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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-05-19 · N° 21. (19.5.1880) · p. Seite 181

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 21. (19.5.1880)
Date
1880-05-19
Page
Seite 181 (sequence 3)
Language
German
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rück, ja suchen Andere vom Beitragen abzuhalten, weil sie den Zerstörern der Einheit Israels nicht Mittel zur Heranbildung von Vorkämpfern liefern wollen. Ich glaube nicht zu irren, daß aus dem Rheinlande selbst die vielleicht dann wegfallende Gabe des Frankfurter Comit6s mehr als dreimal ersetzt werden würde, wenn — orthodox könnte es immer bleiben — die Versuche zum Hervorrufen eines Austrittsskandals in Köln aufhören würden. Eine eigene Synagoge könnte das Seminar ja behalten, wenn schon dieselbe nicht unumgänglich nöthig ist. Allein sie müßte sich auf die zu der Anstalt gehörigen beschränken und nicht, den Raummangel in der Gemeindesynagoge schlau benutzend, sich immer mehr zur „Richtungssynagoge" erweitern. Was aber vom Comitä dem Director ein für allemal untersagt werden mußte, ist das „sich als Rabbiner aufspielen." Director des Lehrerseminars ist sein ehrenvoller Titel und sein ehrender Beruf, nicht „Rabbiner in Köln" und nicht das Ausüben rabbinischer Functionen, ganz abgesehen davon, daß die dünne Stimme ihm das Redenhalten von selbst verbieten will. Der Sache selbst wegen müßte dieses Treiben, auch das Entscheiden ritueller Anfragen, das Trauen rc. — unterbleiben, denn es schädigt die L e h r thätigkeit des Anstaltsleiters und erweckt die bezeichneten Befürchtungen die der Anstalt ungemein schaden. Sollte aber, was bei dieser Lage der Dinge kaum zu erwarten steht, das Seminar eine reichere Zahl Zöglinge gewinnen und wehr Lehrer entlasien, dann kämen die armen jungen Leute in schlimme Bedrängniß. Gerade die bedeutendsten Stellen blieben ihnen verschlossen. Keine vernünftig geleitete Gemeinde wird sich j den Ast selbst in's Fleisch stecken wollen, wird die „Sendboten der Austrittler" anstellen. Dann mag das Seminar nur seinen Namen ändern in „Seminar für die Austrittsgemeinden Deutschlands", für Rheinland hat es keinen Werth und keinen Nutzen. Ich hoffe, daß der Hinweis darauf im Comitv selbst einen Wiederhall finden wird und daß die Herren Mittel und Wege finden werden, die beregten Uebelstände abzustellen und so es zu fördern, daß das Seminar „für Rheinland" auch ein vom Rheinland genügend dotirtes Seminar werde, deffen Zöglinge hier die Stätten segensreichen Wirkens finden. Trier, Anfangs Mai. (Or.-Corr.) Zu Ende des vorigen Monats wurde seit Jnscenesetzung der famosen Austrittskomödie die erste Leiche eines Diffidenten zur Erde bestattet und zwar ohne Sang und ohne Klang, zur Thüre des Friedhofs und direct in das Grab hinein. Da war kein Geistlicher im Ornat, kein übliches Gebet, keine Leichenrede! Nie hat man in Trier eine derartige Bestattung noch gesehen! Die Behörden haben dem Herrn, der sich als Rabbiner der s. g. orthodoxen Gesellschaft gerirt, nicht gestattet, sich die Rechte des Rabbiners der Synagogengemeinde anzumaßen, sie haben deffen Rechte und die der Corporationsgemeinde trotz aller erdenklichen Mühe seitens der Ausgetretenen bestens gewahrt. Wie mag sich Mancher, der leichten Herzens den Austritt aus der Eorporation bewerkstelligt, daheim in seinem Kämmerlein Vorwürfe gemacht haben, daß er den Verführungsversuchen der Aufwiegler nachgegeben! Wie schwer muß aber das Gewiffen der Letzteren sich belastet fühlen angesichts der heraufbeschworenen Folgen ihres schmachvollen Dichtens und Trachtens, die Gemeindeeinheit und den Gemeindefrieden aus nichtssagenden Gründen in die Winde verweht und vertrieben zu haben! Vielleicht ziehen die auswärtigen Inspiratoren, voran Herr vr. Lehmann in Mainz, der Ordre gab, „die Stunde zu segnen, in der man austrete", die aber ganz gewiß von der Mehrzahl heute nichts weniger als gesegnet wird, aus obigem Vorkommnisse die Lehre, in Zukunft nicht so eilig die Brandfackel der Zwietracht in stille conservative Gemeinden zu schleudern, die noch dazu Alles eher, denn irgendwelche Reformen einzuführen, intendiren. Hoffentlich