Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 22. (26.5.1880)
- Date
- 1880-05-26
- Page
- Seite 192 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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192 ster Weise eingeleitet. Zahlreiche mündliche und schriftliche Gratulationen, die von nah und fern, sowohl von Privaten, als von den Vorständen derjenigen Vereine eingingen, denen Herr K. oder seine Gattin in thätigster Weise angehören, machten den Hochzeitstag zu einem für das Jubelpaar freudig bewegten. Den Gipfelpunkt des Festes aber bildete die Herrn Kargau durch die städtischen Behörden verliehene Auszeichnung des Ehrenbürgerrechtes, die -ihm durch eine aus Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordneten »Versammlung bestehende Deputation verkündigt wurde. An diese städtische schloß sich die Deputation der Synagogen-Gemeinde, aus dem Vorstand und Vertretern der Repräsentanten-Versammlung bestehend, der Herr Kargau ebenfalls seit langen Jahren als Mitglied und Vorsitzender angehört. Budapest, 14. Mai. Der Assistent und Privatdocent an der hiesigen Universität, vr. Sigmund Purjeß jun., ist zum öffentlichen ordentl. Profefforen der speciellen Therapie und Pathologie an der Klausenburger Universität mit den vorschriftsmäßigen Gebühren ernannt. Bemerkenswerth ist es, daß vr. P. der erste Jude ist, der in Ungarn zum o r d. Universitätsprofeffor ernannt worden ist, weil es, besonders unter dem „lieberalen" Regime Koloman Tißa's Prinzip ist, keinen Juden für ein Lehr- oder Richteramt zu ernennen. Anspitz in Mähren, 9. Mai Heute wurde hier das neu erbaute israelitische Gotteshaus feierlich eingeweiht. Um das Zustandekommen dieses schönen Baues haben sich vor Allem der Eultus-Vorstand, Herr Jacob Redlich, durch unermüdliche Thätigkeit und namhafte Opfer, sowie die Beiräthe und Comitee-Mitglieder große Verdienste erworben. Nachdem das Gotteshaus von dem Herrn Bezirkshauptmann eröffnet war, und nach einem Orgel-Präludium folgte der Einweihungsgesang, ausgeführt vom Ober-Cantor Herrn Alois Kulka aus Lundenburg, das Anzünden des ewigen Lichtes und sodann eme weihevolle Einweihungsrede, gehalten vom Herrn Rabbiner vr. Groß aus Lundenburg. Hierauf wurde die Bundeslade durch die Vorstands-Mitglieder eröffnet, von dem Prediger das Gebet für das Allerhöchste Kaiserhaus gesprochen, die Volkshymne abgesungen und sodann die Denkschrift verlesen. Ein Schlußgesang beendete die erhebende und weihevolle Feier. Brüx (Böhmen). Die Israeliten im Wiener Vorort Florisdorf nebst einigen angrenzenden Wiener Vororten haben sich (mit Bewilligung der Regierung) von der Wiener Gemeinde abgelöst, um eine selbstständige Gemeinde zu bilden und unfern Bezirksrabbiner Herrn vr. Bloch zu ihrem Rabbiner gewählt. Derselbe tritt diese Stelle, wie wir erfahren, schon zum 1 Juni cr. an. Paris. Die Tochter Alexander Dumas', — welcher von Geburt der römisch-katholischen Kirche angehört, während seine Gattin als Russin sich zu der griechischen Kirche bekennt, hatte seine Kinder nicht taufen lassen, damit sie eines Tages die freie Wahl zwischen den Konfessionen hätten, in deren Geist man sie einweihen wollte — ist mit Herrn Moritz Lippmann (Israelit) verlobt und die Braut verzichtet auf jede religiöse Trauung. London, 19. Mai. Earl Granville empfing gestern in zuvorkommender Weise eine Deputation hiesiger Juden, die ihm den Schutz ihrer verfolgten Glaubensgenoffen in Marokko anS Herz legten. Die Parlamentsmitglieder Simon und Cohen trugen die Wünsche der Deputation vor und sprachen namentlich dafür, daß die Vorrechte des Schutzes fremder Consulate beibehalten werden möchten. Earl Granville sagte den Bittstellern innerhalb der Grenzen seines Könnens die Erfüllung ihres eigentlichen Gesuches zu. Was indeß die