Fesicomit6e hochleben zu lassen, verließ das Feld der Prosa und kam in launigen, die Geschichte der Conferenz schildernden Versen seiner Aufgabe nach. Rabbiner vr. Fröhlich endlich toastete auf das Wachsen und Gedeihen aller jüdischen Gemeinden und des religiösen Bewußtseins in denselben. Gemeindevorsteher Sachs ließ die Gäste und Herr Waisenhausinspeklor Stern aus Seesen die Frauen leben, da der Tisch auch dieser Zierde nicht entbehrte. Nach dem i schönen Vortrage des -w durch den Hallenser Gemeindccantor wurde das Tischgebet verrichtet und die Tafel aufgehoben. In einer größeren Anzahl bereit stehender Equipagen wurde nun eine Ausfahrt durch das schöne Saalthal in das reizend gelegene Bad Wittekind gemacht, von wo man, vom schönsten Wetter begünstigt, gesättigt von den herrlichen Naturgenüssen und wiederholten Bewirthuugen, am späten Abend zurück- und befriedigt der Heimath zukehrte. Es waren schöne Tage, die wir in Halle verlebten; die geistige Anregung, welche das Zusammensein mit Berufsgenossen mit sich bringt, wurde durch die Conferenzverhandlungen noch außerordentlich gesteigert. Mit GotteS Hilfe werden segensreiche Früchte zum Heile unseres Glaubens jenen Anregungen erwachsen, die Gastfreundlichkeit und Liebenswürdigkeit der Hallenser Gemeinde aber wird jedem Theil» nehmer unvergessen bleiben. So lange echt religiöse Bestrebungen ein so inniges Verständniß und solche Förderung in den Gemeinden finden, so lange steht Israel nicht verwaist da." 6. Berlin. Wie unsere Leser sich erinnern werden, hatte Herr Otto H e n tz e, Mitglied der Antisemiten-Liga, gemeinsam mit Herrn Wilhelm Marr eine Zeitschrift betitelt „Die Deutsche Wacht" herausgegeben. Auf dem Umschlag des achten Heftes dieses Blattes, das das Organ der Antisemiten- Liga sein sollte, finden wir nun folgende Erklärung: „Herr Wilh. Marr ist seit einiger Zeit bemüht, über die Redaction dieser Monatsschrift und deren Verleger Verdächtigungen und Unwahrheiten über den Grund seiner Entfernung von der Redactiou zu verbreiten. Ich sehe mich deshalb veranlaßt.

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