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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-06-02 · N° 23. (2.6.1880) · p. Seite 196

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 23. (2.6.1880)
Date
1880-06-02
Page
Seite 196 (sequence 2)
Language
German
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— 196 — reiten, daß sie sich ihren Lebensunterhalt durch die Arbeit - erwerben. Mit solchen Anstalten können wir schon in einer nahen Zukunft eine große Veränderung in der Lage der Israeliten von Palästina sehen. Aber das Werk ist schwierig, es erfordert ungeheure Hilfsmittel und die Mitwirkung der Israeliten aller Länder. Man muß Schulhäuser bauen, die Lehrer, die Bücher, das Schulmaterial aus Europa kommen laßen und die Kinder theilweise beköstigen und bekleiden. Die Unterhaltung einer Knaben- und Mädchenschule in Jerusalem allein erfordert ein Einkommen von jährlich 25,000 Fr., und dies ist nur eine Schule in dem Gesammtplane, den wir im Auge haben. Es ist also ein bedeutendes Capital nothwendig, um durch desien Ertrag die Existenz und gute Haltung der zahlreichen von uns in Palästina zu gründenden Schulen sicherzustellen. Es wird einer großen Anstrengung seitens unserer Glaubensgenosien bedürfen; aber was muß man nicht von ihnen erwarten für ein Werk, das ebenso entspricht ihren Gefühlen der Pietät für das heilige Land, als der Barmherzigkeit für die unglücklichen Israeliten, als der Anerkennung für den Präsidenten der Alliance Jsraelite Universelle! Brauchen wir unseren Glaubensgenoffen eine Schöpfung zu empfehlen, deren Idee ihnen selbst angehört? Wir stellen dieselbe unter den Schutz der Rabbinen und Prediger, der Gemeinde-Vorsteher, der Comitss und Mitglieder der Alliance; wir bitten sie Alle um ihre thätige Mitwirkung; möge Jeder, dem das Gedächtniß Cr6mieux's theuer ist, denselben seine Unterstützung leihen; möge Jeder nach seinen Mitteln seine reiche oder bescheidene Spende bcrngen; möge ein edler Wetteifer die Israeliten aller Länder entflammen, und wir werden bald dem Namen Cremieux's di- Huldigung darbringen können, die er verdient, indem wir ihn mit einer der heiligsten Unternehmungen verbinden: mit der Erhebung der Israeliten von Palästina! Paris, den 6. Mai 1880. Für das Central-Cowitä der Alliance Jsraslite Universelle: Großrabb. L. Isidor, Ehrenpräsident. I. Derenbourg. Vicepräsident. S.HGoldschmidt,Vicepräsivent. N. Leven, General Secretär. Lsonce Lehmann, Schatzmeister-Delegirter. Der Secretär: Isidore L o e b.*) II? Berlin, im Mai 1880. Der Vorstand und der Verwaltungsrath des hier bestehenden „Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" hat in seiner gemeinschaftlichen Sitzung vom 10. Mai d. I. die Freude gehabt, den jetzt in Berlin anwesenden Consul des Deutschen Reiches in Palästina, Herrn Baron v. Münchhausen, in seiner Mitte begrüßen zu können. Wie in den schriftlichen Mittheilungen, mit denen er seit längerer Zeit den Verein erfreut hat, so zeigte der *) Dieser Aufruf wird an die Herren Comitd-Mitglieder der Alliance, an die Herren Rabbinen und Lehrer, an die Herren Vorsteher der israel. Eultusgemeinden, der israel. Wohlthätigkeitsvereine rc. gerichtet, welche Alle wir herzlich bitten, uns ihre thätige Mitwirkung bei dieser Subcription gütigst leihen zu wollen. Exemplare dieses Aufrufes nebst SubscriptionSlisten stehen zu weiterer Verbreitung jederzeit sowohl im Bureau der Alliance (Pari«, rue de Trevise 37) als bei Herrn Rabbiner vr. Landsberg