anzuwendenden Mittel anbelangt, so behielt er sich sein Urtheil zum mindesten bis nach Schluß der Conferenz in Madrid, die am 15. d. Mts. zusammengetrelen, vor. Gerade über den Werth der erwähnten Consularvorrechte gehen die Ansichten unter Sachverständigen, wie er nachwies, auseinander, und der englische Geschäftsträger in Marokko, Sir H. D. Hay, zum Beispiel hält diese Vorrechte für eher schädlich als nütz - lich. — In Marokko wohnen 350,000 Juden. Petersburg. Die von Herrn P. Rosenberg gegründete und von ihm zumeist unterhaltene Volksküche für Juden und Christen hat vom 8. November 1878 bis 1. Januar 1880 49,811 gespeist. Die Ausgaben betrugen 9076,85 Rubel, die Einnahmen 7322,89 Rubel, das Fehlende hat Herr Rosenberg gedeckt, wie er auch im vorhergehenden Jahre 1566,72 Rubel dazu hergegeben hat. In Falaugen (Kurland) haben sie eine neue Synagoge gebaut, für welche die „Bernsteinarbeiter" (Juden!) etwa 1000 Rubel aufgebracht haben, um dafür die hl. Lade errichten zu laffen. (Hameliz.) Jerusalem. Auf dem Platze gegenüber den Juda Touro's Almhouses genannten Häusern hat Sir Moses Montefiore 339 Bäume pflanzen laffen und zwar 75 Weinstöcke, 45 Granatenbäume, 56 Oelbäume, 24 Apfelbäume, 4 Pflaumenbäume, 25 Maulbeerbäume, 15 Akazien, 17 Tamarisken, 18 Cognaffiers. Dazu hat er einen Gärtner gemiethet, um den Bewohnern dieser Häuser die Pflege der Bäume und der ebenfalls gepflanzten Gemüse zu zeigen. Zum Repariren der schadhaften Dächer schickte er für 1000 Frcs. Cement. Dem Hospital von Safet schenkte er die fehlenden chirurgischen Instrumente für 2500 Frcs. und auf die Kunde von der großen dort herrschenden Roth 5000 Frcs. für die armen Israeliten und 2500 Frcs. für die armen Mohamedaner. Jerusalem. Auf die Kunde hin, daß vom Montefiore- Gedenkfonds nächstens eine Schule gegründet werden soll, hielt die deutsche Gemeinde am 18. April eine Versammlung, in der über Jeden, der sein Kind dieser Schule anvertrauen sollt e. der B a n n ausgesprochen und ihm angedroht wird, daß er nichts mehr von der Chaluka bekommen werde. (Da haben doch wohl die Spender mit dreinzureden?! Aus China. Am 9. Januar gaben mehrere Glaubensgenoffen Herrn Eduard A. S a s s o o n, Sohn des Sir Albert Sassoon, in Shanghai ein Abschiedseffen. Dabei sprach der Gefeierte über die Bedeutung der jüdischen Gemeinde in Sanghai, deren Tempel das Vorbild für viele andere im Reiche der Mitte sein wird. Aus den entferntesten Provinzen China's, ja aus Japan, kommen alljährlich Israeliten zu den hohen Festen dort in, um sie dort zu feiern. Die Bildung weiterer Gemeinden in anderen Städten steht in Aussicht. New-Aork. Ein seltenes Fest für eine amerikanische jüdische Gemeinde ist die 150. Wiederkehr des Gründungstages derselben. Die Scheerith-Israel-Gemeinde Hierselbst hat das Gluck gehabt, diesen Jubeltag festlich zu begehen. Einen sehr intereffanten und sachgemäßen Brief hat Abraham de Sola aus Montreal an den kanadischen Parlamentarier Girouard über die Ehe mit der Schwester der verstorbenen Frau gerichtet. Recht klar und treffend weist er die mosaisch-talmudische Auffassung nach und zeigt die Auffaffung des bezüglichen Bibelverses in Leviticus 18,18 in voller Schärfe. .Feuilleton. Chajim Prostak. Historische Erzählung aus der Entstehungszeit des Chassidismus. Eine wahre Geschichte aus der zweite» Hälfte des 18. Jahrhundert« von A. S. Weißmann. (Fortsetzung.) „Mein geliebter Chajim kam gestern gegen Abend schon etwas spät nach Hause," antwortete Ester mit gedrückter Stimme. — „Es muß doch schon etwas sehr spät gewesen sein, denn nach Kiddusch begab ich mich zu meinem Bruder dem Raw (er soll leben!), da passirte ich Ihr Haus und glaube Nichts bemerkt zu haben, was darauf hindeuten konnte, daß R. Chajim bereits zu Hause wäre." — „Es kann höch-