aber — nur darauf hinzuweisen ist der Zweck dieser Zeilen — werden sich alle jüdischen Gemeinden, deren Frieden in Gefahr ist von außen oder innen gleichsam wie von Bohrwürmern angefreffen zu werden, ermannen und solche Störenfriede, die Herz und Gemüth, Familien- und Freundschaftsbande unbarmherzig und gewiffenlos zu zerreißen trachten, weit, weit von sich weisen! Diese Stunde soll von allen jüdischen Gemeinden gesegnet werden, denn auf solchen Gemeinden wird auch der Segen des Allmächtigen ruhen. (So oft wir von Austrittlern hören, fällt uns das Wort ein, das der Bescht (der Gründer der Ehaffidim-Secte) gesprochen, und das den Zeloten unserer Zeit zeigen dürfte, daß sie tief unter jenem Choßid stehen. Er sagte: Die Gottheit klagt (über die von der Gemeinde Israels Abgefallenen) und spricht, so lange das Glied dem Körper verbunden, ist die Hoffnung auf Heilung nicht geschwunden. Schneidet man aber das Glied ab, ist keine Hoffnung mehr. Jeder Einzelne von Israel aber ist ein Glied der Gottheit. Red.) M. Frankfurt a/M., 7. Mai. (Or.-Corr.) In Nr. 19 der „Jsr. Wochenschr." wird Ihnen aus Frankfurt a/M. über den Verein zur Unterstützung israel. Seminaristen im Großherzoglhum Hessen berichtet und aus den Beschlüssen der Generalversammlung des Vereins ein Angriff gegen die Fricdberger Verwaltung und die Frankfurter Orthodoxie hergeleitet. Es ist nicht meine Sache, das Verfahren der Angegriffenen zu vertheidigen, doch will ich, der ich in der ganzen Sache genau unterrichtet bin, einige irrthümliche Behauptungen in dem betreffenden Artikel berichtigen. Es ist nicht richtig, daß die Negierung in dem zum Herbst zu eröffnenden Seminar in Alzey den israel. Seminaristen Religionsunterricht ertheilen taffen wird, sondern sie hat für den jüd. Unterricht nur eine Subvention von 240 M. jährlich zugesagt. Ob das schon eine Errungenschaft auf dem Gebiete politischer Gleichstellung genannt werden kann? (Ohne Frage. Red.) Ebenso unbegreiflich ist, warum diese Gleichstellung nicht eben so gut in Friedberg, wo der jüdische Unterricht schon ertheilt wird, durch Subvention der Regierung stattfinden könnte. Was in Bezug auf diesen Unterricht gesagt wird, ist ebenfalls unrichtig. Nicht die orthodoxe Partei von hier sendet einen Lehrer nach Friedberg, sondern der Vorstand des Vereins in Friedberg hat auf Empfehlung des Rabb. vr. Horowitz hier einen akademisch gebildeten Religionslehrer angestellt, der bisher 5 Stunden am Sonntag Nachmittag ertheilte, vom 1. April aber zweimal wöchentlich nach Friedberg fährt und neun Stunden in allen Fächern, die für den künftigen jüdischen Lehrer nothwendig sind, unterrichtet. Ebenso kann es durchaus nicht in der Absicht des Vereinsvorstandes liegen, diejenigen von der Unterstützung auszuschließen, welche es vorziehen, das Seminar in Alzey zu besuchen. Es muß ferner noch hervorgehoben werden, daß nicht blos die orthodoxe Partei die in dem Artikel genannte Aenderung des Statuts beantragte, sondern daß auch Vertreter anderer Richtungen dafür eintraten und der Antrag fast einstimmig angenommen wurde. Dafür sprachen u. A. Rabb. Dr. Stein in Worms, Director vr. Bärwald hier, und dagegen nur Herr Klingenstein. Es scheint daher der Einsender jenes Artikels, der noch andere Unrichtigkeiten enthielt, nicht genau unterrichtet gewesen zu sein, indem er die Friedberger Verwaltung wie Frankfurter Orthodoxie für Dinge verantwortlich macht, die theilweise von der Generalversammlung fast einstimmig beschloffen wurden, theilweise nicht der wahren Sachlage entsprechen. Hamburg, 12. Mai. (Or.-Corr.) Der Deutsch-Israelitischen Gemeinde ist dieser Tage von einem Mitglieds des Vorstandes, Herrn Marcus N o r d h e i m, in hochherziger Weise ein Betrag von Mk. 100,000 zur Verfügung gestellt, um den seit längerer Zeit vom Vorstande gehegten Plan, der Verschmelzung der beiden israelitischen Mädchenschulen für Töchter Unbemittelter in Ausführung bringen zu können; an diese Schenkung ist die einzige Bedingung geknüpft, daß die Verwaltung in Händen des Vorstandes verbleiben müffe. Wie nothwendig es ist, Bestimmungen der Art zu treffen, dazu

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