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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-05-26 · N° 22. (26.5.1880) · p. Seite 191

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 22. (26.5.1880)
Date
1880-05-26
Page
Seite 191 (sequence 5)
Language
German
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— 191 — verneurs Fürst Dolgorukow in Moskau aufhalten dürfen." — Das Circular des Ministers des Innern an die Gouverneure lautet folgendermaßen: „Ministerium des Innern, den 3. (15. alt. St) April 1880 Nr. 30. — Dem Herrn Gouverneur. — In Folge meines Circulars vom 11. Juni 1879 sub Nr 4368 habe ich Ihre Excellenz gebeten, dem Ministerium über die in dem Ihnen anvertrauten Gouvernement wohnenden Meister, Handwerker und Gewerbslehrlinge mosaischen Glaubens ausführlichen Bericht zu erstatten — Unterdessen erweist es sich nach den im Ministerium erstatteten Auskünften, daß diese Verordnung manchem Gouverneur als Veranlassung zur sofortigen Ausweisung aus ihrem beständigen Wohnsitze derjenigen Juden gedient hat, welche der in Betreff des Wohnsitzes der Jude« in den inneren Gouvernements ausgegebenen Gesetzordnung nicht entsprechen. — Indem ich auf das oben Erwähnte die Anfmerksamkeit Ihrer Excellenz richte, habe ich die Ehre, Sie, geehrter Herr, zu bitten, diejenigen Juden, die kein Einwohnerrecht besitzen, nicht auszuweisen, ohne besondere Disposition in dieser Hinsicht vom Ministerium des Innern erhalten zu haben. Unterzeichnet: Der Minister der inneren Angelegenheiten, Staatssekretär Makow." England. Bradford, 7. April. Gestern fand hier die Grundsteinlegung zu einer Synagoge statt. Die Ceremonie wurde von Rev. vr. Strauß geleitet. Nachdem derselbe einige passende Stellen aus den Psalmen vorgetragen hatte, las Hr. Fürsten heim eine Skizze über die Entwickelung der jüdischen Gemeinde vor. Dieses Dokument bestätigte, daß bekanntlich viele von den früher in Bradford wohnenden Juden von den Gemeinden Leeds und Manchester angezogen wurden, was sich dadurch erklären läßt, daß zuerst keine bestimmten Anstalten, eine Gemeinde in dieser Stadt zu bilden, gemacht wurden. Einige Glaubensbrüder feierten wohl die jährlichen hohen Festtage, aber es gab keinen Rabbiner, der e,gens dazu bestimmt war, den Gottesdienst abzuhalten und so war dieser von ganz primitivem Charakter. Aber während des beständigen Wachsthums der Stadt in geschäftlicher Beziehung wuchs auch die Anzahl der dort wohnenden Juden dermaßen, daß die Bildung einer Gemeinde unter ihnen als allgemein wünschenswerth erschien. Das Resultat vieler Anstrengungen einiger Mitglieder war denn auch endlich die Bildung einer Gemeinde unter ihnen zur Förderung des Judenthums und des Unterrichts der jüdischen Kinder. So gelang es später ein Stück Land als Gemeingut anzukaufen und auf demselben eine kleine Gemeindecapelle zu erbauen. Eine Subscriptionsliste wurde eröffnet und diese hatte so großen Erfolg, daß sogar ein Rabbiner angestellt werden konnte. Seitdem wu,de regelmäßiger Gottesdienst abgehalten und auch den Kindern regelmäßig Unterricht in der Religion ertheilt. Nach Besiegung aller Hinderniffe, welche sich entgegenstellten, wurde später der Entschluß gefaßt, eine Synagoge zu bauen. Den unermüdlichen Bemühungen des Hrn. Hr. Strauß und des Vorsitzen« den der Gemeinde, Hrn. Charles Calmann, gelang es, eine Liste von Gebern so erfolgreich aufzustellen, daß ein Stück Land gekauft werden konnte. Nun werden von den Architekten Haley Pläne vorgelegt, welche auch genehmigt wurden. Fernern Beistand leistete Hr. I. Moses, indem er sich erbot, die ganze innere Ausstattung der Synagoge und der Schule zu bezahlen. — Nach Beendigung dieses Vortrages überreichte Hr. Calmann Hammer und Maurer-Kelle dem greisen Hrn. Unna, welcher hervortrat, um den Grundstein in eine Höhlung, in welche man eine Kiste mit mehreren Documenten gestellt hatte, zu legen. In paffenden Worten verglich er die Gemeinde mit dem alten israel. Volke, welches nach dem Auszuge aus Aegypten selbst auf der Wanderung durch die Wüste es