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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-05-19 · N° 21. (19.5.1880) · p. Seite 183

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 21. (19.5.1880)
Date
1880-05-19
Page
Seite 183 (sequence 5)
Language
German
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— 183 Folge gehabt, als viele jüngere Kräfte gewählt wurden. Die Worte des Herrn N. v. Rothschild werden gewiß geeignet sein, der siegreichen Majorität die Grenze nicht aus dem Auge schwinden zu lassen, welche sie um des Friedens willen innc zu halten haben wird. — Die R6n an'sch en Vorlesungen haben doch schließlich in einer Glorification des Christenthums ge' gipfelt, was allerdings bei Renan nur so ausfallend ist, als er das Gegentheil eines Christgläubigen ist. Frankreich. Paris. Der bei den Rusien hochgeachtete Rabbiner Rabbi Israel Galanter ist hierhergekommen, um eine Vereinigung der hier wohnenden Russisch-Polen und der orthodoxen Deutschen und Holländer zu Staude zu bringen, damit sie gemeinschaftlich einen polnischen Rabbiner anstellen. Vorgeschützt wird, daß sie zumeist nicht Französisch verstehen und ihre religiösen Angelegenheiten nicht von den franz. Rabbinen ordnen lasten können. Es ist ein Streich der Hyperorthodoxen, um auch in Frankreich ihre Separatistengemeinden einzunisten. Freilich ist der Geldpunkt sehr im Wege und der Corresp. des „Jwri" befürchtet, daß die etwa versprochenen Mittel bald nicht mehr fließen würden. Dazu ist der Vorschlag, den der Corresp. des „Jwri" macht, ein Badehaus zu errichten und von der Pacht den Rabbiner zu besolden — ganz geeignet, das Bedürfniß eines besondern Rabbiners zu unterstützen. Doch möge das Pariser Consistorium wohl Acht geben, daß damit nicht „polnische Wirtschaft" und „polnische Wirren" in die dortige Gemeinde gebracht werden! Paris. Die R6publique frangaise berichtet über die Juden in Salonichi. Unter den etwa 100,000 Einwohnern bilden die Juden den beträchtlichsten Theil. 25,000 bezahlen die alte Kavady d. h. Militärsteuer, so mögen Frauen und Greise mitgerechnet, mindestens 40,000 Israeliten dort wohnen. Schiffer und Lastträger, die jetzt wenig verdienen, wohnen sie in armseligen Hütten, sind sehr schlecht gekleidet und ernährt und doch ist die Sterblichkeit nicht größer, als in den großen Städten Europa's. Das Wohlthun thut viel für sie. Einige Mitglieder der Gemeinde sind zu großem Reichthum gelangt und bewähren hier im edelsten Sinne das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Sie unterstützen reichlich und errichten Schulen. In der höheren isr. Schule — der neuesten Gründung — hatten sich jüngst Hunderte Israeliten zu einer würdigen Gedenkfeier Cremieux's vereinigt. Dabei wurde Espagnolisch gesprochen, d. h. ein mit italienischen Worten gemischtes Spanisch. Unter dem Namen „Dolmd's" (Renegaten) leben etwa 4 als 5000 Abkömmlinge der Anhänger Sabbathai Zewi's. Paris. Der verstorbene Naumbourg, der berühmte Cantor des Consistorialtempels der rue Notre-Dame de Nazareth, war in Bayern geboren, wurde, nachdem er in Besaneon als Vorbeter und in Straßburg als Chordirigent gewirkt, 1845 nach Paris berufen. Als musikalisches und organisatorisches Talent hat er Bedeutendes geleistet. Seine Schire- Kodesch und Agudatb-Schirim sind allgemein verbreitet, seine Herausgabe ^>er Salomon Rosti'schen Gesänge noch in frischem Andenken. Seine Stimme war nicht bedeutend, aber kunstvoll wußte er ihre Mängel zu verdecken, so daß sein Vortrag stets die Herzen der Hörer packte. Liebenswürdig und wohlwollend hat er trotz seiner bescheidenen Vermögensverhältniste sehr Viele sich verpflichtet. Vor kaum einem Jahre wurde er mit den Palmen eines Offiziers der Akademie geehrt. In der Geschichte der Pariser Gemeinde (und der synagogalen Musik) hat er sich einen ehrenvollen Platz erworben. Sein Leichenbegängniß fand am Montag, den 3. d. statt. Die Betheiligung entsprach wenig der Bedeutung des Mannes. Die beiden Oberrabbiner sprachen auf dem Friedhofe Montparnaste. Rußland. Petersburg. Die