in Liegnitz zur Verfügung. Herr Consul auch in seinen mündlichen Auslastungen in jener Sitzung, wie in privaten Besprechungen mit Mitgliedern des Vereins, nicht nur das lebhafteste Jntereffe für das materielle und intellectuelle Gedeihen der jüdischen Bewohner des Heiligen Landes, sondern auch eine auf mehrjährige Erfahrungen und scharfe Beobachtung sich grün dende Erkenntniß der Wege, welche zu jenem Ziele zu führen geeignet erscheinen. Dabei gab er wiederholt die unzweideutige Erklärung darüber ab, daß ihm in seiner amtlichen Wirksamkeit, wie in seinen Intentionen überhaupt nichts ferner liege, als auf die religiösen Besonderheiten der palästinensischen Juden irgend wie einen Einfluß zu üben. Als den unter allen Umständen geeignetsten Weg, der traurigen Lage jener Bewohner Palästina's abzuhelfen, bezeichnete er eine Verbesserung des so sehr im Argen liegenden Jugendunterrichts bei den palästinensischen Juden. Es sei dies das einzige Mittel, um diese Unglücklichen endlich in den Stand zu setzen, sich eine selbstständige Existenz zu begründen und der entwürdigenden Almosen, die ihnen von den außerpalästinensischen Juden zufließen, entbehren zu können. Zum Leidwesen aller Wohlmeinenden glaubt immer noch ein großer Theil der europäischen Juden der anerkennenswerthen Pietät für das heilige Land zu entsprechen, wenn sie jährlich Spenden für die Bewohner deffelben sammeln und vertheilen lasten, ohne zu bedenken, daß damit den beklagenswerthen Zuständen nicht abgeholfen und stets neue Generationen erwerbsloser und erwerbsunfähiger Menschen herangezogen werden. — Der Vorstand des obengedachten Vereins konnte nur mit hoher Genugthuung wahrnehmen, wie seine eigenen Anschauungen durch eine so gewichtige Autorität gestützt und bestätigt werden und er findet in dieser Uebereinstimmung einen neuen Sporn für eine kräftige und intensive Verfolgung seiner Zwecke, nämlich: Erziehung der jüdischen Jugend in Palästina und Anlegung geeigneterLehran st alten. Auch noch in anderer Beziehung trafen die Ansichten des Herrn Consuls mit denen des Vereins in erfreulicher Weise zusammen. Der Umstand, daß ein so großer Theil der Juden Palästina's, weit über den Kreis der eigentlichen Schutzgenosten des Den tschen Reiches hinaus, die sogenannten A s chkenasim (von etwa 15,000 Juden Jerusalems etwa 11,000) der deutschen Sprache — wenn auch in einem verderbten Jargon — mächtig ist, läßt in einem Unternehmen, das seine Hauptstütze in Deutschland findet, eine bedeutsame nationale Sache erblicken, welche der Beihülfe deutscher Israeliten, abgesehen von differirenden religiösen Richtungen, werth sein dürfte. Aus den beregten Motiven ist dem genannten Vereine von den verschiedensten Seiten aus mannigfache Hülfe geworden, und es ist ihm gelungen, theils durch einmalige Geschenke, theils durch jährliche Beiträge, einen nicht unbeträchtlichen Fonds zusammen zu bringen. Noch reicht derselbe aber nicht aus, um das Werk der Erziehung und des Unterrichts, das nur durch europäisch und deutsch gebildete Lehrer zu einem gedeihlichen Zwecke führen kann, in einer Weise auszusühren, die einen erfreulichen Erfolg ver - spricht. Bei dieser Gelegenheit sei nochmals an die deutschen Glaubensbrüder der palästinensischen Juden die Bitte gerichtet, dem genannten Vereine kräftige und nachhaltige Beihülfe zu Theil werden zu lasten. (Geschenke und Jahresbeiträge werden von dem Schatzmeister Herrn Ed. Mende,

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