nicht unterließ, ein Tabernakel zu erbauen, um den Gott seiner Väter zu verehren. Er gedachte sodann des verstorbenen Hrn. Ch. Semon, welcher seinen Glaubensgenoffen bei dem Bau eines Tempels zur Ehre des Höchsten beizustehen versprach. Unglücklicherweise wurde Herr Semon vor Vollendung seiner edlen Aufgabe abberufen. Aber fiin Freund, Herr Bernhard Cohn, sei an deffen Stelle getreten; auch noch andere Männer halfen. Unter ihnen nannte er den Major Hrn. Jacob Moser und Hrn. vr. Strauß. Zum Schluffe sprach er noch die Hoffnung aus, daß das Gebäude ohne jeglichen Unfall beendet werden möge. — Nachdem Hr. Calmann dem Hrn. Unna den Dank für die Dienste, welche er der Gemeinde geleistet, ausgesprochen und Hr. Gottheil noch den Wunsch hinzugefügt hatte, daß es dem achtzigjährigen Hrn. Unna vergönnt sein möge, das Gebäude vollendet zu sehen, schloß die Feierlichkeit mit Gebet und Segen. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Wir erhalten kurz vor Schluß dieser Nr. folgende Trauerkunde: Berlin, 23. Mai. Der Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde, vr. Joseph Aub, ist gestern in Folge eines Hirnschlages gestorben. Die Leichenfeier findet Dienstag lG‘/a Uhr statt. Der Verstorbene, der im vor. Jahre sein 50jähriges Amtsjubiläum feierte und seitdem in den Ruhestand getreten war, erreichte ein Alter von 76 Jahren. Magdeburg. Den jüd. Blättern in Frankreich theilen wir folgenden Passus einer Pariser Correspondence der „Köln. Ztg." zur Beurtheilung bezw. Richtigstellung mit: „Doch kann man der Republik es nicht als Vorwurf anrechnen, daß sie ihr Personal dort nimmt, wo sie es findet; ihre Auswahl ist eben nicht groß, und bis die neue replublikanische Generation herangewachsen ist, wird sie sich noch oft mit achtbaren Lückenbüßern begnügen müffin. Nur gegen eine einzige Menschenklaffe verhielt sie sich bis jetzt noch abwehrend: die Israeliten; aber die Versuchung trat schon stark an sie heran, als sich der Israelit Reinach von der „R6publique Franeaise" um den Secretärposten in Bern bewarb. Challemell-Lacour, der Botschafter in der Schweiz, war ihm sehr gewogen und Gambetta schien für die Candidatur gewonnen, als der Plan in der elften Stunde noch scheiterte. Jüdische Offiziere gibt es in Frankreich schon, aber noch keine jüdischen Diplomaten." (In Italien sind unsere Glaubensgenoffen in der Diplomatie hervorragend vertreten; wir erinnern z. B. an Luzzatto und Graf Artom.) Berlin. Herr Hofprediger Stöcker bat sich an das Curatorium der städtischen Irrenanstalt in Dalldorf mit dem Ersuchen gewendet, seine geisteskranke Mutter in die Anstalt aufnehmen zu wollen. Herr Hofprediger Stöcker glaubte sein Gesuch u. A. auch damit moliviren zu sollen, daß die Aufnahme Seitens des Curatoriums um so eher zu bewilligen sei, als das Ableben der Frau Stöcker ohnehin baldigst erfolgen dürste. Wir wollen hierbei bemerken (schreibt der „Bert. Börs. Corr.") daß die Irrenanstalt in Dalldorf nur zur Aufnahme solcher Geisteskranker bestimmt ist, die selbst mittellos sind und auch deren Angehörige sich im Zustande vollständiger Verarmung befinden. Zur Zeit ist Frau Stöcker in einer Irrenanstalt zu Halberstadt untergebracht, wo jedoch sonst nur männliche Kranke Aufnahme finden. Krotoschin, 23. Mai. (Or.-Corr.) Am heutigen Tage wurde von der Gesammtgemeinde als Nachfolger unseres zum Director des Breslauer Seminars berufenen Rabbiner vr. Joöl der Herr vr. Appel, zur Zeit Rabbiner in Homburg v H., fast einstimmig gewählt. Diese Wahl ist für Herrn vr. Appel um so ehrenvoller, als derselbe sich nicht unter den zahlreichen Bewerbern um das hiesige Rabbinat befand, sondern von unserem Vorstande zur Abhaltung einer Predigt aufgefordert worden war. Grünberg, 12. Mai. Unser Mitbürger Herr Adolph Kargau feierte gestern, am 11. d- Mts., das Fest seiner goldenen Hochzeit und gleichzeitig sein fünfzigjähriges Bürgerjubiläum. Die Feier wurde am Vorabend durch ein seitens des Bürger-Gesangvereins gebrachtes Ständchen in angemessen»

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