Maßregelung ansländischer israelitischer Kaufleute in Rußland scheint auch die Aufmerksamkeit der Engländer auf sich zu ziehen. Sir John Beddeley, der Petersburger Correspondent des „Standart" bestätigt als Augenzeuge die Wahrheit der Austreibung ausländischer Juden, im speciellen Fall des Kaufmanns D u b e r g e r aus München. Auch in Petersburg selbst scheint man sich einigermaßen dieser Vorgänge zu schämen und sucht sie nur zu entschuldigen, nicht aber zu vertheidigen. Der „Petersburger Herold" behandelt diese Ausweisungsfrage eingehend. Er meint, die Handlungsweise der Behörde könne legal gewesen sein und der Vorwand der Answeisung sei wahrscheinlich in der Nichtbeobachtung gesetzlicher Formalitäten zu finden. Aber indem er die Frage der kirchlichen Sekten und Israeliten bespricht, kommt er zu dem Schlüsse: es sei wünschenswerth, daß solche unzeitgemäße Gesetze beseitigt würden. Nach neuester Mittheilung soll die ganze Angelegenheit durch Mißverftändniß hervorgerufen sein. Die Regierung übersandte den sämmtlichen Gouverneuren derjenigen Gouvernements, in welchen die Juden sich niederlaffen dürfen, eine Vorschrift, statistische und andere ausführliche Daten über die Beschäftigungen rc. der Juden aufzunehmen. Die Gouverneure, welche diese» Vorschrift „nicht verstanden" zu haben scheinen, hatten nichts. Eiligeres zu thun, als die betreffs der Juden bestehenden Verordnungen in Kraft treten zu lasten, wonach eine Verfolgung der Juden nicht nur in Petersburg, sondern auch in der Proviuz enstanden ist. Neuerdings hat nun die Regierung ein Cirkular an alle Gouverneure ergehen lassen, wonach sie befiehlt, die „Maßregeln" gegen die Juden bis auf Weiteres einzustellen, da die Regierung in Bälde (?) in dieser Angelegenheit Reformen eintreten lasten will. (Nou8 verrons! Rd.) Der „Wilnaer Bote" berichtet, daß am 23. April zum allerersten Mal in Rustisch-Polen ein jüdischer Militärarzt Namens J och eles unter allgemeinster Betheiligung mit militärischen Ehren beerdigt worden. Vermischte und neueste Nachrichten. Halle, 18. Mai. Hier tagt beute und morgen die Versammlung der isr. Cultusbeamten Mitteldeutschlands. (Näherer Bericht in der nächsten Nr.) Berlin. Der bekannte Hofprediger Stöcker hat in den Kreisen seiner Collegen Nacheiferer gefunden. Ein ordentliches Dienstmädchen, evangelischer Confession, besuchte vor Kurzem in einer Familienangelegenheit den Herrn Hofprediger 36, zu dem sie Vertrauen gefaßt, da er sie confirmirt hatte. Die Frau Hofprediger war sehr theilnehmend und erkundigte sich eingehend nach ihrem Wohlergehen. — Als die Frau Hofprebiger erfuhr, daß dasselbe in einem vornehmen Hause alles Gute genieße, srug sie das Mädchen auch, ob die Herrschaft öfter die Kirche besuche. „Nein, die Synagoge," war die Antwort, „denn es sind Juden." — Die Frau Hofprediger zeigte nunmehr dem Mädchen, auf welche gefährliche Bahnen sie gerathen, wie ihr Seelenheil darunter leide, wenn sie bei ungläubigen Juden diene. Das Mädchen, das selbst anerkannte, daß sie es sehr gut bei ihrer Herrschaft habe, kündigte ihren Dienst, erzählte aber ehrlich die Ursache. Der jüdische Brodherr, der über 100 christliche Arbeiter beschäftigt, schrieb nunmehr an den Hofprediger, ob er nicht auch seine Arbeiter anders beschäftigen und ernähren wolle, blieb aber ohne Antwort. Dessau, 3. Mai. (Or.-Corr.) Gestern verabschiedete sich unser Prediger Herr vr. Salfeld von uns, um dem an ihn ergangenen Ruf als Rabbiner in M a i n z Folge zu leisten. Die Gemeinde verehrte ihm als Zeichen der Anerkennung und Erinnerung 2 große silberne Candelaber und einen prächtigen Pocal. Der Gewerbe-Verein, der ihm zu Ehren eine größere Abschiedsfeier veranstaltet hatte, überreichte ihm dar, Diplom der Ehrenmitgliedschaft, ebenso ernannte ihn auch der Krieger- Verein zu seinem Ehrenmitgliede. Aus Würzburg wird uns über den Ausfall der Rabbinerwahl gemeldet, daß Herr Rabbiner vr. Koref, zur Zeit in Rawicz, über den Sohn des sel. Rabbiners Bamberger

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